Kleines Italien-Lexikon
hier die Buchstaben I und N
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Italiener, der oder die
Nun, darüber ließe sich tatsächlich ein Buch schreiben! Über den Italiener – männlich – kursieren viele Klischees: der Frauenheld, das „Mama-Kind“. Tatsächlich wohnten viele junge Männer früher bis zur Heirat bei ihrer Mutter, die für sie wusch, kochte und sie umsorgte. Und nicht selten erwartete man Ähnliches später von der Ehefrau.
Die Italienerin – feurig in der Jugend, rund im Alter – auch das sind Klischees, die heute so nicht mehr gelten. Italienerinnen sind selbstbewusster geworden, beruflich aktiv und gesellschaftlich präsent.
Wenn Sie mehr über das Thema „Italiener“ lesen möchten, empfehle ich das Buch „Was finden Sie bloß an Italien?“ aus meinen Buchtipps.
Juventus Turin
Der Fußballverein wurde 1897 von Schülern des Gymnasiums „Massimo D’Azeglio“ in Turin gegründet. Das frühere Stadion war das „Stadio delle Alpi“, 1990 errichtet, mit rund 70 000 Sitzplätzen auf einer Fläche von etwa 350 000 m². (Anmerkung: Heute spielt Juventus im modernen „Allianz Stadium“, eröffnet 2011.)
Der Buchstabe „K“ kommt im italienischen Alphabet nicht vor. Auf Italienisch heißt er „kappa“. Alle im Deutschen gebräuchlichen K‑Wörter werden im Italienischen mit C geschrieben: Toskana → Toscana, Kampanien → Campania, Köln → Colonia.
Katakomben
Die Katakomben waren die ersten Begräbnisstätten der frühen Christen. Die römische Religion verbot Bestattungen innerhalb der Stadtmauern, daher mussten die Christen ihre Gräber außerhalb der Stadt anlegen. In das weiche vulkanische Gestein konnten sie tiefe Schächte und Gänge graben.
Da solche unterirdischen Anlagen auch den Römern heilig waren, konnten sich die Christen in Zeiten der Verfolgung dorthin zurückziehen – auch wenn die Römer sehr wohl wussten, wo sie sich „versteckten“. Siehe auch Brauchtum Allerheiligen – Friedhöfe.
Kleinode
Was sind Kleinode? – Kostbarkeiten, im übertragenen Sinn Orte, die jemand sehr schätzt, weil sie klein, weniger bekannt und dennoch von besonderem Reiz sind. Kleinode können sich natürlich im Laufe der Zeit zu touristischen Rummelplätzen entwickeln.
Nachstehend zunächst meine Kleinode aus meiner Reiseleiterzeit 1982 bis 1999:
Abbazia Sant'Antimo in der Südtoskana. Mehr über Sant’Antimo in meinem Reisebericht.Asolo im Norden Venetiens – in den 2020er‑Jahren allerdings kein „Kleinod“ mehr. Mehr darüber in meinem Reisebericht.
Arquà Petrarca in den Euganeischen Hügeln südwestlich von Venedig.
Bagni Vignoni in der Südtoskana.
Bassano del Grappa in Venetien (nicht Latium!). Mehr darüber in meinem Reisebericht.
Bolsena am Bolsenasee in der „La Tuscia“ im Norden der Region Latium. Mehr über die Tuscia in meinem Reisebericht.
Borghetto in Valeggio sul Mincio, südlich des Gardasees – heute sehr bekannt.
Brescello am Po in der Region Emilia‑Romagna, Drehort der Außenaufnahmen für „Don Camillo und Peppone“. Mehr darüber in meinem Reisebericht.
Comacchio im Osten der Region Emilia‑Romagna.
Monteriggioni nordwestlich von Siena in der Toskana.
Pienza in der Südtoskana.
Sorano in der Südtoskana.
Pieve di San Pietro, eine romanische Kirche in San Pietro di Veleto im Norden Venetiens.
Pitigliano in der Südtoskana.
Sacile im Westen der Region Friaul‑Julisch Venetien.
Tuscania in der „La Tuscia“ im Norden der Region Latium.
Venzone im Norden der Region Friaul‑Julisch Venetien. Mehr in meinem Reisebericht über Friaul‑Julisch Venetien.
