Urbino – Palazzo Ducale und Dom, Marken, Italien

Kleines Italien-Lexikon

Wer ist die „Befana“? Wer war Enzo Ferrari? Wie schief ist der „Schiefe Turm“ von Pisa wirklich? Was bedeutet „Viva Verdi“? Und vieles andere mehr auf dieser Seite mit den Buchstaben A – E.

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Acqua Alta

Das ist das geflügelte Wort für Hochwasser in Venedig, das die Lagunenstadt immer häufiger heimsucht. Lesen Sie dazu meinen Bericht ... hier.

Agriturismo – Mehrzahl: Agriturismi

Das sind landwirtschaftliche Betriebe, die entweder eine kleine Gastwirtschaft betreiben oder einige Zimmer vermieten. Sie liegen immer in der „Campagna“, also auf dem Land, oft in romantischer Lage und preislich von sehr günstig bis Luxus – je nach Ausstattung und Umgebung.

ALFA

1920 kaufte der Ingenieur Nicola Romeo die in Konkurs befindliche Firma Anonima Lombarda Fabbrica Automobili (ALFA) und gründete daraus ALFA Romeo. Das Emblem auf den Fahrzeugen zeigt das Stadtwappen von Mailand.

Amalfitana

Die Amalfitana ist eine der landschaftlich schönsten Panoramastraßen Europas. Sie verläuft an der Südküste der Halbinsel von Sorrent und führt von Sorrent über Praiano, Positano und Amalfi bis nach Ravello. Die meist sehr enge und kurvige Straße liegt mehrere hundert Meter über dem Meer und bietet atemberaubende Ausblicke auf den Golf von Salerno. Im Sommer ist die Fahrt nicht empfehlenswert, da es häufig zu Staus und langen Wartezeiten kommt.

Annunzio, d’, Gabriele

* 1863, † 1938. Er war eigentlich Dichter, aber auch fanatischer Nationalist. Am 9. August 1918 flog er mit einer kleinen Maschine über das feindliche Wien und warf Flugblätter ab: „Wiener! Lernt die Italiener kennen ...“. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs besetzte er mit Anhängern für 15 Monate die Stadt Fiume (heute Rijeka), bevor sie an Italien fiel. Am Gardasee hat sich d’Annunzio im „Il Vittoriale“ ein eigenwilliges Denkmal gesetzt: Flugzeug, Kriegsgerät, Schiffe, Uniformen, überfüllte Zimmer mit Buddhas, Madonnen, antiken Statuen, 30 000 Büchern und vielem mehr. Er war Kriegsheld, Schriftsteller und Frauenheld.

Asciugatrice – Wäschetrockner
   … sind nach wie vor selten in italienischen Haushalten zu finden. Wozu auch? Man spannt die Wäsche quer über die Straßen oder in die Höfe, hält ein Schwätzchen dabei – und trocken wird sie allemal.

Automobile – Italienische!

Einige italienische Automarken stelle ich in diesem Lexikon ein wenig näher vor: ALFA, FIAT, Ferrari, Lancia, Lamborghini und Maserati. Daneben gab es zahlreiche Marken, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind: Isotta-Fraschini (1904–1949), Bianchi (1899–1955), Ansaldo (1919–1932), Aquila Italiana (1906–1917), Diatto (1905–1909), Itala (1904–1934), Chiribiri (1910–1928) oder Zust (1903–1907). Insgesamt hat es in der italienischen Automobilgeschichte mehr als 300 Marken gegeben!

Autostrada – Autobahn

Italien, Pavesi Autogrill an einer Autostrada, historische Aufnahme. Die italienischen Autostrade sind mautpflichtige Schnellstraßen, die das Land von Norden bis Süden durchziehen. Berühmt sind die historischen „Autogrill“-Raststätten, die oft brückenartig über die Autobahn gebaut wurden – ein typisches Bild der italienischen Reisekultur der 1960er- und 1970er-Jahre.

Die Autobahnen waren während meiner jahrzehntelangen Reiseleitertätigkeit oft „mein Zuhause“: Salzburg–Florenz, Salzburg–Südtoskana (Chianciano Terme), Salzburg–Venedig, Salzburg–Mailand oder Salzburg–Turin fuhr ich häufig.
Früher gab es viele Autobahnraststätten, die über beide Fahrtrichtungen hinweg erbaut waren. Im Laufe der Zeit wurden sie jedoch immer weniger; das Modell, für jede Fahrtrichtung eine eigene, kleinere Station zu errichten, setzte sich an der „Autostrada“ durch. Es war manchmal durchaus unterhaltsam, was sich in diesen über beide Fahrtrichtungen gebauten Raststätten alles entdecken ließ.

