Mont Saint Michel – Bonjour France
Bonjour France – über Frankreich

Elsass gestern und heute

Die neue Europäische Gebietskörperschaft Elsass

Das Elsass – für viele ein Landstrich voller Fachwerkhäuser, Weinberge, Flammkuchen und malerischer Dörfer – war bis 2015 eine eigene französische Region. Heute trägt es den offiziellen Namen Europäische Gebietskörperschaft Elsass, die die beiden Départements Bas‑Rhin und Haut‑Rhin vereint. Territorium und Identität sind jedoch dieselben geblieben: eine L andschaft zwischen Vogesen und Rhein, geprägt von Geschichte, Kultur und einer besonderen Mischung aus französischen und deutschen Einflüssen. Seit 2021 bildet die neue Gebietskörperschaft innerhalb der großen Region Grand Est eine eigene Verwaltungseinheit – und für Reisende bleibt sie das, was sie immer war: ein unverwechselbares Stück Frankreich mit ganz eigenem Charakter.

Eguisheim: Fest der Winzer, Bildquelle: Haute-Alsace Tourisme © Christophe Dumoulin

Das Elsass war bis 2016 die kleinste Region Frankreichs – und zugleich eine der vielfältigsten. Man kann es fast in Zahlen skizzieren: 17 000 Kilometer markierte Wanderwege, 35 Pässe in den Vogesen, 80 Seen, 100 Burgen, 50 Festivals, 300 Weinstuben und 130 Museen. Eine beeindruckende Dichte an Natur, Kultur und Geschichte auf vergleichsweise kleinem Raum.

Auf der einen Seite des Rheins liegt das Elsass, auf der anderen der Schwarzwald, eine der beliebtesten deutschen Reiselandschaften. Zwischen Basel und Lauterburg bildet der Rhein die Grenze zwischen Elsass und Baden. Sein Lauf wurde bereits 1817 begradigt und dadurch um 82 Kilometer verkürzt.

Das Elsass zählt zu den schönsten Landschaften Frankreichs. Alte, traditionsreiche Dörfer mit Fachwerkbauten, endlose Weingärten und die Nähe zu Deutschland verleihen der Region einen besonderen Reiz. Durch die enge geschichtliche Verbindung zum deutschsprachigen Raum hat man auch heute kaum Sprachprobleme. Rund eineinhalb Millionen Menschen leben hier, viele mit deutschstämmigen Wurzeln. Der alemannische Dialekt Elsasserditsch ist als Umgangssprache weiterhin lebendig.

Die Hauptstadt Straßburg besitzt den zweitgrößten Rheinhafen und ist wirtschaftliches wie kulturelles Zentrum der Region. In der fruchtbaren Tiefebene werden Getreide, Tabak und Hopfen angebaut. Die Weinproduktion erreicht rund 1,5 Millionen Hektoliter pro Jahr – ein kleiner, aber bedeutender Teil der französischen Gesamtproduktion. Auch Obstbau, Forstwirtschaft und Milchwirtschaft prägen das Bild.

Natürlich gehört auch die gute Küche zum Elsass. Besonders bekannt sind choucroute (Sauerkraut) und Zwiebelkuchen – und über den Karpfen schreibe ich weiter unten noch ausführlicher.

Die beliebte Elsässische Weinstraße besteht seit über 70 Jahren

Auf mehr als 170 Kilometern schlängelt sich die Elsässische Weinstraße von Nord nach Süd und führt durch über 70 Weindörfer, in denen mehr als 400 Winzer ihre Keller öffnen und ihre Leidenschaft für Reben und Trauben mit Besuchern teilen. Weinlehrpfade, gemütliche Winstubs und einladende Weinkeller säumen den Weg.

Besonders gut lässt sich die Weinstraße bei einem Spaziergang oder per Rad erkunden. Zum 60. Jubiläum putzt sie sich von Thann bis Marlenheim besonders heraus und bietet Sportlern neue Radstrecken, Technikfans GPS‑Erkundungen und Familien Quizspiele sowie neue Themenrouten. Der Marathon durch die Weinberge und die zahlreichen Weinfeste von Juni bis Oktober gehören zu den beliebtesten Veranstaltungen. Weitere Informationen unter www.vinsalsace.com/de.

Die höchste Burgendichte Frankreichs

Hochkönigsburg im Elsass © ATOUT FRANCE / R-Cast

Auf fast jedem Felsvorsprung und jedem vorgelagerten Hügel entlang der Weinberge thront stolz eine Burg – rund einhundert große und kleine, mehr oder weniger gut erhaltene Burgen zählt das Elsass. Am bekanntesten ist die Hochkönigsburg bei Sélestat. Kaiser Wilhelm II. erfüllte sich einen Buben-Traum, als er die Burg Anfang des 20. Jahrhunderts aus ihren Ruinen wieder auferstehen ließ. Etwa 550 000 Besucher kommen jährlich, um sich auf eine Zeitreise in den Burgalltag des 15. Jahrhunderts zu begeben.

Die direkt in den Sandstein gehauene Burg Fleckenstein gehört zu den meistbesuchten Burgen in den Nordvogesen. Hier wird das Mittelalter bei einer Besichtigung mit einem Führer in Nachtwächterkleidern lebendig. Auf der Holandsburg kommen Jazzfans im Sommer beim jährlich dort stattfindenden Jazzfestival auf ihre Kosten. Die Burg Lichtenberg schlägt wiederum gekonnt einen Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Karpfenschmaus im Sundgau

Zwischen den Vogesen und dem Jura, ganz im Süden, liegt der Sundgau: eine grüne Hügellandschaft mit malerischen Weihern, alten Kirchen, Fachwerkhäusern, Burgen, kleinen Dörfern und Museen, die die Erinnerung an alte Traditionen wachhalten. Bekannt ist der Sundgau vor allem für seine Karpfen, die nirgends sonst so zubereitet und gegessen werden wie hier. Ihnen verdankt die Region auch die Auszeichnung mit dem Label Site remarquable du Goût, einem bemerkenswerten Ort des guten Geschmacks.

Entlang der Karpfenstraße bieten rund 40 Gastronomen ihren Gästen diese schmackhaften Fische an, die nach traditionellem Savoir-faire zubereitet und mit Salat, Zitrone und Mayonnaise serviert werden. Gegessen wird mit den Fingern – so will es die Tradition.

Wissenswertes über die Karpfen findet man ebenfalls auf Deutsch.

Ausgefallene Übernachtungsmöglichkeiten

Nicht Tausend und eine Nacht, sondern Blase und eine Nacht (Bulles et une nuit) heißt das Hotel in Klingenthal, in dem Besucher unter freiem Himmel in einer Seifenblase schlafen können. Inmitten der hügeligen Landschaft am Fuß des Odilienbergs stehen vier bulles bereit – größtenteils durchsichtige Sphären mit vier Metern Durchmesser, ganz in Weiß und im Stil der 1970er Jahre eingerichtet. Wie kleine Villen für Nomaden wirken diese zeltartigen Zimmer. Luxus‑Camping mit viel Romantik. Infos unter outdoor-hoch-genuss.de.

In Aubure, in der Nähe von Ribeauvillé, schlafen Gäste im Baumhaus. Nachhaltigkeit und Ökologie prägen das Konzept dieser ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeit. Für den Bau der Häuser verwendete Initiator Michel Culli ausschließlich Naturmaterialien wie Holz oder Hanf. Ein originelles Erlebnis für Verliebte, Freunde oder Familien.

Bilder aus dem Elsass