Diese Orte hatte ich damals oft besucht. Die Aufzählung ist nicht vollständig; vielleicht ergänze ich sie bei Gelegenheit. Es gibt auch Kleinode, die ich zwar aus Reportagen und Büchern kenne, aber selbst nie besucht habe.
In den 2020er‑Jahren habe ich – vorerst nur in Internetmedien – folgende Orte entdeckt, die aus meiner Sicht noch als Kleinode gelten:
Isola Santa, ein verborgener Winkel der Garfagnana und des Media Valle del Serchio in den Apuanischen Alpen im Westen der Toskana. Hier der Internetlink: www.visittuscany.comLa Cascata Grande di Isola del Liri, der „Große Wasserfall“ von Isola del Liri, südöstlich von Rom. Hier ein Link zur italienischsprachigen Seite mit Bildern: www.viaggiando-italia.it
Ladri – Schule der Diebe in Turin
„Ladri“ – Diebe. In Turin gab es im 19. Jahrhundert im alten Stadtzentrum eine „Schule des Diebstahls“. Die Abschlussprüfung bestand darin, mit einer Rasierklinge über einen aufgeblasenen Luftballon zu fahren, ohne dass dieser zerplatzte.
Ferruccio Lamborghini verdiente sein Geld zunächst als Hersteller von Traktoren. Als er eines Tages einen Ferrari kaufte, ärgerte er sich so sehr über dessen Verarbeitungsqualität, dass er beschloss, selbst Sportwagen zu bauen – und zwar solche, die Ferrari in allen Punkten übertreffen sollten.
1980 verkaufte er die Sportwagenproduktion an Schweizer Finanziers und zog sich bis zu seinem Tod 1993 (nicht 1994) als Landwirt und Winzer auf sein Landgut nahe des Trasimenischen Sees in Umbrien zurück.
Das Werk befindet sich bis heute in Sant’Agata Bolognese bei Bologna. Ein früher Prototyp wurde 1963 auf dem Genfer Salon vorgestellt. Das Debüt des 350 GT folgte 1964. Danach erschienen der 400 GT (1965) und der Aufsehen erregende P 400 Miura (1966). Weitere Modelle waren Islero, Espada, Jarama, Silhouette und Urraco. Dem futuristisch anmutenden Countach (1971) folgten in den 1980er‑Jahren der Jalpa (1982–1988), der Diablo (ab 1990) sowie der Geländewagen LM002.
Vincenzo Lancia war Testfahrer bei FIAT und persönlicher Freund des Firmengründers Giovanni Agnelli sen. Dieser ermutigte ihn sogar, sein eigenes Unternehmen zu gründen – was er 1906 tat.
Larderello
Larderello ist das bedeutendste Geothermiegebiet Italiens und eines der ältesten Erdwärmekraftwerke der Welt. Es liegt einige Kilometer südlich von Volterra in der Toskana.
„Il Lingotto“ – der „Barren“. FIAT‑Gründer Agnelli ließ dieses erste große Fabrikgebäude zwischen 1916 und 1922 errichten. Es war 500 m lang und fünf Stockwerke hoch. Produziert wurde vom Erdgeschoss nach oben; auf dem Dach befand sich eine Testrennstrecke mit Steilkurven, ausgelegt für 90 km/h.
Bis 1979 arbeiteten rund 30 000 Menschen im Lingotto. Danach wurde es zu einem Kultur‑, Konferenz‑, Sport‑ und Freizeitzentrum umgebaut.
Longarone liegt im nördlichen Veneto. Hier stand die Vajont‑Staumauer, die von 1941 bis 1959 errichtet wurde und mit 265 m Höhe zu den höchsten der Welt gehörte. Am 9. Oktober 1963 stürzten rund 250 Millionen Tonnen Fels vom Monte Toc in den Stausee. Die dadurch ausgelöste Flutwelle schleuderte 48 Millionen Tonnen Wasser über die Mauer ins Piavetal.
Rund 2 500 Menschen kamen ums Leben. Der Stausee wurde danach nie wieder gefüllt.
Magnetische Orte?
In der Tat gibt es im Raum Rom ein Phänomen, für das es bis heute keine eindeutige Erklärung gibt: Auf einem Straßenstück in den Albaner Bergen rollen Gegenstände scheinbar bergauf. Auch Busfahrer berichteten mir, dass es in der Stadt Rom einen Platz geben soll, auf dem sich derselbe Effekt zeigt.
