Urbino – Palazzo Ducale und Dom, Marken, Italien

Festa dei Pugnaloni in Acquapendente

Bei meinem letzten Besuch in der Tuscia fuhren wir durch den kleinen Ort Acquapendente. Ob es dort etwas zu sehen gäbe, fragten wir unsere Führerin. „No, no, nichts wirklich Interessantes, nur eine uralte Krypta in der Kirche und …“

Jeden dritten Sonntag im Mai findet in dem kleinen Ort Acquapendente (übersetzt: „Wasserfall“) im Norden des Latium, nahe dem Bolsena-See, ein besonderes Fest statt.

Dabei stehen die „Pugnaloni“, wunderbare Mosaike aus tausenden von Blütenblättern und Blättern, im Mittelpunkt des Festes der „Madonna del Fiore“. Dieses Fest geht auf die Befreiung von der tyrannischen Regierung Friedrichs I. Barbarossa im Jahr 1166 zurück. Die Tradition berichtet von zwei Bauern aus Acquapendente, die bei ihrer Arbeit auf den Feldern auf wundersame Weise einen Kirschbaum erblühen sahen, der längst vertrocknet und zum Symbol der Unterdrückung geworden war. Sie betrachteten dies als Zeichen des Schutzes der Madonna und riefen das Volk auf, sich gegen die Stauferherrschaft zu wehren – mit Erfolg.

Zur Erinnerung an diese Befreiung feiert der rund 5.700 Einwohner zählende Ort jedes Jahr im Mai das „Fest der Pugnaloni“. Diese Kunstwerke aus Blütenblättern haben stets das Thema Freiheit zum Inhalt. Sie sind 2,6 × 3,6 Meter groß und werden am Festtag in der Kathedrale San Sepolcro aufgestellt. Eine Jury wählt die sechs schönsten Pugnaloni, deren Schöpfer am folgenden Tag am Hauptplatz des Dorfes geehrt werden.

Die Pugnaloni kann man jedoch das ganze Jahr über in der Kathedrale bewundern, die übrigens auch eine sehenswerte Krypta birgt sowie ein „Heiliges Grab“.

Aha, „nur“ … Fast eine Stunde bestaunten wir diese Bilder aus Blütenblättern und die beeindruckende Krypta, die aus mehreren Räumen besteht. „Nichts wirklich Interessantes“ – man sollte sich doch nie auf die Einheimischen verlassen!

Weitere Informationen im Internet: www.prolocoacquapendente.it/pugnalonidiacquapendente/