„Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien,
denn dort passiert alles fünfzig Jahre später..“
Gustav Mahler (1860–1911), österreichischer Dirigent und Komponist

Buchtipps für Österreich

Es gäbe über herrliche Bildbände zu berichten oder von Reisebeschreibungen zu erzählen. Aber ich kann nur ein paar Rosinen herauspicken und hier präsentieren.

Mit weitem Blick: Niederösterreich in Landschaftsporträts
Hallstatt World Heritage: Musik · Kultur · Land · Leute
Bad Ischl
Geheimnis Moor: Im Voralpenland zwischen Ibm und Ainring
Gärten der Kraft: In Wien und Umgebung
Die Donau: Geschichte und Geschichten vom großen Strom
Alles Dirndl
Tatzelwurm und Donauweibchen, Österreichs Naturgeister und Sagengestalten
75 Lehrwege und Erlebnispfade: Oberösterreich – Salzburg – Berchtesgaden
Bertha von Suttner: Kämpferin für den Frieden
So war’s der Brauch
Erlebnis Großglockner Hochalpenstraße
Scheller, Schleicher, Maibaumkraxler: Bräuche in Österreich
Mystisches Salzburg: Sagenhaft · Urwüchsig · Verborgen
Die Pasterze: Der Gletscher am Großglockner
Romantisches Wien: Verschwiegene Orte · Verträumte Winkel
Von Klapotetz und Sauvignon: Genussgeschichten aus der Südsteiermark
Alt Österreich – Menschen, Länder und Völker der Habsburgermonarchie 1790–1916
Österreicher entdecken die Welt: Forscher, Abenteurer, Pioniere
Als die Scheiterhaufen brannten: Hexenverfolgung in Österreich
Wien DuMont Kunst-Reiseführer
Österreichs Helden zur See
Weihnachtsbräuche in Österreich
Wie’s früher war: vom Leben auf dem Land (Oberösterreich)
Pilgerwege in Oberösterreich
Salzkammergut, die Welt von gestern in Farbe
Heiliges und Wundersames, Unterwegs zu außergewöhnlichen Plätzen in Österreich
Faszination Salzkammergut
Kraut & Ruam, das umfassende Handbuch des Oberösterreichwissens
Oberösterreich mit den Augen des Adlers

Mit weitem Blick: Niederösterreich in Landschaftsporträts

Mit weitem Blick: Niederösterreich in Landschaftsporträts

Die Facetten Niederösterreichs in ausdrucksstarken Bildern festgehalten.

In der Wachau, im Mostviertel, beim Ötscher, im Wald- und Weinviertel, in den Donauauen, bei Rax, Schneeberg und Semmering sowie im Wienerwald begab sich Michael Liebert auf Aussichtspunkte und hielt die Landschaft in eindrucksvollen Bildern fest. Uschi Korda ergänzt die Bildstrecken mit kurzen Einleitungstexten voller Geschichte und Wissenswertem.

Das Buch lebt von den doppelseitigen, 20 x 60 cm breiten Fotografien. Schon das Titelbild von der Ferdinandswarte in der Wachau vermittelt einen Vorgeschmack auf die stimmungsvollen Aufnahmen. Liebert spielt mit Gegenlicht, Nebel, kräftigen Farben und klaren Strukturen und schafft so atmosphärische Landschaftsporträts.

Zwölf Kühe wie Models vor einem Vierkanthof, blühende Obstbäume vor der Wallfahrtskirche Sonntagberg, die sanfte Landschaft um den Ötscher, idyllische Wald- und Seenlandschaften im Waldviertel, Weingärten im Retzerland, Schloss Mailberg, Ruine Falkenstein, Boote in den Donauauen, Schlösser im Marchfeld, Bergwelten von Rax und Semmering oder der 20-Schilling-Blick – die Vielfalt ist groß.

Liebert verleiht jedem Bild durch Licht, Farbe und kleine Details einen eigenen Charakter. Die Aufnahmen wecken Sehnsucht nach einem Besuch dieser Regionen. Ein sehr schöner Bildband über eine vielfältige österreichische Landschaft.

Erschienen 2016 im Benevento-Servus-Verlag Salzburg, ISBN 978-3710401220

gelesen im Dezember 2016

Hallstatt World Heritage: Musik · Kultur · Land · Leute

Informativ und detailreich mit gutem Bildmaterial.

Der Autor ist gebürtiger Hallstätter und Fotograf – beides merkt man dem Buch positiv an. Er beleuchtet das weitläufige Gemeindegebiet aus verschiedenen Blickwinkeln: Musik, Kultur, Menschen und Landschaft. Das Gebiet reicht bis zum Hallstätter Gletscher am Dachstein.

Die Bildqualität ist überwiegend ausgezeichnet, die Informationen kompakt und die Gestaltung ansprechend. Interessant ist etwa, dass die Ururgroßeltern mütterlicherseits von Mozart aus Hallstatt stammten. Praktisch ist die letzte Seite mit Internetlinks und Telefonnummern der wichtigsten Fremdenverkehrseinrichtungen.

Die kurzen Texte in deutscher und englischer Sprache geben Einblicke in rund 30 Themen. Manche davon betreffen Hallstatt nur am Rande, etwa Bad Ischl, Salzburg oder die Geigen von Amati. Einige Kapitel erscheinen im Verhältnis zum Thema etwas umfangreich, etwa vier Seiten über den Krampus oder 18 Seiten Rezepte aus Österreich, die nicht hallstattspezifisch sind.

Die 20 Zeilen über Salzburg sind sehr touristisch formuliert, und die Salzburger Nockerln als traumhafte Nachspeise zu bezeichnen, sei dem Hallstätter Autor verziehen. Insgesamt bleibt der positive Gesamteindruck eines detailreichen Buches bestehen.

Autor Josef M. Fallnhauser; erschienen 2016 im Verlag Anton Pustet Salzburg, ISBN 978-3702508562

gelesen im August 2016

Bad Ischl: Mit und ohne Kaiser

Bad Ischl: Mit und ohne Kaiser

Salz, Bühnen, Sommerfrische – Bad Ischl war mehr als nur der Kaiser, und dieses Buch zeigt es eindrucksvoll.

