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Vulkane und Vulkanismus in Italien

Nordafrikaflug 1926 von Walter Mittelholzer: Der Vesuv. Originaldatei http://doi.org/10.3932/ethz-a-000024518

Bild rechts im Krater des Vesuv. Erstarrte Lava des Kraterbodens, aus dem sich der dampfene Zentralkegel erhebt. Afrikaflug mit René Gouzy und Walter Mittelholzer 1926-1927. Aufnahme Anfang Dezember 1926. Fotograf: Arnold Heim. Originaldatei doi.org/10.3932/ethz-a-000024518

Allgemeines über Vulkane

Vulkane finden sich in jenen Zonen der Erde, in denen die Erdkruste „dünn“ ist – also dort, wo sie aufgebrochen ist oder wo sich die großen Platten der Erdoberfläche aneinander reiben oder stoßen. Bei diesen Bewegungen brechen Teile der Erdkruste ab und werden in das Erdinnere gedrückt. Dort schmelzen sie aufgrund der hohen Temperaturen wieder zu Magma, einer gashaltigen Schmelze aus ganz oder teilweise aufgeschmolzenem Gestein. All dies geschieht unter enormem Druck, der das Magma durch Klüfte und Bruchspalten wieder an die Erdoberfläche presst. So entstehen Vulkane.

Je nach Beschaffenheit des Magmas kann es vorkommen, dass es zwar an die Erdoberfläche dringt, dort aber aufgrund seiner Zähflüssigkeit rasch erstarrt. Mit der Zeit bildet sich so eine Art Pfropfen. Unter diesem Pfropfen steigen weiterhin vulkanische Gase auf und bauen einen immer größeren Druck auf. Wird dieser Druck zu groß und gibt es zu wenige Spalten, durch die die Gase entweichen können, wird der Magmapfropfen samt umliegendem Gestein abgesprengt – es kommt zu einem Vulkanausbruch.

Austretendes Magma nennt man an der Erdoberfläche Lava. Erstarrte Lava bildet eine der fruchtbarsten Bodenarten, die wir kennen. Das ist auch einer der Gründe, weshalb sich Menschen trotz der Risiken immer wieder in der Nähe von Vulkanen ansiedeln: die außergewöhnliche Fruchtbarkeit der Böden. So ist zum Beispiel die Gegend um den Vesuv bei Neapel besonders dicht besiedelt.


Vulkanismus

Vulkanismus ist die Sammelbezeichnung für sämtliche geologischen Vorgänge und Erscheinungen, die mit an die Erdoberfläche vordringenden gasförmigen, flüssigen oder festen Substanzen zusammenhängen.
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Italien, Kampanien: Blick von Sorrent über den Golf von Neapel zum Vesuv

Rechts ein Bild vom Golf von Neapel mit dem Vesuv aus den 1990er-Jahren.

Italien ist auch ein Land der Vulkane und Erdbeben. Große Teile liegen an einer sensiblen Nahtstelle der Erdkruste. Das bedeutet: Hier bewegen sich Erdplatten, hier gibt es Bruchzonen, und überall dort, wo diese Platten in Bewegung sind oder sich aneinander reiben, tritt Vulkanismus verstärkt auf.

Vulkane sind die eine Erscheinung, Thermalquellen wie in Abano, Montegrotto oder Montecatini Terme eine andere.
    Weitaus weniger bekannt als die „über der Erde“ sichtbaren Vulkane sind die „Vulkane im Meer“, also jene, die sich unter Wasser befinden.

Über Erdbeben in Italien habe ich einen eigenen Artikel angelegt.

Nicht weit vom Vesuv entfernt liegen die „Campi Flegrei“, die Phlegräischen Felder mit dem Hauptort Pozzuoli. In diesem Gebiet finden sich zahlreiche vulkanische Besonderheiten wie:

… das Phänomen Bradisismus: Dabei hebt und senkt sich abwechselnd ein bestimmter Teil des Erdbodens, wie etwa zwischen 1982 und 1984 im Bereich der Kleinstadt Pozzuoli. Damals kam es zu Hebungen von bis zu 1,5 Metern, und mehr als 30 000 Bewohner mussten umgesiedelt werden. Derzeit (Stand 2008) stellt man Hebungen von mehreren Zentimetern pro Jahr fest.

… Erdspalten, aus denen vorwiegend Wasserdampf entweicht – man nennt sie Fumarolen (italienisch „fumo“ – der Rauch).