Optische Täuschung? Eine Laune der Natur? Ich weiß es nicht. Hier einige Links, unter denen man mehr darüber lesen kann:
www.borderlands.de/gravity.anomalies.php3
bs.cyty.com/menschen/e-etzold/archiv/papers/gravitat.htm
Schon um 1820 war die Mafia als Geheimbund auf Sizilien tätig – damals allerdings zum Schutz der Privilegien des Landadels. Nach der Einigung Italiens 1860 herrschte in der Bevölkerung großes Misstrauen gegenüber dem neuen Königreich, und aus der Mafia wurde zunehmend eine Organisation der Unterdrückung mit strenger Schweigepflicht (omertà).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sie sich zu einer kriminellen Organisation, die mit Korruption, Prostitution, Schmuggel und vor allem Schutzgelderpressung zu tun hatte. Bereits 1962 richtete die Regierung in Rom eine eigene Anti‑Mafia‑Kommission ein. Es gab Teilerfolge in großen Prozessen – allerdings um den Preis vieler Opfer, vor allem unter Richtern und Staatsanwälten.
Sonderformen sind die ’Ndrangheta, Cosa Nostra, Camorra und Sacra Corona Unità. Eine Gesamtübersicht bietet die Seite mafiose Organisationen.
Mandì Friul!
„Gott mit dir, Friaul“ – so lautet der Gruß, den man im Friaul beim Eintreten und auf der Straße hört. Er stammt aus dem Furlanischen, einem Dialekt, der aus dem Rätoromanischen hervorgegangen ist. Die Vorfahren der Friauler waren Kelten, die rätoromanische Dialekte sprachen – ebenso wie die Ladiner in Südtirol und einige Sprachgruppen in der Schweiz.
Manzoni, Alessandro
* 1785, † 1873. Dichter. Sein Roman „I promessi sposi“ („Die Verlobten“) gilt als das wichtigste Werk der modernen italienischen Prosa und prägte maßgeblich die Entwicklung der italienischen Schriftsprache.
Marconi, Guglielmo
Er gilt als einer der Väter der drahtlosen Telegraphie und der Funknavigation. Am 12. Dezember 1901 gelang ihm die erste transatlantische Funkübertragung: Von der Station Poldhu in Cornwall (Großbritannien) empfing er in St. John’s auf Neufundland ein krächzendes Morse‑„S“.
Da Italien anfangs wenig Interesse an seiner Arbeit zeigte, suchte Marconi Unterstützung bei den britischen Streitkräften – und wurde dort mit offenen Armen aufgenommen. Später richtete er jedoch auch für Italien Funkstationen und Funkschiffe ein, vor allem vor der ligurischen Küste.
König Georg V. von England adelte ihn, das italienische Königshaus erhob ihn zum Marchese. Zeit seines Lebens beschäftigte er sich mit Funknavigation und legte wichtige Grundlagen für die maritime Funktechnik. Er starb 1937 in Rom.
Der geflügelte Markuslöwe ist das Symbol der Republik Venedig. Die Venezianer brachten ihn überall in ihrem Machtbereich an: an Kirchen, Palästen, Türmen und Stadttoren. Hält der Löwe eine aufgeschlagene Bibel in den Pranken, wurde das Bauwerk in Friedenszeiten errichtet. Ist das Buch geschlossen, entstand es während eines Krieges.
Alfieri Maserati war Automobilrennfahrer und gewann mit seinen Rennwagen zwischen 1926 und 1957 über 1 000 Rennen. Zusammen mit seinen Brüdern Bindo, Ernesto und Ettore gründete er 1926 die Firma Maserati. 1993 wurde das Unternehmen an FIAT verkauft.
Matteotti, Giacomo
* 1885, † 1924. Ein führender sozialistischer Politiker und entschiedener Gegner des Faschismus. Seine Entführung und Ermordung durch faschistische Schlägertrupps löste eine schwere politische Krise in Italien aus.
Michelangelo Buonarroti
* 1475, † 1564. Architekt, Bildhauer und Maler aus Caprese bei Arezzo (Toskana). Zu seinen berühmtesten Werken zählen die „Pietà“ im Petersdom (Rom), der „David“ in Florenz sowie die Fresken der Sixtinischen Kapelle (Rom). Er ist in Santa Croce in Florenz beigesetzt.