Die zahlreichen Schwarzweiß- und Farbabbildungen und die übersichtlich gehaltenen Texte vermitteln das Gefühl, dass Bad Ischl immer etwas Besonderes war. Während anderswo Protestanten ihre Heimat verlassen mussten, war das Haus Habsburg im Ischler Raum auf sie angewiesen. Die Salzgewinnung prägte die Region.

Die Besetzung durch die Franzosen Anfang des 19. Jahrhunderts erwies sich später als Werbung: Offiziere kehrten als Gäste zurück – der Beginn des Fremdenverkehrs. Die Entdeckung der Heilwirkung der Sole und die Geburt der Salzprinzen machten Ischl zum Treffpunkt des europäischen Hochadels.

Das Buch behandelt die letzten Tage vor dem Ersten Weltkrieg, das Manifest An meine Völker, die Blütezeit der Sommerfrische mit Persönlichkeiten wie Karl Kraus, Richard Tauber oder Franz Lehár, das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit mit Sissi-Filmen und Hofjagd in Ischl.

Die Autoren spannen einen Bogen über tausend Jahre Geschichte und präsentieren ihn in Wort und Bild so, dass der Leser weder gelangweilt noch überfordert wird. Der Band ist im gewohnt hochwertigen Druck des Brandstätter Verlags erschienen.

Autor Christian Rapp; erschienen 2016 im Brandstätter Verlag, ISBN 978-3850339919

gelesen im August 2016

Geheimnis Moor: Im Voralpenland zwischen Ibm und Ainring

Abwechslungsreicher und informativer Inhalt mit sehr gutem Bildmaterial.

Das Abschmelzen des letzten Salzachgletschers vor rund 12 000 Jahren hinterließ im Rupertiwinkel, im nördlichen Salzburger Flachgau und im südlichen Innviertel mehrere Moore. Diese wurden zunächst gemieden, später zum Torfstechen genutzt und in jüngerer Zeit unter Schutz gestellt. Kurt Wolfgang Leininger hat über diese Moore recherchiert und seine Eindrücke fotografisch festgehalten.

Er bietet historische Rückblicke, wirtschaftliche Entwicklungen wie im Bürmooser Moor, wo Torf Grundlage einer Glas- und Ziegelindustrie wurde, und erinnert an dunkle Kapitel wie das Arbeitslager im Schönramer Filz. Wie aus Moorregionen touristische Wohlfühlregionen wurden, zeigt er am Beispiel des Seelentiums im Oberinnviertel.

Weitere Kapitel behandeln Heilmittel aus Moor, ein Kurhaus, das Moorpackungen anwendet, sowie Kochen, Braten und Backen mit Torf. Zitate von Schriftstellern und Sagen ergänzen die Texte. Stimmungsvolle Bilder zeigen Landschaften, Tiere und Pflanzen, darunter eine beeindruckende Aufnahme einer Plattbauchlibelle oder ein fast impressionistisches Bild aus dem Haarmoos.

Das Buch bietet abwechslungsreiche Informationen, ist technisch gut gemacht und eignet sich auch als Wanderführer durch diese drei aneinandergrenzenden Landschaften.

Autor Kurt Wolfgang Leininger; erschienen 2014 im Verlag Styria Regional, ISBN 978-3701201686

gelesen im August 2014

Gärten der Kraft: In Wien und Umgebung

Gärten der Kraft: In Wien und Umgebung

Über vergessenes, geheimnisvolles Wissen in Parks und Gärten sowie eindrucksvolles Bildmaterial.

Der Garten des Lehar-Schikander-Schlössls in Nussdorf, die geheimnisvollen Kraftlinien Schönbrunns, Erdquadrat und Himmelskreis in Schloss Hof, die Gruft des Barons Carl von Sothen oder der Badetempel beim Preindl-Salettl im Wienerwald – das sind nur einige der über 30 Parks, Ruheoasen und Kraftorte, die Gabriele Lukacs beschreibt.

Sie geht Verbindungslinien zwischen kaiserlichen und fürstlichen Schlössern nach, spürt verschlossenem Geheimwissen nach wie der allegorischen Zeittreppe im Belvedere, führt zu einem Erd-Akupunkturpunkt im Volksgarten und schreibt über die Drachenkraft des Kahlenbergs. Das Buch zeigt bekannte und vergessene Orte, die alle eine besondere Kraft ausstrahlen.

Der Fotograf Sven Posch und die Autorin selbst haben eindrucksvolles Bildmaterial beigesteuert: der versteinerte Sänger im Pötzleinsdorfer Schlosspark, mystische Gewitterwolken über dem Augarten oder das Stift Klosterneuburg zwischen tiefblauem Himmel und roten Rosen.

Das Buch liest sich spannend, ist bildlich ausgezeichnet, handlich und bietet neben Geschichten und altem Wissen auch praktische Informationen wie Lage und Öffnungszeiten. Auch ein gestandener Wiener wird hier Neues entdecken.

Autorin Gabriele Lukacs; erschienen 2014 im Verlag Pichler, ISBN 978-3854316671

gelesen im August 2014

Die Donau: Geschichte und Geschichten vom großen Strom

Die Donau: Geschichte und Geschichten vom großen Strom

Geschichte und Geschichten verspricht das Buch – und hält sein Versprechen.

59 Fischarten tummeln sich in der Donau, Joseph Kyselak berichtet über ein Gasthaus in Passau, Adalbert Stifter, Leopold Mozart und Franz Grillparzer finden Erwähnung. Tötschinger fragt, ob Wien wirklich an der Donau liegt oder nur an einem Seitenarm, schildert Schlösser, Stifte, Schlachten und Feldzüge rund um Wien, die Besetzung der Stopfenreuther Au 1984 und die letzten Tage Kaiser Karls in Eckartsau.

Er folgt österreichischen Spuren entlang der Donau durch Ungarn bis zum Schwarzen Meer, erzählt von Römern, der kurzzeitigen Kaperung des DDSG-Schiffs Radetzky und vielen weiteren Episoden.

Der Stil ist angenehm lesbar, informativ und nie trocken. Historische Aufnahmen und alte Zeichnungen wechseln mit aktuellen Ansichten und machen das Buch anschaulich. Ein Quellenverzeichnis sowie Personen- und Ortsregister runden es ab.