… andere Erdspalten, aus denen vulkanische Gase austreten, nennt man Solfatare, nach dem italienischen Wort „solfo“ – Schwefel; „Solfatara“ bedeutet Schwefelgrube. Aus diesen Spalten strömen 100 bis 200 °C heiße Schwefel- und Wasserdämpfe. Bei Pozzuoli kann man in einem etwa 770 × 580 m großen Krater Solfatare erleben. Beim Besuch begleitet einen ein penetranter Geruch nach faulen Eiern, und man sollte sich nicht allzu nahe an die heißen, brodelnden Schlammmassen wagen.

Mofetten (italienisch „mofeta“ – Grubendampf) sind eine weitere Art vulkanischer Gasquellen, die überwiegend aus Kohlensäuregas bestehen. Die wahrscheinlich bekannteste Mofette befindet sich ebenfalls in den Phlegräischen Feldern: die sogenannte „Hundsgrotte“. Der Name stammt aus früheren Jahrhunderten, als man Hunde in die Höhle führte – wurde die Gaskonzentration zu hoch, erstickte der Hund, während der Mensch mit dem Kopf über dem Gasspiegel noch entkommen konnte. Grausam – und heute selbstverständlich verboten.

Der Stromboli ist eine Vulkaninsel der Eolischen Inseln, die im westlichen Mittelmeer nördlich von Sizilien liegen. Seit Ende März 2003 zeigte sich der Stromboli wieder aktiver: Er schleuderte Asche und Staub mehrere Hundert Meter in die Höhe, und auf einigen Flanken strömte Lava talwärts. Hier ein Link zu einer sehr informativen Seite über diesen Vulkan; über den Ausbruch des Stromboli am 8. August 2005 gibt es hier einen Link mit Bildern.

Am 3. Juli 2019 kam es zu zwei heftigen Explosionen im Krater des Stromboli, bei denen ein Mensch ums Leben kam und ein weiterer verletzt wurde (Salzburger Nachrichten).

Am 4. oder 5. Juli 2024 stieß der Stromboli erneut starke Rauchwolken aus, die die Hänge des Vulkans hinabzogen. Unter diesem Link ist ein Bild davon zu sehen.

Für den Vesuv im Golf von Neapel, Kampanien, finden Sie unter www.vesuvioinrete.it ausführliche Informationen. Der Vesuv ist derzeit zwar „ruhig“, doch Vulkanologen warnen: Käme es zu einem Ausbruch, wären mehr als zwei Millionen Menschen betroffen. Denn trotz aller Warnungen bauen viele Bewohner weiterhin ihre Häuser die Hänge des Vesuvs hinauf. Achselzucken – „was soll's“, meinen viele.

Bild rechts: Nordafrikaflug, 15.11.–3.12.1932 von Walter Mittelholzer – der Vesuv. Originaldatei: doi.org/10.3932/ethz-a-000447368 Nordafrikaflug 1932 von Walter Mittelholzer: Der Vesuv. Originaldatei http://doi.org/10.3932/ethz-a-000447368



Aschenregen des Vesuv auf Neapel, 1908; Reproduktion von Leo Wehrli um 1930; digitalisiert von der ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Dia_247-02426; CC BY-SA 4.0 Bild links: Aschenregen des Vesuv auf Neapel, 1908. Eine Reproduktion des Schweizer Fotografen Leo Wehrli um 1930, aus dem Buch von O. Foerster: „Kleine illustrierte Geschichte des Vesuvs unter besonderer Berücksichtigung seiner Tätigkeit in den letzten zehn Jahren“. Heiligenstadt, Cordier, 1908. Digitalisiert von der ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Dia_247-02426. Bildlizenz: CC BY-SA 4.0. Originalbildlink.



Notizen über den Ätna auf Sizilien

Der Ätna (italienisch „Etna“) ist mit rund 3 300 Metern der höchste aktive Vulkan Europas und dominiert die Ostküste Siziliens. Er liegt in der Nähe der Stadt Catania und zählt zu den aktivsten Vulkanen der Welt. Seine häufigen Ausbrüche – sowohl effusiv mit Lavaströmen als auch explosiv mit Aschewolken – prägen seit Jahrtausenden die Landschaft und das Leben der Menschen in der Region.

