Lao-tse (6. Jhd. v. Chr.)
Sie befinden sich auf einer Unterseite des Kapitels "Informationen Luftfahrt"
Die erste Frau als Swissair-Captain, Gaby Musy-Lüthi, 1998. Originalbildlink bei ETH
Europas erste Hostess Nelly Diener, 1934. Originalbildlink bei ETH
Hostess der Swissair mit Zaine, 1935–1948. Originalbildlink bei ETH
Frau Frick, erste Bordtechnikerin der Swissair, 1988. Originalbildlink bei ETH
In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit Frauen an Bord von Flugzeugen – als Flugbegleiterinnen und als Kapitäninnen. Die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich (ETH) hat mehrere Hunderttausend Bilder aus der Geschichte der Schweiz, insbesondere der Fluglinie Swissair und ihrer Vorläufer, digitalisiert. Diese sind zum großen Teil frei verwendbar, und ich habe in meinem Reiseblog bereits einige Bildergeschichten daraus veröffentlicht. Zu manchen Bildserien existieren zudem begleitende Texte beziehungsweise findet man im Internet die dazugehörigen Geschichten. Diese Sammlung der ETH bildet die Grundlage dieses Artikels.
Spötter behaupten, das Fliegen sei nur ein Vorwand, um sich ungestört lukullischen Genüssen hingeben zu können. Tatsache ist, dass sich die Gesellschaften geradezu überbieten, schreibt Klaus Hansen in seinem Buch "So geht es bei der Luftfahrt zu", erschienen 1956 im deutschen Verlag Delius, Klasing & Co. Darin wird auch eine Menükarte der SAS für die Pol‑Route gezeigt. Diese war im Original auf eine dünne Stahlfolie gedruckt und bot ein "Scandinavia–Greenland Supper", ein "Greenland–Canada Continental Breakfast" und "Lunch" sowie ein "Canada–United States of America Captain’s Dinner" – alle Menüs waren mehr‑ oder, um es treffender zu sagen, vielgängig. Es dürfte sich dabei um die Verpflegung in der ersten Klasse gehandelt haben.
Klaus Hansen widmet sich in einem eigenen Kapitel mit dem Titel "Strumpfband" den damals noch sogenannten Stewardessen. Darin räumt er mit der verklärten Werbung mancher Fluggesellschaften auf, denn "der Beruf einer Stewardess ist schwer, jede Verniedlichung wäre eine Sünde wider die Tatsachen". United Airlines beschäftigte um 1956 rund 900 Stewardessen, von denen – wie man im Buch von Hansen lesen kann – 60 % blond, 36 % brünett und vier Prozent rothaarig waren. Sie arbeiteten im Durchschnitt 29 Monate an Bord der Maschinen, dann wechselten viele die Uniform der Stewardess gegen ein Brautkleid. In den 1950er‑Jahren gab es zudem noch sogenannte "Flight Bulletins", handgeschriebene Informationen für die Passagiere darüber, wo man sich gerade befand, in welcher Höhe geflogen wurde und wie kalt es draußen war. Aber das ist eine andere Geschichte.
Kehren wir zum Beruf der damaligen Stewardessen zurück. Heute werden sie Flugbegleiterinnen genannt. Der erste Flugbegleiter war jedoch männlich und betreute 1912 die Passagiere an Bord eines Verkehrsluftschiffes, eines Zeppelins. Die erste echte Stewardess an Bord eines Flugzeuges war dann Ellen Church, eine Krankenschwester und Pilotin.