Ein zeitloser Reiseführer, der einen der ältesten Kulturräume Europas verständlich näherbringt.

Autor Gerhard Tötschinger; erschienen 2013 im Verlag Amalthea Wien, 2. Auflage, ISBN 978-3850028240

gelesen im Februar 2014

Alles Dirndl

Gar nicht kitschig, dafür sehr umfassend und informativ mit gutem Bildmaterial.

Dirndl trifft Persönlichkeit, Stoff, Accessoires, Erotik, Politik und die Welt – insgesamt elf Themen. Die Autorinnen haben eine beeindruckende Fülle an Informationen zusammengetragen.

Nach einer geschichtlichen Einleitung über das Salzkammergut als Geburtsstätte des Dirndls folgen Bräuche aus verschiedenen Bundesländern. Im Kapitel Dirndl trifft Persönlichkeit geht es um Gexi Tostmann, Gerhard Gössl, Tanja Pflaum und andere. Auch Vertreterinnen der Avantgarde wie Susanne Bisovsky werden vorgestellt.

Hochzeitsdirndl, Filmgeschichte, Accessoires, Blaudruck, Ausseer Handdruck – das Buch deckt alles ab. Ein Kapitel über Kuriositäten und ein Glossar runden es ab. Ein wirklich gut gemachtes Buch mit sehr gutem Bildmaterial.

Autorin Daniela Müller; Bilder von Susanne Trettenbrein; erschienen 2012 im Verlag Anton Pustet, ISBN 978-3702506933

gelesen im Dezember 2013

Tatzelwurm und Donauweibchen: Österreichs Naturgeister und Sagengestalten

Altes Wissen sachlich aufbereitet und verständlich beschrieben.

Das Wort Dämon bezeichnete ursprünglich den Geist Verstorbener und hatte eine positive Bedeutung. Erst die Kirche machte daraus ein negatives Wesen. Dies ist nur eine der vielen Hintergrundinformationen in diesem gut recherchierten Buch.

Luft-, Erd-, Feuer- und andere Naturgeister werden erklärt, ebenso Feen, Riesen, Zwerge und Wesen wie Basilisk, Einhorn, Percht, Krampus oder Wechselbalg. Einige Illustrationen ergänzen die Beschreibungen.

Der Autor bezieht sich immer wieder auf österreichische Sagenorte. Hintergrundwissen erleichtert das Verständnis, warum bestimmte Gestalten entstanden. Das Buch ist sachlich, klar und keineswegs esoterisch.

Was die Hexe Befana mit der Pudelmutter verbindet, welche dunklen Wesen in Kinderliedern vorkommen oder wie Frau Holle, Hulda und Percht zusammenhängen – all das findet sich hier. Einzig ein Stichwortverzeichnis fehlt.

Autor Reinhard Pohanka; erschienen 2013 im Verlag Amalthea Wien, ISBN 978-3850028233

gelesen im Dezember 2013

75 Lehrwege und Erlebnispfade: Oberösterreich – Salzburg – Berchtesgaden

Übersichtlich beschrieben und vielfältige Themen.

Lehrwege sind Wege mit Schautafeln oder Objekten, die den Wanderer informieren – das wird klar vermittelt. Bei manchen Erlebnispfaden passt die Bezeichnung jedoch nicht ganz, etwa beim Natur- und Europaschutzgebiet Tauglgries oder der Almbachklamm.

Abgesehen davon sind die 75 Vorschläge interessant und gut aufbereitet. Positiv fällt auf, dass tatsächlich die Wege beschrieben werden – im Gegensatz zu manch anderen Büchern, die lieber über Geschichte schreiben als über die Wanderung selbst.

Der Einleitungsblock bei jedem Vorschlag ist hilfreich: Wo, wie kommt man hin, Ausgangspunkt, Gehzeit, Anforderungen, Einkehr, Sehenswertes und Hinweise. Kleine Übersichtskarten ergänzen manche Artikel.

Die Themen reichen von Pilger-, Schmetterlings- und Moorlehrpfaden über Spuren des Turbinenerfinders Viktor Kaplan bis zu Anton Bruckner. 39 Vorschläge liegen in Salzburg, zwei in Tirol, 18 in Oberösterreich und 16 im Berchtesgadener Land.

Autorin Tatjana M. J. Rasbortschan; erschienen 2013 im Verlag Anton Pustet, ISBN 978-3702507077

gelesen im November 2013

Bertha von Suttner: Kämpferin für den Frieden

Bertha von Suttner: Kämpferin für den Frieden

Schildert anschaulich Sittenbild und politische Entwicklung der damaligen Zeit sowie das Leben von Bertha von Suttner.

Obwohl Bertha von Suttner als lebenslange Freundin Alfred Nobels diesen zur Stiftung des Nobelpreises angeregt hatte, erhielt sie erst bei der fünften Vergabe und als erste Frau den Preis. Sie stammte aus der vornehmen Prager Familie von Kinsky, kämpfte jedoch zeitlebens damit, nicht wirklich zur Aristokratie zu gehören, da ihre Mutter bürgerlich war. Auch ihre Heirat mit Arthur von Suttner sorgte für Aufregung, da sie ohne Einwilligung der Familie erfolgte. Acht Jahre lebten die beiden im Kaukasus, bevor sie nach Wien zurückkehrten und schließlich doch von der Familie aufgenommen wurden.

Erst im Alter von 46 Jahren schrieb sie ihr weltberühmtes Buch Die Waffen nieder – und erst dann begann ihre Karriere als Friedenskämpferin. Die Waffen nieder waren auch ihre letzten Worte.

Brigitte Hamann schildert das Leben dieser außergewöhnlichen Frau anhand von Tagebüchern, Memoiren, Korrespondenzen und Zeitungsberichten. Sie trennt die verschiedenen Lebensabschnitte klar: die Zeit im Kaukasus, das Schriftstellerinnenleben, der Friedenskampf, die Entstehung des Nobelpreises, ihre Haltung zum Feminismus und die politischen Entwicklungen ihrer Zeit. Dadurch entsteht ein übersichtliches, gut verständliches Bild.

