Viele meiner Homepage-Besucher werden nicht so vertraut mit Motorradnamen vergangenen Zeiten sein. Und nicht alle werden sich gleich Bücher kaufen, um etwas über die Geschichte dieser Motorräder zu erfahren. Ich möchte daher im Laufe der Zeit hier über die wichtigsten Marken ein paar Infos bringen - natürlich nur in Kurzform! Vielleicht wird daraus einmal eine (fast) vollständige Übersicht längst vergessener Motorradmarken, vielleicht bleibt es auch nur bei einer kleinen Übersicht. Wichtig ist mir, an die Pionierleistungen in der Motorradtechnik zu erinnern - ohne die mühevolle Entwicklungsarbeit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wäre der Stand der Technik heute noch ein anderer.
Neben den von mir etwas beschriebenen Marken, gab es früher
eine Unzahl von Marken, die heute längst vergessen sind. Es würde
zu weit führen, sie alle hier anzuführen. Aber an Hand des
"österreichischen Motorradmarkts 1929", als dem Motorrad-Angebot in
Österreich, liste ich noch jene auf, die ich nicht hier beschreibe:
A.J.W. - A.K.D. - Ardie - Ascot-Pullin - Automoto - Baker -
Calthorpe - Coventry Eagle - Cleveland - Delta Gnome - Dollar - Dot
- D-Rad - Dunelt - Elite-Diamant - Ernst-Mag - Forster - G.D.
Ghirardi - Gillet Herstal - Grindlay-Peerless - Henderson - H.R.D.
- Humber - James - Krammer-Motorrad - L.A.G. - Levis - "M" - La
Mondiale - Monet & Goyon - Montgomery - M.T. - New Henley - New
Hudson - New Imperial - N.U.T. - O.E.C. - O.K.-Supreme - P. & M.
Panther - Radco - Radior - Raleigh - René Gillet - REx Acme - Royal
Enfield - Rush - Smart - Soyer - Super X - Terrot - Titan - Tornax
- York
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AJS, 1897, Großbritannien, Albert John Stevens war einer der fünf Stevens-Brüder, die in einem kleinen Betrieb in Wolverhampton hochwertige Maschinenteile herstellten. 1909 gründeten dann drei Brüder die Firma A.J. Stevens & Co Ltd, die in der Motorradgeschichte der nächsten 50 Jahre eine prominente Stellung einnehmen sollte. Erstmals 1921 bahnte sich bei der TT auf der Insel Man eine Sensation an: Mit einer 350er AJS, die 120 km/h Spitze lief, siegte Eric Williams im Junior-Rennen nicht nur überlegen, sondern auch die Plätze, zwei, drei, vier, sechs und acht gingen an AJS! In der Nachkriegszeit wurde die AJS "Stachelschwein" u. a. durch Jock West und seine Rennerfolge berühmt. Die "Boy Racer" wurde eines der erfolgreichsten Rennmodelle aller Zeiten. 1965 wurde die letzte Sportaktivität des Werkes eingestellt und 1968 das Werk endgültig stillgelegt. zum Seitenanfang
Ariel, 1902, Großbritannien,
das wohl ungewöhnlichste und bekannteste Modell der von 1902 bis
1966 in Birmingham (GB) produzierenden Firma war die "Square Four":
das war jenes Vierzylinder-Modell, das erstmals von der orthodoxen
Machart war, bei welcher die vier Pötte in Längsrichtung im Rahmen
saßen, abwich: die Zylinder waren im Quadrat angeordnet! Dadurch
kam das Modell mit einem wesentlich kürzeren Radstand aus. Die
Firma Ariel entstand eigentlich bereits 1892 und ging 1902 aus
einem Verschmelzungsprozess mehrerer kleiner Firmen hervor. 1965
wurde die Produktion eingestellt.
Der Ire Sammy
Miller
sorgte dann noch gegen Ende der relativ langen Geschichte dieses
Unternehmens für große sportliche Erfolge im Trial. Er gewann mit
der Trial-500-cm³-ohv-Einzylinder fünfmal hintereinander die
Britische Trialmeisterschaft und war zweimal Gesamtsieger bei der
Schottischen Sechstagefahrt.
