1945 im Sommer war endlich der Krieg vorbei. Im Herbst 1946 konnte schon das erste Nachkriegs-Straßenrennen in Salzburg gestartet werden und nur Monate später, im Juli 1947 konnte sich Helmut Krackowizer über seinen ersten Sieg freuen! Der Motorradsport hatte wieder begonnen ...
Bereits 1938 im Alter von 16 Jahren
fuhr mein Vater Motorrad – eine NSU 250 OSL. Noch im selben
Jahr erwarb er eine Norton „International“ 500, Jahrgang
1935. Mit einer Puch 250 S4 bestritt er im Frühjahr 1939
seinen ersten Wettbewerb, die Wertungsfahrt „Rund um den
Dachstein“. Dann kam der Krieg.
Wie er zu seiner ersten Rudge 250 gekommen war, habe ich
ja schon in einem anderen
Kapitel erzählt. Der erste Renneinsatz meines Vaters
nach dem Krieg war dann beim ersten Nachkriegsrennen in
Salzburg – Nonntal am 6. Oktober 1946. Bei strömenden Regen
fand dieses Rennen vor mehr als 7000 Zuschauern statt.
Gefahren wurden je Klasse zwei Rennen, wobei mein Vater in
der Klasse bis 250 cm³ im zweiten Rennen Dritter hinter den
beiden Wienern Rott auf JAP und Beranek auf DKW wurde.
Das 1. Motorrad-Nachkriegsrennen Salzburg Nonntal
hätte am 6. Oktober 1946 fast nicht stattgefunden.
Wie es doch noch zum Rennen kam
Alle aus dem Krieg heimgekehrte Salzburger Motorsportler wollten
möglichst bald wieder ihre Rennmaschinen anwerfen. Aber es
gab ja noch keinen Salzburger Automobil Club, der als
Veranstalter auftreten könnte. So trafen sich die ehemaligen
Aktiven um den "Stengl-Vater", Franz Stengl, der vor dem
Krieg maßgeblicher Funktionär des SAC und Chefzeitnehmer war
(was ab 1947 sein Sohn Regierungsrat Fritz Stengl dann
übernahm).
Als sich dann im Frühjahr 1946 ein berühmter, in England lebender
Vorkriegs-Motorradrennfahrer,
Ing. F. J. Binder
als Chefdolmetsch der Salzburger Landesregierung zu den
US-Besatzungstruppen einfand, war die notwendige Verbindung
hergestellt. Binder regelte mit den US-Besatzern die
Zustimmung zu diesem Rennen. Helmut Krackowizer brachte auf
abenteuerlichen Wegen die Renn-Velocette von Binder über
mehrere Zonengrenzen von Berlin nach Salzburg und so konnte
auch F. J. Binder an diesem ersten Nachkriegsrennen
teilnehmen.
Doch beinahe wäre das Rennen abgesagt worden. Denn übereifrige Teilnehmer
trainierten unerlaubter Weise bereits am Freitag lautstark
auf der Nonntaler Hauptstraße. US-General Arnold, der in der
Wartbergvilla beim Altersheim ganz in der Nähe seinen
Wohnsitz hatte, störte dieser nicht angemeldete Lärm und er
schickte eine Militärstreife zur Rennstrecke. Diese stoppte
alle Vorbereitungen und nur hektischen Interventionen der
Veranstalter rettete dann das Rennen, das bei echtem
Salzburger Schnürlregen dann am Sonntag in Szene ging.
Das Rennen
Trotz anhaltendem Regens hatten sich rund 7.000 Zuschauer eingefunden.
Helmut
Volzwinkler
(Salzburg) auf NSU 350 gewann ein Rennen. Die Salzburger Thürriedl, Strobl und
Fischer erreichten gute Plätze. Es kam zu einem Duell zwischen Leo Fassl (Wien)
und F. J. Binder, das Fassl mit einer schnellste Runde von 1:17,4 Min (91,6 km/h
Schnittgeschwindigkeit) für sich entschied. Dritter dieser Klasse bis 350 cm³
wurde der Salzburger
Pepi Jung.
Toni Magnus und Willi Koch
fielen in ihrer Klasse aus. Helmut Krackowizer wurde auf seiner Weltrekord-Rudge
aus England Dritter im zweiten Rennen der Klasse bis 250 cm³. Auch
Fritz Walcher auf seiner schnellen New-Imperial 250 cm³ war dabei. Sepp
Hofmann gewann die Klasse bis 500 cm³ auf BMW.
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Im Frühjahr 1947 lockte dann das erste Sandbahnrennen in Salzburg, veranstaltet vom gerade gegründeten SAMTC (Salzburger Automobil Motorrad und Touring Club), 20.000 Zuschauer auf die Trabrennbahn in Salzburg-Aigen. Ermutigt durch diesen Erfolg ging schließlich am 6. Juli 1947 das erste Autobahnrennen in Salzburg-Liefering über die Bühne. Aus diesem Straßenrundrennen wurde 1958 der „Große Preis von Österreich“, der später auf den Autobahnteil bei Salzburg-Grödig und schließlich auf den Salzburgring übersiedelte.
Der Sieg der Junior-Klasse A bis 250 cm³ wurde eine
sichere Beute des Vöcklabruckers Krackowizer auf Rudge in 44:32,8, gefolgt von
den Salzburgern Fritz Walcher auf Imperial in 46:43,4 und Richart Kwitt auf Puch
in 46:43,4. Das Rennen führte über 15 Runden, was einer Distanz von 63
Kilometern entsprach (Rundenlänge: 4,2 km).
Mein Vater lag dann auch im Senior-Rennen drei Runden in Führung, bevor er
wegen eines Defekts aufgeben musste. Der 6. Juli 1947 war also der Tag seines
ersten Sieges, dem noch einige weitere folgen sollten. Den Unterlagen meines
Vaters kann ich zu diesem ersten Rennen in Liefering noch folgende Details
entnehmen: „... eine Gerade, etwa 1.400 m, 2 x 3 Spitzkurven, 4 Flachkurven
schnell, 4 Flachkurven langsam... Reifendruck vorn 1,40 hinten 1,75...“
Übrigens, die schnellste Runde auf dem damaligen
Lieferinger Rundkurs bei jenem ersten Rennen fuhr der Salzburger F. J. Binder
auf Velocette KTT MK VIII 350 mit 2:25,4 , was einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von 126 km/h entsprach. Diese Velocette erhielt
Binder unter abenteuerlichen Umständen erst wenige Tage vor dem Rennen in
Salzburg-Nonntal im Oktober 1946, aus Berlin, damals Ostzone unter russischer
Besatzung – sie wurde von meinem Vater, in Teilen zerlegt und Kisten verpackt,
in einer mehrere Monate dauernden Aktion nach Salzburg geschafft. Doch dies ist
dann schon wieder eine andere Geschichte!
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Peter Krackowizer, 5081 Anif, Österreich