Die internationalen Großglockner Bergrennen - Einleitung

überarbeitet im März 2021 von Peter

Maria Wachter, 1935, Puch
Maria Wachter, 1935, Puch

Grossglockner Rennen 1935, Carl von Petz, Alfa_Romeo, 2600 cm³ in der Sportwagenklasse, Fotograf Arthur Fenzlau, Quelle Technisches Museum Wien
Großglockner Rennen 1935,
Carl von Petz, Alfa_Romeo,
2 600 cm³ in der
Sportwagenklasse
Fotograf Arthur Fenzlau,
Technisches Museum Wien
(wird als Q1 gezeigt)

Grossglockner Rennen 1935, Georg Freiherr von Goldegg, Alfa Romeo 750 cm³, Fotograf Arthur Fenzlau, Quelle Technisches Museum Wien
Großglockner Rennen 1935,
Georg Freiherr von Goldegg,
Alfa Romeo 750 cm³, (Q1)

Grossglockner Rennen 1935, nach dem Rennen bei Ferleiten, Fotograf Arthur Fenzlau, Quelle Technisches Museum Wien
Großglockner Rennen 1935,
nach dem Rennen bei Ferleiten,
(Q1)

    Es erschienen erstklassige Bewerber aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Ungarn, der Schweiz, den Niederlanden, der Tschechoslowakei, Belgien und England. Insgesamt 75 Fahrer standen am Start, von denen nur 13 durch Maschinendefekte ausschieden. Es waren 30 Motorradfahrer, 24 Sportwagenfahrer und 21 Rennwagenfahrer.

   Sie waren zwar genannt worden, standen auch im Programmheft, erschienen aber nicht an der Rennstrecke: der „Bergkönig“ Hans Stuck (Auto‑Union‑Rennwagen) sowie die DKW‑Werksfahrer Walfried Winkler (Solomotorrad) und Toni Bauhofer (Beiwagen). Die Hintergründe:

   „Die Absage des Bergmeisters v. Stuck und der offiziellen DKW‑Fabriksmannschaft war bestimmend für so manchen anderen Fahrer, der sich ohne Konkurrenz sah und daher dem Rennen ferngeblieben ist. Nicht die Politik war hier ausschlaggebend – wie so vielfach angenommen worden war –, auch nicht der angeblich schlechte Zustand der Straßen. Wir kommen vielmehr der Wahrheit näher, wenn wir auf zwei Umstände hinweisen: Um sich würdig auf spätere schwere Konkurrenzen vorbereiten zu können, zog man es vor, die Nennungen für den Großglockner nicht zu verwirklichen. Dazu kommt noch der zweite Umstand, dass Mercedes die Auto‑Union zu bestimmen vermochte, Stuck nicht starten zu lassen. Von österreichischer Seite wurde alles unternommen, die Zurückziehung der Nennungen zu verhindern.“
Quelle: „Österreichische Auto‑Rundschau“, 16. August 1935, Seite 14

   Am ersten Rennen 1935 nahmen viele ausländische Fahrer teil: Bei den Automobilen kamen die Italiener Carlo Pintacuda und Mario Tadini von der Scuderia Ferrari auf Alfa Romeo, ebenso Ballestrero, Strazza und Villoresi aus Italien. Hans Kessler, Max Christen und Christian Kautz vertraten die Schweiz; Zanelli kam aus Spanien, Bruno Sojka und die Brüder Georg und Zdenek Pohl sowie Ingenieur Proskowetz aus der Tschechoslowakei. Aus England waren Richard Seaman und Thomas Clarkes, aus den Niederlanden Cornelius, aus Belgien Cocagne, aus Frankreich Pierre Rey und Comte de Bremond, aus Ungarn schließlich die Fahrer Wilheim und Delmar. Die österreichische Beteiligung bei den Autos war gering. Aus Deutschland waren die Bergspezialisten Bobby Kohlrausch mit seinem 750‑cm³‑Kompressor‑MG, Rudolf Steinweg und Walter Bäumer am Start.

   Bei den Motorradfahrern war die Situation umgekehrt: Hier stellten die Österreicher das Gros mit den bergerfahrenen Martin Schneeweiß, Michael Geyer, Hermann Deimel und Otto Steinfellner an der Spitze, während nur wenige Ausländer teilnahmen. Unter den gemeldeten Beiwagenfahrern befand sich auch Karl Abarth, der später als Carlo Abarth Rennsportgeschichte in Italien schrieb. Er fiel allerdings im Rennen aus.

