Nachdem Helmut Krackowizer sich 1955 von der aktiven Rennfahrertätigkeit
zurück gezogen hatte, begann er historische Motorräder in ganz Europa
aufzuspüren. Einige dieser Funde behielt, ließ sie restaurieren, tauschte und
verkaufte sie wieder. 1967 gründete er einen der ersten Motor Veteranen Clubs in
Österreich. 1976 war Krackowizer auch kurze Zeit Präsident des österreichischen
Motor Veteranen Verbands.
Krackowizer kannte so gut wie jedes historische Motorrad
im Detail, wusste die Geschichten seltenen Motorräder und Lebensläufe von
Rennfahrern zu erzählen. Zu seinen Freunden zählten u. a.
Sammy Miller, John Surtees,
Walter Zeller, Luigi Taveri, Hans Haldemann, Schorsch Meier, und viele andere
aus der Motorrennsportszene. Selbstverständlich war er Mitglied beim Rudge-Club
in England.
Doch Krackowizer stieg noch selbst in den Sattel von
Motorrädern und nahm an verschiedenen Veteranen Veranstaltungen teil. So auch
1973 auf dem Nürburgring auf einer
Sunbeam 90 - Baujahr 1929 - er wurde Gesamtsieger. 1990 schließlich fuhr er
im Rahmen der TT bei der so genannten Lap of Honour im Sattel einer ex-Wal
Handley Rudge eine Ehrenrunde auf dem Kurs auf der Insel Man. Bis 1999 im Alter
von 77 Jahren nahm er noch aktiv an Veteranenveranstaltungen teil.
zu einem nostalgischen
Bilderbogen
Einen Lebenstraum erfüllte er sich mit den
großartigen Motor-Veteranen-Rennen auf dem Salzburgring, den "Oldtimer
Grand Prix".
Zwischen 1974 und 1987 fand am Salzburgring neun Mal der "klassische"
Oldtimer Grand Prix für historische Motorräder und
Automobile statt, der mehrere Hundert Teilnehmer aus aller Welt
anlockte. 1994, 1996 und 1997 gab es dann nochmals welche in
sehr abgespeckter Version in Zusammenarbeit mit dem ARBÖ Salzburg
Die Entstehung
Erst durch die Eröffnung des "Salzburgring" 1969 als
permanente Rennstrecke vor den Toren der Stadt Salzburg entstand
die Möglichkeit, an Veranstaltungen mit historischen Fahrzeugen zu
denken. Bis zum ersten Oldtimer Grand Prix 1975 konnte man nur
kurzzeitig Straßenzüge oder Straßenrundkurse für derartige
Veranstaltungen sperren ohne den Verkehr nachhaltig zu behindern.
In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden dann
Motorveteranen Clubs und man erinnerte sich der Werte alter
Automobile und Motorräder. Während man in England schon längere
Zeit auf permanenten Rennstrecken derartige Veranstaltungen
durchführte, begann man nun auch in Deutschland auf alten
Streckenteilen des Nürburgrings (1973) und auf dem Hockenheimring
mit historischen Rennveranstaltungen.
So fand dann auch in Salzburg in Zusammenarbeit des "MVCS
Motorveteranen Club Salzburg" unter der damaligen Leitung von Prof.
Dr. Dkfm. Helmut Krackowizer und dem "Salzburger Automobil-,
Motorrad- und Touring-Club", kurz SAMTC, 1974 der "1. Wettbewerb um
die Castrol-Austria-Trophäe in memoriam Rupert Karner" am
Salzburg-Ring statt. Zunächst nur für Motorräder. Erst ab 1976 gab
es dann auch Läufe für Automobile.
Schon vorher gab es die "5. Int.
Motorveteranen-Rallye um den blauen Donaupokal der MARTHA"
statt: vom 18. bis 20.9.1970. Die Strecke führte von Salzburg nach
Glasenbach, wo die erste Zeitetappe begann, die über Hallein,
Wiestal zum Fahrerlager am Salzburgring führte. Die nächste
Zeitetappe führte von Fuschl nach St. Gilgen hinüber nach Mondsee,
die nächste begann in Zell am Moos und ging über Straßwalchen,
Neumarkt und Köstendorf nach Mattsee, wo dann eine "ländliche Jause
im Braugasthof Sigl" in Obertrum folgte. Die letzte Etappe
schließlich begann in Obertrum und brachte die Teilnehmer über
Elixhausen, Lengfelden, Bergheim und Plainbrücke zum Ziel in
Salzburg-Itzling bei der ARAL-Tankstelle der "MARTHA" in der
Raiffeisenstraße. Diese Rallye fand dann nochmals 1975 statt.