Auf über 300 Seiten entfaltet sich die Zeit zwischen 1850 und 1914. Der Leser versteht besser die Gründe für den Ersten Weltkrieg, die Anfänge des Deutschnationalismus und das gesellschaftliche Klima der k. k. Monarchie. Hamann zeigt die liberale Haltung Suttners, die auf Widerstand, Spott und Hass stieß, und die enorme Kriegslust in Europa.

Das Buch ist mehr als eine Biografie: Es schildert schonungslos die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der Zeit. Zahlreiche zeitgenössische Bilder, Postkarten und Simplicissimus-Drucke ergänzen den Text. Ein umfangreiches Quellen- und Schriftverzeichnis rundet das Werk ab.

Autorin Brigitte Hamann; erschienen 2013 im Christian Brandstätter Verlag Wien, ISBN 978-3-85033-773-1

gelesen im April 2012

So war’s der Brauch

Eine Fundgrube von Gewohnheiten und Ritualen, die heute kaum noch jemand kennt.

Auf 157 Seiten schildert die Historikerin Inge Friedl Bräuche aus Kärnten, der Steiermark und Oberösterreich. Sie betont, dass sie nur einen Teil der regionalen Vielfalt abbilden kann, da jedes Tal und jedes Dorf eigene Rituale hat.

Der Leser erfährt den Unterschied zwischen Danke und Vergelt’s Gott, wie das Bienenaufwecken funktioniert oder dass das Raufen zu einer Hochzeit gehört. Warum ein Vogerl davonflog, als der Schuldirektor einem Buben das Grüßen beibrachte, warum ein Sauschädel zweimal gestohlen wurde und was Pfoad, Firta und Gradlhose bedeuten.

Besonders wertvoll sind die Beiträge lebender Zeitzeugen, die in Mundart verfasst sind. Sie berichten etwa vom Zusammenhang zwischen Luzifer und der Rorate, von Abschiedsreden an der Türschwelle oder vom Virgisegnen. Diese Erzählungen verleihen dem Buch Authentizität.

Gegen Ende folgen Landler-Gstanzln, alte Spiele und drei Rezepte wie Küahtutten mit Schnaps. Ein Glossar erklärt Dialektbegriffe. Friedl schreibt auch über weniger sinnvolle Traditionen, etwa die Angst vor Krampus und Bartl Putz, die aus schwarzer Pädagogik resultierte.

Einziger Wermutstropfen sind die schwarzweiß gedruckten Bilder mit Braunstich, die teilweise unscharf wirken. Inhaltlich jedoch ist das Buch eine wertvolle Sammlung alter Bräuche.

Autorin Inge Friedl; erschienen 2012 in der Verlagsgruppe Styria, Styria Regional, ISBN 978-3-7012-0119-8

gelesen im Dezember 2012

Erlebnis Großglockner Hochalpenstraße – Adventure Großglockner High Alpine Road

Schilderung vielfältiger Erlebnisse in Hochgebirgslandschaft mit guten Bildern.

Eine Raststätte, durch deren Mitte eine Gemeindegrenze verläuft, ein Wirt, der verletzte Murmeltiere aufzieht, Schneefräsen aus der Zeit Hofrat Wallacks, die Geschichte der Hexenküche, ein Vermessungspunkt auf der Edelweißspitze, das Kunstwerk Kraft Wellenberg, Bergmännlein in Stein, die Glocknersage oder die üppige Verpflegung bei der Erstbesteigung des Großglockners – Herbert Gschwendtner erzählt viele spannende Details.

Die ganz- und doppelseitigen Bilder zeigen eindrucksvolle Gebirgslandschaften und besondere Details wie den Hexenzahn, eine Türkenbundlilie mit Biene oder den Blick aus einem Tunnel am Gamsgrubenweg. Zwei Bilder sind qualitativ schwächer, insgesamt ist das Bildmaterial jedoch sehr gut.

Besonders hervorzuheben sind die Karte auf den Innenseiten, ein Stichwortverzeichnis, ein doppelseitiges Panoramabild von der Edelweißspitze und die zweisprachigen Texte.

Ein Buch, das die Vielfalt der Erlebnisse entlang der Großglockner Hochalpenstraße schildert, ohne zu ermüden. Ideal für Salzburger und Gäste.

Autor Herbert Gschwendtner; erschienen 2012 im Verlag Anton Pustet Salzburg, ISBN 978-3-7025-0674-2

gelesen im Mai 2012

Scheller, Schleicher, Maibaumkraxler

Bräuche in Österreich: Fasching, Ostern, Frühling. Unterhaltsam, informativ und fundiert recherchiert.

Giggeler und Bajatzl, Blochziehen in Tirol, Metzgersprung, Faschingseingraben, Trauerzug mit leeren Geldbörsen, Valentinstag ohne Bezug zum heiligen Valentin, Passionsspiele, Franzosen-Verscheuchen im Lungau, Milchkannen-Donnern, Prangstangen, Jungfrauenaufwecken, Böllerschießen als UNESCO-Kulturerbe, Sauhaxenopfer, Viehumtragen, Krawattentag und Sunnawendhansl – das Buch ist eine wahre Schatzgrube alter und neuer Bräuche.

Reinhard Kriechbaum schreibt mit Humor, fundiert und kritisch. Er erklärt Hintergründe, stellt Zusammenhänge her und kommentiert Traditionen mit einem Augenzwinkern. Besonders praktisch sind die Infoblöcke am Ende jedes Beitrags: wo der Brauch stattfindet, wann und wo man Auskunft erhält.

Das Buch ist bunt – in Themen, Bildern und regionaler Vielfalt. Es richtet sich nicht an Traditionalisten, sondern an alle, die wissen möchten, warum Bräuche entstanden sind und wie sie heute gelebt werden.

Erschienen 2012 im Verlag Anton Pustet, ISBN 978-3702506643

gelesen im April 2012

Mystisches Salzburg: Sagenhaft · Urwüchsig · Verborgen

Faszinierende Bilder, Berichte über Unbekanntes, anschaulich und lebendig geschrieben.

