Informationen über das Erdbebengebiet der Phlegräischen Felder
Italien befindet sich auf einer Bruchstelle mehrerer Erdplatten, die ständig in Bewegung sind. Äußere Zeichen dafür sind neben Vulkanen und Thermalquellen auch immer wieder auftretende Erdbeben.
Informationen auf dieser Seite:
… Beben bis 2024
… Die Situation 2025
… Situation Anfang 2026
Beben bis 2024
2023: Erdbeben im Raum Neapel – Medien sprechen von einem Supervulkan
Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen wurde Anfang Oktober die Region um Neapel
von einem Erdbeben erschüttert. Am Montagabend, dem 2. Oktober 2023, bebte die
Erde in den sogenannten Phlegräischen Feldern mit einer Stärke von 4,0. Der
angesehene Vulkanologe Giuseppe Di Natale, einer der führenden Experten für das
„Bradisismo“, das Heben und Senken des Bodens in diesem vulkanischen Gebiet,
zeigte sich besorgt. Seit elf Jahren gilt für die Phlegräischen Felder die
Alarmstufe Gelb, die zu erhöhter Vorsicht aufruft.
Der italienische Zivilschutz arbeitet an einem großangelegten Evakuierungsplan
für die dicht besiedelte Region. Im extremsten Fall soll die Evakuierung von
1,3 Millionen Menschen im gesamten Raum um Neapel, der größten Metropole
Süditaliens, innerhalb von 72 Stunden erfolgen (Quelle: „Salzburger Nachrichten“,
Ausgabe vom 3. Oktober 2023).
2024
Zum ersten Mal bebte die Erde in diesem Jahr am Sonntagmorgen, dem 3. März, gegen
10 Uhr mit einer Stärke von 3,4. Das Epizentrum lag unter Bagnoli, einem
Stadtteil Neapels an der Bucht von Pozzuoli.
Am Montagabend, dem 20. Mai 2024, wurde das Gebiet rund um die süditalienische
Großstadt Neapel erneut von einem Erdbeben erschüttert. Das Nationale Institut
für Geophysik und Vulkanologie (INGV) gab die Stärke mit 4,4 an und verortete das
Epizentrum in den Phlegräischen Feldern. Das Beben wurde gegen 20:10 Uhr
registriert und war das stärkste der vergangenen 40 Jahre. Medienberichten
zufolge war der Erdstoß nicht nur in den Ortschaften nahe der Phlegräischen
Felder deutlich zu spüren, sondern auch in Neapel. Es gab rund 150 Nachbeben.
Von Mitternacht bis zum Morgengrauen am Samstag, dem 8. Juni 2024, bebte die Erde
im Gebiet der Campi Flegrei erneut. Über 100 Erdstöße wurden registriert. Einige
waren kaum zu spüren, andere jedoch so stark, dass Bewohner ihre Häuser verließen
und Schutz auf den Straßen suchten. Zwischen 03:52 und 04:17 Uhr wurden laut
italienischen Medien die fünf stärksten Beben registriert. Das stärkste erreichte
eine Magnitude von 3,7 und war sogar in einigen Vierteln von Neapel zu spüren; es
verursachte kleinere Schäden.
Am 18. Juli 2024 ereignete sich gegen 08:00 Uhr ein weiterer Erdstoß der Stärke
3,6. Er war vor allem im Gebiet der rund 81 000 Einwohner zählenden Stadt
Pozzuoli westlich von Neapel zu spüren, aber auch in einigen westlichen
Stadtvierteln Neapels. Besonders deutlich waren die Erschütterungen in höheren
Gebäuden wahrnehmbar. Quelle:
www.morgenpost.de,
„Berliner Morgenpost“ vom 18. Juli 2024.
Ein Erdbeben der Stärke 4,1 wurde am Samstag, dem 21. September 2024, vor der
Westküste Siziliens registriert. Das Beben ereignete sich um 05:00 Uhr im Meer
vor der Stadt Trapani in einer Tiefe von einem Kilometer nahe den Ägadischen
Inseln, wie das Nationale Institut für Geologie und Vulkanologie (INGV)
mitteilte. Die Bevölkerung in Trapani und Umgebung spürte die Erschütterungen
deutlich.
Die Situation 2025
Das Gebiet um die süditalienische Großstadt Neapel wurde am Donnerstag, dem
13. März 2025, kurz nach Mitternacht um 00:30 Uhr von einem schweren Erdbeben
erschüttert. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) gab
die Stärke mit 4,4 an und verortete das Epizentrum in den Phlegräischen Feldern,
etwa 20 Kilometer westlich des Vesuvs. Wenige Minuten später folgte ein weiterer,
deutlich schwächerer Erdstoß, dem noch vier Nachbeben folgten. Das Beben
beschädigte mehrere Gebäude; mehrere Personen wurden verletzt. Die stärksten
Schäden wurden aus Bagnoli gemeldet. Auf der Grafik links ist das Gebiet
dargestellt, in dem die Erdbeben stattfanden.
Quelle Bild: www.openstreetmap.org, Text:
orf.at
In der Nacht von Dienstag, 15. April, auf Mittwoch, 16. April – in der Karwoche –
wurde Süditalien von einem Erdbeben erschüttert. Wie das nationale
Erdbebenzentrum mitteilte, lag das Epizentrum im südlichen Ionischen Meer,
östlich der Insel Sizilien. Der Ursprung der Erschütterungen befand sich in
48 Kilometern Tiefe auf dem Meeresgrund. Das Beben erreichte eine Stärke von 4,8.
Berichte über Verletzte gab es nicht.