Nach 1994 fanden dann noch zweimal Oldtimer Grand Prix
am Salzburgring statt, nämlich 1996 und 1997, allerdings
organisiert vom ARBÖ Salzburg. Und auch der Charakter der
Veranstaltung war der Entwicklung der Zeit schon angepasst: es gab
Läufe der "European Challenge for historic
Touring cars", Grand Tourisme Meisterschaftsläufe und eben
Motorrad-Läufe. Diese waren jedoch mit nur 48 Startern mehr als
mager im Vergleich zu den großartigen Veranstaltungen in den 1970er
und 1980er Jahren.
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Die Veranstaltung
1974, 1975, 1976, 1978, 1979, 1981, 1983, 1985 und 1987
trafen sich zunächst nur für einen Sonntag im Mai, später dann für
ein Wochenende Ende August oder Anfang September Sammler, aktive
und ehemaliger Rennfahrer am Salzburgring. Es gab Bewerbe für
Automobile und für Motorräder, jeweils in Jahrgangsklassen und
Kubikzentimeter unterteilt.
Es handelte sich dabei um Gleichmäßigkeitsbewerbe: eine
Zeit/Geschwindigkeit, die nach einer Startrunde gemessen/gefahren
wurde, musste möglichst ohne Abweichungen weitere drei Runden
gefahren werden. Somit kam ein Lauf auf fünf Runden, je Runde 4,2
Kilometer. Es wurden je Klasse zwei Läufe absolviert. Sieger war
derjenige, der die kleinste Zeitabweichung hatte. Bereits am
Freitagnachmittag kamen die ersten Teilnehmer im Fahrerlager an.
Samstag war der technischen Abnahme (Sicherheits- und
Markenkontrolle) und dem Training gewidmet, der Sonntag den beiden
Gleichmäßigkeitsläufen. An diesen Wochenenden kamen bis zu 10.000
Zuschauer an den Ring.
Die erste Veranstaltung am 5. Mai 1974 fand bei strömenden
Regen statt. 1979, am Wochenende 8. und 9. September, feierte man
gleich zwei Jubiläen: "50 Jahre
Gaisbergrennen" (das letzte fand 1968 statt)
und "40 Jahre TT-Sieg Schorsch Meier", sowie die 25jährige
Wiederkehr des Todestag des bisher einzigen österreichischen
Motorrad-Solo-Weltmeisters
Rupert Hollaus.
Der "Oldtimer Grand Prix" musste dann aufgrund von
verschärften Lärmschutzbestimmungen des Bundesland Salzburgs in den
1990er Jahren eingestellt werden. Auch weil die österreichische
oberste Sportkommission OSK die letzte Veranstaltung 1994 in
letzter Minute mit einem verstaubten Passus aus der
Sportgesetzgebung abzuwürgen versuchte: bei
Veteranenveranstaltungen ist nur eine maximale
Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h erlaubt (Anmerkung: 1981
wurde Spitzengeschwindigkeiten von 200 km/h gefahren und
Durchschnittsgeschwindigkeiten bis zu 137 km/h gefahren!).
Prof. Dr. Helmut Krackowizer in einem Interview nach der
Veranstaltung 1994 mit Andy Schwietzer: "...wir fuhren die
Veranstaltung und schlossen am Ende halt alle Teilnehmer aus, um
den Bestimmungen der OSK Genüge zu tun..." - So endete der
wohl bekannteste Oldtimer Grand Prix Mitteleuropas!
