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Die Behandlung von Reise-Unfällen von Reiseveranstaltern

  • Ein erschütterndes Beispiel, in dem es aber letztendlich im Juli 2006 ein Urteil zugunsten der Eltern gab, kann man hier auf meinen Seiten nachlesen. Einen anderen Fall mit persönlichen Anmerkungen von mir schildere ich nachstehend.

    8. November 2007: Der für das Reisevertragsrecht zuständige 12. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf hat entschieden, dass ein Reiseveranstalter an die Eltern des bei einer Urlaubsreise tödlich verunglückten Jungen keinen Schadensersatz zahlen muss. Der Senat hat damit ein erstinstanzliches Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom 31. Oktober 2006 bestätigt (OLG Düsseldorf, Urteil vom 8.11.2007, I-12 U 222/06) - siehe auch " dazu meine Anmerkung 2"

    Reiseveranstalter haftet nicht für Unfalltod auf Schiffsreise LG Düsseldorf, Urteil vom 31.10.2006, Az. 11 O 322/03

    Das Landgericht Düsseldorf hat die u. a. auf Zahlung von Schmerzensgeld, Schadensersatz und Verdienstausfall in Höhe von insgesamt knapp 290.000 ¤ gerichtete Klage der Eltern eines auf einer Schiffsreise vor Bali (Indonesien) zu Tode gekommenen 14-jährigen Jungen abgewiesen. Der Reiseveranstalter hat nicht die ihm obliegende Verkehrssicherungspflicht verletzt, da das Schiff noch wenige Monate vor der Reise inspiziert und untersucht wurde, ohne dass irgendwelche Beanstandungen aufgefallen sind. Er übernimmt gemäß seinem Angebot die Planung und Durchführung der Reise, haftet daher für deren Erfolg und muss grundsätzlich die Gefahr des Nichtgelingens tragen. Deshalb darf der Reisende darauf vertrauen, dass der Veranstalter alles zur erfolgreichen Durchführung der Reise Erforderliche unternimmt. Dazu gehört nicht nur die sorgfältige Auswahl der Leistungsträger, sondern auch deren Überwachung.

    Die Klage der Eltern gegen den Reiseveranstalter wurde vom Düsseldorfer Landgericht abgewiesen. Die Eltern des tödlich Verunglückten kündigten Revision beim Oberlandesgericht an, das jedoch die Berufung als unbegründet abwies (http://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/duesseldorf/j2007/I_12_U_222_06urteil20071108.html).

    Dazu meine ich:

    Anbieter von Leistungen haben nicht nur die gesetzliche Pflicht, alles Menschenmögliche zu unternehmen, dass im Urlaub nichts passiert. Sie haben, aus meiner Sicht, auch eine hohe moralische Verantwortung. Diese Verantwortung sehe ich darin, dass Reiseveranstalter Urlaub anbieten. Also Zeitabschnitte im Jahr, in denen sich Menschen erholen möchten oder müssen. Zeitabschnitte, die für viele Menschen die wichtigste Zeit im Jahr bedeuten.

    Reiseveranstalter gaukeln oftmals die heile Welt vor. Nun, wenn sie schon für Illusionen sind, dann sollten sie aber auch im Falle des Zerplatzens von Traumwelten hinter ihren Kunden stehen.

    Dazu meine Anmerkung 2:

    In der Urteilsbegründung führt das Gericht u.a. an, dass die Ansprüche auf immateriellen Schadenersatz verjährt sind (hier müsste man sicherlich den Fall zeitlich genau kennen, um feststellen zu können, warum eine Verjährung eingetreten ist und wessen Schuld es war, nicht rechtzeitig diese Ansprüche geltend zu machen).

    Zur Sache selbst sieht das Gericht keine Schuld beim Veranstalter, da dieser sich ein Sicherheitszertifikat hat vorlegen lassen und das Schiff mehrmals durch einen Vertreter inspiziert hat. Die Eltern des getöteten Jungen hätten nicht beweisen können, dass dieser Mangel vom Reiseveranstalter hätte entdeckt werden können.

    Ja, irgendwie verständlich. Aber man muss also jetzt bedenken, dass ein Veranstalter zwar haftet, wenn ein Balkon abbricht, weil er sich nicht die Baupläne hat zeigen lassen, aber wenn ein Masten unter Strom steht (dessen Ursache übrigens nicht gefunden wurde und somit jederzeit wieder passieren kann!), dann haftet er nicht.

    Auszug aus Prof. Führich "Reiserecht" 2005:

    "Deliktische Verkehrssicherungspflicht:  Der Veranstalter hat eine eigene Verkehrssicherungspflicht aus unerlaubter Handlung nach §§ 8231 I, 249 ff; 253 II und §§ 842-845 für die unter Vertrag genommenen Leistungsträger wie Hotels, Ferienunterkünfte, Flugzeuge oder Kreuzfahrtschiffe. Diese unternehmerische Pflicht .... Hierbei handelt es sich um Überwachungspflichten ... ...eine Haftungsbeschränkung ist bei Körperschäden nicht zulässig ..." Zitat Ende
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    Wenn man sich zur Reiseveranstaltungstätigkeit entschließt, muss man von den Risiken wissen und sie entweder akzeptieren und so weit wie möglich minimieren, ausschließen oder versichern - oder man lässt das Reiseveranstalten.

    Es kann nicht sein, dass Unternehmen aus verständlichen wirtschaftlichen Gewinnabsichten oder - optimierungen einfach irgendwelche Unterkünfte anbieten und im Falle eines Unfalls wegschauen.

    Wenn sich andere Länder weigern, mitteleuropäische Sicherheitsstandards einzuführen oder anzuwenden, bleibt einem Veranstalter eben nur übrig, dafür zu haften oder man schließt keine Verträge mit Unternehmen in diesen Ländern.

    Niemand wird gezwungen, Reiseveranstalter zu werden. Aber wer einem "Club" beitritt, hat die "Clubregeln" einzuhalten.
    meint Peter

    Autor:
    Peter Krackowizer
    Datum:
    überarbeitet im Dezember 2016

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Peter Krackowizer, Reise-Experte & freier Journalist, Neumarkt am Wallersee bei Salzburg, Österreich