Kleines Italien-Lexikon
hier die Buchstaben F und G
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Festung Fenestrelle
Die Festung Fenestrelle (italienisch Fortezza di Fenestrelle oder Forte di Fenestrelle) ist die größte Festungsanlage Europas und nach der Chinesischen Mauer das zweitgrößte zusammenhängende Mauerwerk der Welt. Sie besteht aus den drei Festungen San Carlo, Tre Denti und Delle Valli, die durch einen Tunnel miteinander verbunden sind, in dem sich die längste gedeckte Treppe Europas mit fast 4 000 Stufen befindet. Die Anlage erstreckt sich über rund drei Kilometer und überwindet einen Höhenunterschied von 635 Metern. Errichtet wurde sie im 18. und 19. Jahrhundert in der Ortschaft Fenestrelle im Val Chisone (Provinz Turin). (Bildquelle: www.paesionline.it)
Ferragosto
„Ferragosto“ ist nur ein Tag im August – der 15., Maria Himmelfahrt. Aber rund um diesen Feiertag machen fast alle Italiener Urlaub. Der August ist daher DER Urlaubsmonat Italiens. Das wirkt sich vor allem im eigenen Land aus, denn die überwiegende Mehrheit der rund 57 Millionen Italiener verbringt ihren Urlaub in Italien. Dazu kommen Millionen Auslandsitaliener, die jeden Sommer „nach Hause“ zurückkehren.
Viele Italiener bleiben im Urlaub gerne zu Hause oder fahren an die Küsten Kroatiens und Sloweniens. Diese Gebiete sind auch deshalb beliebt, weil sie bis 1918 – bis hinunter nach Dubrovnik – zu Italien gehörten (von den Venezianern im Mittelalter erobert). Viele Familien haben bis heute historische oder emotionale Bindungen dorthin.
Zu Ferragosto ist es sinnlos, in die Touristenzentren Italiens zu reisen – alles ist ausgebucht, überfüllt und teuer. Appartementpreise können im August das Zehnfache der Vorsaison erreichen. Warum? Weil viele Italiener gewohnt sind, ein für fünf Personen „zugelassenes“ Appartement mit zehn Personen zu belegen – geschlafen wird ohnehin erst ab fünf Uhr früh, und dann liegt man dort, wo Platz ist.
Enzo Ferrari ist in Italien ein Mythos – eine Legende, die Nationalstolz und Emotionen weckt. Geboren am 20. Februar 1898 in Modena, wollte er Rennfahrer werden. Er begann bei Alfa Romeo, wo man sein Talent rasch erkannte. Als sich Alfa Romeo in den 1920er-Jahren aus dem Rennsport zurückzog, gründete Enzo sein eigenes Rennteam, die Scuderia Ferrari – anfangs noch mit Unterstützung von Alfa Romeo. Als Alfa 1938 wieder in den Rennsport einstieg, trennte er sich offiziell, durfte aber vier Jahre lang keine Alfa-Teile verwenden.
Der erste Rennwagen hieß „Tipo 815“ und basierte auf dem Fiat 1500. Nach dem Krieg erschien der erste echte Ferrari: ein 1,5‑Liter‑Zwölfzylinder. 1949 gewann Alberto Ascari den „Großen Preis von Italien“ in Monza auf Ferrari. Es folgten zahlreiche Triumphe: Juan Manuel Fangio, Mike Hawthorn (1958), Phil Hill (1961), John Surtees (1964 – der einzige Weltmeister auf Auto und Motorrad), Niki Lauda (1975, 1977) sowie Michael Schumacher (2000, 2001, 2002).
Wenig bekannt: Enzo Ferrari besaß 1933 auch einen Motorrad‑Rennstall mit Rudge-Rennmaschinen.
1969 verkaufte Enzo Ferrari die Mehrheit seiner Firma an FIAT. Er starb am 14. August 1988. Ferrari zählt heute zu den berühmtesten Marken der Welt – gleich nach Coca-Cola – und ein Phänomen: Ferrari gibt kein Geld für Werbung aus und ist trotzdem weltweit bekannt.
FIAT
Die Geschichte der italienischen Automobilindustrie begann am 11. Juli 1899 mit der Gründung der Fabbrica Italiana Automobili Torino – der FIAT‑Werke in Turin.