Ein Blick in das rötlich beleuchtete Innere einer Kapelle in den Katakomben, Nebel über der Salzach, Fackeltänzer bei der Festspieleröffnung, das Krimmler Tauernhaus unter blauem Himmel, ein Löwenkopf an der Kirchentür von St. Leonhard im Lungau als Zeugnis des Venediger-Handels, der Schaidberger Predigtstuhl im Abtswald, die Michaelsstatue am ehemaligen Höllbräu, der furchterregende Teufel im Jedermann oder der nächtlich beleuchtete Gasteiner Wasserfall – Toni Anzenberger zeigt Salzburg in eindrucksvollen, teils unbekannten Perspektiven.

Peter Pfarl ergänzt die Bilder mit lebendigen Texten. Er berichtet über neue Erkenntnisse zur Kupferforschung, über Rätsel des Dürrnbergs, über die Frühgeschichte Salzburgs im St.-Peter-Bezirk, über Mystisches vom Untersberg, über Ritzzeichen gegen das Böse, über die Protestantenvertreibungen, Hexenverfolgungen und die Geschichte des Zauberers Jackl. Er erzählt von verschwundenen Kapellen, seltsamen Heiligen und merkwürdigen Bräuchen.

Das Buch zeigt ein Salzburg abseits der touristischen Klischees – warm in den Farben, reich an Geschichten und voller Entdeckungen.

Erschienen 2011 im Verlag Anton Pustet, ISBN 978-3702506506

gelesen im Februar 2012

Die Pasterze: Der Gletscher am Großglockner

Wissenschaftlich, aber mit vielen interessanten und verständlichen Beiträgen.

Der Leser erfährt alles über Gletscherhydrologie, Gletschergeschichte, Entdeckung und touristische Entwicklung der Pasterze, Pflanzen- und Tierwelt, Auswirkungen des Massentourismus und Zukunftsfragen. Die Autoren erklären die Themen verständlich und abwechslungsreich.

Besonders interessant sind historische Karten und Fotografien sowie die Verbindung zur Entstehung des Nationalparks Hohe Tauern. Die Pasterze war Teil eines kleinen Kerngebiets, das Albert Wirth 1918 kaufte, um es vor Erschließung zu schützen. Vergleichsbilder zeigen eindrucksvoll den Rückgang der Eismächtigkeit.

Knapp 160 Seiten hochwertige Information mit sehr gutem Bildmaterial von 19 Experten.

Erschienen 2011 im Verlag Anton Pustet; Autoren Gerhard Karl Lieb und Heinz Slupetzky; ISBN 978-3702506520

gelesen im Dezember 2011

Romantisches Wien: Verschwiegene Orte · Verträumte Winkel

Zeigt ein anderes Wien mit Blick für Kleinigkeiten, Schönes und Geschichten.

Das Buch führt nicht zu den großen Sehenswürdigkeiten, sondern zu stillen, verträumten Orten: die Römischen Ruinen am Schönbrunner Berg, das Spittelbergviertel, der Park des Palais Liechtenstein, das Dreimäderlhaus am Mölkersteig, die Villa Aurora oder der mit Wein bewachsene Innenhof des Deutschordenhauses.

Der Leser erlebt ein dörfliches, altes Wien. Die stimmungsvollen Bilder zeigen farbenfrohe Details, herbstliches Laub, stille Winkel und unbekannte Perspektiven. Die Texte erzählen Geschichten über Mozart, Sisi, Maria Theresia, ein Altwiener Dorf vor dem Kärntnertor und viele andere Episoden.

Ein Bilderbuch, das zum Lesen einlädt – und zum Wiederentdecken der Stadt.

Erschienen 2011 im Pichler Verlag (Verlagsgruppe Styria); Autorin Barbara Sternthal; ISBN 978-3854315520

gelesen im Oktober 2011

Von Klapotetz und Sauvignon: Genussgeschichten aus der Südsteiermark

Sprachlich treffend geschrieben, inhaltlich gehaltvoll und mit animierenden Bildern.

Es geht um südsteirische Genüsse, Wein, Buschenschanken und bodenständige Kost. Rupperti schildert Land und Leute, Winzer und Wirte und erklärt fachlich Rebsorten und Begriffe wie Steirische Terroir- und Klassikweingüter. Sie beschreibt die Ausbildung zum Winzer, den Klapotetz und porträtiert zwölf Winzer der neuen Generation.

Die Autorin führt durch die Landschaft rund um Gamlitz, von Buschenschank zu Buschenschank, von Weingut zu Weingut. Die Bilder von Arnold Pöschl sind farbenfroh und aussagekräftig. Zu jedem Kapitel gibt es Adressen und Links.

Zwei Schönheitsfehler: Es fehlt ein Register, und die Karte im hinteren Einband enthält viele erwähnte Orte nicht. Inhaltlich jedoch ein gelungenes Buch.

Erschienen 2011 in der Verlagsgruppe Styria, Styria Regional; Autorin Evelyn Rupperti; ISBN 978-3701200603

gelesen im Oktober 2011

Alt Österreich – Menschen, Länder und Völker der Habsburgermonarchie 1790–1916

Die Menschen der Monarchie-Länder und ihr Leben stehen im Mittelpunkt.

Grundlage des Buches sind die 21 Bände der landeskundlichen Enzyklopädie Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, die Kronprinz Rudolf ab 1884 herausgab. 432 Autoren verfassten 587 Beiträge mit insgesamt 12 596 Textseiten und 4 529 Illustrationen.

Alt Österreich bietet daraus rund 200 Feder- und Pinselzeichnungen, handkolorierte und schwarzweiße Aufnahmen aus allen Teilen der Monarchie. Viele Bilder sind mit Originaltexten aus dem Kronprinzenwerk versehen, was Einblicke in das Leben des 19. Jahrhunderts ermöglicht. So erfährt man etwa Unterschiede zwischen obersteirischem Kegelscheiben oder über den Brauch des Schmackostern in Böhmen.

Der Autor führt auf 24 Seiten in die Zeit und Geografie der Monarchie ein, zeigt historische Karten, eine Betkarte von 1898 oder Aufnahmen von Menschen aus verschiedenen Regionen. Ein Kapitel schildert die Reise der Kinder Kaiser Leopolds II. aus der Toskana nach Wien, darunter Erzherzog Johann. Weitere Kapitel widmen sich den Regionen der Monarchie mit geografischen Daten, Karten und Bildern.

