Eine Reise zu den kleinen Sehenswürdigkeiten im Veneto

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die Lagune von Venedig
Acqua Alta in der Lagunenstadt

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    Das Prosecco-Gebiet und die "Marca Trevigiana"

    Bild: der Markuslöwe

    Ich fahre in das nördliche Veneto - die Alpen begleiten mich schon, ich will noch einmal auf sie zufahren und komme in die mehrere Kilometer lange Stadt Vittorio Veneto – eine aus zwei Orten 1866 entstandene Stadt zu Ehren des Königs von Italien, Vittorio Emanuele I. Aber ihr alternder Flair, ihre Atmosphäre - einer Mischung aus Alpen, Flachland und Italien - und ein Bild von Tizian in der Pfarrkirche - sind mir immer einen Stopp wert sein.

    Gleich hinter Vittorio Veneto nehme ich wieder eine kleine Straße. Sie führt mich an einem kleinen See entlang. Das Castello Brandolini thront über dem Tal. Follina liegt vor mir, wo Mitte des 19. Jh. noch über tausend Arbeiter jährlich bis zu 200 000 kg Seide verarbeiteten. Mitten im Ort das Romantik-Hotel Abbazia, ein kleines romantisches Hotel. Schaut von außen gar nicht so aus, aber innen! Und gegenüber, der eigentliche Anziehungspunkt des heutigen Follina: Die Abtei! Im 12. Jh. erbaut, durchlebte es eine aufregende Geschichte, um heute als kraftvoller Ort der Ruhe inmitten eines Dorfes den Touristen zur inneren Einkehr aufzufordern. Durch einen kleinen Garten erklimme ich die Tür zum Kreuzgang, das Kirchenschiff voraus.

    Noch besinnlich und nachdenkend steige ich wieder ins Auto - die Reise geht in das Weinbaugebiet, aus dem der perlende Wein Prosecco stammt. Gleich bei Follina beginnt es. In dieser romantischen Hügellandschaft geht es hügelauf und hügelab, durch kleine Weindörfer auf der „Strada del Vino Prosecco".

    Valdobbiadene, das Zentrum der Weinproduktion, liegt am einen Ende dieser Landschaft, die aus einer anderen Welt zu stammen scheint. Conegliano am anderen.

    Von Conegliano bis nach Valdobbiadene, von der Hügellandschaft des Montello bis zum Vorgebirge der Alpen, erstreckt sich eine romantische Landschaft aus Hügeln und Weingärten. Längst war es hier nicht immer so friedlich. Im ersten Weltkrieg tobten hier entlang der Piave grausame Schlachten, an die heute noch zahlreiche Beinhäuser, Monumente und Gedenkstätten erinnern.

    Hier ist auch das Weinbaugebiet des „ Cartizze “ und „Prosecco“ - auf einer Fläche von rund 3 000 Hektar werden hier jährlich rund 250 000 Hektoliter Prosecco gekeltert. Von der über Conegliano gelegenen Burg hat man einen wunderschönen Blick auf die Hügellandschaft, die von der „Strada del Prosecco“, der „Prosecco-Weinstraße“ durchzogen wird: Schlösser, kleine Abteien und Kirchen (San Pietro in Feletto!), uralte Mühlen (bei Refontolo) und dazwischen Weingärten, Weinkeller und Restaurants - durch diese Landschaft führt Sie Ihre Reise, die vielleicht bei einem Weinbauern endet, zum Beispiel in der Kellerei Canel.

    Bei Conegliano verlassen wir diese herrliche Landschaft und fahren gen Treviso. Unterwegs kommen wir noch an einer weltberühmten Firma vorbei: Mitte der sechziger Jahre begann hier Luciano Benetton die von seiner Schwester in Handarbeit hergestellten bunten Pullover zu verkaufen. Heute ist sein Unternehmen weltweit tätig und ist auch an einem – derzeit eher wenig erfolgreichen – Formel-1-Team beteiligt. Übrigens, die Jeansfirma Diesel, der weltgrößte Brillenhersteller Luxottica und die Schifirma Nordica haben ihre Stammfirmen ebenfalls hier im nördlichen Veneto, in der Provinz Treviso!

