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Gipfelstürmer am Großglockner

Die Geschichte der "Großen Bergpreise" in Österreich
Der "Große Bergpreis von Österreich" auf der Großglockner
Hochalpenstraße
Das Internationale Bergrennen 1935
Damen beim Rennen 1935
Der Rennverlauf 1935
Der "Große Bergpreis von
Deutschland" 1938
Der "Große Bergpreis von
Deutschland" 1939
Die Großglockner Rennen nach 1945
Die Geschichte der "Großen Bergpreise" in Österreich
Österreich fehlte es in der Zwischenkriegszeit zwar nicht an
Bergrennen an sich: Exelberg bei Wien, Semmering, Gaisberg bei Salzburg (seit
1929) u. a. Aber es gab kaum große internationale Bergrennen wie beispielsweise
in der Schweiz das Klausenpassrennen (seit 1922) oder Schauinsland bei Freiburg
im Breisgau (seit 1923).
Erst mit dem Gaisbergrennen ab 1929 und einmal 1935 mit dem
ersten internationalen Großglockner Bergrennen fanden zwei Europa weit bekannte
Bergrennen in Österreich statt. Diese hießen damals aber noch nicht "Großer
Bergpreis".
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, 1957, fand am Gaisberg bei
Salzburg der erste "Große Bergpreis von Österreich", wieder mit internationaler
Beteiligung statt. Dieses Bergrennen war sowohl für Automobile als auch für
Motorräder ausgeschrieben.
Wenn auch die Bezeichnung "Großer Bergpreis von Österreich" vor dem
Zweiten Weltkrieg noch nicht in Verwendung war, so kann man aber die Bergrennen
in Salzburg am Gaisberg und am Großglockner durchaus als solche bezeichnen.
Alle drei Bergrennen auf der Großglockner Hochalpenstraße waren sowohl für
Automobile als auch für Motorräder ausgeschrieben. Beim Gaisbergrennen gab es
auch Jahre, in denen nur Automobile an den Start gingen.
Der "Große Bergpreis von Österreich" auf der Großglockner
Hochalpenstraße
Gerade die Großglockner Hochalpenstraße als zentraler Alpenübergang
bot dann neben der touristischen Zielsetzung, der Funktion als
Alpentransitstrecke, auch die Möglichkeit für Österreich, eine Bergrennstrecke
zu schaffen, die internationalen Anforderungen entsprach.
Das Internationale Bergrennen 1935
Als nach fünfjährigem Bau der Großglockner Hochalpenstraße im Jahre
1935 diese Nord-Süd-Strecke fertig gestellt war, gab die Prominenz des
österreichischen Motorsports eine mächtige Demonstration ihrer Präsenz. Das
erste internationale Großglockner-Rennen fand am Sonntag, 4. August 1935
statt, nur einen Tag nach der feierlichen Eröffnung der Straße. Es sollten noch
zwei weitere folgen, 1938 und 1939; sie trugen der politischen Entwicklung
entsprechend bereits den Namen „Großer Bergpreis von Deutschland“.
Trotz politischer Probleme nahmen am ersten Rennen 1935 viele
ausländische Fahrer daran teil: Bei den Automobilen kamen Tadini, Ballestrero,
Pintacuda, Strazza und Villoresi aus Italien; Hans Kessler, Max Christen und
Christian Kautz vertragen die Schweiz; Zanelli kam aus Spanien, Bruno Sojka und
die Brüder Georg und Zdenek Pohl sowie Ingenieur Proskowetz aus der
Tschechoslowakei. Aus England waren Richard Seaman und Thomas Clarkes, aus den
Niederlanden Cornelius, aus Belgien Cocagne, aus Frankreich Pierre Rey und
Comte de Bremond, aus Ungarn schließlich die Fahrer Wilheim und Delmar. Die
österreichische Beteiligung bei den Autos war gering, aus Deutschland waren die
Bergspezialisten Bobby Kohlrausch mit seinem 750-cm³-Kompresor-MG, Rudolf
Steinweg und Walter Bäumer am Start.
Bei den Motorradfahrern war die Situation umgekehrt: hier
stellten die Österreicher das Gros mit den Berg erfahrenen Martin Schneeweiß,
Michael Geyer, Hermann Deimel und Otto Steinfellner an der Spitze, während nur
wenige Ausländer daran teilnahmen. Aus der Schweiz waren es die beiden
NSU-Spezialisten Hans Stärkle mit seiner Frau im Beiwagen und Hans Kaufmann,
aus Italien Radames Bianchi, aus Ungarn Gyula Patho und aus Deutschland der
Münchner Schnitzelbaumer.
Damen beim Rennen 1935
Auch Damen nahmen an diesem ersten int. Bergrennen teil: bei den
Automobilen war es Miss Eileen Ellison auf Bugatti. Sie erreichte in der
Rennwagenklasse bis 1.500 cm³ eine sehr beachtenswerte Zeit, placierte sich
ehrenvoll und erhielt den Damenpreis.