Firmengründer war Giovanni Agnelli sen., der zusammen mit 30 Aktionären 4 000 Aktien zu je 200 Lire zeichnete. Agnelli war ursprünglich Kavallerieoffizier. Der FIAT 500 „Topolino“, eines der berühmtesten Kleinwagenmodelle der Welt, ging 1936 in Serie.
1923 wurde das Werkgelände Lingotto in Turin errichtet – berühmt wegen seiner Teststrecke auf dem Dach. Eine Sensation waren damals die sehr langen Fließbänder. Einer der Testfahrer war Vincenzo Lancia, der später sein eigenes Automobilwerk gründete.
Heute beschäftigen die FIAT‑Werke in Italien über 200 000 Menschen und unterhalten mehr als 600 Tochtergesellschaften (u. a. in Chemie, Biomedizin, Industrierobotik, Rüstung und Raumfahrt).
Zum Thema Flüsse
… der kürzeste Fluss Italiens soll der Aril im Bereich von Malcesine am Gardasee sein: 175 m;
… einer der kürzesten Flüsse Italiens ist der Timavo bei Monfalcone in
Friaul‑Julisch Venetien: etwa zwei Kilometer.
Frecce Tricolore
Die berühmte Kunstflugstaffel Italiens hat ihren Heimatflughafen auf dem Militärflugplatz von Udine‑Rivolto in Friaul (entlang der Straße Richtung Pordenone). Wer wochentags in dieser Gegend unterwegs ist, kann die Staffel mit etwas Glück beim Training beobachten.
Die Via Francigena – die alte „Frankenstraße“ – verband Deutschland mit Rom. Sie führte aus der Schweiz über den Großen Sankt Bernhard, in Italien über Aosta, Vercelli, Pavia, Piacenza, Parma, den Cisa‑Pass, San Gimignano, Siena, Bolsena und Viterbo nach Rom.
Warum nicht entlang der Küste? Teile Italiens waren damals versumpft und von Mücken verseucht; außerdem war man an den Küsten häufig Piratenüberfällen ausgesetzt. So entwickelte sich der Hauptverkehrsweg im Landesinneren.
„Und sie dreht sich doch“ – dieser Ausspruch wird Galileo Galilei zugeschrieben, auch wenn er historisch nicht belegt ist. Galilei lebte von 1564 bis 1642, wurde in Pisa geboren und studierte Medizin, Philosophie und Mathematik. Er begründete das „Gesetz des Isochronismus des Pendels“ – die Erkenntnis, dass ein Pendel unabhängig von der Amplitude nahezu gleich lange Schwingungen ausführt. Inspiriert wurde er angeblich durch die Schwingungen eines Kerzenleuchters im Dom von Pisa.
1632 veröffentlichte er den „Dialog über die zwei hauptsächlichen Weltsysteme“, in dem er darlegte, dass die Erde rund sei und sich um die Sonne drehe. Dies erregte den Zorn der Kirche; Galilei musste seine Aussagen widerrufen und starb 1642, blind und verbittert, in der Nähe von Florenz.
Eine italienische Motorradmarke. … weitere Infos
Garibaldi, Giuseppe
* 1807, † 1882. Der italienische Freiheitskämpfer war eine der populärsten Gestalten des 19. Jahrhunderts. Als Marineoffizier im piemontesischen Heer kämpfte er gegen Österreich. Am 31. Dezember 1859 erschien er beim König von Piemont, um die Mobilisierung der „Guardia Nazionale“ vorzuschlagen. Seine Rede vom Balkon des Hotel Trombetta in Turin (heute Hotel Turin) gilt als ein symbolischer Auftakt der Einigung Italiens.
Garibaldi wurde 1807 in Nizza geboren (damals Teil des Königreichs Piemont). Er nahm an der Geheimbewegung zur italienischen Einigung teil, floh 1834 nach Frankreich und Südamerika und kehrte 1848 nach Italien zurück. Im Dienst des Königs von Piemont‑Savoyen führte er Freiwilligentruppen gegen Österreich und den Kirchenstaat. Nach dem Scheitern dieser Aktionen emigrierte er erneut, bevor er sich auf seinem Landgut auf der sardischen Insel Caprera niederließ.