Die Teilnehmer
Bei bis 70 Automobilen und bis zu 200 Motorrädern stammten
die Teilnehmer aus ganz Europa, manche kamen sogar aus Übersee
angereist. Unter den prominenten Teilnehmern waren unter anderem:
bei den Automobilisten:
* Juan Manuel Fangio: der fünffache ex-Weltmeister aus Argentinien
war 1979 im Mercedes Benz Grand Prix Rennwagen W 196 aus 1955 der
Star der Veranstaltung
* Niki Lauda, er lenkte einen legendären Mercedes Benz
"Silberpfeil"
* Prof. Dr. Max Reisch
im Steyr Typ 100 6/32 PS, 1400 cm³, mit dem Fahrzeug in den
Dreißiger Jahren rund um die Welt fuhr
* John Surtees, Großbritannien, der einzige Weltmeister auf
Motorrad und im Automobil
* der Innsbrucker Otto Mathé mit seinem Porsche Urahn, dem
Berlin-Rom-Wagen 1940, der auf VW Basis gebaut nicht mehr zum
Einsatz kam (1977);
* Hans Herrmann aus Deutschland in einem Mercedes-Benz-300 SLR
(1977);
* 1981 - der Porsche Werkfahrer Jürgen Barth;
* 1981 - Bosch-Renndienstleiter Jüttner;
bei den Motorradfahrern:
* Bill Lomas, Großbritannien, 1955 und 1956 Weltmeister auf Moto
Guzzi
* Luigi Taveri, dreifacher Weltmeister aus der Schweiz
* "Wiggerl" Kraus und sein "Schmiermaxe" Bernhard Huser - ehemalige
BMW-Beiwagengespannfahrer, fünffache deutsche Meister
* Jock West (GB), BMW-Werksfahrer 1937 - 1939
* Reinhard Hollaus, der Bruder des einzigen österreichischen
Motorrad Weltmeisters Rupert Hollaus, der 1954 tödlich verunglückte
* Franz Falk aus Graz
* Georg "Schorsch" Meier aus Bayern
* Fritz Walcher, Sieger des ersten Nachkriegsrennen im Oktober 1946
in Salzburg-Nonntal
* die Brüder Ferdinand und Edi Kranavetvogel, beide ehemalige
Salzburger Motorradrennfahrerl
* Siegfried Cmyral, der von 1929 bis 1932 die Sagen umwobene
Kompressor-Puch pilotierte
* August "Gustl" Hobl, DKW-Werksfahrer in den 50er Jahren,
mehrfacher deutscher Meister
* Walter Zeller, Vizeweltmeister aus Hammerau, Bayern
* Franta Stastny Vizeweltmeister aus der Tschechoslowakei
* Hans Haldemann aus der Schweiz, der ebenfalls in der Rangliste
der WM einige Male mit seinen schnellen Norton-Gespannen aufschien
* Walter Zeller, Deutschland, ehemaliger BMW-Werksfahrer und
mehrfacher deutscher Staatsmeister sowie einmal WM-Vizeweltmeister
* Erwin Lechner, Österreich, siebenfacher Motorradstaatsmeister
* 1979 dabei gewesen: Reinhard Hollaus, der Bruder des 1954 tödlich
verunglückten einzigen österreichischen Motorrad-Weltmeister,
Rupert Hollaus, fuhr jene NSU "Rennfox" 125 cm³, mit der Hollaus
1954 Weltmeister wurde!
* Nello Paganini
* Fritz Walcher aus Seewalchen
Prominente als Zuschauer fanden sich ebenfalls ein, wie Prof.
Eberan von Eberhorst, angesehener österreichischer Ingenieur, der
vor allem an der Entwicklung und Bau von Grand-Prix-Rennwagen bei
Auto Union in der Zwischenkriegszeit beteiligt war, Fürst zu
Hohenlohe-Langenburg, die früheren BMW-Konstrukteure Dipl.-Ing.
Schleicher und Klaus von Rücker, die beide international bekannten
Motorradexperten Dipl.-Ing. Helmut Hütten und Ing. H.W. Bönsch.
Auch hinter den Kulissen waren bekannte Salzburger tätig, zum
Beispiel Fritz Stengl, Leiter der Zeitnahme (sein Vater war
Rennleiter bei den
Großglockner Automobil- und
Motorradrennen 1935, 1938 und 1939, sowie schon vorher bei den
Gaisbergrennen gewesen, sein Sohn
Manfred Stengl erfolgreicher
Motorradrennfahrer und Rodelsportler);
Die Fahrzeuge
Auch hier wäre natürlich die Liste lang, würde ich alle
"Edelsteine" erwähnen. Doch für ein paar sollte hier Platz sein:
* z.B. 1981 war ein legendären "Silberpfeil" von Mercedes-Benz mit
dem 1939 Hermann Lang Europameister wurde, dabei; dieser
3-Liter-Kompressorwagen mit knapp 500 PS brachte Niki Lauda wieder
auf die Rennstrecke zurück;
* z.B. 1981 gab es als ältesten Wagen den
1,5-Liter-Vierzylinder-Kompressor Mercedes Benz 1924 zu sehen, der
aus dem Deutschen Museum München stammte und als Siegerfahrzeug der
Targa Florio 1924 berühmt wurde.
