Ein Nachruf von Prof. Helmut Krackowizer auf einen der bekanntesten
Rennfahrer Österreichs. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war ein
international sehr bekannter Rennfahrer. Er konnte auch nach dem
Krieg an seine sportlichen Erfolge anschließen.
Übersicht seiner Erfolge (Stand bis 1928)
* 7.2.1905 † 7.2.1955
Nicht nur Rupert Hollaus, bislang der einzige
österreichische Motorrad- Straßenweltmeister, war ein prominentes Mitglied
des berühmten NSU-Rennstalls,
sondern auch der Wiener Rudolf Runtsch.
Dem „Rudi", wie ihn seine Freunde und Bewunderer nannten,
war es nicht gegönnt, alt zu werden. Er verstarb am 7. Februar 1955 im Alter
von 50 Jahren an den Folgen eines mit Sicherheit im Motorradsport (mit den
kaum gefederten Starrahmenmaschinen der Zwischenkriegszeit) erworbenen
Nierenleidens.
Zum ersten Mal bin ich ihm begegnet, als er dem
(ersten) Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn zueilte. Das war beim
Salzburger
Gaisbergrennen 1931, das ich als zehn Jahre
alter Dreikäsehoch mit meinen Eltern besuchte. Echte Rennatmosphäre lag über
der Zistelalm, als ein Fahrer nach dem anderen um die Zistelkurve stach und
dann die lange Steigung zur Gaisbergspitze hinaufzog. Als der Lautsprecher
Rudolf Runtsch ankündigte, ging ein Raunen durch die Zuschauermenge. Und
dann schoss eine Königswellen-NSU, von einem tief am Tank liegenden Fahrer
gebändigt, vorbei, dass alle in die Höhe gerissen wurden. Nur Tom Bullus,
der große Star der NSU-Werke in diesen Jahren, konnte die Rennbesucher zur
gleichen Begeisterung anfachen.
Das war in jenem Jahr, in dem nach Karl Gall bei
BMW
ein weiterer Österreicher in einem der großen deutschen
Firmen-Rennställe Platz gefunden hatte. Schon seit 1924 saß Runtsch im
Sattel von schnellen Maschinen, und ein paar Jahre weiter stieß er bereits
zur österreichischen Spitzenklasse vor. 1927 gewann er auf einer 175er Renn-
Puch
seine Klasse in der Österreichischen Touren Trophäe. Ing. Eichler, damals
Douglas
-Importeur, selbst ein erfolgreicher Bahnrennfahrer, förderte dann
dieses große Talent. Auf der schnellen Douglas, mit dem in Längsrichtung
liegenden Boxer-Motor, feierte nun Runtsch seine großen Siege auf der
Straße, auf der Trabrennbahn und vor allem in Bergrennen.
Er wurde mehrfacher Bergmeister, schlug einen
Bergrekord nach dem anderen, auf dem Zirlerberg bei Innsbruck sogar mit
Tagesbestzeit den „König der Berge" auf vier Rädern, Hans Stuck auf Austro-Daimler.
Runtsch und neuer Bergrekord war, wo immer er an den Start ging, in den
Jahren 1928 bis 1930 geradezu ein Begriff. So holte ihn 1931 NSU in die
Werkmannschaft, um den dominierenden Engländer Tom Bullus und den Deutschen
Rüttchen und Soenius einen gleichwertigen Teamkollegen zur Seite zu stellen.
Runtsch übertraf sie alle; mit gelegentlicher
Ausnahme von Bullus. Er siegte 1931 in der Eilenriede, dem Bäderrennen in
Swinemünde und in der großen Soloklasse am Nürburgring im „Großen Preis von
Deutschland". Auf der Solitude brach Runtsch zwei Runden vor dem
Zieldurchgang die Kette, als er weit in Führung vor dem Norton-Werkfahrer
Guthrie lag, und auch auf der AVUS wurde seine stürmische Fahrt an der
Spitze des Gesamtfeldes durch Motorschaden unterbrochen. Dafür beendete er
dann die Österreichische TT als Gesamtsieger auf einer Strecke, die den
Engländern das Gruseln lehrte.
Dann wurde es stiller um ihn. Den von NSU für
1932 angebotenen Werkvertrag lehnte er ab, weil er - im Gegensatz zu Bullus,
der die Angestellten-Toilette benutzen durfte - auf jene der Arbeiter gehen
musste! Er fuhr dann bis zum Kriegsausbruch auf
AJS und
Norton weiter als
Privatfahrer und siegte in zahlreichen Rennen im In- und Ausland.
Zum zweiten Mal erlebte ich Runtsch in altem Glanz
1948 beim Autobahnrennen in Salzburg, als er schon weit über 40 Jahre alt
war. Seine 350 cm³ Vorkriegs-Norton lief wie ein Uhrwerk, als er den
obligaten Sieg in der 350er Klasse herunter spulte. In der Halbliterklasse
erwuchs ihm dann mit dem jungen
Helmut Volzwinkler ein Gegner, den er im
Zieleinlauf ohne Hinterradbremse nicht mehr halten konnte; das Gewinde der
Bremsgestänge-Flügelmutter war ausgerissen. Die Duelle Runtsch contra
Fassl
in der Wiener Prater-Hauptallee in den Rennen „Rund um das Heustadlwasser"
wird niemand vergessen, der sie miterlebt hat. Zwischendurch sammelte er
fleißig weiter Sieg um Sieg in Ungarn und in der Tschechoslowakei.