    Wir erreichen Treviso, wo wir zum Beispiel bei Gianni Garatti im Best Western Hotel Al Fogher absteigen können. Es liegt zwar nicht ganz in der Stadt, aber zum einen ist man zu Fuß in etwa einer halben Stunde ganz im Zentrum. Zum anderen eignet es sich aber hervorragend für die geplanten Ausflüge in die Umgebung.

    Treviso - Stadt der Kanäle. Entlang der alten venezianischen Stadtmauern fließt der Sile, der längste italienische Karstfluss. Seine zahlreichen Flussarme und Kanäle durchfließen den gesamten Stadtkern und geben der Stadt ihr malerisches Gepräge. Häuser, die direkt über dem Wasser gebaut sind; Fresken bemalte Fassaden; Trauerweiden, die ihre Arme dem Wasser entgegenstrecken; fürstliche Paläste entlang der Uferpromenade; die Stadt, die keine herausragenden Gebäude aufweist, hat ihren ganz besonderen Reiz im Zusammenspiel von Wasser, Natur und mittelalterlicher Bauweise.

    Die Haupteinkaufsstraße, die Via Calmaggiore, folgt der Trasse der alten Römerstraße. Über sie gelangt man zum Hauptplatz, der Piazza dei Sígnori. Hier trifft sich die Trevisaner Bevölkerung zu einem kleinen Schwatz, trinkt ein Glas Wein oder nimmt in einem der vielen Cafés Platz. Im Palazzo dei Trecento fand in der Zeit der unabhängigen Stadtregierung die Versammlung der 300 Gemeinderäte statt. Auf der kleinen Insel Piazza della Peschiera findet täglich der Fischmarkt statt. Ein wunderschöner Spaziergang ist auch auf dem nördlichen Teil der Stadtmauern möglich. Eindrucksvoll die Dominikanerkirche S. Nicolo und die Franziskanerkirche.

    Samstag und Dienstag ist Markttag! Wieder kaufe ich ein paar nützliche Sachen ein: Handschuhe mit Hasenfell gefüttert – für den Winter in Österreich. Leichte Sommerschuhe, nicht regenbeständig (wozu auch, wenn es im Sommer in Italien sowieso nicht regnet, aber ein paar Hunderte billiger sind sie hier). Ein Gläschen in dem rustikalen Lokal an der Porta San Tommaso, wo es auch so schmackhafte kleine Imbisse gibt. Dann noch ein Bummel durch die Stadt, die durch die viele Wasserläufe immer wieder romantische Winkel hat. Ein innerer Halt in einer der vielen uralten Kirchen. Schließlich aber wieder hinaus in die Umgebung.

    Mein Weg führt mich in das Gebiet der Villen, nach Castelfranco, Asolo, zur Villa Maser und über Montebelluna in das Gebiet der Pedemontana (das Gebiet „zu Füßen der Berge“).

    Ich folge von Treviso dem Oberlauf des Sile entlang. Ein einzigartiges Gebiet, das mit seinen Quelltümpeln und der typischen Sumpfflora auch einen geheimnisvollen Charakter zeigt. Sie sehen Quinto di Treviso mit seinen Seen und Mühlen, den alten Marktplatz von Badoere, die Villa Corner und ich erreiche Castelfranco.

    Castelfranco, eine Stadt, ganz von einer 17 Meter hohen Mauer aus dem Mittelalter umgeben, war „Grenzfestung“ von Treviso. Ihr berühmtester Bürger war der Maler Giorgione. Eines seiner wenigen erhaltenen Bilder ist in einer Seitenkapelle des Domes zu sehen. Auch sein Wohnhaus ist erhalten geblieben.

