Mister Rudge & Oldtimer 


  Das Gaisbergrennen für Automobile und Motorraeder 1929 bis 1969

Als 1929 die damals noch mautpflichtige, erste aus rein touristischen Zwecken, angelegte Ausflugsstraße auf den Salzburger Hausberg, den Gaisberg, eröffnet wurde, gab es zwei bedeutende Ereignisse: die bis dahin brav ihren Dienst versehene Zahnradbahn auf den Berg stellte ihren Dienst ein und das erste Gaisbergrennen fand statt. Noch ahnte damals niemand, dass diese Veranstaltung eines der bedeutendsten Bergrennen Europas werden sollte.

Als Gaisbergrennen bezeichnete man dann das Automobil- und Motorradrennen, das am Hausberg der Stadt Salzburg, dem Gaisberg zwischen 1929 und 1969 auf einer Streckenlänge von 11 900 m mit 800 m Höhenunterschied (Rennen von 1929 bis 1933)[1] und von 8,652 km mit 672 m Höhenunterschied ab 1957, stattfand.

Die Rennen von 1929 bis 1933
Nach dem Krieg
Großer Bergpreis von Österreich
Rennleiter
Motorradläufe
Das Ende
Interessante Details
Salzburger Teilnehmer
Internationale Teilnehmer

  • Die Rennen von 1929 bis 1933

    Gaisbergrennen 1933

    Am 6. September 1929 fand am Gaisberg das erste internationale Gaisbergrennen statt. Baron von Preuschen, der in Salzburg-Aigen wohnte, war der Präsident des Salzburger Automobilclubs, der dieses Rennen veranstaltete. Peppi Walla auf Sunbeam (Motorrad) fuhr mit 8:15,9 min (85 km/h Schnitt) die Tagesbestzeit. Bei den Tourenwagen kam Manfred von Brauchitsch auf Mercedes mit einem Schnitt von 72 km/h zum Sieg. In der Rennwagenklasse siegte Jiri Prinz Lobkowitz auf Bugatti mit einem Schnitt von 79 km/h; der schnellste Automobilist war Max Graf Arco-Zinneberg, ebenfalls auf Mercedes, mit 80 km/h;

    1930, am 31. August, wurde das Rennen erstmals im Radio übertragen. Die Sprecher waren der spätere Mozarteumsdirektor Prof. Dr. Bernhard Paumgartner und Wolfgang von Karajan (selbst Rennfahrer u.a. beim Tauernrennen 1925).

    Im Organisationskomitee befanden sich Salzburger von Rang und Namen (Auszug): Neben dem S.A.C.-Präsidenten seine Vizepräsidenten Kommerzialrat Josef Klein, Ing. Edwin Schurich, Philipp Graf Boos-Waldeck und Rudolf Zrost, vom S.A.C. selbst waren u.a. vertreten Hans Gessele, Ludwig Hau, Paul Koppenwallner, Baron Friedrich Mayr-Melnhof, Dir. Prof. Dr. Bernhard Paumgartner, Kommerzialrat Richard Tomaselli, im Empfangskomitee u.a. Kommerzialrat Heinrich Kiener I., im Streckenkomitee u.a. Franz Stengl, Leiter der Rettungsgesellschaft war Obermedizinalrat Dr. Christian Varnschein, einzelne Rettungsstationen wurden u.a. von Primarius Dr. Rudolf von Rauchenbichler und Primarius Dr. Eduard von Hueber geleitet, der Sicherheitsdienst unterstand Alfons Graf Mels-Coloredo .

    Tom Bullus, der Engländer auf der schnellen NSU, setzte mit 7:59,52 min. (89,436 km/h) eine neue Rekordmarke, der Berliner Joachim von Morgen auf Bugatti blieb mit einer Zeit von 7:58,19 min. (89,623 km/h) nur knapp darunter.