Er hatte aber gelegentlich auch Pech. 1949 kämpfte er
mit einer der ersten neuen Triumph „Grand Prix" in Österreich in Rankweil
einen ungleichen Kampf gegen die superleichte, katzengleiche Werks-
Guzzi „Gambalungha"
von Fergus Anderson, und nur ein Sturz in Sichtweite seines technisch
unbezwingbaren Gegners konnte das Ende sein. Dann begegnete ich Runtsch das
letzte Mal 1951 in einem InterRennen in Ölmütz, damals CSSR. Ich fuhr eine
Velocette KTT MK 8
mit Schwingrahmen, Runtsch seine noch aus 1939 stammende
Norton mit Geradeweg-Hinterradfederung. Gegen Ende des über 200 km langen
Rennens überrundete er mich im Windschatten des führenden Engländers Ernie
Thomas. Runtsch kommt in der Flachkurve zu weit nach außen, muss vom Asphalt
herunter auf das Bankett, Ohne nur einen Augenblick das Gas wegzunehmen,
tänzelte er mit der wild, springenden Norton etwa 300 Meter auf dem Bankett,
den Alleebäumen' entlang, eine riesige Staubwolke hinter sich herziehend,
und verschwunden war er aus meinem Blickfeld. Alles bei mindestens 140 bis
150 km Tempo.Dann kreuzte er das Ziel nur knapp hinter Thomas.
Das war Runtsch; ein Rennfahrer mit einem Herz wie ein Löwe
und einem weichen Gemüt, wie es in Wien zu Hause ist. Der „Einsame Wolf" hat
kurz vor seinem Tod sein ganzes, nicht unbeträchtliches Vermögen dem Wiener
Tierschutzverein vermacht. Kann man so einen Meisterfahrer jemals vergessen?
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Datenstand vorerst nur bis 1928 (fuhr aber länger Rennen)
1925
1. Preis Bahnrennen Salzburg
1. Preis Bahnrennen Salzburg
3. Preis Bahnrennen Salzburg
1. Preis Seiberer-Bergrennen
1. Preis Bahnrennen Linz
2. Preis Bahnrennen Linz
1. Preis Tauern-Rennen
1. Preis Bahnrennen Graz
1. Preis Bahnrennen Graz
1. Preis Bahnrennen Graz
2. Preis Bahnrennen Graz
2. Preis Bahnrennen Klagenfurt
1. Preis Zirlerberg-Rennen
2. Preis Bahnrennen Baden
2. Preis Bahnrennen Wels
1. Preis Bahnrennen Altheim
1. Preis Bahnrennen Altheim
2. Preis Bahnrennen Altheim
1. Preis Bahnrennen Krieau, Preis der Stadt Wien
2. Preis Bahnrennen Krieau
1926
1. Preis Tauern-Dennen
1. Preis Allhang-Riederberg
Team-Preis Österreichische Tourist-Trophy
1. Preis Bahnrennen Ried
2. Preis Bahnrennen Ried
1. Preis Riederberg-Rennen
1. Preis Allhang-Idederberg, beste Zeit des Tages
2. Preis Großer Preis von Deutschland
1. Preis Bahnrennen Baden, Preis von Helenental
2. Preis Bahnrennen Baden, 1000 cm³
2. Preis Semmering-Rennen
2. Preis Schwabenberq-Rennen
1. Preis Bahnrennen Ried. 350 cm³
1. Preis Bahnrennen Ried. 500 cm³
2. Preis Bahnrennen Linz
1927
1. Preis Österreichische Tourist-Trophy, bis 175 cm³
1. Preis Allhang-Riederberg. beste Zeit des Tages
1. Preis Pötschenpaß-Rennen, zweitbeste Zeit des Tages
1. Preis Semmnering-Rennen, beste Zeit des Tages
1. Preis Prebichl-Rennen
2. Preis Arlberg-Rennen
2. Preis Schwabenberg-Rennen
1. Preis Riederberg-Rennen, beste Zeit des Tages
1. Preis Gießhübel-Rennen, beste Zeit des Tages
1. Preis Bahnrennen Krieau, 350 cm³ (Shell-Preis
1928
1. Preis Schwabenberg-Rennen, 750 cm³
1. Preis Riederberg-Rennen, beste Zeit des Tages
2. Preis Semmering-Rennen, 500 cm³
3. Preis Bahnrennen Baden, Beiwagen 1000 cm³
4. Preis Bahnrennen St. Veit
1. Preis Saurüssel-Rennen
1. Preis Saurüssel-Rennen
1. Preis Prebichl-Rennen
Besitzer des Prominenten-Abzeichens der Oe. M. R. V
1929
1. Preis Kilometer-Lancé, Douglas,
750 cm³, 20:86 sek = 172,579 km/h
Quelle "Das Motorrad" 1929, Nr. 95, 97
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Peter Krackowizer, 5081 Anif, Österreich