Im Kapitel Räume und Zeiten werden die Herrscher von Leopold II. bis Franz Joseph I. vorgestellt. Es folgen Darstellungen aus dem Kronprinzenwerk, vor allem Menschenabbildungen, die Kleidung, Lebensumfeld und Arbeit der Bevölkerung zeigen. Viele Abbildungen sind gestochen scharf und detailreich.

Leider enthält das Buch einige Bildbeschriftungsfehler, die im Abbildungsverzeichnis korrigiert werden. Ein Anmerkungsverzeichnis, Bibliografie, Ortsregister und Künstlerverzeichnis runden das Werk ab.

Ein wissenschaftlich fundiertes Buch mit einmaligen Abbildungen.

Erschienen 2011 im Brandstätter Verlag Wien; Autor Hans Petschar; ISBN 978-3850334730

gelesen im Oktober 2011

Österreicher entdecken die Welt

Forscher, Abenteurer, Pioniere. Man lernt 51 Österreicher und ihre Pionierleistungen gut lesbar kennen.

Wenn über Pioniere gesprochen wird, fallen meist dieselben Namen – selten jedoch österreichische. Dieses Buch stellt 51 Österreicher vor, die weltweit Bedeutendes geleistet haben: Johann Baptist Natterer, 18 Jahre Naturforscher in Brasilien; Johannes Grueber, erster Europäer, der Tibet durchquerte; Joseph Tiefenthaler, Vater der modernen indischen Geografie; Karl von Scherzer, Forscher und Diplomat in Mittelamerika; Ida Pfeiffer, Weltreisende; und viele mehr.

Je nach Quellenlage umfasst ein Kapitel eine bis mehrere Seiten, mit Porträts, Zeichnungen, Karten und zeitgenössischen Abbildungen. Berührende Berichte wie jener über Rudolf Pöch, der sich als Pestarzt in eine Isolierbaracke einsperren ließ, oder dramatische Erlebnisse wie jene des in Khartum inhaftierten Slatin Pascha, machen das Buch besonders eindrucksvoll.

Die Abbildungen veranschaulichen die Texte und zeigen den Wissensstand der jeweiligen Zeit. Originaltexte aus Tagebüchern und Publikationen ergänzen die Kapitel. Immer wieder fallen Pionierleistungen auf, etwa die Erkenntnis Eusebius Franciscus Kühns, dass Niederkalifornien eine Halbinsel ist – seine Karte blieb jahrhundertelang unübertroffen.

Ein umfangreiches Literaturverzeichnis und ein Bild- und Quellennachweis runden das Buch ab.

Erschienen 2011 in der Verlagsgruppe Styria, Styria Premium; ISBN 3222133298

gelesen im Oktober 2011

Als die Scheiterhaufen brannten: Hexenverfolgung in Österreich

Sehr sachlich fundierte, umfassende Aufarbeitung mit zahlreichen Fallbeispielen.

Dr. Ackerl räumt zu Beginn mit Irrtümern auf: Nur rund 55 Prozent der Angeklagten waren Frauen, und die Prozesse lagen meist nicht in kirchlicher Hand. Dennoch kommt die katholische Kirche nicht gut weg: Papst Gregor IX. setzte 1231 einen Ausrottungsfeldzug in Gang, Salzburger Erzbischöfe ließen Frauen und sogar einen Pfarrer verbrennen, und im Fall des Zauberer Jackl wurden über 100 Kinder und Jugendliche hingerichtet.

Nach vielen Fallbeispielen erklärt die Autorin die Hintergründe der Hexenverfolgungen, den Ablauf der Prozesse, die Denkfehler der Richter und die grausamen Foltermethoden. Sie beleuchtet das wirtschaftliche Umfeld des 16. und 17. Jahrhunderts, das ebenfalls eine Rolle spielte.

Beispiele von Gegnern der Hexenverfolgung zeigen, warum sich diese erst langsam durchsetzen konnten. Erschreckend ist immer wieder die Rolle der Kirche, deren Hasspredigten Frauen zum Feindbild machten.

Das Buch ist wissenschaftlich, aber verständlich geschrieben und bietet einen tiefen Einblick in ein dunkles Kapitel der Geschichte.

Erschienen 2011 im Verlag Amalthea; Autorin Dr. Isabella Ackerl; ISBN 978-3850027229

gelesen im September 2011

Wien – DuMont Kunst-Reiseführer

Sehr vielfältig, übersichtlich und mit zahlreichen Hinweisen versehen.

Die 6. aktualisierte Ausgabe von 2011 bietet viele neue Details, selbst für Wien-Kenner. So erfährt man etwa bisher unbekannte Informationen über die Gräber von W. A. Mozart. Dem Stephansdom sind 14 Seiten gewidmet, inklusive Hinweise, welche Bereiche gratis zugänglich sind.

70 Seiten Geschichte und Persönlichkeiten geben einen verständlichen Überblick über die ehemalige Hauptstadt der Donaumonarchie. Stadtgebietskarten erleichtern die Orientierung und ermöglichen kleine Rundgänge. Auch abseits gelegene Bezirke wie Kahlenberg, Leopoldsberg, Klosterneuburg, Heiligenkreuz und Mayerling werden beschrieben.

25 Seiten praktische Tipps – Fahrkartensysteme, Restaurants, Hinweise für Kulturhungrige – ergänzen den Führer. Gute Bilder machen Lust auf einen Wien-Besuch.

Ein solider, kulturell orientierter Reiseführer für alle, die Wien gründlich kennenlernen möchten.

Erschienen 2011 im DuMont Reiseverlag, 6. Auflage; ISBN 978-3770143481

gelesen im September 2011

Österreichs Helden zur See

Kapitäne, Forscher, Entdecker. Ein sehr gut aufbereitetes Nachschlagewerk über ein Stück österreichische Geschichte.