    In der Ferne kann ich schon die anmutige Hügellandschaft um Asolo erkennen In Riese Pio X. steht das bescheidene Geburtshaus von Don Guiseppe Sarto, dem Papst Pius X, der später heilig gesprochen wurde. Bei San Vito di Altivole liegt der so genannte Friedhof Brion. Ein etwas eigenwillig anmutender Friedhof, der unter anderem an japanische und islamische Architektur erinnert – aber für Freunde der Moderne ein Muss.

    Am Horizont taucht jetzt das idyllisch gelegene Städtchen Asolo auf. Diese Landschaft zwischen Castelfranco und Asolo könnte als Inbegriff ursprünglicher italienischer Kultur bezeichnet werden. Das weite, sich gegen Süden ausdehnende Land, die grünen Hügel, der sich darüber blau erhebende Himmel, im Hintergrund die ersten Bergketten - alles wirkt auf den Betrachter wie ein kleines Stück Paradies. Caterina Cornaro, Königin von Zypern, lebte hier ebenso wie die „göttliche“ Eleonore Duse, Freundin von D’Annunzio und bekannte Sängerin Ende des 19. Jh. Neben der Burg und den Villen im Stadtgebiet beeindrucken auch die Laubengänge mit ihren Geschäften und Restaurants. Eines der führenden italienischen Hotels, die Villa Cipriani, liegt in einem prachtvollen Park mit traumhaftem Blick über venezianische Landschaft. Ruhe und Beschaulichkeit, kulinarische „Einkehrorte“ und herrliche Landschaft sind die prägenden Elemente von Asolo. Und wer etwas günstiger wohnen möchte, bucht sich ein Zimmer mit Ausblick über den Hauptplatz und die Ebene im 4-Sterne-Hotel "Al Sole". Italien, Veneto, Venezien, Villa Maser in der Nähe von Asolo, eines der 
	               Prunkstücke des vicentinischen Baumeisters Andrea Palladio

    Hier werde ich sicherlich auch eine Mittagspause verbringen. Die Enoteca ist bis 12 Uhr geöffnet. Doch nur eine kurze Reise den Hügeln entlang dauert es bis zur Villa Maser. Diese Villa wurde von dem berühmten Renaissancebaumeister Andrea Palladio für den Patriarchen von Venedig, Daniele Barbaro, erbaut. Die freundlichen Allegorien von Paolo Veronese schmücken das gesamte Hauptgeschoss dieser anspruchsvollen Wohnstätte. Die zu jeder Villa gehörende Kapelle, der Tempietto, befindet sich außerhalb des Parks. Die Villa ist Dienstag, Donnerstag und Samstag, jeweils nachmittags geöffnet (Eintritt ca. Euro 7.--), ansonsten klingle man seeeehr lang an der Pforte, wenn man ein paar Freunde dabei hat. Vielleicht hat die Signora Erbarmen mit Euch und öffnet auch wochentags.

    Was fehlt noch bei unserer gemütlichen Tour durch Oberitalien? Viel – ich müsste da ja ein Buch schreiben: Bassano del Grappa – mit der „Ponte dei Alpini“ und dem 4-Sterne-Hotel mit Haubenlokal, Marostica – die Stadt mit dem „lebenden Schachspiel“, Vicenza – die „Goldstadt“ und Heimat von Andrea Paladio, die „Setti Communi“ mit dem altbayrischen Dialekt, die kleine Welt der Euganeischen Hügel, der Fischmarkt in Chioggia – schon wieder einem „Klein-Venedig“, von Valeggio-sul-Mincio, schon ganz weit „drüben“ an der lombardischen Grenze und und und.

    Nein, diese Reise klingt bei meinem Freund, dem Sommelier, aus. Der hat ein Lokal, irgendwo da draußen an einer Straße – wo? Das verrate ich Euch nicht, denn ein paar Geheimnisse möchte ich mir schon noch behalten!
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    Autor:
    Peter Krackowizer
    Datum:
    überarbeitet im Sommer 2010
Peter Krackowizer, Reise-Experte & freier Journalist, Neumarkt am Wallersee, Salzburg, Österreich