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Auch bei Regen reizvoll: die Alabasterküste in der Normandie [zurück]

Frankreich, Normandie, die Alabasterküste in der Haute Normandie bei Étretat, © ATOUT FRANCE/R-Cast Wer einen Urlaub in der französischen Region Haute-Normandie an der sehenswerten Alabasterküste mit ihren Kreidefelsen plant, wird das Wetter nicht vorausplanen können. Er wäre wohl enttäuscht, hätte er aufgrund von Bildern, die strahlenden Sonnenschein und im Meer Badende zeigen, sich für diesen Teil Frankreichs entschieden und dann im Juli, seiner Reisezeit, wolkenverhangenen Himmel vorgefunden. Dieser lässt zeitweise recht ausgiebigen Regen auch über den saftig grün leuchtenden Feldern im Hinterland niedergehen. Also ist es vernünftiger von vorneherein den alten Spruch zu beherzigen: das Wetter ist nie schlecht, nur die Kleidung falsch.

So ausgerüstet nimmt man Quartier in einem der Orte entlang der Küste, die sich nördlich von Le Havre rund 130 Kilometer lang bis hinter Le Tréport an der Grenze zur Region Picardie erstreckt. Dabei ist die Landschaft der „Hautes Falaises“, der „hohen Kreidefelsen“, mit ihren Küstenorten Saint-Jouin-Bruneval, Étretat, Yport, Fécamp und Saint-Pierre-on Port der reizvollste Abschnitt der „Côte d’Albâtre“.

Hier malten Impressionisten und passierten Flugpioniere die Küste: Étretat

Bei Étretat sind die spektakulärsten Kreidefelsen zu sehen. Bis zu 75 Meter ragen dort die Felswände senkrecht aus dem Meer empor, bilden Grotten, Felsnadeln und –bögen ins Meer. Die Romanfigur „Arsène Lupins“ des Schriftstellers Maurice Leblanc (* 1864, † 1941) soll in einer dieser ausgehöhlten Felsspitzen seine Beute versteckt haben. Für den gemütlichen Besucher bietet sich der Aufstieg zur „Porte d’Aval“ im Ortsbereich an. Sportlichere Urlauber haben die Wahl zwischen einem Rundwanderweg südlich von Étretat (11,5 km, etwa 3,5 Stunden Gehzeit, Höhenunterschied 95 m) oder einer Wanderung von Étretat nach Norden, nach Yport (11 km, etwa 3,5 Stunden Gehzeit, Höhenunterschied 90 m) – immer der Alabasterküste entlang. Zum Aussichtspunkt Nôtre-Dame-de-la-Garde („Unsere Frau zur Aussicht“) oberhalb von Étretat kann man jedenfalls mit dem Auto hinauffahren. Von dort, neben dem Monument zweier im Mai 1927 gescheiterten Flugpioniere, die man hier bei ihrem Versuch einer Nonstop-Überquerung des Atlantiks zum letzten Mal gesehen hatte, bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die Bucht von Étretat und die umliegenden Kreidefelsen, schönes Wetter vorausgesetzt!

Seemöwen empfangen den Besucher in Étretat, wenn man gegen Mittag in den Ort unten am Meer zurückkehrt. Dieser 1 600 Einwohner zählende Ort liegt in einer Senke zwischen zwei Kreidefelswänden direkt am Ärmelkanal. Schon bei der Ortseinfahrt spürt man die Beschaulichkeit und Ruhe dieses Badeortes, wenn es nicht gerade ein Tag in der Sommerhochsaison bei Sonnenschein ist. Die Straßen sind von Fachwerkbauten gesäumt, die hölzerne Markthalle in der Ortsmitte hat den Charakter eines alten Bauwerks, wurde jedoch erst 1926 errichtet. Am Strand kann man auf einer betonierten Uferpromenade flanieren. Dort stehen immer wieder Informationstafeln, die gemalte Bilder von Impressionisten wie Claude Monet, Gustave Courbet oder Georges Seurat zeigen, wie sie genau von jenen Informationstafeln aus vor über einhundert Jahren die Landschaft sahen und malten.