Von dort aus organisierte er den berühmten „Zug der Tausend“. Mit seinen Rothemden landete er am 11. Mai 1860 in Marsala, besiegte die bourbonischen Truppen am 15. Mai bei Calatafimi, eroberte Palermo (6. Juni), Messina (28. Juli) und am 7. September Neapel. Am 26. Oktober 1860 wurde das Königreich Italien mit Vittorio Emanuele II. an der Spitze ausgerufen. 1870 kamen Rom und die letzten Gebiete des Kirchenstaates hinzu. Garibaldi starb 1882 auf Caprera.
Ghetto
Das erste jüdische Viertel Europas befand sich in Venedig und wurde „Ghetto“ genannt. Der Name stammt vom italienischen „gettare“ = gießen, da sich in diesem Stadtteil früher eine Metallgießerei befand. Der Begriff „Ghetto“ wurde später weltweit zur Bezeichnung jüdischer Wohnviertel.
So nannte man im Mittelalter jene Bevölkerungsschichten in Italien, die sich auf die Seite des Deutschen Kaisers stellten, seine Gesetze achteten und seine Ansprüche unterstützten – etwa das Recht, Päpste einzusetzen. Sie standen im Gegensatz zu den Guelfen, die die päpstliche Partei unterstützten.
Giuseppe Gilera gründete 1909 diese bis heute bekannte Motorradmarke. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg errang Gilera Europameistertitel – damals mit Kompressor‑Maschinen, die nach dem Krieg verboten wurden. In den 1940er- und 1950er‑Jahren war Gilera mit Vierzylinder‑Saugmotoren erneut sehr erfolgreich.
Berühmt ist der Sieg von Piero Taruffi, der als Ingenieur selbst an der Entwicklung seiner Rennmaschine, der flüssigkeitsgekühlten „Rondine“ („Schwalbe“), beteiligt war. Am 31. März 1935 gewann er den „Großen Preis von Tripolis“ in Libyen mit einem damaligen Rekorddurchschnitt von 158,893 km/h. weitere Infos
Beim Schwimmen im Alter von zwölf Jahren wurde Mario Girotti vom Regisseur Dino Risi für den Film entdeckt. Das wäre weiter nichts Besonderes – hätte er nicht später zusammen mit dem „dicken“ Bud Spencer (ebenfalls Italiener und ehemaliger Schwimmstar) als Terence Hill Filmgeschichte geschrieben.
Seinen ersten Film, „Vacanze col gangster“ („Ferien mit einem Gangster“), drehte er 1951. Seine strahlend blauen Augen wurden zu seinem Markenzeichen. Ab 1967 folgte der Genrewechsel zum Italo‑Western: „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, „Zwei Missionare“ u. v. a.
Mario Girotti wurde am 29. März 1939 in Venedig geboren.
Golosessi … siehe
Grabtuch, Turiner → siehe Turiner Grabtuch
* 1908, † 1968. Er war der geniale Autor der Geschichten von „Don Camillo und Peppone“. Guareschi lebte in der „Bassa“, dem Gebiet zwischen Po, Parma und Modena. In Brescello, einem kleinen Ort am Po, wurden alle Außenaufnahmen der Filme gedreht.
Noch heute kann man dort die Kirche mit dem sprechenden Kruzifix, das Café, das Pfarrhaus und viele Drehorte besichtigen. Im kleinen Museum stehen der Panzer, die Beiwagenmaschine, Fahrräder, Koffer und zahlreiche Zeitdokumente dieser beiden liebenswerten Figuren. (Und ja – ich bin natürlich im Besitz aller Don‑Camillo‑Filme!)
In den mittelalterlichen Auseinandersetzungen zwischen Papst und Kaiser wurden die Anhänger des Papstes „Guelfen“ genannt. Der Name leitet sich vom deutschen Wort „Welfen“ ab: Der Welfe Otto IV. erhielt vom Papst Innozenz III. die Kaiserkrone, was ihn zu einem treuen Verbündeten des Papstes machte.
Die Gegenspieler der Guelfen waren die Ghibellinen, die kaiserfreundliche Partei.