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Italien kulinarisch, Geschichten rund um das Essen von Peter Krackowizer

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Italien, Kastanieneis auf Pfirsichsauce, genossen im Piemont

Das Abendessen im Piemont gleich in der Nähe...

Ich wohnte mit einer Gruppe in einem Hotel in der Nähe von Asti. Es war ein Abendessen "in der Nähe" vom Hotel bei meinem örtlichen Reisepartner bestellt. Wir kamen also nach einem langen Besichtigungstag gegen 19 Uhr ins Hotel zurück, machten uns ein wenig frisch und wurden von einer Dame der örtlichen Reiseagentur abgeholt - sie sollte uns zum Restaurant führen.

Ist es weit weg vom Hotel" war meine Frage, "no, no, nur ein paar Kilometer, etwa zehn Minuten," meinte sie. Bene, gut, und fuhr vorne weg, mit einem Alfa Romeo und wir hinten nach, mit einem Setra-Reisebus. Sie: bald nicht mehr zu sehen; wir: 16 Tonnen, die in jeder Kurve sanft gefahren sein wollen.

Nach Stopp's und Go's für den Alfa kamen wir dann glücklich gegen 21 Uhr, nach etwa einer Stunde (!) Fahrzeit, beim Restaurant an. Es war "nur" 40 km vom Hotel entfernt und es ging "nur" kurvig hügelauf und hügelab.

Hungrig und mittlerweile auch schon etwas müde nach einem doch sehr langen Tag fanden wir uns in einem wirklich tollen Lokal wieder. Das Essen war eine Wucht! Leider kam die Hauptspeise halt' erst gegen Mitternacht. Und als ich dann so gegen ein Uhr früh bettelte, doch endlich das Dessert zu servieren: wir hätten ja noch eine Stunde Fahrt bis zum Hotel und eigentlich muss der Fahrer in der Früh um 8 Uhr wieder fahren und eigentlich braucht er elf Stunden Ruhezeit und eigentlich - da schüttelten die freundlichen Lokalbesitzer den Kopf: ja, weshalb denn diese Hektik?

Es war gut gemeint und top-italienisch, nur für uns österreichischen Bazi einfach viel zu spät, das Essen.

Abendessen um ein Uhr früh - ist das Sitte in den Marken?

Einladungen italienischer Fremdenverkehrsämter sind immer abenteuerlich. Aber gerade deswegen folgte ich ihnen so gerne! So auch jener, die mich in die Marken führte. Da der Flug von der italienischen Fremdenverkehrswerbung bezahlt wurde, musste man mit Alitalia fliegen. Und die flog nicht von Salzburg. Also ging es mit dem Taxidienst erst nach München. Von dort dann eben mit Alitalia nach Mailand, Umsteigen und weiter nach Rom. Ja, Sie lesen richtig: nach Rom! Dort sammelte man einen Bus voll Touristiker und es ging drei Stunden wieder nach Norden, nach San Benedetto del Tronto im Süden der Marken, wo wir gegen Mitternacht ankamen.

Am nächsten Tag war das Workshop. Abends gab es dann noch einen Empfang, der gut bis Mitternacht dauerte. Am dritten Tag ging es in die Dörfer der Umgebung: Besichtigungen, Fernsehen, palavern, essen; das erste Kuriosum bot man bereits am Vormittag. Die eingeladenen Journalisten durften mancherorts nicht fotografieren, weil es in den Museen und Kirchen Fotografierverbot gab. Dies gilt natürlich auch dann, wenn man extra aus ganz Europa Journalisten herbei karrt, um jenen die Kunstschätze der Region näherzubringen. Es gab aber auch keine vorgefertigten Fotos, die sie hätten mitnehmen können. Also mussten sich die Journalisten aufs Schreiben beschränken.

Zweites Kuriosum des Tages: Mittagessen gab es von 14 bis 17 Uhr. Und dann folgte Kurioses Schlag auf Schlag: Fahrt in die anbrechende Dunkelheit, es war Ende September, in die Dörfer des hügeligen Hinterlandes. Um 22 Uhr erhellte die Feuerwehr mit Scheinwerfern ein Dorf, damit wir auch noch etwas von den "Sehenswürdigkeiten" sehen konnten. Dann, endlich, gegen Mitternacht, ging es zum "Galaabend" (?) mit örtlicher Prominenz. Dieses Gala-Abend-Essen mit Tanz und Musik dauerte bis drei in die Früh. Dann ging es in gemütlicher Busfahrt eine Stunde zum Hotel zurück, wo wir vier Uhr früh ankamen und um sieben Uhr geht's wieder los, gell, meinte die Betreuerin.