1930 vertrat ein Betriebsleiter der Boeing Air Transport (der heutigen United Airlines) die Ansicht, weibliche Flugbegleiter würden eine beruhigende Wirkung auf Passagiere ausüben. Damit könne die Flugangst vor dem damals immer noch als exotisch und neuartig empfundenen Verkehrsmittel Flugzeug verringert werden. In der Folge begleitete am 15. Mai 1930 erstmals weltweit eine Stewardess die Passagiere einer dreimotorigen Boeing 80A der Boeing Air Transport (BAT). Es war die US‑amerikanische Krankenschwester Ellen Church (* 1904, † 1965). Sie flog als erste weibliche Flugbegleiterin in einer Boeing 80A der BAT von Oakland/San Francisco in das 1 600 Meilen (etwa 3 000 km) entfernte Chicago. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 125 Knoten (rund 230 km/h) und mit 13 Zwischenlandungen dauerte der Flug 20 Stunden. Ihr Vorgesetzter, Steve Stimpson, Bezirksleiter der BAT in San Francisco, und sie prägten den Begriff Stewardess. Church warb weitere sieben Krankenschwestern für diesen neuen Beruf. Diese mussten registrierte Krankenschwestern, ledig, jünger als 25 Jahre alt, nicht mehr als 52 kg schwer und nicht größer als 1,63 m sein. Neben der Betreuung der Passagiere hatten die Stewardessen das Gepäck an Bord zu bringen, lose Sitze festzuschrauben, die Flugzeuge zu betanken und sogar den Piloten zu helfen, die Maschinen in den Hangar zu schieben. Dafür erhielten sie allerdings eine sehr attraktive Bezahlung.
Nelly Diener wurde zu Beginn des Jahres 1934 bei der Schweizer Fluggesellschaft Swissair die erste Flugbegleiterin Europas. Noch im selben Jahr wurde sie Opfer eines Flugzeugabsturzes. Im Archiv der Swissair finden sich einige Bilder dieser bemerkenswerten Frau.
Die Zeitschrift Aero‑Revue glorifizierte sie als «blonde, lockige, langbewimperte Dame» und erhob sie zum «Engel der Lüfte». Ihre Fluggäste verwöhnte sie mit selbst zubereiteten Speisen und Getränken. Die Verpflegung war in den Anfangsjahren der Swissair nicht im Flugpreis inbegriffen; für eine Bordküche (Galley), wie sie heute üblich ist, war in den damals noch sehr funktionell und einfach ausgestatteten Verkehrsflugzeugen zu wenig Platz. Passagiere, die unter Flugangst litten, beruhigte Nelly Diener mit einfühlsamen Worten; mit vielen spielte sie Karten, oder es wurde zur Ablenkung gestrickt, gemeinsam gesungen oder sogar gejodelt.
Nelly Diener erlangte als erste Flugbegleiterin Europas weit über die Landesgrenzen der Schweiz hinaus Bekanntheit. Beim Absturz der 14‑sitzigen Curtiss AT‑32C Condor kam sie am 27. Juli 1934 auf ihrem 84. Flug auf der Strecke Zürich–Berlin bei Wurmlingen zusammen mit neun Passagieren und zwei weiteren Besatzungsmitgliedern ums Leben.
In Zeiten, in denen die Lufthansa auf europäischen Flügen kein Gratis‑Essen mehr serviert, lohnt sich vielleicht ein Blick in die Vergangenheit: von der Bordverpflegung aus dem "Zaine" bis zum Vorlege‑Service in der First Class eines Jumbos. Die folgenden Bilder zeigen den Bordservice der Swissair im Wandel der Zeit.
Am Anfang war der "Zaine"
Die Anfänge des Bordservice bei Swissair waren einfach. Stewardessen gingen mit Thermosflaschen voller Tee und Kaffee unter dem Arm zur Maschine, und in einem "Zaine", einem Verpflegungskorb, befand sich bescheidenes Essen – etwa Suppe, Brot, Schokolade und Äpfel. Dieses Verpflegungsmanko wurde jedoch durch Freundlichkeit und den persönlichen Einsatz der Stewardessen ausgeglichen.
Bereits um 1935 gab es größere "Zaine", und an Bord wurde das Essen auf kleinen Tabletts serviert. Mitte der 1940er‑Jahre wurde das Catering dann in kleinen Trolleys an Bord geliefert. Damit begann das "moderne" Zeitalter des Bordservice.