    Auch 1931 trumpfte der Engländer Tom Bullus mit einer neuerlichen Rekordzeit auf: 7:46,61 min. - das entspricht einer Schnittgeschwindigkeit von 91,9 km/h. Aber von Brauchitsch brauste mit seinem schweren Mercedes SSK in nur 7:45,36 min. (92,1 km/h) den Gaisberg hinauf. Nur Joachim von Morgen in seinem leichteren Bugatti schaffte es noch schneller: 7:44,05 min. Ein späterer Salzburger und auch aktiver Teilnehmer an diesem Bergrennen war bereits als Neunjähriger bei diesem dritten Gaisbergrennen als Zuschauer dabei: Helmut Krackowizer. Gaisbergrennen 1932 Max Reheis

    Das Rennen 1932 versank in Nebel und Regen und nur der große Rudolf Caraciola (Deutschland) auf Alfa Romeo war der einzige Rennfahrer, der bei diesem Rennen eine Zeit unter acht Minuten schaffte (7:57,081 min.). Bei den Sportwagen hatte die Scuderia Ferrari mit einem Maserati mit Fahrer Berone Ippolito und einem Alfa Romeo mit Fahrer Trossi Conte teilgenommen, noch produzierte Enzo Ferrari nicht unter eigenem Namen. Trossi war auch der Schnellste in seiner Klasse mit einer Zeit von 8:32,7 min. (92,62 km/h). Bei den Motorrädern fuhr der deutsche Toni Bauhofer auf DKW eine Zeit von 8:50,13 min.

    1933 fand dann vor dem Zweiten Weltkrieg das letzte Mal am Gaisberg ein Rennen statt. Und es brachte schließlich eine neue absolute Bestzeit, gefahren vom Italiener Conte Trossi auf Alfa Romeo in 7:42,57 min. (92,62 km/h). Philipp Graf Boos-Waldeck fuhr mit 8:04,08 min. eine ganz passable Zeit. Der spätere Sportwagenhersteller Carlo Abarth, fuhr - noch als - Karl Abarth in der Motorradbeiwagen-Klasse mit.
    Ergebnisse 1933
    Motorräder bis 250 cm³:
    1. Josef Illichmann, Wien, auf Rudge (8:34,32 min. = 83,29 km/h)
    2. Karl Bohmann, Wien, BMW-Special 175 cm³ (9:35,99 min.)
    3. Hugo Roigh, Wien, Rudge-Special (9:39,66 min.)
    Motorräder bis 350 cm³:
    1. Franz Falk, Graz, Velocette (8:10,44 min. = 87,35 km/h)
    2. Helmut Loicht, Wien, AJS (8:41,03 min.)
    3. Alfred Koch, Wien, AJS (9:20,37 min.)
    Motorräder bis 500 cm³:
    1. Friedrich Cerny, ?, AJS (7:50,38 min. = 91,07 km/h
    2. Michael Gayer, Wien, Indian (8:01,10 min.)
    3. Philipp Graf Boos-Waldeck, Rif, AJS (8:04,08 min.)
    4. Josef Walla, Wien, Rudge (8:13,08 min.)
    5. Martin Schneeweiß, Wien, Rudge (8:28,11 min.)
    Motorräder bis 1 000 cm³:
    1. Josef Hofmann, Salzburg, Rudge (8:14,49 min. = 86,63 km/h)
    2. Karl Zach, Liezen, AJS (8:31,15 min.)
    Motorräder mit Beiwagen bis 600 cm³:
    1. Leo Benesch, Wien, Sarolea (9:19,88 min. = 76,52 km/h)
    2. Karl Abarth, Wien, Sunbeam (9:32,10 min.)
    3. Hans Schuhmann, Nürnberg, Deutschland, NSU (9:56,27 min.)

    Am 8. August 1948 kam es zur Neuauflage der Gaisberg-Wertungsfahrten, veranstaltet vom SAMTC.

    Die großen Gaisbergrennen, die Anfang der 1930er aus den entretenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten eingestellt wurden, lebten dann in Wertungsfahrten weiter. 1937 veranstaltete man schon einmal eine Wertungsfahrt auf den Gaisberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg war man natürlich noch weit entfernt von der Wiederaufnahme solch großer internationaler Bergrennen. Aus diesem Grunde lebten zunächst einmal die Wertungsfahrten wieder auf.