Ausbruch des Ätna auf Sizilien am 18. März 1981. Vom Hauptlavastrom begrabene Circumetnea-Linie östlich von Randazzo; digitalisiert von der ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, CC BY-SA 4.0

Beschreibung zum Bild: Ausbruch des Ätna auf Sizilien am 18. März 1981. Vom Hauptlavastrom begrabene Circumetnea-Linie östlich von Randazzo. Digitalisiert von der ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Dia_247-02426. Eine Aufnahme von Comet Photo AG (Zürich) Bildlizenz: CC BY-SA 4.0. Originalbildlink.

Eine Sammlung historischer Aufnahmen von Ausbrüchen des Ätna gibt es im digitalisierten Bildarchiv der ETH-Bibliothek Zürich unter diesem Link.

Der Ätna zeigt nahezu kontinuierliche Aktivität. Immer wieder öffnen sich neue Spalten an seinen Flanken, aus denen Lava austritt. Besonders bekannt sind die Ausbrüche der Gipfelkrater, die regelmäßig Aschewolken in die Atmosphäre schleudern und den Flugverkehr beeinträchtigen können. Auch Erdbeben begleiten die vulkanische Aktivität häufig, da sich der Berg ständig verändert und neue Magmakammern entstehen.

Vom auf 1 915 m ü. A. gelegenen Schutzhaus Sapienza führt eine Seilbahn bis auf etwa 2 600 m ü. A. Von dort aus gelangt man mit Allradfahrzeugen weiter in Richtung Kraterrand (hin und retour ca. zweieinhalb Stunden). Die Fahrt verläuft entlang des 1971 zerstörten zweiten Seilbahnabschnitts und am ebenfalls zerstörten Observatorium vorbei.

Die Hänge des Ätna sind trotz der Gefahr dicht besiedelt und landwirtschaftlich genutzt – unter anderem für Weinbau, Pistazien und Zitrusfrüchte. Der Vulkan ist zugleich ein bedeutendes Natur- und Forschungsgebiet: Seit 2013 gehört er zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Aktuelle Informationen über Ausbrüche, seismische Aktivität und Sperrzonen veröffentlicht das „Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia“ (INGV) regelmäßig auf seiner Website: www.ct.ingv.it.


Den Ausbruch des Ätna auf Sizilien am 5. Dezember 2015 hielt Fernando Famiani in diesem Bild fest. Das Foto wurde 2016 bei mehreren internationalen Wettbewerben ausgezeichnet und ging um die Welt. Der Link auf dem Bild führt zum italienischen Artikel der „catania.meridionews.it“.

Ausbruch des Ätna auf Sizilien am 5. Dezember 2015


Auf seinem Eruptionskegel befinden sich vier aktive Krater, an seinen Seitenwänden mehr als 200 Seitenkrater und Risse. Man nimmt an, dass bisher etwa 135 Ausbrüche stattgefunden haben. Der verheerendste Ausbruch ereignete sich 1669, als der Lavastrom Catania erreichte und bis ins Meer floss. Großer Schaden entstand auch 1928, als Mascali – später an anderer Stelle wieder aufgebaut – begraben und zahlreiche Obstplantagen zerstört wurden. Eine der längsten Eruptionen dauerte vom 25. November 1950 bis in den Dezember 1951. Der Ausbruch von 1971 zerstörte das Observatorium an der Südseite des Endkegels sowie den zweiten Abschnitt der Seilbahn. Der letzte große Ausbruch fand am 28. März 1983 statt: Die Lava floss dabei aus 2 450 m ü. A. bis auf 1 000 m ü. A. hinunter in Richtung Nicolosi.

Aufgrund der Einzigartigkeit des Gebietes wurde rund um den Ätna 1981 durch ein Gesetz der Regierung von Palermo ein Nationalpark errichtet. Um die Schönheiten dieser Region zu erkunden, kann man wandern, auf der sogenannten „Strada dell’Etna“ mit dem Auto fahren oder – sehr zu empfehlen – mit einer Eisenbahn rund um den Ätna fahren („Ferrovia Circumetnea“, ab/bis Catania).

Nach kräftigen Ausbrüchen im Frühjahr 2001 beruhigte sich der Ätna wieder. Mehrere Ortschaften waren von den Lavaströmen bedroht, doch die Bevölkerung vertraute mehr auf den lieben Gott als auf die Wissenschaftler und blieb in ihren Dörfern.

2006 meldete sich der Ätna erneut kräftig zu Wort. Seit dem 14. Juli 2006 wurden 24 „explosive Ereignisse“ gezählt.