Baptisterium

So nennt man die Taufkirchen. In den Anfängen des Christentums nahm man es sehr genau: Wer noch nicht getauft war, galt nicht als Mitglied der Kirche und durfte das Kirchengebäude eigentlich nicht betreten. Daher errichtete man für die Taufe ein eigenes Gebäude außerhalb der Kirche – das Baptisterium. Besonders schöne Beispiele finden sich in Parma, Pisa, Florenz und Siena.

Bar

Eine italienische Bar ist ein sozialer Treffpunkt. Es gibt sie an jeder Straßenecke, selbst im kleinsten Dorf fehlt sie nicht. Das häufigste Getränk ist der Espresso; am Morgen findet hier das karge Frühstück der Einheimischen im Stehen statt. Danach ist die Bar bis in die Nacht hinein Treffpunkt und „Börse“ für alle Neuigkeiten.

Bis vor einigen Jahren war sie fast ausschließlich der Männerwelt vorbehalten. Inzwischen haben sich auch unbegleitete Frauen – zumindest in Städten und Ferienorten – ihr Aufenthaltsrecht erobert. Die auf der Preistafel angegebenen Preise beziehen sich immer auf den Verzehr im Stehen. Siehe auch ...hier.

Baum in Friaul-Julisch Venetien

Der höchste Baum in Friaul-Julisch Venetien ist eine Weißtanne, die im Waldgebiet zwischen den Grundstücken der Gemeinde Paularo und dem Consorzio Boschi Carnici wächst. Dort gibt es eine große Gruppe besonders hoher Exemplare. Messungen der Agronomen und Techniker der Regionaldirektion für Infrastruktur und Territorium ergaben 2025, dass diese Weißtanne auch die höchste einheimische Pflanze Italiens ist und – in absoluten Zahlen – das drittgrößte Exemplar des Landes (die beiden höchsten Bäume sind nicht einheimisch). Mit ihrer Höhe von 53,34 Metern und einem Umfang von 3,32 Metern (gemessen in 1,30 m Höhe) trägt sie den Spitznamen „La Dane“, der friaulische Name der Art und zugleich eine Verkleinerungsform von Diana, der römischen Göttin der wilden Natur. Experten schätzen ihr Alter auf über 200 Jahre.

Benelli

„Mama“ Teresa Benelli versammelte 1911 ihre sechs Söhne und beschloss, eine technische Firma zu gründen. Ab 1920 fertigte das Unternehmen auch Motorräder – die Marke Benelli ist bis heute bekannt. Das erste Motorrad hatte 98 cm³ und war ein Zweitaktmotor. In den 1930er-Jahren waren Benelli-Motorräder im Rennsport regelmäßig auf den vorderen Plätzen zu finden, neben Moto Guzzi und englischen Marken. 1951 verunglückte beim „Großen Preis von Frankreich“ in Albi der Fahrer Ambrosini auf Benelli tödlich, woraufhin sich das Unternehmen aus dem Grand-Prix-Sport zurückzog. ...weitere Informationen

Befana

Sie ist mit unserem Christkind zu vergleichen, allerdings in einer sehr eigenen, italienischen Form: Die Befana ist eine alte, hässliche, schwarz gekleidete Frau, die der Tradition nach in der Nacht der Epiphanie (5. auf 6. Jänner) durch den Kamin steigt und braven Kindern Geschenke bringt – weniger braven stopft sie Socken mit Kohle oder Asche voll. In vielen Regionen Italiens ist die Befana bis heute fester Bestandteil des Weihnachtsbrauchtums.

