Über die Mafia und andere mafiose Verbindungen

  • Da steckt die Mafia dahinter..." sagt man so leichtfertig aber einmal es war die Cosa Nostra, mal die Camorra, mal di 'Ndragheta und mal die Sacra Corona Unitá.

    Also: Mafia ist also nicht gleich Mafia in Italien! Daher hier ein kleiner Überblick über die verschiedenen dunklen italienischen Vereinigungen.

    Die Mafia als Wirtschaftsmacht - hier einige Informationen dazu.

    Die Mafia

    Schon um 1820 war die Mafia als Geheimbund auf Sizilien tätig. Allerdings anfangs noch zum Schutz der Privilegien der Landadeligen. Nachdem Italien 1860 als geeignetes Königreich dastand, war das Misstrauen bei der Mehrheit der Bevölkerung gegen den König groß. In dieser Zeit änderte sich die Mafia zu einer Organisation der Unterdrückung mit Schweigepflicht (omertà).

    Erst nach dem Zweiten Weltkrieg änderte die Mafia nach und nach ihre "Aufgabengebiete": Korruption, Prostitution, Schmuggel, aber vor allem Schutzgeld-Erpressung wurden ihre Haupteinnahmequellen. Schon 1962 richtet die Regierung in Rom eine eigene Kommission zum Schutz gegen die Mafia ein. Im Laufe der Jahre gelangen auch Teilerfolge, es gab Anti-Mafia-Prozesse, aber auch mit dem Preis vieler Toter - vor allem unter den Richtern.

    Die ehrenwerten Herren, die Paten und ihre Killer sind im italienischen Alltag und der Wirtschaft überall präsent. Heute auch natürlich im Drogenhandel. Undurchsichtig die Freundschaften mit Politikern und Beamten bis in die obersten Ränge. Sie sind die Voraussetzung, um ans große Geld des Staats zu gelangen, der diese für öffentliche Aufträge im Straßenbau, der Errichtung von Krankenhäusern, für Subventionen und andere Investitionen bereit stellt. Aktuell für das Brückenprojekt über den Kanal von Messina.

    Die Omertà bedeutet die absolute Verschwiegenheit über mafiose Vorgänger. Wer sie bricht, oft Verräter aus eigenen Reihen, muss um sein Leben fürchten. Fehden innerhalb der führenden Mafiafamilien, aber auch zwischen Clans bringen Tod und Leid. Personen, vor allem Politiker, Justizbeamte, Polizisten oder Priester, riskieren immer noch wie früher ihr Leben, wenn sie sich öffentlich gegen die Mafia stellen. Auch werden ihre Methoden stets grausamer, ja, heutzutage schrecken sie nicht einmal vor Kindern zurück. Fahndungserfolge der letzten Jahrzehnte, drakonische Bestrafungen, bei denen die Verurteilten nicht auf Begnadigungen hoffen können und der stärkere Zusammenschluss, gepaart mit einem neuen Selbstbewusstsein der betroffenen Menschen hat die Mafia geschwächt. Viele, auch Bosse, packen nun lieber vor Gericht aus anstatt den Rest ihres Lebens - schweigend - im Gefängnis sitzen zu müssen..

    Eine besondere Form der Mafia auf Sizilien ist die Cosa Nostra. Sie hat weltweit das Bild der Mafia geprägt, vor allem durch ihre amerikanischen Verwandten. Man sagt ihr sehr enge Kontakte mit Verwaltung und in die Politik nach, sie ist hierarchisch streng gegliedert und ihr Boss der Bosse, Bernardo Provenazno, wurde im Frühjahr 2006 von der Polizei gefasst, der er sich 43 Jahre erfolgreich entziehen konnte. up icon

    'Ndragheta

    'Ndragheta - nennt man die "Mafia" in Kalabrien. Sie gilt als besonders gefährlich, brutal und extrem reich. So soll der spektakuläre Entführungsfall von Paul Getty jr. von ihr durchgeführt worden sen. Sie ist nicht hierarchisch organisiert, sondern besteht aus etwa 150 Familien, die sich aber untereinander konkurrieren. Man vermutet, dass rund 7 000 Mann in den Diensten dieser Organisation stehen.