Man findet sie alle, die großen Namen, die man nicht unbedingt mit Österreich verbindet: Don Juan de Austria, Sieger der Seeschlacht von Lepanto 1571; Korvettenkapitän Franz von Bandiera, Kommandant einer Marokkoexpedition; Ludwig Freiherr von Kudriaffsky, der 1825 im Golf von Nauplia Piraten besiegte; Erzherzog Friedrich, der 1840 das syrische Acre angriff; Bernhard Freiherr von Wüllersdorf-Urbair, Weltumsegler; Wilhelm von Tegetthoff, Sieger bei Helgoland und Lissa; die Arktisforscher Julius von Payer und Carl Weyprecht; U-Boot-Kommandant Georg Ludwig Ritter von Trapp; oder Gottfried von Banfield, letzter Träger des Militär-Maria-Theresien-Ordens.

Erfolge gegen französische Kaperschiffe, Expeditionen in den Südpazifik zur Suche nach Nickelerz für Arthur Krupp oder der Einsatz österreichischer Marinesoldaten in Tsingtau 1914 – das Buch zeigt die ganze Bandbreite österreichischer Marinegeschichte.

Die Grenzen zwischen Militäreinsatz und Entdeckungsreisen verschwimmen oft. Die beschriebenen Personen werden anschaulich dargestellt, ebenso die politischen und gesellschaftlichen Zwänge ihrer Zeit. Das Buch vermittelt ein lebendiges Bild einer wenig bekannten Seite Österreichs.

Einziger Kritikpunkt: Die doppelseitigen Kapiteleinleitungsbilder sind in dunklem Türkisblau gedruckt und kaum erkennbar. Ein umfangreiches Register und ein Literaturverzeichnis machen das Werk dennoch zu einem wertvollen Nachschlagewerk.

Erschienen 2010 in der Verlagsgruppe Styria; ISBN 978-3-222-13306-0

veröffentlicht am 5. Dezember 2010

Weihnachtsbräuche in Österreich

Sehr gut recherchiertes und geschriebenes Buch über lebendige Bräuche.

Es ist kein Führer durch Weihnachtsmärkte, sondern eine Reise durch bekannte und weniger bekannte Bräuche in Österreich. Reinhard Kriechbaum schreibt unterhaltsam, klärt Irrtümer auf und bringt altes Kulturgut ans Licht. Schon die Kapitelüberschriften machen neugierig: Schluss mit lustig, Post im Hause Davids oder Die Indianer im Pinzgau.

Besonders interessant ist das Kapitel Für Textvergesser und Melodienverdreher, in dem Kriechbaum auf das Steirische Heimatwerk verweist, wo man Weihnachtslieder und rund 25 000 Weihnachtsgeschichten findet. Der Krampus in seinen vielen Erscheinungsformen nimmt breiten Raum ein. Man erfährt, dass die Wilde Jagd vom Untersberg ein junger Brauch ist, dass es keinen Bauern-Christbaum gibt oder dass der Weihnachtsbaum eine protestantische Erfindung ist.

Bei jedem Kapitel beantwortet der Autor drei Fragen: Wo findet der Brauch statt? Wann? Wo gibt es weitere Informationen? Viele Themen überraschen: Schifferlsetzen, weiße Luzeln, Klöpfernächte, Schnapsperchten, Kaleda, Aperschnalzen, Christkindl anschießen oder das Schaulaufen der Glöckler.

Die handliche Form, die gut lesbare Schrift, der unterhaltsame Stil und die ansprechende Gestaltung machen das Buch zu einer warmen Empfehlung für die kalte Jahreszeit.

Erschienen 2010 im Verlag Anton Pustet; ISBN 978-3-7025-0627-8

veröffentlicht am 14. November 2010

Buchtipp Wie’s früher war: vom Leben auf dem Land (Oberösterreich)

Ein lebendiger Einblick in das bäuerliche Leben zwischen 1920 und 1960.

Fachtl, Gattihosn, roasen – das Buch beginnt man am besten hinten, beim Glossar. Dann entfalten sich die Beiträge, die Friedl gesammelt hat, erst richtig. Zeitzeugen berichten von harten, romantischen und traurigen Seiten des bäuerlichen Alltags. Links im Buch meist Text, rechts Bilder.

Reiten auf der Sau, der Knecht mit Grammophon, die Mentscher und die Buam, der Fasslbinder, das schöne Fachtl, die Sunnbenk – viele Beiträge geben Einblick in eine Welt, die noch nicht lange vergangen ist, aber völlig anders war. Fünf Rezepte wie Zwiegspitzerte Nudeln ergänzen das Buch.

Besonders eindrucksvoll sind die Kapitel über Brotbacken, Ogstochn is!, den Störschneider oder den Umgang mit Bettlern und Hausierern, darunter Roma. Sie waren Teil des Lebens und wurden menschlicher behandelt als heute.

Herber Charme und Zufriedenheit prägen viele Erzählungen: Sitz di zuwa, rast a wenig … du hast eh so an Orsch wia a Tischplottn!

Erschienen 2010 in der Edition Oberösterreich (Verlagsgruppe Styria); ISBN 978-3701200528

veröffentlicht am 12. Jänner 2010

Pilgerwege in Oberösterreich

Gut informierendes Buch, das Lust auf Pilgern – zumindest auf Wandern – macht.

Peter Pfarl beschreibt 55 Wallfahrtsorte in lebendigem Stil und mit vielen Bildern. Die Kapitel bestehen aus Einleitung, geschichtlichen Hintergründen, Entstehung der Wallfahrt, Wegbeschreibung und Beschreibung der Kirche.

Nach einer Einführung widmet sich Pfarl den großen Pilgerwegen: Jakobsweg, Via Nova, St.-Rupert-Pilgerweg, Mariazellerwege, Wolfgangweg und weiteren. Dann folgen zahlreiche Wallfahrtsorte mit spannenden Geschichten: Ach und Weh, der Heilige der Epileptiker, Maria auf der Flucht, das heilsame Kletzen vom Lasslberg, Sisi und Lauffen, Wolfgangs Hackl, das ungarische Marienbild im Waldviertel, eine Kirche gegen die Schweden, der Kolomansberg, eine Madonna im Hirschgeweih und viele mehr.