   Der sehr erfolgreiche Rudolf Runtsch konnte nicht zum Start antreten. Nach einem Trainingslauf wurde er bei der Rückfahrt ins Tal beim Piffkar abgelenkt, rammte einen Begrenzungsstein und wurde über die Böschung geschleudert. Zwar konnte er noch selbst – mit einer Hand das Motorrad lenkend – ins Tal fahren, wurde dann aber von der Rennleitung ins Spital nach Zell am See gebracht. Dort stellte man einen Schlüsselbeinbruch fest.

   Georg Mach, der mit seinem Beiwagen antreten wollte, stürzte bei einem Trainingslauf und zog sich dabei eine Hüftprellung zu. Trotzdem nahm er am Rennen teil. Aus der Schweiz waren die beiden NSU‑Spezialisten Hans Stärkle mit seiner Frau Cilly im Beiwagen und Hans Kaufmann, aus Italien Radames Bianchi, aus Ungarn Gyula Patho und aus Deutschland der Münchner Schnitzelbaumer.

   Damen beim Rennen 1935
Auch Damen nahmen an diesem ersten internationalen Bergrennen teil: Bei den Automobilen war es Miss Eileen Ellison auf Bugatti. Sie erreichte in der Rennwagenklasse bis 1 500 cm³ mit 17:41,87 min eine sehr beachtenswerte Zeit, wurde Vierte in ihrer Klasse und erhielt den Damenpreis. Der Sieger dieser Klasse, Richard „Dick“ Seaman aus London, fuhr eine Zeit von 14:54,44 min (78,522 km/h).
   Bei den Motorrädern war es Maria Wachter aus Bürs, Vorarlberg, Österreich, auf Puch 250, die als erste in den Motorradklassen startete. Allerdings musste sie bei Hochmais aufgeben. Und eine Frau fuhr als „Schmiermaxe“, also als Beifahrerin, in einem Beiwagengespann mit: Der aus Basel in der Schweiz stammende Hans Stärkle und seine Frau Cilly gewannen die Klasse Beiwagen bis 600 cm³.

   Der Rennverlauf 1935
4. August 1935: Auf der anfangs noch regennassen, 19,5 Kilometer langen, damals noch größtenteils aus gewalzter Sandstraße bestehenden Strecke gewann in der 250‑cm³‑Klasse der Italiener Bianchi auf seiner Miller Balsamo. (Der Schnellste war eigentlich der Salzburger Ludwig Zangerl auf Rudge gewesen, er wurde aber wegen eines Regelverstoßes bezüglich der Hubraumgröße disqualifiziert.) In der 350‑cm³‑Klasse gewann der Wiener Hermann Deimel auf Velocette mit einem Schnitt von 72,7 km/h. In der Halbliterklasse war Michael Gayer, ebenfalls ein Wiener, auf seiner Werks‑ Husqvarna‑Zweizylinder erfolgreich und kam auf 75,4 km/h Schnitt.
Die schnellste Motorradzeit absolvierte der damals noch nicht auf Sandbahnen spezialisierte Martin Schneeweiß, ebenfalls aus Wien, in der Klasse über 500 cm³. Mit seiner Austro Omega (600‑cm³‑JAP‑Motor) schaffte er einen Schnitt von 76,5 km/h, was einer Zeit von 15:17,57 min entsprach.

   Höhepunkt bei den Automobilen war in der Klasse der Rennwagen über 2 000 cm³ die Fahrt des Italieners Mario Tadini, der mit seinem Alfa Romeo der Scuderia Ferrari in einer Zeit von 14:42,74 min (79,58 km/h) den absoluten Streckenrekord aufstellen konnte. Die zweitschnellste Zeit fuhr der Engländer Richard „Dick“ Seaman (E.R.A.) mit 14:54,44 min, die drittschnellste der Zürcher Hans Keßler (Maserati) mit 14:57,74 min, beide in der Rennwagenklasse bis 1 500 cm³. Die viertschnellste Zeit erzielte der Deutsche Bobby Kohlrausch (M.G.) mit 15:10,30 min in der Rennwagenklasse bis 1 100 cm³. Die fünftschnellste Zeit fuhr der Italiener Carlo Pintacuda (Alfa Romeo), ebenfalls von der Scuderia Ferrari, mit 15:15,69 min in der Klasse Sportwagen bis 3 000 cm³ – nur knapp zwei Sekunden schneller als der schnellste Motorradfahrer, nämlich Martin Schneeweiß.

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Impressionen

Hinweis

Diese Internetseiten berichten nur von den Krackowizer-Memorials. Der Veranstalter hatte ab der Veranstaltung 2008 auf den Zusatz "in Memoriam Helmut Krackowizer" verzichtet.