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Italien, meine "zweite Heimat"

Was gefällt Euch und was gefällt Euch an Italien nicht - das lest Ihr hier

  • stimmungsvolle Aufnahme aus dem Piemont

        Sie werden jetzt sagen, es gibt doch viel interessantere Länder als Italien. Da gebe ich Ihnen schon recht, aber wenn Sie sich einmal die Zeit genommen haben, die verträumten Ecken Italiens kennen zu lernen, Italien in ruhigen Monaten zu bereisen - dann werden Sie mir Recht geben, dass verrückt nach Italien wird.

        Vado matto per l'Italia...

        Italien ist in 20 Regionen eingeteilt: in mindestens 20 verschiedene Küchen, in mindestens 20 verschiedene Mentalitäten, in mindestens 20 verschiedene Dialekte - um Italien kennen zu lernen reicht es nicht aus, nur nach Triest oder an den Gardasee zu fahren. Immer wieder entdecke ich romantische Orte und verträumte Ecken in diesem Land, "wo die Zitronen blühen".
        Zugegeben, meine Sprachkenntnisse öffnen mir die eine oder andere (Keller-) Tür. Doch allein die Atmosphäre, die in so vielen Städten und Dörfern zu spüren ist, macht dieses Land so liebenswert: der alte Zisternenplatz in San Gimignano, wo die Bauern zu einem Schwatz und einem Glas Wein zusammenkommen; die Laubengängen um den Marktplatz von Mantua, wo jeden Donnerstag der große Markt stattfindet; das verschlafene Dorf Asolo über der venezianischen Tiefebene, wo man in der Bar bereits weiß, dass ein Touristenbus unten im Tal angekommen ist ..., das kleine süditalienische Dorf, das während der Siesta wie ausgestorben wirkt und am Abend mit Leben überschäumt oder die Bauern in Apulien, die ihre Olivenbäume fast zärtlich pflegen und die Erde um die Bäume herum so sauber jäten wie einen englischen Rasen.
        Es ist einfach milder, das Klima dort. Wenn bei uns noch der Schnee von den Bergen schaut, kann man in Italien bereits einen Kaffee auf der Piazza trinken; und wenn bei uns der Herbstwind die Blätter von den Bäumen fegt, wärmen noch kräftige Sonnenstrahlen südlich der Alpen und die Menschen sitzen vor den Bars bei einem Glas Wein.
        Jedes Jahr freute ich mich auf die letzten Reiseleitungen im Spätherbst nach Italien, bevorzugt mit (letztem) Aufenthalt in Abano oder Montegrotto. Wenn es draußen zu dunkeln begann, aalte ich mich im 38°C-warmen Thermalwasser im Hotel eigenen Hallen- und Freibad.
        Die Euganeischen Hügel mit ihren uralten Dörfern wie Arquà Petrarca - hier lebte der berühmte Dichter Francesco Petrarca, mit ihren verspielten Parks wie jener des Schlosses in Valsanzibio oder ein Besuch in der Abgeschiedenheit der Abtei von Praglia - da atme ich noch einmal kräftig durch und lasse mich von der südländischen Atmosphäre gefangen nehmen.
        Eine andere Kurzreise brachte mich einst zur Olivenernte nach Apulien. Das war eine unterhaltsame Partie: da steht man unter dem Baum, einen kleinen Rechen in der Hand (so wie das Sandkastenspielzeug) und steigt in rotbrauner Erde herum. Mit dem Rechen holt man die Oliven von den Zweigen. Nach getaner Arbeit und einigermaßen dreckigen Schuhen erholt man sich bei einer kräftigen Jause. Ich gebe allerdings zu, dass ich selbst sauberen Schuhs blieb und lediglich meine (wenig geschätzten) Ratschläge den "Erntehelfern" erteilte. Anschließend fuhren wir zu einer Ölpresse und konnten miterleben, wie aus den Oliven das gesunde Öl wurde. Schon den Römern war bekannt, dass kalt gepresstes Olivenöl sehr gesund ist. Es verhindert Arterienverkalkung und senkt den Cholesterinspiegel im Blut. Die Olive ist, nebenbei bemerkt, die Grundlage für viele Diät-Programme!
        Natürlich finde ich auch immer wieder Orte der Ruhe und inneren Einkehr. Tiefe Gläubigkeit entdeckte ich in den Kathedralen von Otranto und Bari, wo an jeder Hausecke ein Heiligenbild hängt (manchmal elektrisch beleuchtet ...); bei Begräbnissen, übrigens, klatscht man, wenn der Sarg aus der Kirche getragen wird; oder ein Aufenthalt in Sant Antimo in der Südtoskana - Grillengezirpe, Kuhlglockengeläute, leiser Chorgesang der Mönche, uralte, sich im Stamm windende Olivenbäume rings um die romanische Kirche, der nächste Ort weit entfernt. Sie müssen aber in der Früh bald dort sein, noch bevor die Studienreisengruppen und andere Touristenscharen einfallen!
        Versuchen doch auch Sie es einmal und besuchen Sie weniger bekannte Regionen und Gebiete dieses wirklich herrlichen Reiselandes. Wir könnten noch lange weiter plaudern, aber Italien muss man selbst ERLEBEN!


