„Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.“
Heinrich Heine, einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts.

Bücher über Deutschland

Wunderwelt Wattenmeer Delius-Klasing Verlag
Straßen der DDR Delius-Klasing Verlag
Hamburg Michael Müller Verlag
Chiemgau und Rupertiwinkel Anton Pustet Verlag
Törnführer Nordseeküste 1: Cuxhaven bis Den Helder
Vier Zimmer, Küche, Boot: Das Hausbootabenteuer
Bodensee Baedeker Reiseführer
Rhein-Neckar DuMont Reise-Taschenbuch

Wunderwelt Wattenmeer

Wunderwelt Wattenmeer

Faszinierende Bilder, trickreiche Natur und viel Wissenswertes.

Wie filigrane Muster durchziehen die vom Wasser gegrabenen Priele die Landschaft, der Leuchtturm Westerheversand blinkt aufs offene Meer, sturmgepeitschtes Wasser füllt eine ganze Seite, eine Strandkrabbe streckt dem Fotografen doppelseitig ihre Scheren entgegen, orange schillert eine Seeanemone im tiefblauen Wasser. Eine Strandkrabbe sucht Schutz in einer geöffneten pazifischen Auster, ein Vogelküken pickt eine winzige Babykrabbe auf. Das sind einige der beeindruckenden Aufnahmen von Martin Stock.

Tim Schröder schildert in 15 Kapiteln, wie Leben im Wattenmeer funktioniert, welche Tiere hier leben und welche Herausforderungen bestehen. Entstehen, Sterben und Bedeutung von Dünen werden erklärt. Pflanzen, die Salz, Sand und Wasser trotzen, werden vorgestellt. Ausführlich behandelt wird die Tierwelt über und unter Wasser. Die Rede ist von den Small Five und den Big Five des Wattenmeers, alles in Bonsai-Größe, aber mit erstaunlichen Überlebenstechniken.

Wenn Sie wissen möchten, ob Austernfischer tatsächlich Austern essen, welche Vogelart jährlich 90 000 Flugkilometer zurücklegt und im Wattenmeer rastet, wozu der Pickfleck bei Silbermöwen dient oder warum Strandhafer so wichtig ist, dann ist dieses Buch eine klare Empfehlung. Scharfe, emotionale Bilder und gut lesbare, informative Texte machen es zu einem Erlebnis.

Autoren Martin Stock, Tim Schröder; erschienen 2020 im Verlag Delius-Klasing, ISBN 978-3-667-11860-0

gelesen 2020

Straßen der DDR

Straßen der DDR

Vielfältige, eindrucksvolle Schwarzweiß-Momente einer vergangenen Epoche.

Als Student des Foto-Film-Designs brach Michael Krone im Mai 1990 zu einer 4 000 Kilometer langen Reise durch die Deutsche Demokratische Republik auf. Die Mauer war erst wenige Monate zuvor gefallen, und Krone wollte ein fotografisches Bild der DDR festhalten.

Das ist ihm gründlich gelungen. Auf 240 Seiten zeigt er Landschaften, Gebäude, Menschen und Stimmungen, wie er sie kurz nach der Öffnung der DDR erlebt hat. Trabant, IFA-Lkw, Dacia, Wartburg – sie prägen viele Bilder. Kopfsteinpflasterstraßen, moderne DDR-Bauten, verfallene Bahnhöfe, Gesichter voller Unsicherheit, ländliche Idyllen und Fachwerkhäuser ergänzen das Bild.

In 18 Kapiteln gliedert Krone seine 396 Schwarzweißaufnahmen, von Magdeburg über MZ-Motorräder und Silberbergbau bis nach Thüringen. Kuriositäten fehlen nicht: ein Tempo-Dreirad-Lieferwagen, ein IFA F8 Kombi, eine Bahnwärterin, die einen Schranken per Hand kurbelt. Besonders positiv fällt auf, dass Krone seine Bilder ausführlich und verständlich beschreibt, etwa beim Bauhaus in Dessau oder beim MZ-Werk in Zschopau.

Lesenswert sind auch die Einleitung des Autors und das Essay von Peter Richter, die das Buch hervorragend einrahmen. Die zweite Auflage wurde überarbeitet und erweitert – und ist ein eindrucksvolles Zeitdokument.

