Mein Vater verstarb am 22. Okt. 2001 in Salzburg nach einem schweren Herzinfarkt, der er am Montag,
den 15. Oktober hatte, im 80. Lebensjahr.
Er erlitt diesen dritten Infarkt eigentlich bei seiner
Lieblingsbeschäftigung: er hatte an einem dieser herrlichen Herbsttage eines
seiner Lieblingsmotorräder, eine Rudge 250 cm³, mit einem Anhänger von einem Bekannten geholt, wo sie eingestellt war.
Er hatte vor, sie zu einer Ausstellung im Technischen Museum in Wien bringen. Meine Schwester und meine
Mutter wollten ihn an diesem Tag nicht fahren lassen - aber, erstens, hatte mein
Vater seinen Schädel und zweitens hätte man ihn nie von Tätigkeiten im
Zusammenhang mit Motorrädern abhalten können. Er kam mit dem Motorrad am Anhänger noch bis fast nach Salzburg-Aigen,
nach Hause, bevor er, gerade noch an einer Tankstelle anhaltend, seinen Infarkt erlitt.
Er war bis zu seinem Tod ein "Unruhegeist", der schon darunter litt,
nicht mehr so mobil zu sein, wie früher. Vor dem Gartentor stand noch sein
Motorrad für die täglichen Fahrten in die Stadt.
Sein Leben war hauptsächlich von Motorrädern, bestimmt, aber auch von Automobilen
("Notgedrungener Maßen muss ich zum Broterwerb ja auch einer Tätigkeit nachgehen" sagte
er einmal in einem Interview). 1939, als Siebzehnjähriger, saß er bereits auf einer Norton
"International" 500 cm³. In den Sommerferien arbeitete er als Jugendlicher in
Mechanikerwerkstätten und besuchte Rennen. Schon als Kind war er mit seinem Vater beim
Gaisbergrennen gewesen.
Im Zweiten Weltkrieg versuchte er, wo immer er war,
Motorräder zu fahren, zu kaufen und
schließlich gegen Kriegsende "zu retten". Er erlebte das Kriegsende als
Jägerleitoffizier der Luftnachrichten-Truppe einer Nachtjagd (Radar) Kompanie in
Norwegen - ebenfalls auf einem Motorrad - aber das ist eine eigene Geschichte.
Im Herbst 1946 fuhr er sein erstes Motorradrennen bei strömenden Regen in Salzburg-Nonntal. Es wurde der dritte Platz für ihn. Zahlreiche Geschichten prägten dann seine Rennfahrerzeit. Nachdem er meine Mutter, die er bei der Fa. Hatschek in Vöcklabruck kennen gelernt hatte, geheiratet hatte, nach Salzburg zogen und mein Bruder 1956 auf die Welt kam, drehte ihm meine Mutter den "Gashahn" ab. Seither fuhr er nur mehr bei Veteranenrennen mit - allerdings, zum Schrecken unserer Mutter, stets im Renntempo. Übrigens, er war auch an einem Langstreckentest mit VW's in Monza beteiligt.
Seine berufliche Laufbahn führte ihn über das Kaufmannsdiplom 1951 an der Wiener Wirtschaftsuni,
ein Jahr später zum Titel "Doktor der Wirtschaftswissenschaften", zur Fa. Eternit Hatschek in
Vöcklabruck in Oberösterreich und 1955 zu Porsche nach Salzburg als Werbe- und Pressechef. Später wechselte
er zu Mercedes Benz (1964) und ging dann zu British Leyland (1969). Zuletzt, ab 1976, war er als
Public Relations Manager bei Chrysler (das dann in Talbot umbenannt und schließlich mit Peugeot fusioniert
wurde) bis zu seiner Pensionierung 1987 tätig. Zu dieser Zeit war auch ich einige Jahre bei ihm in
der PR-Abteilung als sein Sekretär tätigt. Dabei lernte ich, wie wichtig es ist, immer gut informiert zu sein -
"... aber Du darfst niemals deinen Informanten preisgeben!" erklärte mir Vater.
Daneben war er bei vielen Rennen, die damals noch erlaubt waren, der Platzsprecher.
Dabei er uns Kinder oft mit: Bergrennen auf dem Gaisberg,
zum Bergrennen bei Engelhartszell an der Donau, am Gmundner Berg, zu den
"1. Mai Rennen" u.v.a.
In den Sechziger Jahren begann mein Vater zu zeichnen. Er zeichnete
Motorräder
nach Originalvorlagen in Großformat: dazu verwendete er zig verschiedene Bleistiftstärken, Bildvorlagen
und viele Stunden; er zeichnete bis zu seinem Tod. Daneben begann er
Bücher über die Geschichte
des Motorradsports, der Motorräder und Rennen zu schreiben. Auch in Fachzeitungen im deutsch- und
englischsprachigen Raum veröffentlichte er Beiträge.
Er kannte so gut wie jedes Motorrad im Detail, wusste die Geschichten aller
seltenen Motorräder, erzählte die Lebensläufe von Rennfahrern und zu seinen Freunden zählten u. a.
Sammy Miller, John Surtees, Walter Zeller, Luigi Taveri, Hans Haldemann, Schorsch Meier sowie viele andere
aus der Motorrennsportszene.
Einen Lebenstraum erfüllte er sich mit den großartigen
Motor-Veteranen-Rennen auf dem Salzburgring,
an denen Stars wie Niki Lauda, Juan Manuel Fangio oder die oben genannten Rennfahrer teilnahmen.
Mercedes Benz schickte die berühmten Silberpfeile nach Salzburg!
Bis kurz vor seinem Tod hatte er als Autokennzeichen "S-Rudge 1" - denn
selbstverständlich war er Mitglied beim Rudge-Club in England! Wie überhaupt er sehr gerne nach England
zu Freunden reiste, stets auf den Spuren von Motorräder.
Die österreichische Fachzeitschrift "autorevue" widmete meinem Vater 1997 eine Story,
die mit dem Bild auf der oben gezeigten Sunbeam über eine ganze Seite und mit dem Satz von Gaston Bachelard
(* 1884, † 1962, französischer Wissenschafter) endet:
"Ein Mann ist ein Geschöpf seiner Leidenschaften, nicht seiner Notwendigkeiten!"
Das war Helmut Krackowizer und wird es in unserer Erinnerung auch bleiben!
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Peter Krackowizer, 5081 Anif, Österreich