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Benelli, 1911, Italien, "Mama" Theresa Benelli versammelte 1911 ihre sechs Söhne und beschloss, eine technische Firma zu gründen. Diese fertigte dann ab 1920 auch die noch heute bekannten Motorräder. Das erste Motorrad hatte 98 cm³ und war ein Zweitakt-Motor. In den Dreißiger Jahren waren die Benelli-Motorräder stets auf den vorderen Plätze zu finden, neben Moto Guzzi und den englischen Marken. 1951 verunglückte beim "Großen Preis von Frankreich" in Albi Ambrosini auf Benelli tödlich, worauf hin sich das Unternehmen aus dem Grand-Prix-Sport zurück zog. zum Seitenanfang
Bianchi, 1897, Italien, eine der ältesten italienischen Motorradmarken, schloss 1967 seine Pforten. Eduardo Bianchi, der Firmengründer, baute 1897 eine Art Hilfsmotor für ein Fahrrad, 1900 das erste Bianchi-Automobil und 1903 schließlich das erste Motorrad. Berühmte Fahrer wie Tazio Nuvolari, Dorino Serafini oder der Schotte Bob McIntyre verhalfen der Marke zu großen sportlichen Erfolgen. zum Seitenanfang
Brough, 1902, Großbritannien, Williams Eduard Brough, Mechaniker und Elektriker, baute seinen ersten Wagen schon 1898, es folgte ein Motor-Dreirad mit einem französischen De-Dion-Motor, bevor er 1902 das erste Motorrad "All Brough" konstruierte. In der Zwischenkriegszeit zählte diese Marke wohl zu den teuren und sicherlich besten Motorrädern bis 1940 ihre Produktion eingestellt wurde. Sein Sohn George baute dann in seiner eigenen Firma von 1921 an die "Brough Superior", den "Rolls Royce unter den Motorrädern", berühmtester Besitzer einer solchen war wohl der britische Offizier Thomas Edward Lawrence (von Arabien). Und 1929 erreichte Herbert Le Vack mit 207,73 km/h Weltrekord, 1937 sorgte Eric Fernihough mit 273,244 km/h wieder für einen Weltrekord auf Brough. Zwei berühmte Wiener Brough-Fahrer der 20er Jahre waren der später berühmte Sportfotograf Lothar Rübelt und der spätere Motorenprofessor Robert Eberan Eberhorst. Auch der berühmte Verhaltensforscher Prof. Dr. Konrad Lorenz, ebenfalls aus Wien zählte zu den begeisterten Fahrer dieser Marke. zum Seitenanfang
BMW, 1916, Deutschland, die in
München beheimatete deutsche Motorradfirma stelle schon seit 1929
"das schnellste Motorrad der Welt". Im Straßenrennsport brachte ihr
jedoch erst die 1935 entstandene Konstruktion von Oberingenieur
Schleicher den Durchbruch an die Spitze. 1938 errang Schorsch Meier
mit einer BMW 500 Kompressor Werk-Rennmodell den Europameistertitel
und gewann 1938 die Senior TT als erster Ausländer auf einer
nicht-englischen Maschine.
Schon vor dem 2.
Weltkrieg baute die Firma Rennmodelle für Privatfahrer: das letzte
1939 unter der Bezeichnung R 51 RS. Diese konnten jedoch nie zu den
Leistungen der überlegenen Kompressor-Werkmaschinen aufschließen.
Erst mit dem 1954 vorgestellten Modell RS 54 gab BWM auch den
Privatfahrern ein Sportgerät n die Hand, das den technisch fast
völlig gleichen Werk-Rennmodellen ebenbürtig war. Damit erzielten
viele berühmte Rennfahrer, darunter John Surtees (GB), Gerold
Klinger (Österreich) und die Deutschen Walter Zeller, Ernst
Riedelbauch und Ernst Hiller, zahlreiche internationale Erfolge.
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BSA, 1861, Großbritannien,
Birmingham Small Arms hieß
die Firma, die aus einem zunächst losen Zusammenschluss von 14
Meister-Waffenschmieden in Birmingham am 17. Juli 1861 gegründet
wurde. Zunächst produzierte sie Waffen, allerdings musste man sich
mangels genügender Kriege um andere Produkte umsehen. Da waren dann
Fahrräder, aus denen dann im Herbst 1910 das erste BSA-Motorrad
hervor ging.