    Der schnellste Solo-Motorradteilnehmer dieses Jahres war Sepp Hofmann auf BMW 500, währen der kommende Mann, Helmut Volzwinkler auf der Norton 350 ccm des im Spätherbst 1946 in Wien tödlich verunglückten Pepi Jung mit der zweitschnellsten Zeit aufhorchen ließ.

    Tagesschnellster war jedoch der Automobilist Wallmann auf BMW 328 vor Georg Fallenegger, ebenfalls auf BMW 328.

    Weitere Gaisberg-Wertungsfahrten

    19. Oktober 1952: rund 5 000 Zuschauern verfolgten Willi Koch bei seiner schnellen Fahrt von 6:23,8 min (vor Richard Felkl mit 6:25,6 min); Helmut Krackowizer auf BSA 350 mit 6:55,8 min gewann seine Klasse vor Helmut Volzwinkler auf Puch SGS in 6:56,6 min., bei den Beiwagen war Otto Artmaier der Schnellste;

    4. Oktober 1953 kamen 138 Teilnehmer auf zwei, drei oder vier Rädern an den Start.

    2. Oktober 1954 brachte mit mehr als 10 000 Zuschauern einen Besucherrekord; Lokalmatador Helmut Volzwinkler startete in zwei Klassen und unterbot bei seinem ersten Start auf einer Matchless 500 G 45 mit 5:59,7 min erstmals die sechs-Minuten-Grenze; mit der Werk-Puch SGS 250 kam er dann auf sensationelle 5:49,4 min;

    Die siebente und letzte Gaisberg-Wertungsfahrt fand am 2. Oktober 1955 statt: der bis dahin unbekannte Salzburger Steidl auf BSA 350 fuhr Motorradbestzeit, während bei den Automobilen der Stockerauer Ernst Vogel auf Porsche Spyder mit 5:53,9 min. (Schnitt 91,6 km/h) neuen Gaisbergrekord fuhr; 10 000 Zuschauer sehen vom Goggomobil bis zum Mercedes 300 SL fast alle Automarken;

    Zwei Jahre später begann die neue Ära der Gaisbergrennen, die dann zur Europa-Bergmeisterschaft zählten.

    Nach einer Pause Pause von fast 20 Jahren begann am 15. August 1957 schließlich wieder internationaler Motorsport am Gaisberg mit dem ersten "Großen Bergpreis von Österreich". Vor 25 000 Zuschauern gewinnt der Schweizer Peter Daetwyler aus Zürich auf einem 2-Liter-Maserati den Borgward-Werksfahrer Hans Herrmann und Richard von Frankenberg auf Porsche RS auf der 8.625 m lange Strecke, die einen Höhenunterschied von 672 m überwindet.

    Unspektakulär verlief dann am 7. September 1969 das letzte Gaisbergrennen vor matten 10 000 Zuschauern. Es geschah noch einmal ein tödlicher Unfall (Toni Pelizzoni auf FIAT Abarth 2000 P), was dann auch einer der Gründe war, weshalb der Berg nie wieder im Renntempo erstürmt wurde.

    Unfälle

    Es gab drei tödliche Unfälle: 1960: Walter Häderle aus Deutschland (Auto)
    1968: Alois Hofer aus Graz (Motorrad)
    1969: Toni Pelizzoni, Meran, Italien (Auto)
    sowie einige schwere Unfälle;

    Rennleiter zahlreicher Nachkriegsrennen am Gaisberg war Regierungsrat Fritz Stengl, dessen Vater schon vor dem Zweiten Weltkrieg Rennleiter bei zahlreichen Veranstaltungen im Land Salzburg gewesen war und dessen Sohn Manfred ein erfolgreichen Motorradrennfahrer und Rennrodler war.

    Motorradläufe gab es nur bei zehn Veranstaltungen, da das Gaisbergrennen überwiegend eine Veranstaltung für Automobilrennen war. Hier wurden u. a. auch Berg-Europameisterschaftsläufe durchgeführt. Es gab zwischen 1929 und 1969 insgesamt 18 Gaisbergrennen, die sogenannten Wertungsfahrten Anfang der 1950er Jahre nicht gerechnet. Dabei waren zehn mit Motorradläufen (1929 – 1933, 1960, 1966 – 1969).

