Zu Beginn möchte ich mit Vorurteilen gegenüber Italien und Italiener aufräumen:
Vorurteil 1 - in Italien wird nur gestohlen! Richtigstellung: In Italien wird nicht mehr gestohlen als in vielen anderen Ländern auch. Einer Statistik nach steht Spanien an erster Stelle, gefolgt von Frankreich und Polen, und erst dann kommen Länder wie Italien oder Deutschland. Also, wo immer viele Menschen sind, ist man dem Risiko von Diebstählen ausgesetzt.
Vorurteil 2 - Italien ist teuer! Richtigstellung Nr. 1 dazu : es ist auf der ganze Welt überall gleich: Dort, wo sich touristische Zentren entwickeln, werden die Leute geneppt: Paris - Nôtre Dâme - ein Bier - rund ¤ 5,80 (2005); Salzburg - diverse Kaffeehäuser in der Altstadt - ein Verlängerter über ¤ 3.-- (2008), London - Zentrum - ein gutes Mittagessen mehr als ¤ 30.--; und in Italien ist es ganz gleich: wenn Sie in Florenz beim Palazzo Vecchio einen Kaffee trinken, kostet er fünfmal soviel wie um die Ecke in einer unscheinbaren Seitengasse; in der Südtoskana, in den kleine Dörfern, essen Sie zu Mittag inkl. Wein um rund ¤ 18.--; in Grado gibt es eine Bar, wo nur Einheimische zu finden sind, dort kostet das Glas Wein rund ¤ -,60; im Mai 2007 trank ich in Neapel eine Halbe Bier um ¤ 1,50... der Kaffee im Stehen getrunken, kostet vielleicht 70 Cent im Sitzen ¤ 2,60 - das wissen halt die Italiener und in den Reiseführern steht es auch, man muss sich eben den Landessitten anpassen.
Richtigstellung Nr. 2: Wo ich allerdings die Italiener nicht mehr verteidige, das sind ihre Übernachtungspreise: ¤ 48.-- Halbpension in der Vorsaison in einem 3-Sterne-Hotel in Bibione, ¤ 72.-- in Hochsaison oder Nächtigung mit einfachem Frühstück ¤ 70.-- in Rom. Alles Preise pro Person! Doch sei hier auch eine angenehme Ausnahme erwähnt: das Hotel Elefant in Auer, Südtirol, verrechnete mir bei einer Gruppe Anfang Mai 2008 weniger als ¤ 10.-- für den Halbpensionszuschlag - man sieht, es ginge auch anders!
Vorurteil 3 - die Italiener sind alle Gauner! Richtigstellung: Wie überall auf der Welt kann ich bestenfalls akzeptieren: Gelegenheit macht Diebe! Eine vergessene Fotoausrüstung in einem Restaurant in der Nähe des Gardasees wurde acht Stunden später dem zurückgekehrten rechtmäßigen Besitzer wohlbehalten zurückgegeben; in Süditalien können Sie den Zündschlüssel in Ihrem Auto stecken lassen, vorausgesetzt Sie wohnen im "richtigen" Hotel. "Richtig" steht hier für ein Haus, das sich in die "Obhut" der "Ehrenwerten Gesellschaft" begeben hat. Diese "Ehrenwerte Gesellschaft" ist die italienische Bezeichnung für das bei uns übliche Wort Mafia.
Vorurteil 4- Italiener sind arbeitsfaul. Richtig ist, dass es bereits ab Mai in Mittel- und Süditalien ziemlich heiß werden kann. Und wenn es dann in Fabriken, unklimatisiert, mittags um 30° bis 35° Grad hat, macht man eben Pause bis 3 oder 4 Uhr am Nachmittag und arbeitet eben dafür bis 10 oder 11 Uhr abends.
Übrigens, wenn Sie in Italien mit 30 Leuten zum Mittagessen unangemeldet in einem Restaurant aufkreuzen, schlägt der Padrone die Hände zusammen, schimpft mit Ihnen, warum Sie nicht angerufen hat, schickt Sie und Ihre Leute an die Bar und teilt Ihnen mit, dass in einer halben bis dreiviertel Stunde "irgendein bescheidenes" Essen am Tisch stehen wird, das dann ein kulinarisches Menü ist!
Und in Österreich? Schon mehrmals erlebt: 4 Sterne Hotel in Tirol: "...wir haben heut' so ein gutes Geschäft gehabt, wir wollen Ihre Gruppe nicht" so geschehen Ende Oktober um 13 Uhr! oder in der Wachau:" ...wos, 20 Leit a Jausn? Na, des is ma zvüh Oabeit!..." [Übersetzung: Was, 20 Leute möchten eine Jause? Nein, das ist mir zuviel Arbeit]
Wer sich nur ein wenig mit den Leuten in Italien und ihrer Mentalität befasst, wird auch bald Freunde finden. Klar, wenn man gleich alle mit "Du" anredet und in komischen Sätzen spricht - "Du haben Vino und gute Spaghetti von Mama" wird man belächelt und "ungenau" behandelt werden. Wie würden denn wir in Österreich reagieren auf: "Du bringen mir Speck, ham ham..."?