Bezahlen

In einem italienischen Restaurant ist das Bezahlen eine eigene Sache. Es wird nämlich fast immer nur eine gemeinsame Rechnung gestellt: Einer bezahlt sie, und man teilt anschließend den Betrag durch die Anzahl der Essenden. Nicht so wie bei uns, wo jeder eine getrennte Rechnung erhält. Diese Sitte führt manchmal zu Unverständnis bei Österreichern und Deutschen: „Ich hatte doch nur ein Mineralwasser und Spaghetti – warum soll ich gleich viel zahlen?“ Nun, die Italiener sind in dieser Beziehung großzügiger: Einmal zahlt der eine mehr, das nächste Mal weniger. Übrigens – rechnen Sie mit Gästen zu Hause bei Ihnen auch immer ganz genau ab …

Bianchi

1897 gegründet, ist Bianchi eine der ältesten italienischen Motorradmarken. Das Unternehmen schloss 1967 seine Pforten. Edoardo Bianchi, der Firmengründer, baute 1897 einen Hilfsmotor für ein Fahrrad, 1900 das erste Bianchi-Automobil und 1903 schließlich das erste Motorrad. Berühmte Fahrer wie Tazio Nuvolari, Dorino Serafini oder der Schotte Bob McIntyre verhalfen der Marke zu großen sportlichen Erfolgen. ...weitere Informationen

Bibliothek in Verona, die älteste der Welt

Die „Biblioteca Capitolare“ von Verona gilt als die älteste noch bestehende Bibliothek der Welt. Ursicino, ein Schreiber der veronesischen Kirche, datierte einen von ihm verfassten Kodex auf den 1. August 517 n. Chr. – das älteste datierte Schriftstück des mittelalterlichen Abendlandes. Es belegt, dass zu Beginn des 6. Jahrhunderts, wenige Jahrzehnte nach dem Ende des Römischen Reiches, in Verona bereits ein aktives Skriptorium mit angeschlossener Bibliothek existierte. Es gibt keine Dokumente, die eine ältere Datierung belegen, doch vieles spricht dafür, dass bereits im frühen 4. Jahrhundert ein Ort bestand, an dem man Bücher herstellte und bewahrte.

Borgo

Oft liest man auf einem Ortsschild „Borgo … (Ortsname)“. „Borgo“ bedeutet „Ortsteil“, und zwar ein unbefestigter Ortsteil – im Gegensatz zu „Castello“, das einen befestigten Ortsteil oder eine Burgsiedlung bezeichnen kann.

Brindisi

a) Brindisi ist eine Hafenstadt in Apulien.
b) „Brindisi“ ist auch die italienische Bezeichnung für einen Trinkspruch oder eine Zugabe bei Konzerten. Außerdem wird der Begriff gerne für ein Willkommensgetränk verwendet, das vom Hotel spendiert wird.

Camorra – siehe auch … mafiose Organisationen

Die Camorra war ursprünglich ein Geheimbund in Neapel, Kampanien. Man sagte ihr nach, im 19. Jahrhundert Kontakte zum Königreich Neapel im Kampf gegen die Piemonteser gehabt zu haben, die schließlich Italien einigten. Erst in den 1960er-Jahren entwickelte sich daraus die heute bekannte Organisation des organisierten Verbrechens.

Carnevale

Der Carnevale wird in ganz Italien groß gefeiert. Das Wort „Carnevale“ setzt sich aus „carne“ (Fleisch) und „vale“ (gilt / ist erlaubt) zusammen – frei übersetzt: die Zeit, in der Fleisch noch erlaubt ist, bevor die Fastenzeit beginnt. Andere dialektale Deutungen besagen, dass das Fleisch „geht“ oder „nichts mehr wert“ sei. In jedem Fall wird im Carnevale noch einmal ausgelassen gefeiert.

Die bekanntesten Veranstaltungen finden in Viareggio (Toskana) und in Venedig statt. Zum Carnevale di Venezia ist anzumerken, dass immer mehr Touristen zu den Hauptakteuren werden – und hinter den „venezianischen Masken“ oft Ausländer stecken, vor allem deutsche Besucher.

Lesen Sie dazu auch meinen Blogbeitrag vom Dezember 2009: … hier. Eine weitere berühmte Carnevalsveranstaltung ist der Carneval von Ivrea im Piemont mit seiner legendären Orangenschlacht.

Casinò oder Casino?

Ersteres – endbetont, Casinò – bezeichnet das Spielkasino, wo Sie Ihr Geld verspielen können.

Letzteres – ausgesprochen wie im Deutschen – bedeutet Bordell oder Freudenhaus, wo Sie Ihr Geld … nun ja, wir bleiben jugendfrei!

