Eine Reise zu den kleinen Sehenswürdigkeiten im Friaul und im Veneto

Teil 3: der Karst

zum Teil 1: westliches Friaul
zum Teil 2: Geheimnisse im Veneto
zum Teil 4: östliches Friaul

  • Verschwundene Flüsse, unglückliche Kaiser und die wahre Heimat des Prosecco

    Sie kennen das Friaul gut? Na, dann werden Sie die Reka kennen, mal beim Post-Schloss vorbeigeschaut haben und sich schon mal gefragt haben, ob der Ort Prosecco mit dem gleichnamig Wein etwas zu tun hat, oder? Und natürlich wissen Sie, dass Muggia ein Fischerdorf ist, das zwar auf der istrischen Halbinsel liegt, aber zu Italien gehört. Nein? Aber dass Triest der größte österreichische Hafen war, schon? Oder gibt es da jetzt a paar Wissenslücken? Macht nix, mein Beitrag hier soll sie schließen, die Lücken.

    Aber schön der Reihe nach!

    Geschichtliche Gedankensplitter

    Von 1382 bis 1918 gehörte der östliche und östlichste Teil von Friaul Julisch Venetien zu kk Österreich. Als schließlich Kaiser Karl VI. Anfang des 18. Jahrhunderts Triest zu einem Freihafen (also ohne Zölle und Einfuhrumsatzsteuern) erklärte, begann nicht nur der wirtschaftliche Aufschwung von Triest und seiner Umgebung. Es setzte auch ein Bauboom ein und viele österreichischen Familien siedelten oder heirateten nach Triest. Wer heute durch die Stadt fährt, fühlt sich an die Ringstraßenpalais von Wien erinnert. Auch die "Wiener Kaffeehaustradition" findet sich in zahlreichen eleganten Triestiner Cafés. Aber dass in Wien das erste Kaffeehaus Europas gewesen sein soll, stimmt halt nun doch nicht ganz. Es soll in Venedig gewesen sein. Und da Triest so zwischen drin liegt, wird es jetzt schwierig festzustellen, ob der Einfluss aus Wien kam oder Venedig.

    Rundreisen wir ein wenig

    Doch bevor wir einen Besuch in Triest, der Hauptstadt der heutigen Region Friaul Julisch Venetien abstatten, beginne ich doch mit einem "geordneten" Anmarsch. Schon bei Palmanova hab' ich die Autobahn verlassen und je nach Tageszeit geht es auf Landesstraßen in Richtung Monfalcone oder auch vorher noch zum Mittagessen zu meinem Freund Manzi in Cervignano in die Pizzeria „Al Chichibio“. Und dann such ich mir ein Platzerl zum Übernachten. Siehe dazu meine anderen Beiträge über das Friaul.

    Am nächsten Tag geht es los. Gleich nach Monfalcone, links (nördlich) schon karstiges Gelände, rechts (südlich) die Adria: ein Fluss erscheint aus dem Karst! Die Reka (Slowenisch), Timavo (Italienisch)! gut 40 Kilometer leicht nordöstlich verschwindet sie tosend in den Grotten von Skocjan, die schöner und imposanter sind als jene von Postonja. Um hier urplötzlich, bei San Giovanni al Timavo, wieder aus dem karstigen Gestein aufzutauchen und über einen Wasserfall, den "Foce del Timavo", in die Adria zu münden. Und schon bin ich in Duino.

    Also ein Problem haben beide Schlösser, das von Miramare und Duino: das Parkplatzproblem. Aber man findet mit etwas Geduld in der Nähe des Schlosses Duino einen Parkplatz und betritt nach dem Eingang einen Park, einen herrlichen Park! Und durch diesen kommt man in ein Schloss! In ein sehenswertes Schloss!
    Rainer Maria Rilke war hier bei der Postlerfamilie, Verzeihung, bei der adeligen Familie Thurn und Taxis, zu Gast. Diese Familie betrieb vom 17. bis 19. Jahrhundert ein riesiges privates Postunternehmen. Rilke schrieb in diesem Schloss seine "Duineser Elegien". Man kann sein Arbeitszimmer besichtigen, vieles in einer Ausstellung über ihn erfahren und später noch auf dem "Rainer Maria Rilke Weg" hoch über dem Meer auf karstigen Klippen wandern. Doch davor sollten Sie unbedingt auf den Turm steigen und das atemberaubende Panorama genießen. Und durch den Park wandern! In meinen Augen ist dieses Schloss samt Park interessanter und besuchenswerter als das Schloss Miramare.

    Der Park des Schlosses Miramare ist jedenfalls einen Besuch wert. Optimal wäre, wenn Sie oben an der Küstenstraßen zwischen den beiden Tunnels aussteigen und den Park hinunter wandern, unten, am Parkplatz, wieder einstiegen. A blöde G'schicht, wenn man mit dem Privat-Pkw unterwegs ist! A herrliche G'schicht, wenn man mit einem Reisebus unterwegs ist, gell! Also, unser, unglückliche, Kaiser von Mexiko - standrechtlich dort erschossen, war eigentlich der österreichische Erzherzog Ferdinand Maximilian, ein Habsburger und jüngerer Bruder von Kaiser Franz Joseph I. Er war nicht sehr geschickt in Regierungsgeschäften. Franz Joseph machte ihn zum Statthalter Österreichs in Oberitalien. Aber er war in den Augen des Kaisers zu beliebt, er machte dem - unterdrückten - italienischen Volk zu viele Zugeständnisse und berief in wieder ab. Die Italiener mögen ihn noch heute. Also baute er für seine Frau Eugenie aus Belgien und sich, ein Schloss, das Schloss Miramare. Das er übrigens selbst nie fertig sah. Dann wurde ihm die Geschichte mit dem Kaiser von Mexiko von anderen europäischen Königen und Kaisern eingeredet. Nun ja, das würde jetzt zu weit führen und ich fahr doch lieber nach Triest weiter.