Aber nicht für den Peter, der streikte und zunächst im Bett sich ausschlief. Und dann ging ich in ein Fischlokal am Palmenstrand von San Benedetto del Tronto zu einem gemütlichen Mittagessen, um nachher die durchaus noch warme spätsommerliche Sonne zu genießen. Meine Kollegen berichteten mir von einem schönen Ausflug nach Ascoli Piceno, wo sie von einer Folkloregruppe empfangen wurden und und und. Nur, die Mehrheit der Truppe brachte ihre Augen nach der dritten kurzen, sehr kurzen Nacht nicht mehr ganz so recht auf und nahmen nicht viel vom Dargebotenen mit nach Hause. Übrigens, am nächsten Morgen war Tagwache wieder um vier Uhr früh, weil wir das Flugzeug erreichen mussten, diesmal vom relativ nahe gelegenen Rimini. Kleiner Schönheitsfehler bei meinem Flugplan: Rimini - Mailand ging um sechs Uhr früh, Mailand - München aber erst um 21 Uhr.

Wer sitzt wo beim Gala-Abendessen?

... Das fragte sich wohl die vollständig erschienene Prominenz von Ischia, Kampanien, anlässlich eines Kongresses über Thermalkurorte in Italien. Die Geschäftsleitung von Neckermann, die Chefeinkäufer von TUI und ich, alle waren wir wie viele andere aus der Tourismus- und Medienbranche im Smoking aufgekreuzt. Schließlich stand ja extra in der Einladung, man möge den Smoking einpacken. Nach längerem Warten trudelte die Prominenz der Insel Ischia lautstark ein. Doch dann begann man zu streiten, es wurde geschrien, wer wohl neben wem sitzen durfte. Jeder hatte ja seine Donna (oder auch mehrere) im Schlepptau mitgebracht und keine wollte sich an die "Nebentische" setzen. Nur, der Tisch für die Prominenz war zu klein, um allen Edlen Platz zu bieten.

Nach gut einer Stunde italienischer Unterhaltung, von der wir nur so viel mitbekamen, dass alle wieder gingen - verließ die Prominenz, der "Adel von Ischia", geschlossen die Veranstaltung: Gala hin, Chefs der größten europäischen Touristikunternehmen her, wir gehen, sagte sich die Prominenz der Insel! Basta! Und es begann der Gala-Abend - Mahlzeit!

Schwarze Hendln

Es war meine allererste Reiseleitung, 1984, mit einer mir noch bis in die 2000er-Jahre treuen "Fangemeinde" einer freiwilligen Feuerwehr. Die Reise ging nach Rom. Ich, das erste Mal als Reiseleiter unterweges, das erste Mal in Rom und überhaupt. Unter anderem sah das Programm, das ich ja selbst zusammengestellt und organisiert hatte, ein Abendessen in den Albaner Bergen vor. Wir fuhren also von Rom mit einer italienischen Reiseleiterin zu dem Lokal in Frascati. Der Wirt freute sich über unser Kommen so sehr, dass er auch sofort, tatsächlich sofort, das Essen warm machen wollte: Brathendl - so richtig frisch gemacht, wenn die Gäste kommen. Die waren aber eigentlich schon hungrig.

Es verging wohl mehr als eine Stunde, mit Wein und viel Überredungskunst von mir, dass das so üblich sei, dass das "gaaanz typisch Albaner Hügel" sei und so weiter. Dann kamen sie, die Hendln, schwarz, wie die Nacht draußen auch schon war: "Questo è una specialità della zona!" - "Das ist eine Spezialität der Region" säuselte der mir dann gar nicht mehr sympathische Wirt.

Schwarz angebrannte Hendln eine Spezialität? Ich brach in Schweiß aus, zog alle Register meiner sprachlichen Talente, hupfte einem Carabinieri auf die Schulter und sang (beides schrecklich im Rückblick); und die Reiseleiterin bekam einen "Moralischen", heulte und erzählte von ihren Männerproblemen. Na Prost!

Wir fuhren das italienische Lied arrividerci Roma! singend nach Rom zurück, der Busfahrer sang mit, die Reiseleiterin heulte, die Gruppe war zufrieden und wir alle im Wissen um die "specialità dei Colli Albani"!

Es war ein super Abend, sagte mir später der Kommandant der Gruppe: die Unterhaltung, die Stimmung, der Wein, die Reiseleiterin, nur, nur, das mit die Hendln, das war grauslich.
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