Autor Michael Krone; erschienen 2006 im Verlag Schneider Media UK Ltd., Vertrieb Verlag Delius-Klasing, ISBN 978-3-667-11663-5

gelesen 2020

Chiemgau und Rupertiwinkel: Über Königsschlösser, Lüftlmaler und Zauberberge

Stimmungsvolle Bilder und Unbekanntes aus dem südöstlichen Eck Bayerns.

Wallfahrtsorte, Klöster, Chiemseemaler, merkwürdige Persönlichkeiten und vieles mehr präsentiert dieses gelungene Buch. Pfarl schreibt vom verreckten Mammut von Siegsdorf, vom Leonhardsbrunnen in Leonhardspfunzen, von der Höhlenburg Stein an der Traun, von der Kapelle und dem Einsiedlerhäuschen in Kirchwald bei Nußdorf oder vom Schloss Wildenwart, das eine wichtige Rolle im letzten Akt der bayerischen Monarchie spielte.

Pfarl schreibt in gut lesbarem Stil, informativ, aber nie überladen. Viele Orte machen neugierig, sie selbst zu besuchen. Auch über Alois Irlmaier, den Hellseher von Freilassing, erfährt man mehr. Georgiritt, Ratschenbuben, Totenbretter – Pfarl bringt viele Themen aus dem Chiemgau und Rupertiwinkel. Ein Ortsverzeichnis von Ainring bis Wonneberg sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis runden das Buch ab. Auf den Einbandseiten findet sich eine doppelseitige, sehr genaue Landkarte.

Was das Buch besonders macht, sind die stimmungsvollen Bilder von Toni Anzenberger. Mystischer Nebel über Kloster Seeon, ruhende Boote am Chiemsee im Abendlicht, Früchte im Blitzlicht vor Maria Eck, Sonnenstrahlen wie Scheinwerfer im Wald – die Bilder sind atmosphärisch und eindrucksvoll.

Und wenn Sie wissen möchten, wer Maria Furtner, die Wassertrinkerin von Frasdorf, war, dann sollten Sie dieses spannende und gut geschriebene Buch lesen.

Autor Peter Pfarl; erschienen 2016 im Verlag Anton Pustet Salzburg, ISBN 978-3702508210

gelesen im Oktober 2016

Hamburg Reiseführer

276 Seiten spannend geschriebene Geschichten und aktuelle Erlebnismöglichkeiten.

276 Seiten, 165 Farbbilder, sieben Touren, zwölf Übersichtskarten, bei jeder Tour Restaurant-, Einkaufs- und Nachtleben-Tipps. Dazwischen finden sich Geschichten über das Alsterwasser, den FC St. Pauli, den Paternoster, den Fleetenkieker und vieles mehr – insgesamt 21 Alles-im-Kasten-Infoblöcke.

Selten habe ich 18 Seiten Stadtgeschichte mit so viel Interesse gelesen. Man erfährt, wer Störtebeker war, was es mit dem Duell zwischen Georg Friedrich Händel und Johann Mattheson auf sich hat und warum die Speicherstadt entstand. Durch zahlreiche Querverweise kann man direkt aus dem Geschichtskapitel weiterblättern.

Im Abschnitt Hamburg von A bis Z scheint Kröner kaum etwas vergessen zu haben: Naturbad, Fundbüro, Grillmöglichkeiten im Stadtpark, Sehenswürdigkeiten für Kinder, Hinweise zur schwul-lesbischen Szene und vieles mehr. Der Autor erklärt Verkehrsmittel, geführte Fahrradtouren und sogar, dass ein Helgoland-Ausflug bis zu 88 Euro kosten kann. Übernachten, Essen und Trinken, Kulturleben und Veranstaltungen – letztere sogar monatsweise – runden das Bild ab.