Die „Mille Miglia“ war eines der großen Straßenrennen der Nachkriegszeit. Es führte über rund 1 000 Meilen von Brescia (Lombardei) durch die Toskana nach Rom und zurück. In den letzten Jahrzehnten wurde das Rennen als Oldtimer‑Rallye wiederbelebt und findet jedes Jahr Anfang Mai auf historischen Straßen durch Italien statt.
Unter www.millemiglia-thefilm.com kann man einen Film über das Rennen erwerben oder Ausschnitte ansehen.
Mondial
Eine italienische Motorradmarke. Hier weiter
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Monte dei Paschi
Die Monte dei Paschi („Bank der Hirten“) wurde am 4. März 1472 vom „Großen Rat“ in Siena gegründet und gilt als die älteste noch bestehende Bank der Welt. Sie diente ursprünglich Viehzüchtern und Hirten als Kreditinstitut – als Gegenstück zu den Banken, die damals oft Wucherzinsen verlangten.
Später entwickelte sie sich zu einer gemeinnützigen Institution. Heute beschäftigt sie über 20 000 Mitarbeiter, finanzierte u. a. die mautfreie Schnellstraße von Florenz nach Siena und engagierte sich in Projekten zur Erforschung der Etrusker. Diese und andere Banken profitierten im Mittelalter von der günstigen Lage an der Frankenstraße. Außerdem war die Monte dei Paschi traditionell mit der Eintreibung des Peterspfennigs für den Vatikan betraut.
Ein besonderes Merkmal dieser Motorradmarke ist, dass sie in ihrer über 90‑jährigen Geschichte nahezu jede denkbare technische Lösung ausprobiert hat. Schon das erste Motorrad, 1921 in Mandello del Lario am Comer See gebaut, war „technisches Neuland“.
Die sportlichen Erfolge begannen ebenfalls 1921: Aldo Finzi gewann die „ Targa Florio“ für Motorräder. In den 1920er- und 1930er‑Jahren lehrten die Moto‑Guzzi‑Maschinen die Engländer auf der Tourist Trophy auf der Isle of Man das Fürchten.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Erfolgsserie fort: Der Engländer Bill Lomas gewann 1955 und 1956 den Weltmeistertitel in der 350‑cm³‑Klasse auf Moto Guzzi. … weitere Infos
Der Name des Firmengründers Morini war bereits in der Motorradmarke MM enthalten, die 1924 entstand – noch bevor er sich 1937 selbständig machte. Sowohl MM als auch Moto Morini stammen aus Bologna.
1949 zeigten die kleinen, schnellen Maschinen („Feuerzeuge“) mit den Plätzen zwei und drei in der Weltmeisterschaft der 125‑cm³‑Klasse, wie rassig und konkurrenzfähig diese Motorräder waren. … weitere Infos
Motorräder – italienische!
Auch auf dem Gebiet der Zweiräder war Italien stets führend! Zeitweise beherrschten italienische Rennmotorräder sogar das „Mekka der Zweiräder“, das „Heiligtum der Engländer“ – die Tourist Trophy auf der Isle of Man. Die bekanntesten Marken streife ich hier kurz:
Benelli, Garelli, Gilera, Moto Morini, Moto Guzzi, Mondial, MV Agusta
Natale – Weihnachten
In Italien wird Weihnachten zwar auch am 24. Dezember gefeiert, aber die Geschenke gibt es traditionell erst am 6. Jänner, an Epifania, dem Fest der Erscheinung des Herrn. An diesem Tag kommt die gute alte Hexe Befana auf ihrem Besen über die Dächer Italiens: den braven Kindern bringt sie Geschenke, den unartigen legt sie kleine Kohlenstücke ins Bett.
Siehe auch Brauch in der Weihnachtszeit und unter „Italien – Erfindungen“: Krippen.
’Ndrangheta nennt man die Mafia in Kalabrien. Sie gilt als besonders gefährlich, brutal und extrem reich. Der spektakuläre Entführungsfall von Paul Getty jr. soll von ihr durchgeführt worden sein.
Die ’Ndrangheta ist nicht streng hierarchisch organisiert, sondern besteht aus rund 150 Familien („’ndrine“), die untereinander konkurrieren. Eine ihrer Hochburgen ist San Luca.
Siehe auch mafiose Organisationen.