Mit der Inbetriebnahme der Boeing 747 in den 1970er‑Jahren führte Swissair eine First Class mit speziellem Catering ein. 1978 wurde im zweiten Service auf der Route Zürich bzw. Genève – New York auf braunem Langenthal‑Geschirr bzw. auf Kölsch‑Tischtüchern Raclette serviert. Später folgten eigene "First‑Class‑Galley‑Kurse" für das Kabinenpersonal der Swissair, inklusive Kochdemonstrationen im Swissair-Cateringbetrieb.
Erst 1971 wurde in der Schweiz das Frauenstimmrecht auf Bundesebene eingeführt. Die Schweiz war also bis Anfang der 1970er‑Jahre fest in Männerhand. Doch erst in den 1980er‑Jahren kamen Frauen in die Flugzeugcockpits, die bis dahin eine nahezu ausschließlich männliche Domäne waren. Die erste Linienpilotin der Schweiz war Regula Eichenberger, die 1983 bei Crossair zu fliegen begann. Im Juni desselben Jahres beschloss die Geschäftsleitung der Swissair, eine Detailstudie in Auftrag zu geben. Sie wollte eine fundierte Grundlage schaffen, um das weitere Vorgehen für die Ausbildung der ersten Pilotenschülerinnen an der Schweizerischen Luftverkehrsschule (SLS) vorzubereiten.
1984 begann Gabriela Lüthi als erste Schülerin der SLS ihre Ausbildung zur Pilotin. Ab 1987 flog sie als erste Co‑Pilotin der Swissair in einem Linienflugzeug. Im September 1998 wurde Musy‑Lüthi zur Kapitänin befördert. Gemeinsam mit Co‑Pilotin Claudia Wehrli führte sie 1999 den ersten Swissair-Flug mit einer vollständigen Frauenbesatzung durch. Beim Grounding der Swissair im Jahr 2001 gehörte Gabriela Musy‑Lüthi zu den sechzehn Pilotinnen innerhalb der rund 1 100 Personen umfassenden Cockpit‑Besatzung der Fluggesellschaft.
Bild rechts: Captain Gabriela Musy‑Lüthi (links) und Copilotin Claudia Wehrli im Cockpit des Airbus A320‑214, HB‑IJB "Embrach", 1999. Originalbildlink bei ETH
Eine Reportage mit etwa 285 Fotografien aus dem Jahr 1985, die heute im digitalisierten Bildarchiv der ETH archiviert ist, dokumentiert die Pilotinnenausbildung von Gaby Musy‑Lüthi mit ihrem Fluglehrer Hans Markwalder an der SLS. Diese Bilder kann man heute im digitalen Bildarchiv der ETH unter diesem Link anschauen.
Sie vermitteln einen eindrucksvollen Einblick in die frühe Pilotinnenausbildung der 1980er‑Jahre: konzentrierte Briefings, praktische Übungen im Cockpit, Navigationsschulungen und die enge Zusammenarbeit zwischen Fluglehrer und Schülerin. Die Reportage zeigt, wie anspruchsvoll und zugleich wegweisend der Weg von Gabriela Musy‑Lüthi war – ein Weg, der vielen Frauen nach ihr den Einstieg ins Cockpit erleichterte.
Frau Frick war dann 1988 die erste Bordtechnikerin der Swissair im Cockpit einer Douglas DC‑10.