Ätna auf Sizilien am 29. Juli 2001

Aufnahme vom 29. Juli 2001 um 4 Uhr früh. Der gelbe Streifen rechts ist die Rauchfahne des Ätna.

Aktivitäten des Ätna ab dem 23. Dezember 2018 lösten mehrere Beben aus. In der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember wurde ein heftiger Erdstoß der Stärke 4,8 registriert. Dabei wurden zehn Menschen von herabfallenden Trümmerteilen verletzt. Durch die Eruptionen hatte sich ein rund zwei Kilometer langer Spalt am Ätna aufgetan.

Neuerliche Aktivitäten zeigte der Ätna ab dem 16. Februar 2021. In der Nacht zum Montag, dem 15. März, war er bereits zum 13. Mal in Folge seit Mitte Februar ausgebrochen. Die kurzen, aber sehr heftigen Ausbrüche gehörten zu den stärksten der vergangenen Jahrzehnte. Ein weiterer Ausbruch erfolgte am 19./20. Juli 2021.

Mehr über den Ätna und seine Aktivitäten siehe www.vulkane.net.

Am 23. Oktober 2021 brach der Ätna erneut aus, beruhigte sich jedoch nach einigen Tagen. Nach einer ruhigen Phase kam es 2022 wieder zu erhöhter Aktivität. Am Donnerstag, dem 10. Februar, strömte zunächst Lava aus dem Nordostkrater. Am Abend nahm die Aktivität deutlich zu und es kam zum stärksten Ausbruch des laufenden Jahres. Rund 500 Meter hoch schleuderte der Vulkan Lavafontänen in den Himmel, die stundenlang die Nacht über Sizilien erhellten. Eine Aschesäule mit zahlreichen vulkanischen Blitzen erreichte eine Höhe von etwa 13 Kilometern.

2024 – ein unruhiges Jahr

Bereits seit Jahresbeginn erschütterten immer wieder Erdbeben das Gebiet rund um den Golf von Neapel – teilweise in einer Intensität, wie sie seit vielen Jahren nicht mehr beobachtet worden war. Gleichzeitig verstärkten sich die Aktivitäten der süditalienischen Vulkane Stromboli und Ätna.

In sozialen Medien kursierten bereits im August 2023 Bilder und Videos eines kleineren Ausbruchs des Ätna am Abend des 13. August. Hier ein Link zu einem Bild auf Facebook.
Am Abend des 12. November 2023 stand über dem mehr als 3 300 Meter hohen Berg eine dichte Wolke aus Lava, magmahaltigen Gasen und Gestein. Dem italienischen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) zufolge reichte die sogenannte Eruptionssäule bis in eine Höhe von rund 4,5 Kilometern. Immer wieder waren Explosionen zu sehen und zu hören.

Ausbruch des Ätna auf Sizilien am 2. Juni 2025

Schon im April 2024 konnte man Rauchringe beobachten, die aus dem Vulkan austraten. Diese vulkanischen Wirbelringe, von den Einheimischen „Dame der Ringe“ genannt, wurden erstmals 1774 in Dokumenten erwähnt. Am 4. oder 5. Juli 2024 kam es zu einem kleinen Ausbruch, und der Flughafen von Catania musste geschlossen werden. Unter diesem Link kann man ein Bild davon sehen (nach unten scrollen).

In den folgenden Tagen kam der Ätna nicht mehr zur Ruhe: Immer wieder spuckte er Lavafontänen bis zu sechs Kilometer hoch in den Himmel, und es kam zu Eruptionen aus drei Kratern gleichzeitig. Der Flughafen Catania musste mehrfach geschlossen werden.
Am 4. Juli brach auch der Stromboli aus. Am Samstagabend, dem 6. Juli 2024, entwickelte der Stromboli eine fünf Kilometer hohe Rauchsäule (gemessen vom Meeresspiegel). In der Folge spuckte er immer wieder Rauchfontänen und Lavaströme.

Auch 2025 gab es wieder mehrere Ausbrüche
Bereits im April schleuderte der Ätna glühende Lava in den Himmel. Am 2. Juni 2025 kam es um 11:30 Uhr zu einem spektakulären Ausbruch (siehe Bild). Dabei entstand eine etwa fünf Kilometer hohe Aschenwolke. Am 18. Juni brach der Vulkan erneut aus. Zur Weihnachtszeit kam es zu besonders starken Eruptionen mit hohen Rauchwolken.

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