Im Jubiläumsjahr von Englands König George V, 1935, - er
feierte sein silbernes Regierungs-Jahr, brachte BSA aus diesem
Anlass die "Empire-Star"-Modelle auf den Markt. Am 30. Juni 1937
trat der eigentlich sich bereits aus dem Motorsport zurück gezogene
große englische Rennfahrer Wal Handley mit einer dieser Modelle zu
einem bedeutungslosen Clubrennen auf der Brooklands Bahn an. Und
obwohl mit einem Handicap von 9 Sekunden gegenüber den anderen
starten musste, überholte er in den drei Rennrunden das gesamte
Feld und gewann mit einer Schnittgeschwindigkeit von 102,27 mph
(164,55 km/h); wobei seine schnellste Runde einen Schnitt von
107,57 mph (173,08 km/h) aufwies. Es war die Geburtsstunde der
"Gold Star", so genannt nach dem Goldenen Stern, den jeder Fahrer
erhielt, der eine Runde auf der Brooklands-Bahn in England mit
einem Schnitt von mehr als 100 Meilen (160 km/h) schaffte.
Das „Gold Star“ Modell war dann nach dem Krieg das
erfolgreichste Privatfahrermodell bei der englischen TT: 1950 waren
von 93 Startern in der „Clubmann TT“ 41 BSA, 1952 - 71 „Gold Stars"
bei 92 Startern und belegten 16 Plätze innerhalb der ersten 20.
1961 wurde die Produktion von „Gold Star“ Maschinen eingestellt,
angeblich zu Gunsten der „Triumph Tiger 100“.
1964 und 1965 gelang es BSA dann nochmals in der
Motocross-Weltmeisterschaft zweimal mit Jeff Smith den Titel zu
holen. 1971 gewann man mit einer 750-cm³-Neukonstruktion sogar noch
die berühmten „200 Meilen von Daytona“. Dann folgte ein
finanzieller Abstieg, der 1973 im Verkauf an die
Norton-Villiers-Triumph-Gruppe endete.
Mein Vater war Anfang der 1950er Jahren begeisterter
BSA-Rennfahrer und hatte in seiner Heimatstadt Vöcklabruck auch die
BSA-Vertretung.
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Chater-Lea, 1900, Großbritannien, diese schone 1937 vom Markt verschwundene Motorradmarke baute das erste Motorrad, das die 100 Meilen-Marke (160 km/h) überschritt: eine 350 cm³ Maschine; darüber hinaus war der berühmteste und erfolgreichste Fahrer im Sattel dieser Marke außerhalb Englands ein Österreicher: der Wiener Michael Gayer; er gewann zwischen 1926 und 1930 unzählige Straßen-, Berg- und Bahnrennen; gegründet wurde die Firma 1900 von Herrn William Chater Lea als Direktor. zum Seitenanfang
CZ, 1922, Tschechoslowakei, bald
nach dem Ersten Weltkrieg entstand die tschechische Waffenfabrik
Ceska Zbrojovka, kurz CZ genannt; sie gehörte zum Skoda-Konzern und
produzierte ab 1931 Fahrrad-Hilfsmotoren mit 76 cm³; ab 1934 gab es
dann ein größeres Modell mit eigenem Motorrad-Fahrgestell;
Der von Jaroslav Walter konstruierte und von der
Excelsior-Manxman inspirierte ohc-Rennmotor - siehe Foto - entstand
1946, wurde 1950 von CZ in ein eigen entwickeltes
Schwingrahmen-Fahrgestell übernommen und ab 1953 auch in 350 cm³
Hubraumklasse gebaut. In Österreich errang damit der Wiener
Leonhard Fassl 1953 einen seiner zahlreichen
Staatsmeistertitel.
In den 1960er und 1970er Jahren machte CZ im
Motocross-Sport mit zahlreichen Erfolgen auf sich aufmerksam: 1966,
1967, 1968 gewannen Fahrer auf CZ die Weltmeistertitel, in den 70er
Jahren folgten zahlreiche Siege, bevor CZ Mitte der 70er Jahre die
Produktion einstellte.
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Peter Krackowizer, 5081 Anif, Österreich