Es folgen sieben Touren auf rund 170 Seiten: Hafen, St. Pauli, Neustadt, Altstadt, St. Georg und Außenalster, Ottensen und Altona-Altstadt, Elbufer sowie Grindelviertel, Schanzenviertel und Eppendorf. Ein Kapitel über Ziele außerhalb des Zentrums ergänzt die Beschreibungen. Wer sich für studentisches oder jüdisches Leben interessiert, wird im Grindelviertel fündig. Das Schanzenviertel zeigt ein alternatives Altbauquartier. Weitere Touren führen nach Eppendorf, zum Tierpark Hagenbeck und auf den Ohlsdorfer Friedhof.

Ob Reeperbahn, Michel, Fischmarkt, St. Pauli, der Spaziergang um die Außenalster oder die Elbphilharmonie – Kröner beschreibt alles in gutem Stil, sachlich, aber mit viel Recherchearbeit.

Ich muss wirklich bald wieder einmal nach Hamburg. Matthias Kröner hat mit seinem Stil und der Fülle an Informationen einen echten Reiseverführer geschrieben.

Autor Matthias Kröner; erschienen 2016 im Michael Müller Verlag in der Reihe Individuell reisen mit vielen praktischen Tipps (MM-City), ISBN 978-3-95654-235-0

gelesen im April 2016

Törnführer Nordseeküste 1: Cuxhaven bis Den Helder

Nicht nur für Segler interessant, sondern auch für Landratten.

Ein Leser kritisierte einmal, dass meine Rezension eines Kochbuchs nichts wert sei, weil ich die Rezepte nicht selbst gekocht hätte. Nun werde ich wohl von Seefahrern kielgeholt, weil ich als Landratte über einen Törnführer schreibe. Doch nicht jeder Leser kauft ein Buch, um die Tätigkeit selbst auszuüben – manchmal möchte man einfach etwas über eine Region erfahren.

Ich wurde nicht enttäuscht. Der Autor ist offensichtlich nicht nur ein erfahrener Segler, sondern auch ein guter Buchautor. Er beginnt mit zehn Seiten Grundinformationen über Gezeiten, Wasserstand, Wind, Navigation und Ausrüstung. Fehlendes Wissen konnte ich gut im Internet nachlesen. Die nächsten elf Seiten behandeln Wassertiefenberechnung, Seewetterbericht, Tidenhäfen, Trockenfallen und Sicherheitsregeln – alles verständlich erklärt.

Dann folgen die Beschreibungen der Törngebiete. Wer denkt, dass hier nur Fachsprache steht, irrt. Natürlich beschreibt der Autor Ansteuerungen, Hafen- und Schleusenplätze, aber auch die Seebeschaffenheit, Frachterrouten und die Inseln selbst. So erfährt man etwa Historisches über Norderney oder die romantische Insel Spiekeroog. Auch zu Wangerooge gibt es interessante Hinweise. Am Festland weist er auf Sehenswürdigkeiten hin.

Übersichtskarten mit Fahrwasserrouten, Tabellen zu Wattenhoch und Wassertiefen sowie informative Bilder ergänzen das Buch. Ich habe als Landratte einen guten Überblick über diesen Küstenabschnitt erhalten und einiges an Fachwissen gelernt. Segler finden viele hilfreiche Tipps, um nicht festzukommen oder Häfen ohne Spritkaufmöglichkeit anzusteuern. Und ein Tipp taucht immer wieder auf: Wenn Wetter oder Wasserverhältnisse plötzlich schlecht werden – ab nach Helgoland!

Autor Jan Werner; erschienen 2016 im Delius Klasing Verlag, 8. Auflage, ISBN 978-3667104373

gelesen im April 2016

Vier Zimmer, Küche, Boot: Das Hausbootabenteuer

Gut geschrieben, aber irgendwie ein ewiger Kampf um Gemütlichkeit.

Es scheint ein ständiger Kampf mit Behörden, Anrainern und technischen Problemen zu sein, wenn man ein Hausboot besitzt – zumindest in Berlin, wo die Familie Eisenhardt lebt. Und selbst wenn es einmal ruhig ist, erfährt die Autorin von Bränden, Untergängen oder ungebetenen Gästen auf anderen Booten.

Die Moral von der Geschichte ist im letzten Kapitel zu finden, doch eigentlich gibt nur der letzte Satz eine Antwort: Dieses Schiff wird glücklich machen, aber das ist eine andere Geschichte. Die Familie wirkt nicht unglücklich, aber so richtig glücklich auch nicht. Geschichten über das Leben an Bord gibt es weniger als erwartet; technische und behördliche Probleme dominieren.