Castello

„Castello“ kann eine Festung sein, meist bezeichnet es jedoch einen befestigten Ortsteil (unbefestigt siehe Borgo). Es gibt Unterschiede zu „Fortezza“ (Festung, Fortifikation) und „Rocca“ (Zwingburg, z. B. in San Gimignano).

Cavour, Camillo

* 1810, † 1861. Er war einer der wichtigsten Vorkämpfer für die Einigung Italiens und gehörte der ersten Regierung des neuen Königreichs an.

Cin Cin

Das italienische „Zum Wohl“ oder „Prosit“, wenn man mit Gläsern anstößt.

Collodi

Collodi war das Pseudonym des Florentiners Carlo Lorenzini, der 1881 in dem kleinen toskanischen Ort Collodi (zwischen Montecatini Terme und Lucca) die berühmten „Abenteuer von Pinocchio“ schrieb. Seine Mutter stammte aus Collodi, daher wählte er den Ortsnamen als Schriftstellernamen. Heute gibt es dort einen Themenpark mit Figuren aus der Geschichte.

Coperto
… siehe hier im Lexikon Essen & Trinken

Corso

Am Abend, noch vor Sonnenuntergang, beginnt die „passeggiata“, bei der alle auf den Beinen sind. Die Hauptstraße, der „corso“, oder der Hauptplatz, die „piazza“, werden für zwei Stunden zur Bühne, auf der man sich zeigt, Freunde trifft, Neuigkeiten austauscht und Gerüchte verbreitet.

Die „passeggiata“ ist auch eine „offizielle“ Gelegenheit, sich zu verlieben oder Zuneigung auszutauschen. Man sagt, Verlobungen und Ehen würden hier angebahnt – aber auch Geschäfte und Verträge. Der „corso“ ist ein sozialer Treffpunkt: Verwarnungen, Ratschläge und Hinweise werden hier weitergegeben, besonders an Menschen, die Gefahr laufen, in der Dorfgemeinschaft Außenseiter zu werden.

Ähnlich geht es am Sonntagmorgen in den Dörfern zu. Dann gehört die „piazza“ fast ausschließlich den Männern im Sonntagsstaat. Frauen sieht man höchstens in die Messe huschen – und danach schnell wieder nach Hause an den Herd.

Cosa Nostra

So wird die Mafia auf Sizilien bezeichnet. Sie hat weltweit das Bild der Mafia geprägt, vor allem durch ihre amerikanischen Ableger. Sie unterhält enge Kontakte zu Verwaltung und Politik, ist streng hierarchisch organisiert, und ihr langjähriger Boss der Bosse, Bernardo Provenzano, der sich 43 Jahre lang verstecken konnte, wurde im Frühjahr 2006 verhaftet. Siehe auch mafiose Organisationen.

Datini, Francesco

* 1330, † 1410, aus Prato (Toskana). Er gilt als Erfinder der „doppelten Buchhaltung“, die noch heute weltweit verwendet wird. Auch der Wechsel wird ihm zugeschrieben.

Don Camillo und Peppone

Siehe auch bei Guareschi.

Ehrenwerte Gesellschaft

„onorata società“ – siehe Mafia.

Etrusker

Die Etrusker waren ein rätselhaftes Volk, das vom 10. Jh. v. Chr. bis etwa Christi Geburt im Gebiet zwischen Bologna und Rom siedelte und dann verschwand. Rätselhaft ist ihre Herkunft (es gibt drei Theorien, aber keine Beweise), rätselhaft ist ihre Sprache (noch immer nicht vollständig entschlüsselt), und rätselhaft ist ihr technisches Können: Sie bauten Abwassersysteme, verhütteten Eisen und legten Sümpfe trocken. Ihre Toten bestatteten sie in Totenstädten, sogenannten Nekropolen – eindrucksvolle Zeugnisse ihrer Kultur. Ein Besuch der Nekropole von Cerveteri (südlich von Rom) ist sehr empfehlenswert.

EUR

Esposizione Universale di Roma – so ausgeschrieben – ist ein Stadtviertel am Südrand von Rom. Es entstand 1942 für eine geplante Weltausstellung, die jedoch aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht stattfand. Nach 1945 wurden dort Ministerien, Museen und Wohnungen angesiedelt. Noch heute wirkt das Viertel ein wenig „betonisch“ und kühl.