    Eine der Hochburgen der 'Ndragheta ist San Luca. Diese 4 200-Seelen-Gemeinde liegt eigentlich recht idyllisch an der Stiefelspitze. Doch tobt dort seit 1991 erbitterten Kampf zwischen verfeindeten Mafiafamilien.

    Lange Zeit stand sie im Schatten der sizilianischen Cosa Nostra. Aber seit den 1990er Jahren, als Fahndungserfolge auf Sizilien dort etwas Ruhe schafften, blühte die 'Ndragheta auf. Mit einem geschätzten "Jahresumsatz" von 35 Milliarden Euro (2007) zählt sie mittlerweile zu den mächtigsten Mafiaorganisationen in ganz Europa. Als ihr "Spezialgebiet" haben Fahnder den Kokainhandel festgestellt.

    Begonnen hat diese Organisation im 19. Jahrhundert. Quellen berichten, dass das Wort "''Ndragheta" stammt vom griechischen "andragathos" ab, was so viel wie "tapferer Mann" bedeutet. Diese "Tapferen" "verdienten" sich in der Anfangszeit ihr Geld mit Entführungen und Erpressungen.
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    Sacra Corona Unità

    Das ist eine Teilorganisation der Mafia in Apulien und ist kaum bekannt. Durch die geografische Nähe von Apulien zum südlichen Balkan hat sie dorthin gute Kontakte. Sie besteht aus einer Ansammlung von Clans, die sich hauptsächlich mit Drogen- und Waffenhandel, Prostitution, Erpressung und Wucher befasst.

    Die Camorra

    war ursprünglich ein Geheimbund in Neapel, Kampanien, der man nachsagte, Kontakte zum König von Neapel im Kampf gegen die Piemonteser (die schließlich ganz Italien einten...) zu haben. Erst in den 1960er Jahren des 20. Jh. entstand daraus eine Organisation für organisiertes Verbrechen.
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    Die Mafia als Wirtschaftsmacht

    Wie ich einem Zeitungsartikel der Salzburger Nachrichten im November 2008 entnehmen konnte, machen die Schutzgelder, "il pizzo" genannt, 250 Mill. Euro pro Tag aus, 130 Milliarden sollen es angeblich jährlich sein! 180 000 Betriebe, schreiben die SN, sind es in ganz Italien noch, die Schutzgelder zahlen müssen, um unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen zu können. Sogar der Organisator eines Anti-Mafia-Konzerts in Neapel musste im November 2008 "für den Schutz" seiner Veranstaltung zahlen.

    Marco Venturi, Präsident der Händlervereinigung "Confesercenti" rechnet vor: Tag für Tag nehmen die Mafia-Organisationen in Italien 250 Mill. Euro an Schutzgeldern ein, 10 Millionen pro Stunde, 160.000 Euro pro Minute, dazukommen noch 92 Milliarden aus "reinen Handelsgeschäften" (das wären sechs Prozent vom italienischen Bruttoinlandsprodukt!) und das interessante Geschäft mit Drogen, das sich mit 59 Milliarden Euro zu Buche schlägt!

    Und mit einem Teil der Einnahmen erhalten die Insassen vom Gefängnis Poggioreale in Neapel ein "Taschengeld" ausbezahlt, 312 Euro sollen es im Schnitt pro Person sein. Interessant, woher man die Zahlen hat. Interessant, welche finanzielle Macht diese kriminellen Organisationen haben. Es bleibt abzuwarten, wie gefährlich die Mafia durch die Finanzkrise im Herbst 2008 nun noch werden könnte.
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    Begriffserklärungen
    il pizzo: Bezeichnung für Schutzgelder
    omertà: Schweigepflicht
    tangenti: Schmiergeld

    Autor:
    Peter Krackowizer
    Datum:
    überarbeitet im Sommer 2010
Peter Krackowizer, Reise-Experte & freier Journalist, Neumarkt am Wallersee, Salzburg, Österreich