Bei den Motorrädern war es Frau Maria Wachter aus Bürs, Vorarlberg,
Österreich, auf Puch 250, die als erste bei den Motorradklassen startete.
Allerdings schied sie im Laufe des Rennens aus.
Der Rennverlauf 1935
4. August 1935: Auf der anfangs noch regennassen 19,5 Kilometer
langen, damals noch größtenteils aus gewalzter Sandstraße bestehenden Strecke
gewann bei der 250 cm³ Klasse der Italiener Bianchi auf seiner Miller Balsamo
(der Schnellste war eigentlich der Salzburger Ludwig Zangerl auf Rudge gewesen,
er wurde aber wegen eines Regelverstoß disqualifiziert); in der 350 ccm Klasse
gewann der Wiener Hermann Deimel auf Velocette mit einem Schnitt von 72,7 km/h;
in der Halbliterklasse war Michael Gayer (siehe Bild
unten), ebenfalls ein
Wiener, auf seiner Werks-Husqvarna-Zweizylinder erfolgreich und kam auf 75,4
km/h Schnitt. Die schnellste Motorradzeit absolvierte der damals noch nicht auf
Sandbahnen spezialisierte Martin Schneeweiß, ebenfalls aus Wien, in der
Klasse über 500 cm³. Mit seiner Austro Omega (600 cm³ JAP Motor) schaffte der
einen Schnitt von 76,5 km/h, was einer Zeit von 15:17,57 entsprach.
Bei den Automobilen gelang die beste Sportwagenzeit dem Italiener
Carlo Pintacuda, dessen von der Scuderia Ferrari stammende Alfa Romeo einen
Schnitt von 76,7 km/h (15:15,69 min.) hinlegte, nur knapp zwei Sekunden
schneller als der schnellste Motorradfahrer. Höhepunkt bei den Rennwagen war
die Fahrt von Mario Tadini, der mit seinem Alfa, ebenfalls von der Scuderia
Ferrari in einer Zeit von 14:42,74 min. (79,59 km/h) hinauf schoss.
Der "Große Bergpreis von
Deutschland" 1938
Trotz des Fernbleibens der damals im Zenit des allgemeinen
Interesses stehenden Marken Auto Union und Daimler Benz war das
Großglocknerrennen 1935 ein glanzvolles Ereignis.
Die 1938 und 1939 folgenden Veranstaltungen brachten zwar die
großen Werksrennställe an die Großglocknerstraße, doch wurde die Atmosphäre
durch schlechte Wetterverhältnisse stark beeinträchtigt.
1938 blieben die Starterzahlen in bescheidenen Grenzen. Bergkönig
Hans Stuck auf Auto Union, Hermann Lang auf Mercedes und Manfred von
Brauchitsch waren bei den Automobilen dabei, bei den Motorradfahrern
traten neben vielen Teilnehmern des ersten Rennens in diesen Jahren Ewald Kluge
auf DKW und Leonhard Fassl auf NSU an den Start.
Die wichtigsten Ergebnisse vom Rennen der Motorräder am 28. August
1938: Ewald Kluge wurde deutscher Bergmeister in der 250 cm³ Klasse auf DKW mit
einem Schnitt von 68,46 km/h (das schlechte Wetter verhinderte neue
Rekordzeiten) vor Gablenz (D) und Manfred Magnus (A). Er schlug meiner seiner
Viertellitermaschine die 350er und 500er! Die 350 cm³ Klasse gewann der
Deutsche Siegfried Wünsche auf DKW, die 500 cm³ Klasse Hofmann aus München auf
DKW.
Huschke v. Hanstein auf BMW 2 Liter wurde als dritter der Klasse
bis 2.000 cm³ mit einem Schnitt von 65,77 km/h deutscher
Sportwagen-Bergmeister, da die beiden vor ihm placierten Teilnehmer aus England
und Rumänien stammten; Hans Stuck auf Auto Union deutscher
Rennwagen-Bergmeister mit einem Schnitt von 74,40 km/h, gefolgt von Hermann
Lang auf Mercedes Benz und Manfred von Brauchitsch, ebenfalls auf Mercedes
Benz.
Übrigens wollte man 1938 zunächst das Rennen von Fusch bis auf die
Franz-Josefs-Höhe in 2.346 Meter Seehöhe fahren - 33,5 km: Von Fusch bis zum
Fuscher Törl (12,6) als ersten Lauf, dann eine neutralisierte Strecke, und als
zweiter Lauf die Strecke von Guttal zur Franz-Josefs-Höhe (7,3 km). Aber wegen
Schlechtwetters gab es ungenügende Trainingsmöglichkeiten und so entschied die
ONS (Oberste Nationale Sportkommission) unter Leitung von Korpsführer Hühnlein,
dass das Rennen in zwei Läufen nur von der heutigen Mautstelle Ferleiten bis
zum Fuscher Törl (12,6 km) stattfinden sollte.