Die Autorin schreibt angenehm lesbar und in gutem Stil. Die Farbbilder geben Einblick in die Entstehung des Hausboots und das Leben an Bord, auch wenn Letzteres etwas kurz kommt. Konkrete Zahlen fehlen weitgehend – außer dem Kaufpreis von 10 137 Euro. Viele Reparaturen und Gebühren dürften jedoch kostspielig gewesen sein. Ohne Ausdauer, handwerkliche Fähigkeiten und Bereitschaft zu Komfortverzicht sollte man sich wohl kein Hausboot zulegen.

Autorin Uta Eisenhardt; erschienen 2016 im Verlag Delius Klasing, ISBN 3-7025-0536-9

gelesen im April 2016

Bodensee

Ein praxiserprobter Führer mit kleinen Verbesserungsmöglichkeiten.

Ich war nun zum dritten Mal am Nordufer des Bodensees unterwegs, diesmal mit der 11. Auflage des Baedekers. Er besteht aus einer genauen Karte im Maßstab 1:200 000, einem kleinen Baedeker special guide mit Veranstaltungen rund um den See und dem eigentlichen Führer mit rund 270 Seiten.

Ich fand zu allen besuchten Orten ausreichende Beschreibungen. Kleine Karten, etwa zu den Kirchen auf der Insel Reichenau, erleichterten die Orientierung. Ein Plan der Insel Mainau samt Rundgang ist hilfreich für Erstbesucher. Das Bildmaterial ist gut, wenn auch nicht immer aktuell. Übersichtskarten vieler Orte helfen bei Parkplatzsuche und Orientierung.

Einige Hinweise fehlen jedoch: die Schiffsverbindung Unteruhldingen–Mainau, die alte Holzbrücke über die Schussen bei Eriskirch, Erklärungen zum Graf-Zeppelin-Haus oder Hinweise zu Jakobuskirche und Torkel in Nonnenhorn. Diese Lücken stehen im Kontrast zu ausführlichen Darstellungen etwa zum Zeppelin-Museum, dem Münster Konstanz oder der Burg Hohentwiel.

Die einleitenden Kapitel über Geschichte, Persönlichkeiten und Übernachten sind mit rund 100 Seiten umfangreich. Drei Touren am Bodensee ergänzen das Angebot. Insgesamt ein brauchbarer Reiseführer, der in der nächsten Auflage vielleicht noch einige Details ergänzt.

Erschienen 2011 im Karl Baedeker Verlag, 11. Auflage, ISBN 978-3-8297-1292-7

gelesen im August 2011

Rhein-Neckar

Bietet übersichtlich viele Tipps für einen abwechslungsreichen Aufenthalt in einer geschichtsreichen Region.

Erschienen 2010 im DuMont Reiseverlag als DuMont Reise-Taschenbuch, ISBN 978-3-7701-7315-0

Wer Speyer als Urlaubsort wählt, findet in diesem Führer zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern: das Pfälzer Weinland im Westen, Worms, Lorsch und Schwetzingen im Norden, den Odenwald mit Neckartal und Heidelberg im Osten und die Sommerresidenz Schwetzingen in der Nähe.

Ob Limes, Burgen, Theater- und Musiklandschaft, Studentenlokale in Heidelberg, Feste wie das Hambacher Fest, Wein, die Metropolregion Mannheim oder der Geopark Bergstraße-Odenwald – dieser Führer ist voll mit Ideen. Die Beschreibungen strahlen Gemütlichkeit und Geruhsamkeit aus und vermitteln einen fast beschaulichen Lebensstil im Südwesten Deutschlands.

Interessant ist der Streifzug durch das studentische Heidelberg mit Hinweisen zu günstigen Essensmöglichkeiten wie der Marstall-Mensa oder Steffels Hostel. Der Führer kann aufgrund der Fülle nicht in die Tiefe gehen, ist aber für einen Urlaub, der Kultur und Natur verbindet, eine sehr brauchbare Hilfe.

Autoren: Gisela Atteln und Helmuth Bischoff

gelesen im Jänner 2011