Bis in die 1970er Jahre wehte noch der strenge Kabeljaugeruch durch den Ort – bis zu 30 000 Tonnen Fisch wurden hier jährlich angelandet. Heute lockt der verführerische Duft aus zahlreichen Lokalen. Im Restaurant „Les Roches Blanches“ („Die weißen Felsen“) direkt an der Uferpromenade saßen einige Optimisten (ob des ständig wechselnden Wetters) im Freien, die Realisten zog es ins Innere des Restaurants – das Wetter und die Möwen gaben ihnen Recht. Letztere ließen sich aufdringlich auf den Tischen nieder und nahmen vor den Fenstern Platz, um sich durch die Glasscheiben ihr „Futter“ anzusehen. Dieses „Futter“ sind lokale Fischspezialitäten, Platten mit Muscheln, Schnecken, Austern, Krabben und anderem Meeresgetier, Fischsuppe, aber auch Fleischgerichte und Salate. Ein Glas Cidre, der Apfelwein der Normandie, passt eigentlich überall dazu und zum süßen Nachtisch wird ein „trou normand“ angeboten, ein „normannische Loch“. Dabei handelt es sich um den normannischen Apfelschnaps Calvados, der zwischen zwei Gängen oder eben auch nach dem Essen ein „Loch“ im Magen für den nächsten Gang schaffen und eine angenehme Verdauung anregen soll.
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Zentrum der Alabasterküste und Herkunft eines Kräuterlikörs – Fécamp.

Von Yport wird es nach dem Mittagessen wohl noch zu bald sein. Aber einen Spaziergang in Fécamp sollte man unternehmen. Eine halbe Stunde benötigt man von Étretat nach Fécamp, wo man zunächst zur Kapelle Nôtre-Dame-du-Salut hinauffährt. Von dort aus hat man einen schönen Blick über die wiederum in einer Senke zwischen zwei Kreidefelsen liegende Stadt mit etwa 20 000 Einwohnern. Man sieht dann auch schon die Sehenswürdigkeit, die besichtigt werden sollten: Die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit (Sainte-Trinité), der älteste und bedeutendste Sakralbau an der Côte d’Albâtre, und das Palais Bénédictine, in dem der berühmte Likör Bénédictinehergestellt wird. Doch bevor man in die Altstadt hinüber wechselt, fährt man durch die Hafenanlagen der Stadt, wo einerseits das moderne Fremdenverkehrsbüro der Stadt und seiner Umgebung zu finden ist, andererseits gerade ein neues Museumsgebäude entsteht (Sommer 2012). Darin soll das „Musée des Terre-Neuvas et de la Péche“ - das „Museum Neufundlands und der Fischerei“ – eine neue Heimat finden. Bis in die 1970er Jahre fuhr die Fischereiflotte von Fécamp bis an die Küsten Neufundlands.

Ein Besuch in der Dreifaltigkeitskirche lohnt sich, ist doch schon alleine die extreme Länge des Kirchenbaus außergewöhnlich. Die Geschichte dieses Kirchenbaus begann noch vor 1175, als der Vorgängerbau durch Blitzschlag zerstört wurde. Zu den Besonderheiten in der Kirche gehören eine Figurengruppe aus 1495 im rechten Seitenschiff, die den Tod Mariens darstellt sowie das marmorne Tabernakel mit der Reliquie des Heiligen Blutes.

Wer nicht gerade freitags oder samstags in Fécamp ist – da findet der wöchentliche Fischmarkt statt – kann wenigstens immer Cidre ab Hof im Land kaufen. Man sollte einfach auf die Hinweisschilder achten. Dickmachen könnte vielleicht ein Besuch im Schokoladenmuseum in Fécamp – Insidern beichten, dass die handgemachte Schokolade süchtig macht!