    Mit Triest wird man vielleicht nicht gleich beim ersten Besuch warm. So eine Mischung aus verwelktem Kaisercharme aus Österreich, Hafenstadt und Rand-Provinzstadt bietet auf den ersten Blick nicht viel Sehenswertes. Aber auf den zweiten Blick schon! Wie wär's mit der griechisch orthodoxen Kirche San Nicolo dei Greci? Serbo-Orthodox gäb's auch noch und natürlich jede Menge alter katholischer Kirchen. Vielleicht ist es ja zum Dom San Giusto etwas weit auf die Hügel hinauf, aber San Nicolo dei Greci sollten Sie schon sehen. Diese kirchliche Vielfalt spiegelt die Offenheit dieser Stadt allen Religionen und Völker über Jahrhunderte wider.

    Im Fischerdorf Muggia

    Jetzt muss ich etwas gestehen: alles, was ich hier so erzähle, wird sich wohl nicht an einem Tag ausgehen. Schließlich will man ja dazwischen auch mal was essen. Aber in meiner Schilderung gibt's Mittagessen - für mich - erst nach Triest, in Muggia. Man fahre also durch und um Triest und um den Hafen und um die nicht enden wollenden Krananlagen und überlege sich schon, ob es sich schon auszahlt, nach Muggia zu fahren.

    Es zahlt sich aus. Zumindest für die Fischliebhaber. Denn Muggia besteht aus Restaurants, Fischrestaurants (na ja, für die, die das "Zeug" nicht schätzen, gibt es auch etwas mit Fleisch, aber wenig!). Jedenfalls hat man von Muggia aus einen interessanten Blick zurück auf Triest und den Karst, der sich ja oberhalb auf etwa 20 km Länge parallel zur Adria befindet. Der Dom Santi Giovanni e Paolo entstand 1467 unter venezianischer Herrschaft und kann sich sehen lassen.

    Spaghetti alle Vongole oder lieber mit sepia nera, mit schwarzer Tintenfischsauce? Aha, Mutprobe! Hinschauen verdirbt den Appetit, meinen Sie? Na ja, in mir haben Sie aber einen Liebhaber all dieser Graus[Köst]lichkeiten. Gut, ich mach's kurz: ein herrliches Essen, Preis wie überall.

    Der Nachhauseweg

    Wer Fremdgehen will, könnte jetzt über die slowenische Grenze nach Lipica fahren. Dort gibt es die berühmten Lipizzaner-Pferde zu bewundern. Aber als linientreuer Italiener wie es schon Don Camillo und Peppone waren, könnten Sie nun die "Grotta Gigante", die "gigantische Grotte" besuchen. Ein Karst-Wunderwerk in der Erde.

    Und dann auf einen Prosecco nach Prosecco. Gibt's im Friaul im Eck bei Triest wirklich "echten" Prosecco? Nun ja, die Geschichte ist etwas kompliziert und doch einfach. Es war Anfang des 17. Jh., als Mönche aus Conegliano, Veneto, heute "Prosecco-Weingebiet", auf Besuch im Karst waren. Der Wein der dortigen Rebe mit dem Namen Glera schmeckte ihnen so, dass sie sich etliche Hundert Weinstöcke in ihre Heimat Conegliano mitnahmen. Eine andere Quelle berichtet, dass die Rebsorte erst 1830 den Weg vom Karstdorf ins venezianische Valdobbiadene fand. Der Rest ist Geschichte und kann gerne hier weiter verfolgt werden.

    Die Rebsorte geriet jedenfalls in Prosecco im Friaul in Vergessenheit. Doch vor Jahren hat Winzer Vitjan Sancin auf dem Monte d'Oro bei San Dorligo bei Triest 8 000 Rebstöcke dieser Glera wieder angepflanzt und nun gibt es in der Region Prosecco im triestiner Karst wieder Glera Weißwein und Glera Spumante, also dem Grunde nach "echten" Prosecco. Naturgemäß sehen es die Winzer aus dem Gebiet von Valdobbiadene im Veneto ganz anders.

    Ich sehe schon, jetzt wird's anstrengend, nach so einem (oder zwei) Tag im Karst vom Friaul. Und dabei haben wir gar keinen Besuch bei der Wallfahrtskirche Santuario Nazionale a Maria Madre e Regina Monte Grisa – Triest in der Ortschaft Contovello gemacht. Und den Karst östlich von Gradisca d'Isonzo besucht (diesen beschreibe ich aber in einem anderen Teil über das Friaul).

    Die Frage, die mir manchmal gestellt wird - "Was machen Sie bloß in Italien" - dürfte sich, wieder einmal, erübrigt haben. Oder?
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    Autor:
    Peter Krackowizer
    Datum:
    überarbeitet im Sommer 2010
Peter Krackowizer, Reise-Experte & freier Journalist, Neumarkt am Wallersee, Salzburg, Österreich