Die Hamburger Online‑Zeitung Zeit Online veröffentlichte am 18. Juni 2024 einen Artikel zum Thema Frauen als Pilotinnen unter dem Titel "Sie haben doch Mann und Kinder, wieso sind Sie so viel in der Luft?" hier der Link zum Artikel.
zum Seitenanfang
Bild links: Vreni Spoerry, Nationalrätin und Mitglied des Swissair‑Verwaltungsrates, besuchte am 16. Mai 1994 das OPS‑Center. Im Bild ist sie mit Pilotinnen der Swissair zu sehen. Originalbildlink bei ETH
Weitere Pilotinnen in der Schweizer Luftfahrt
Nach Gabriela Musy‑Lüthi folgten in den 1990er‑ und frühen 2000er‑Jahren weitere Frauen, die ihren Platz im Cockpit fanden.
Die Schweizer Luftfahrt befand sich in dieser Zeit im Wandel: moderne Ausbildungsmethoden, neue Flugzeugtypen und ein
wachsendes Bewusstsein dafür, dass fliegerisches Können nicht vom Geschlecht abhängt, öffneten Türen, die zuvor verschlossen
geblieben waren.
Zu den frühen Wegbereiterinnen gehörte auch Claudia Wehrli, die 1999 gemeinsam mit Musy‑Lüthi den ersten Swissair-Linienflug mit einer reinen Frauenbesatzung durchführte. Dieser Flug wurde in der Branche aufmerksam wahrgenommen – nicht als PR‑Gag, sondern als sichtbares Zeichen dafür, dass Frauen im Cockpit längst angekommen waren.
Mit der Integration der Crossair in die neu gegründete Swiss im Jahr 2002 wuchs die Zahl der Pilotinnen weiter. Viele von ihnen hatten ihre Ausbildung an der Schweizerischen Luftverkehrsschule (SLS) oder später an der Swiss Aviation Training (SAT) absolviert. Die Anforderungen blieben hoch: medizinische Tauglichkeit, technische Kompetenz, fliegerisches Talent und eine enorme Belastbarkeit. Doch die Zahl der Bewerberinnen stieg kontinuierlich, und die Schweizer Airlines begannen, aktiv Frauen für den Beruf zu gewinnen.
Heute ist der Beruf der Pilotin in der Schweiz fest etabliert. Zwar liegt der Frauenanteil im Cockpit weiterhin deutlich unter jenem der Männer, doch die Entwicklung zeigt klar nach oben. Die Pionierinnen der 1980er‑ und 1990er‑Jahre haben den Weg bereitet – mit Mut, Ausdauer und der Bereitschaft, sich in einer traditionell männlichen Welt zu behaupten.
Gaby Lüthi, erste Frau in der Schweizerischen Luftverkehrsschule, 1985. Originalbildlink bei ETH
Pressekonferenz mit der ersten weiblichen Swissair‑Pilotin Gaby Musy‑Lüthi in Zürich‑Kloten, 1998. Originalbildlink bei ETH
Captain Olav Brunner und Copilotin Gaby Lüthi lassen sich vom Red Cap die Beladungsdaten zeigen, Jänner 1988. Ein Red Cap war ein Ramp Agent bzw. Flugdienstleiter am Boden, erkennbar an der roten Mütze, die ihm seinen Namen gab. Originalbildlink bei ETH
Swissair‑Pilotin Gaby Lüthi mit Fluglehrer Hans Markwalder im August 1985. Originalbildlink bei ETH
Copilotin Ute Roth‑Bünting der Swissair bei der Arbeit, Bilddatierung 1990–1994. Originalbildlink bei ETH
Europas erste Hostess Nelly Diener in der Curtiss Condor, bei deren Absturz sie ums Leben kam, 1934. Originalbildlink bei ETH
Europas erste Hostess Nelly Diener vor der Curtiss Condor, bei deren Absturz sie ums Leben kam, 1934. Originalbildlink bei ETH
Europas erste Hostess Nelly Diener in der Curtiss Condor, bei deren Absturz sie ums Leben kam, 1934. Originalbildlink bei ETH
1936: Hostessen mit Thermosflaschen und Verpflegungskorb beim Einstieg in die Douglas DC‑2 115‑B, HB‑ITA, in Dübendorf. Originalbildlink bei ETH
zum Seitenanfang