    Ci vediamo - wir sehen uns - in Italien
    Peter Krackowizer
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    Autor:
    Peter Krackowizer
    Datum:
    überarbeitet im Sommer 2010
  • Was gefällt Euch und was gefällt Euch an Italien nicht...

       so lautete die Frage in einem Italien-Forum. Man fühle sich stets unsicher, ob sein Auto nach einer Besichtigung noch da stehe, war eine der Antworten. Da musste ich natürlich etwas dazu schreiben: Das einzige Mal, dass mir in mein Auto eingebrochen wurde, war in Salzburg-Nobelvorort Anif- um 18.30 Uhr im März... aber in Italien, in das ich seit mehr als 20 Jahren mit privatem PKW ebenso wie mit Reisebussen fahre, habe ich privat noch keinen einzigen Einbruch gehabt und bei den Reisebussen vielleicht von 10 Fällen in diesen Jahren gehört. Aber auch das ist in meinen Augen nicht ungewöhnlich. Denn in Tschechien, Polen, Frankreich und Spanien kommt das auch mindestens so häufig vor.
        Tja, stört mich was an Italienern oder Italien? Ich meine, ebenso viel oder wenig wie an Österreich und Österreichern, meiner Heimat.
        Man muss die Eigenheiten des Landes und des Volks hinnehmen als deren Gegebenheiten. Italiener beschweren sich bei uns über die unverschämten Mineralwasser- und Weinpreise in den Restaurants - aber das ist halt so bei uns.
        Was gefällt mir an diesem Land so. Da wird es schon einfacher: die Lebensart, der Umgang mit Problemen und der Zeit, der Lebensrhythmus - das "no problem"-Syndrom!
        Ein Gespräch mit einem Einheimischen bei ein paar Glaserln Wein, eine hitzige Diskussion beim Qualifying eines Formel-1-Laufes vor dem Fernseher, die Freundlichkeit der Menschen je weiter man in den Süden des Landes kommt und und und...
        Touristen wird es halt meist wie überall ergehen: einmal oder zweimal fahren sie nach Italien, haben gute oder schlechte Erfahrungen gemacht und danach beurteilen sie dann das Land. Wie sollten sie auch anders? Aber um ein Land wirklich kennen zu lernen, muss man lange und oft dorthin reisen, noch besser dort leben, und wenn es nur zeitweise wäre.
        Und so gesehen - kenne ich nach über 20 Jahren Italien noch immer nicht wirklich...
        meint Peter
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    Autor:
    Peter Krackowizer
    Datum:
    überarbeitet im Sommer 2010

Bilder


Peter Krackowizer, Reise-Experte & freier Journalist, Anif bei Salzburg, Österreich