    Seit 2003 finden nun wieder Gleichmäßigkeitsläufe für historische Automobile am Gaisberg statt. Diese Läufe werden mit Läufen auf dem Salzburgring kombiniert.

    Ein paar Details von Seinerzeit:
    Das Fahrerlager befand sich auf dem Parkplatz bei der alten Guggenthaler Brauerei; auch der Porschehof in der Stadt diente als Fahrerlager;

    Der Start: Da die Startlinie sich bereits bergwärts befand, gab es einen Keil, den ein Starthelfer hinter dem Motorrad bzw. das Automobil keilte. Der Starter selbst hatte noch die damals übliche große Stoppuhr in der Hand und begann die letzten fünf Sekunden mit den Fingern herunter zählenden vor den Augen der Rennfahrer; bei den geschlossenen Automobile gab es manchmal auch noch einen "Klaps" aufs Dach, damit der Fahrer ja nicht den Start verschlief!

    Die Kommunikation wurde mit Feldtelefonen aufrecht erhalten; schon Tage vorher wurden Kilometer von Kabeln verlegt und mit der guten alten Kurbeltechnik die Gegenstelle angerufen;

    Der Platzsprecher befand sich auf der Zistel-Alm und erhielt alle Informationen via vorher genannter Feldtelefone - natürlich nicht ganz zeitgleich zu den Geschehnissen, aber immerhin konnten die Zuschauer entlang der Strecke informiert werden.

    Das Ziel befand sich knapp unterhalb des Gipfelparkplatzes, damit die Fahrzeuge noch eine Auslaufzone hatten; denn auf dem Parkplatz selbst mussten die Fahrzeuge aufgereiht bis zum Ende eines jeden Laufes warten - es wurde in zwei Läufen gefahren;

  • Salzburger Teilnehmer

    Gaisbergrennen 1930 Prominenz

    Im Laufe der Jahre nahmen viele prominente Salzburger an diesem Rennen teil, wie zum Beispiel:

    Motorradfahrer
    * Otto Artmeier, BMW-Händler, mit seiner Frau Sophie als „Schmiermaxe“ in einem Beiwagengespann
    * Philipp Graf Boos-Waldeck aus Hallein-Rif
    * Peter Frohnwieser, Motorradhändler in Salzburg
    * Hans Gessele
    * Otto Heinrich Kaltner
    * Egon Hofer, Salzburg
    * Rudolf Holzermayr
    * Oberamtsrat Ing. Dr. Karl Imhof aus Böckstein
    * Dr. H. G. Kalchschmidt
    * Willi Koch
    * Paul Koppenwallner, Juwelier in Salzburg
    * Helmut Krackowizer
    * Ferdinand Kranawetvogl
    * Anton Magnus, Fahrschulbesitzer in der Stadt Salzburg
    * Manfred Magnus (siehe hier)
    * Horst Miedaner, Salzburg
    * Max Reheis, Kinobesitzer in der Stadt Salzburg
    * Hans Schmirl sen., Puch-Händler in der Stadt Salzburg
    * Josef Schörg aus St. Johann im Pongau
    * Manfred Stengl
    * Rudi Thalhammer aus Henndorf
    * Helmut Volzwinkler

    Aus dem In- und Ausland waren bei den Automobilfahrer u. a. am Start gewesen:
    * Edgar Barth
    * Jean Behra
    * Toni Fischhaber
    * Richard von Frankenberg
    * Sepp Greger
    * Hans Herrmann
    * Gerhard Mitter
    * Herbert Müller
    * Wolfgang Seidel
    * Dieter Quester
    * Rolf Stommelen
    * Wolfgang Graf Berghe von Trips
    * Ernst Vogel
    diese Auflistung ist nicht vollständig.

Bilder

  • über die
            ersten drei Großglockner-Trophies

    Großglockner Trophy

  • Buchtipps, Literaturtipps

    Buchtipps

  • image

    Prof. Max Reisch


Peter Krackowizer, 5202 Neumarkt am Wallersee, Austria - überarbeitet im September 2017