Ein Erdbeben der Stärke 4,4 erschütterte am Dienstag, dem 13. Mai 2025, das
Gebiet rund um die italienische Großstadt Neapel. Das Epizentrum lag erneut in
den Phlegräischen Feldern, die sich durch hohe vulkanische Aktivität auszeichnen.
Nach einem ersten Erdstoß um 12:07 Uhr folgten noch sieben Nachbeben.
Juni 2025: Eines der stärksten Erdbeben der letzten 40 Jahre im Golf von Neapel
Das Gebiet rund um Neapel wurde am Montag, dem 30. Juni 2025, von einem starken
Erdbeben erschüttert. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie
(INGV) gab die Stärke mit 4,6 an und verortete das Epizentrum in den
Phlegräischen Feldern. Laut Experten handelte es sich um die stärkste
Erschütterung der vergangenen 40 Jahre. Es wurden keine größeren Schäden
gemeldet, doch die Erschütterung wurde in einem weitläufigen Gebiet wahrgenommen
– unter anderem in der Hafenstadt Pozzuoli, der Gemeinde Bacoli sowie in den
neapolitanischen Bezirken Fuorigrotta und Bagnoli.
Quelle:
www.msn.com,
abgefragt am 1. Juli 2025.
Juli 2025: Zwischen dem 16. und 22. Juli wurden in der Nähe des Vulkans Campi Flegrei insgesamt 106 Erdstöße registriert; die stärksten erreichten eine Magnitude von 4,0. Quelle: VolcanoDiscovery
August und September 2025: Am Montag, dem 1. September, um 04:55 Uhr, wurde in der Region der Phlegräischen Felder (Campi Flegrei) in der Provinz Neapel ein Erdbeben der Stärke 4,0 registriert. Nach Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) lag das Epizentrum in der Nähe der Stadt Pozzuoli. Es handelte sich um das stärkste Beben seit Beginn einer neuen seismischen Aktivitätsphase, die seit Samstag, dem 30. August, anhält. Bereits am Sonntag war es zu zwei Erschütterungen der Stärke 3,3 gekommen.
2025: Wie geht es den Menschen mit der aktuellen Erdbebensituation?
Viele Menschen erinnern sich noch an die schweren Erdbeben in Irpinia und der
Basilikata sowie an die
bradyseismischen Krisen der 1970er‑
und 1980er‑Jahre. Irpinia ist eine Hügel‑ und Gebirgslandschaft in der Region
Kampanien, östlich der Stadt Avellino, und war besonders stark vom Erdbeben am
23. November 1980 betroffen.
Andere wiederum haben in den vergangenen Jahren die ständigen Erschütterungen in
den Phlegräischen Feldern erlebt: die Hebung des Bodens, die unaufhörlichen
Mikrobeben und hin und wieder „a botta“ – ein plötzlicher Stoß oder Krach, wie
die Menschen es nennen.
Vor allem jene, die in der Gegend von Solfatara, in Pozzuoli, Quarto und Bagnoli
leben, fühlen sich zunehmend belastet: das Dröhnen, das das dunkle Geräusch eines
herannahenden Erdbebens ankündigt, das Knarren der Häuser, die Erde, die unter
den Füßen nachgibt – all das zehrt an den Nerven und am Sicherheitsgefühl der
Bevölkerung.
Übersicht der Situation Anfang 2026
Das Osservatorio Vesuviano legte am 10. Jänner 2026 seinen ersten Bericht des
Jahres zu den Phlegräischen Feldern vor.
In der Woche vom 29. Dezember 2025 bis 4. Januar 2026 wurden 25 kleine Erdbeben
registriert, das stärkste mit einer Magnitude von Md 2,1.
Die Bodenhebung setzt sich fort: Seit Oktober 2025 steigt der Boden um etwa
25 Millimeter pro Monat. Die Station Rione Terra misst seit Januar 2025 insgesamt
rund 22,5 Zentimeter Hebung. Die Rate bleibt stabil.
Geochemische Daten weisen weiterhin auf ein sich erwärmendes hydrothermales
System hin. Die Fumarole Bocca Grande erreichte im Durchschnitt etwa 173 °C, und
der Gasfluss nimmt weiter zu.
Die Caldera ist seit 2005 instabil. Ab 2022 verstärkten sich Hebung und Erdbeben
deutlich; 2024 und 2025 traten die stärksten bisher gemessenen Beben (Md 4,4–4,6)
auf.
Neue Studien weisen seit 2023 auf eine seismisch aktive, planare Struktur hin –
möglicherweise eine neue oder reaktivierte Verwerfung.
Die Verformungen entstehen in etwa 4 Kilometern Tiefe unter Pozzuoli, wo
hydrothermale und möglicherweise magmatische Fluide Druck auf das Gestein
ausüben. Die meisten Beben liegen in 1–3 Kilometern Tiefe und zeigen brüchiges
Versagen erhitzter Gesteine.
Die Region wird engmaschig überwacht (Seismik, GNSS, Gas, Temperatur). Die Daten
fließen in die Gefahrenanalyse für den dicht besiedelten Großraum Neapel ein.
Der aktuelle Bericht zeigt keine Veränderungen im Trend: Die Bodenhebung hält an,
die Seismizität bleibt moderat, die Temperaturen steigen leicht. Die Caldera
bleibt aktiv, jedoch ohne Anzeichen für eine höhere Alarmstufe.
Quellen
VolcanoDiscovery
Vulcaniya auf Facebook
Unter dem Link
www.volcanodiscovery.com/de/erdbeben/
finden sich alle aktuellen Erdbeben in Italien sowie Daten zu vergangenen
Ereignissen (Datenstand Jänner 2025).
Archivio Storico Macrosismico Italiano –
italienisches makroseismisches Archiv mit historischen Daten zu Erdbeben in Italien.