Leider existiert von der nachfolgenden Episode kein Bild:
Stielaugen machten die „Ostmärker“ beim Glockner Rennen 1938, als ein blaues
Automobil, ein ganz normaler Tourenwagen, noch nie dort gesehen, lustig die
Großglockner Rennstrecke hinauf brummte. Der Lautsprecher gab bekannt, dass
dieses Fahrzeug für die 12,5 km lange Rennstrecke 21:54,4 Min benötigte und
einen Schnitt von 34,5 km/h erreichte. Gänzlich ohne zu kochen, gänzlich ohne
nach Kühlwasser zu lechzen. Am Steuer ein berühmter Mann: Prof. Ferdinand
Porsche, und das Automobil - der „KdF-Wagen“, Deutschlands Volkswagen!
Prof. Ferdinand Porsche, der ein
Konstruktionsbüro in Stuttgart betrieb, hatte diesen Volkswagen im Auftrag der
damaligen deutschen Führung. Prof. Porsche war dann im Zweiten Weltkrieg
gezwungen, seine Firma nach Gmünd in Kärnten auszulagern. Dort entstanden nach
dem Krieg die ersten Porsche-Modelle. Als die Firma ihren Sitz wieder nach
Stuttgart zurück verlegte, gründete er die älteste Porsche-Werkstätte in
Österreich, die Firma Porsche in der Alpenstraße in Salzburg. Übrigens
konstruierte Prof. Porsche auch jenen Auto Union Rennwagen Typ C, der mit rund
520 PS die Rennen Mitte der 30er Jahre dominierte. Dieser Rennwagen kam auch
bei den drei Glockner Rennen zum Einsatz.
Der "Große Bergpreis von
Deutschland" 1939
Schon die Trainingstage waren verregnet. Am Renntag selbst , dem 6.
August 1939, zeigte sich der Großglockner von seiner schlechtesten Seite:
starke Regenfälle, Gewitter, Sonnenschein und Nebel wechselten sich den ganzen
Tag über ab. Der Nebel wurde teilweise so dicht, dass die Sichtweite unter 20 m
lag.
; Bei den Motorrädern siegte in der Klasse bis 250 cm³ der Wiener
Martin Schneeweiß auf DKW mit einem Schnitt von 63,04 km/h, die 350 cm³ Klasse
gewann Leonhard Fassl, ebenfalls aus Österreich, auf NSU. Bei den 500ern
behauptete sich der Sieger des ersten Laufes, Georg Mittenwald auf DKW mit
einem Schnitt von 66,85 km/h.
Das wirklich miserable Wetter drückte sich auch in den Zeiten aus:
Erster Lauf: In der Rennwagenklasse bis 1.500 cm³ fuhr Rocco (I) auf einem der
fünf gestarteten Maserati einen Schnitt von 78,13 km/h. Jedoch Höhepunkt des
ersten Laufes waren die ganz großen Rennfahrer seinerzeit. Müller auf Auto
Union erreichte einen Schnitt von 84,86 km/h vor Hans Stuck, Auto Union und
Lang Mercedes Benz (84,70 km/h) und Hermann Lang, ebenfalls auf Mercedes Benz
mit 84,73 km/h.
v Dann der zweite Lauf: Rocco (I) behielt seinen ersten Platz, aber
nur mehr mit einem Schnitt von 69,53 km/h. Müller - 65,19 km/h, Stuck - 65,10
km/h, Lang 67,45 km/h (er wurde an diesem Tag auch Gesamtsieger und deutscher
Bergmeister) - v. Brauchitsch mit 60,68 km/h.
Wenig später brach der Krieg aus.
Die Großglockner Rennen nach 1945
Der Großglockner wurde nie mehr im Renntempo erstürmt. Viel zu
dicht ist heute der Ausflugsverkehr geworden, als dass man diese Straße über
ein Wochenende sperren könnte. Auch würden die Sicherheitsanforderungen mit den
Gegebenheiten nicht mehr in Einklang zu bringen sein. Doch die großen
Bergrennen an dieser berühmten Strecke sollten nicht der Vergessenheit anheim
fallen.
So kam es schon einmal zu einem Wiedersehen mit dem Motorsport auf
dem Großglockner: 1985 kamen anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Straße
etwa 100 Automobile und Motorräder aus der Zeit vor 1940. So war auch Hans
Hermann mit dem Mercedes W 196, dem „Silberpfeil“, gekommen. Und natürlich war
Prof. Dr. Helmut Krackowizer dabei und freute sich trotz des schlechten Wetters
über das Aufleben längst vergangener Zeiten.
Eine Neuauflage der Motorradrennen gibt es in geänderter Form seit
2002. Die "Großglockner Trophy" für historische Rennmotorräder bis Baujahr 1962
fand 2002, 2004 und 2006 in Erinnerung an den 2001 verstorbenen
Rennprofessor Dr.
Helmut Krackowizer statt.
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