Das Buch ist auch ein Nachschlagewerk für Ausflugsziele. Übersichtskarten, Literaturverzeichnis und zahlreiche Bilder machen Lust, diese Orte zu besuchen.

Erschienen 2010 in der Edition Oberösterreich (Verlagsgruppe Styria); ISBN 978-3-7012-0050-4

gelesen im Sommer 2010

Salzkammergut, Die Welt von gestern in Farbe

So sah das Salzkammergut um 1900 in Farbe aus.

Die Farbfotografie war um 1900 noch nicht erfunden, doch Skioptikon-Lichtbildervorträge erfreuten sich großer Beliebtheit. Glasplatten wurden handkoloriert und über Projektoren vorgeführt. In der Wiener Urania existierte eine Sammlung von rund 60 000 solcher Platten, die beide Weltkriege überstanden.

Dieses Buch zeigt einzigartige, bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus dem oberösterreichischen und steirischen Salzkammergut. Die Farbqualität der handkolorierten Glasdiapositive ist erstaunlich. Der Leser taucht ein in die Welt des Salzabbaus, der Salinenarbeit, sieht Sennen und Sennerinnen, Bauern, Alpinisten am Dachstein, Hacklzieher, Fauststemmer, Flinserlfasching, Eisstockschützen, Schindlmacher, Holzfäller, Brauchtum, Kirtage und vieles mehr. Auch Kaiser Franz Joseph I. ist zu sehen.

140 Seiten mit fast ebenso vielen Abbildungen werden durch Texte von Dr. Marie-Theres Arnbom ergänzt und lassen die sogenannte gute alte Zeit lebendig werden. Ein faszinierender Bildband für Freunde historischer Aufnahmen.

Erschienen 2009 im Christian Brandstätter Verlag; ISBN 978-3-85033-293-4

gelesen in den Jahren 2008 und 2009

Heiliges und Wundersames – Unterwegs zu außergewöhnlichen Plätzen in Österreich

Ein Buch, das seinem Titel voll und ganz gerecht wird.

Karl und Fritzi Lukan haben vor allem in Ostösterreich faszinierende Besonderheiten aufgespürt: Hagmoar-Ranggeln, Felsspalten bei Wallfahrtskirchen, ein eigener Valentinstag, Holzburgen und Zauberzeichen in Oberösterreich, geheimnisvolle Maisteigerl, Volksschulen mit Kirchturm, Theaterräume in Kirchen, Beichtstühle mit Münzeinwurf, die Villa Berl, die Verlobungssäule Ferdinand Raimunds, der Bergkalvari von St. Radegund, die Nadelburg, ein Vulkan im Burgenland, der Pfaff vom Kahlenberg oder der erste Sprayer der Geschichte, Herr Kyselak.

Über 180 Seiten voller Geschichten und Geschichtchen, gut recherchiert und lesbar. Das Buch bietet wirklich Heiliges und Wundersames und erklärt vieles so, dass es auch Laien gut verstehen.

Erschienen 2008 im Pichler Verlag; ISBN 978-3-85431-469-1

gelesen in den Jahren 2008 und 2009

Faszination Salzkammergut

Ein stimmungsvoller Bildband über eine Landschaft voller Schönheit.

Herbert Pirker, leidenschaftlicher Fotograf, und Barbara Frischmuth, im Salzkammergut aufgewachsen, vereinen fotografisches Auge und sprachlichen Ausdruck. Bootshäuser am Hallstätter See, Gamsbärte und Krickerl beim Gamsjagatreffen, Monarchisches aus Bad Ischl und Gmunden, Weitblicke vom Feuerkogel, Glöcklerkappen, Frühlings- und Winterstimmungen – die Vielfalt ist groß.

Frischmuth fragt, warum Menschen seit über 100 Jahren zur Sommerfrische ins Salzkammergut kommen, und erzählt von Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Greta Garbo, Moritz von Schwind oder Emilie von Binzer. Einleitende Texte zu Salz, Brauchtum und Musik ergänzen die Bilder.

Einziger Kritikpunkt: gelegentliche drucktechnische Bildmängel. Ansonsten ein nahezu perfekter Bildband.

Erschienen 2009 im Styria-Verlag; ISBN 978-3-222-13263-6

gelesen in den Jahren 2008 und 2009

Kraut & Ruam – Das umfassende Handbuch des Oberösterreichwissens

Ein unterhaltsames, gut zu lesendes Büchlein mit vielen kuriosen und informativen Beiträgen.

Reinhold Gruber und Manfred Wolf haben Wissenswertes aus Oberösterreich zusammengetragen: die älteste Pipeline der Welt (eine Soleleitung im Salzkammergut), Sprüche wie Wonn’s laft, donn laft’s, LASK-Rekorde, Franz Xaver Gruber, der größte Mensch der Welt Franz Winkelmeier, Prominente mit dem Nachnamen Linz, ein oberösterreichischer Häuptling der Maori und vieles mehr.

Die Beiträge sind kurz, bunt gemischt und ohne Inhaltsverzeichnis angeordnet – ideal zum Schmökern. Rund 150 Seiten, die sich auch gut als Geschenk eignen.

Erschienen 2009 in der Edition Oberösterreich (Verlagsgruppe Styria); ISBN 978-3-7012-0044-3

gelesen in den Jahren 2008 und 2009

Oberösterreich mit den Augen des Adlers

Ein Bildband, der Oberösterreich aus der Luft zeigt – faszinierend und hochwertig.

ISBN 978-3-7012-0043-6, erschienen 2008.

Das Titelbild vom Inselschloss Litzlberg im Attersee ist nur der Auftakt zu eindrucksvollen, mystischen und informativen Luftaufnahmen. Alfred Havlicek, Hubschrauberpilot, zeigt die Vielfalt der oberösterreichischen Landschaften. Reinhold Gruber ergänzt die Bilder mit kurzen, treffenden Texten.

Der Bildband macht Lust auf Ausflüge ins Hausruck- oder Innviertel, ins Land der Mühl, ins Salzkammergut, ins Almtal, in den Nationalpark Kalkalpen oder nach Linz, der Kulturhauptstadt 2009.

Erschienen 2008 in der Edition Oberösterreich (Verlagsgruppe Styria)

gelesen in den Jahren 2008 und 2009