Der repräsentativste Bewohner dieser Region, die auf eine
Jahrtausend alte Geschichte zurückblickt und das Erbe alter Kulturen bewahrt,
ist die Sonne. Blaues, wohltemperiertes Wasser und weite Strandzonen
kennzeichnen diese Küste, deren Kontrast die sanft gewellten Bergketten im
Hintergrund bilden.
Die historische Region Andalusien umfasst die acht südlichsten
Provinzen Huelva, Sevilla, Córdoba, Jaén, Almeria, Granada, Málaga und Cádiz.
Auf rund 87.000 qkm leben hier etwa 6 Millionen Einwohner.
Die Geschichte der Mauren auf dem europäischen Festland begann
mit einer Befehlsüberschreitung: Der Berberführer Tarik war nur zu einem
Beutezug ausgeschickt worden. Er kam 711 bei Gibraltar (Djebel al Tarik, der
„Berg des Tarik“ wurde zu Gibraltar) auf das Festland und schlug mit seinen
angeblich 7.000 Kriegern auf dem Weg nach Jerez das überlegene Heer des
Westgotenkönigs Roderichs. Sein Ehrgeiz trieb ihn, seinem Auftrag zuwider, noch
Toledo einzunehmen. Ein nachrückendes Heer unter Musa ben Nosair eroberte dann
in knapp drei Jahren vier Fünftel der Iberischen Halbinsel. Auf eine goldene
Münze ließ Musa den maurischen Namen des eroberten Landes prägen:
al Andalus.
Die Stärke der Mauren lag im Bereich des Kultivierens. So
entwickelten sie Bebauungsformen des Bodens und der Landschaft, der Bewässerung
und der Gartenkunst. Sie führten Früchte nach Europa ein, die noch heute dort
gedeihen: Zuckerrohr, Dattelpalme, Marillen und Pfirsich. Aber auch bestimmte
Handwerke entwickelten die Mauren zu Künsten: die Seiden- und Tuchweberei, die
Lederverarbeitung, die Fertigung von glasierten Kacheln (Azulejos), von Keramik
und ziselierten Waffen.
Córdoba wurde ein Zentrum der maurischen Mediziner. Die
Werke maurischer Heilkundiger wurden ins Lateinische übersetzt und noch zur
Zeit der Renaissance wiederholt gedruckt. So kannten die Mauren bereits feinste
chirurgische Instrumente und wandten kontrollierte Narkoseverfahren an. Sie
erforschten Infektionskrankheiten und kannten die Antisepsis. Und al Andalus
besaß die ersten Apotheken Europas.
Die Herrschaft der Mauren hielt bis 2. Jänner 1492. Dies war
der Tag, an dem der letzte Nasridenkönig, Boabdil, die Alhambra von Granada
verlassen musste. Noch heute können Sie in vielen Städten Bauwerke dieses
Volkes bewundern.
Ein weiteres Kennzeichen Andalusiens ist der Stierkampf.
Hier in Spanien endet der Kampf immer mit dem Tod des Stieres, im Gegensatz zu
jenen in Frankreich oder Portugal. Die Anfänge des Stierkampfes sind religiöser
Natur. Dass der Stier als Fruchtbarkeitssymbol galt, hat zu verschiedenen
Hochzeitsriten geführt. Die Freunde des Bräutigams zogen am Vortag der Hochzeit
aufs Land, um einen Stier zu holen. Der Bräutigam musste sich dann dem Stier
vor den Augen der Braut auf Tuchfühlung nähern. Denn, so glaubte man, erst
durch diese Berührung übertrug sich die Gabe der Fruchtbarkeit. Die Braut
wiederum musste kleine Speere vom Fenster herunter auf den Stier schleudern und
ihm damit eine blutende Wunde beibringen. Aus diesen Bräuchen entstand dann
schließlich der Stierkampf.
Andalusien ein Land der Geheimnisse, ein Land der Sonne!
Spanisches Sprichwort:
El primer paso es el que cuenta
Der erste Schritt ist der schwerste
wörtlich: der erste Schritt ist der, der zählt