* z.B. 1981 war ein Talbot-Largo-Grand-Prix-Wagen aus 1949, der
"Delahaye-Sport", gefahren von Fürst zu Hohenlohe-Langenburg zu den
"Edelsteinen";
* z.B. 1981 pilotierte Helmut Schellenberg einen Bugatti 35 C, mit
dem Fürst Lobkowitz beim Gaisbergrennen 1930 teilnahm und einen
spektakulären Unfall verursachte;
weitere Fahrzeuge u. a. bei den Automobilen:
...ein Austro Daimler ADM 1924, DKW F1 Rennwagen 1930, Rolls Royce
20/25 aus 1934, Mercedes Benz 300 SL aus 1952, ein Staguellini
Formel Junior 1959 (die Firma
Stanguellini
ist in Modena, Italien zu Hause und auch Niki Lauda fuhr einmal
einen Rennwagen aus diesem Haus);
bei den Motorrädern:
* z.B. 1981 sah man erstmals auch eine Werk-NSU-350-cm³
aus 1937 mit dem letzten Doppelnockenmotor von Walter Moore, dem
englischen Konstrukteur der NSU-Königswellen-Renner bis 1938 - sie
wurde vom Badener Heinz Metzmeier restauriert und gefahren;
* z.B. 1981 kam der Bremer Günther Warnecke mit der von ihm
aufgebauten und von seinem Sohn gefahrenen, seltenen 500er
Rudge TT Replica 350
cm³;
* Reinhard Hollaus fuhr die NSU Rennfox 125 ccm, mit der sein
Bruder Rupert Weltmeister wurde;
* Ivan Rhodes (GB) brachte die einzige noch am Leben und in Form
befindliche 500-cm³-Werks-Velocette
1974 an den Start, mit der vor 1939 Stanley Woods (GB), der
zehnfache TT-Sieger, den Halbliter-Nortons mit Guthrie, Frith und
Daniell das Leben sauer machte;
* Hans Wilhelm Busch (BRD) brachte 1974 eine achventilige
V-2-Zylinder
Wanderer
aus 1925 nach Salzburg;
* 1987: Michael Krauser jun. brachte die ex-Weltmeisterschafts-BMW-Beiwagenmaschine
von Deubel/Hörner von 1961;
* 1987: der schnelle Deutsche Erwin Bongards fuhr die
vollverkleidete Doppelnocken-Einzylinder
Guzzi von 1955;
weiters eine
Scott TT 500 aus 1926,
Puch 250 Sport aus 1928,
Megola 640 5-Zylinder aus 1923,
DKW 350 SS aus 1939 und natürlich jede Menge
Rudge-Motorräder... Der Markenreigen begann mit
Ariel
und
AJS und reichte über
Brough-Superior,
BSA, Calthorpe, D-Rad,
Douglas, DKW, DSH, Gillet Herstal, Humber,
Harley-Davidson, Moto
Guzzi, Megola,
Norton, New Imperial,
NSU, Puch, Raleigh, Rudge, Schütthoff,
Standard, Velocette und Wimmer bis
Zenith (Aufzählung ist
aber unvollständig).
Die Sponsoren
Eine derartige Veranstaltung wäre auch damals schon nicht
ohne die großzügige Unterstützung von Firmen möglich gewesen. So
lief der Automobilteil unter dem Titel "Mercedes Benz Cup", später
dann umbenannt in "Mercedes-Benz-Trophäe Alfred Neubauer",
gesponsert von Mercedes Benz Österreich und der Motorradteil unter
dem Titel "Castrol Austria Trophy", gesponsert von Castrol Austria.
Natürlich gab es noch eine Reihe weiterer Sponsoren wie z. B. den
österreichischen BMW-Importeur Wolfgang Denzel.
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Peter Krackowizer, 5081 Anif, Österreich