Schiffsnostalgie

Michel-Patrick, genannt Mil’Pat, ein alter Langusten-Fischkutter aus den 1960er Jahren wurde in den 1990er Jahren liebevoll restauriert. Damit bietet das Tourismusbüro von Fécamp entlang der Alabasterküste an. Während den zwei- oder vierstündigen Ausfahrten erleben dabei die Gäste die Landschaft der Kreidefelsen vom Meer aus. Wohl besonders eindrucksvoll sind die abendlichen Fahrten, bei denen man das Schauspiel der untergehenden Sonne vom Meer aus erleben kann.
Frankreich, Normandie, Michel-Patrick in Fécamp © Office intercommunal de Tourisme Fécamp Frankreich, Normandie, Michel-Patrick in Fécamp © Office intercommunal de Tourisme Fécamp Frankreich, Normandie, Michel-Patrick in Fécamp © Office intercommunal de Tourisme Fécamp Frankreich, Normandie, Michel-Patrick in Fécamp © Office intercommunal de Tourisme Fécamp Frankreich, Normandie, Michel-Patrick in Fécamp © Office intercommunal de Tourisme Fécamp
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Im Hinterland der Alabasterküste

Auf der Weiterfahrt Richtung Norden an das Ende des Zentralbereichs der Alabasterküste, der „Hautes Falaises“ sollten Sie einen Abstecher ein paar Kilometer ins Landesinnere unternehmen. Nichts Spektakuläres erwartet dort den Besucher, aber ein geschichtlich interessantes Schlosshotel, das Château de Sassetot in der beschaulichen Gemeinde Sassetot-le-Mauconduit. In diesem verschlafenen normannischen Nest urlaubte die österreichische Kaiserin Elisabeth von Österreich im August und September 1875. Für ihre Bäder im Meer ritt sie in den nahegelegenen Badeort Les Petites Dalles.

Die Alabasterküste ist ein Wander- und Vogelparadies. Der Weitwanderweg GR21 führt von Eu, einer Stadt im Norden, bis nach Le Havre im Süden, entlang der Kreidefelsen. In deren Felswänden nisten u. a. der Wanderfalke, die „große Möwe“ oder der „große Kormoran“. Im Hinterland findet man Eichenwälder, Flachs- und Rapsfelder sowie Apfel- und Birnbäume. Das „Pays de Caux“ und seine Region ist Frankreichs wichtigster Flachsproduzent. Die Flachsfasern werden für die Herstellung von Stoffen, Leinölen und Isolationsplatten verwendet.

Östlich von Fécamp gräbt sich das Tal des Flusses Ganzeville in das Pays de Caux und bietet seltenen Pflanzen wie beispielsweise vier Orchideearten Lebensraum. Und immer wieder überraschen Herrenhäuser (Manoirs) den Reisenden, oft mit Taubentürmen ausgestattet, einst ein Privileg, das Gutsherren („Seigneurs“) und Eignern von Lehnsgütern vorbehalten war. Neben dem Symbol von Macht und Reichtum hatten diese Taubentürme allerdings auch einen nützlichen Charakter. Der Taubenmist eignete sich hervorragend als Dünger, der so eine intensive Landwirtschaft zuließ.

Fährt man den Ganzeville weiter entlang, kommt man nach Valmont. Dort kann man die Abtei Nôtre-Dame du Pré besichtigen, die 1169 gegründet wurde.

Wichtige Adressen:

Über die Hautes Falaises informiert „Pays d’accueil Touristique des Hautes Falaises“ in Fècamp
E-Mail: info@paysdeshautesfalaises.org
Internet: www.paysdeshautesfalaises.org

Über Étretat: Office de Tourisme
E-Mail: ot-etretat@wanadoo.fr
Internet: www.etretat.fr

Über Sassetot-le-Mauconduit: Office intercommunal de Tourisme
E-Mail: oti.cantondevalmont@gmail.com
Internet: www.normandie-littoral.com

Über Fécamp: Office intercommunal de Tourisme
E-Mail: info@fecamptourisme.com
Internet: www.fecamptourisme.com

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