Franche-Comté: Landschaften, Geschichte und kulinarische Traditionen
Franche-Comté? Dem eiligen Durchreisenden auf der Autobahn fällt oft keine
weltberühmte Sehenswürdigkeit ins Auge. Doch der erste Eindruck täuscht.
Hinter den sanften Hügeln, Wäldern und Tälern verbirgt sich eine Region voller
stiller Schönheiten, alter Handwerkstraditionen, lebendiger Städte und
kulinarischer Besonderheiten. Eine Landschaft, die nicht laut um
Aufmerksamkeit ruft, sondern sich demjenigen öffnet, der genauer hinsieht.
Zwischen der Schweiz im Osten, dem Elsass im Norden,
dem Burgund im Westen und der Region Rhône-Alpes im Süden erstreckt sich
die Franche-Comté wie ein langes Band durch die Hügellandschaft des
Französischen Jura. Die Region war bis 2015 eine eigenständige Verwaltungseinheit
Frankreichs. Im Zuge der territorialen Neuordnung wurde sie mit Burgund
zur neuen Großregion Bourgogne-Franche-Comté zusammengeführt.
Mit einer Länge von rund 200 Kilometern und einer Breite von etwa 60 Kilometern
wirkt die Landschaft auf der Karte eher unscheinbar. Gerade das führt viele
Reisende in die Irre, denn hinter dieser zurückhaltenden Silhouette verbirgt
sich eine Region voller Charakter und stiller Besonderheiten.
Nun, die Franche-Comté ist beispielsweise seit dem Ende des 18. Jahrhunderts
Zentrum der französischen Uhrenindustrie. Die Kapelle Notre-Dame-du-Haut
in Ronchamp war einer der ersten modernen Kirchenbauten der Nachkriegszeit,
errichtet von Le Corbusier zwischen 1950 und 1955.
In Montbéliard befinden sich die erste protestantische Kirche Frankreichs und
ein großes Peugeot-Werk. Das " Musée de L'Aventure Peugeot" ist ein Vorzeigeobjekt
für die Franche-Comté, den Industrietourismus und die Kultur von Peugeot. Das Tal
des Doubs zählt zu den landschaftlichen Höhepunkten des Französischen Jura, und in
der königlichen Saline von Arc-et-Senans wurde einst Salz gesotten. Dass wir heute
pasteurisierte Milch trinken können, verdanken wir einem berühmten Sohn der Region,
Louis Pasteur (*1822 in Dole, †1895). Pontarlier nahe der Schweizer Grenze war und
ist wieder Zentrum des Absinths.
Es gibt guten Wein der regionalen Sorten Poulsard und Trousseau (rot) sowie Savagnin,
eine Variante der Traminer-Traube, und natürlich Pinot Noir und Chardonnay. Ebenso
bekannt sind die Käsesorten Vacherin und Montbéliarde.
Aha – also doch einiges an Merk-Würdigkeiten. Schauen wir uns einige davon etwas
genauer an.
In aller Ruhe und im eigenen Tempo die Franche-Comté erleben
Wer sich einmal vom pulsierenden städtischen Alltag erholen möchte, findet in der Franche-Comté angenehme Entschleunigung.
Beim Verweilen in beschaulichen Dörfern, Städten und Schlössern oder bei einer gemütlichen Planwagenfahrt mit dem Pferd
dominieren Gelassenheit und das Gefühl, für alles viel Zeit zu haben.
Die Ufer der Saône
Auf den Wegen entlang der Saône lässt es sich besonders gut entspannen. Wer hier flaniert, radelt oder reitet,
befindet sich mitten im Grünen und genießt den Blick aufs Wasser oder in die Ferne.
Zahlreiche Beschilderungen der Wander- und Radwege mit dem Hinweis Rives de Saône sorgen für Orientierung.
Absinth
Absinth ist ein alkoholisches Getränk, hergestellt aus Wermut, Fenchel, Anis und weiteren Kräutern.
Im 18. Jahrhundert im Schweizer Val de Travers entstanden, gelangte er nach Pontarlier in der Franche-Comté,
von wo aus er weltbekannt wurde. Um 1900 gab es in der Hauptstadt des Départements Haut-Doubs rund 25 Brennereien,
die jährlich etwa 15 Millionen Liter produzierten. In Pontarlier selbst fanden diese in 111 Bistros, Cafés und Schenken ihre Abnehmer.
Er inspirierte Impressionisten, stieg den Musen zu Kopf und führte zu Exzessen – was 1915 zum Verbot des Absinths führte.
Erst 2012 durfte er in Frankreich wieder unter dem Namen Absinthe verkauft werden.
In der Franche-Comté gibt es eine Straße des Absinths und zahlreiche Absinth-Feste.
Weltbekanntes Kulturerbe
Die Franche-Comté besitzt eine beeindruckende kulturelle Vielfalt, die weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist.
Mehrere Bauwerke wurden von der UNESCO als Welterbe ausgezeichnet. Die Hauptstadt Besançon liegt malerisch in einer Schleife
des Doubs und wird von eindrucksvollen Festungsanlagen umgeben, die auf die Pläne des Militärarchitekten Vauban zurückgehen.
Hoch über der Stadt thront die Zitadelle, die heute unter anderem einen zoologischen Garten beherbergt.
Auch andere Orte der Region erzählen von einer bewegten Vergangenheit. In Belfort wacht der monumentale Löwe des Bildhauers
Bartholdi über die Stadt und ihre Festung. Das Château de Joux, auf einem Felssporn gelegen, bietet einen eindrucksvollen
Blick in die Geschichte der Grenzregion.
Mit der Königlichen Saline von Arc-et-Senans, einem visionären Industrieensemble des 18. Jahrhunderts, und der Kapelle von
Ronchamp, einem der bedeutendsten Werke Le Corbusiers, besitzt die Franche-Comté zwei weitere architektonische Höhepunkte
von internationalem Rang.
Geschichten um das Salz
Salins-les-Bains und die Königliche Saline in Arc-et-Senans gehören nicht nur zum Weltkulturerbe,
sie waren auch Zeugen der Geschichte des weißen Goldes in der Franche-Comté.
Ein 21 Kilometer langer Weg führt entlang der alten Salzwasserleitungen.
Unterwegs können Informationen über QR-Codes abgerufen werden.
In Arc-et-Senans lässt sich das Erlebnis sogar über Nacht fortsetzen – im Hotel La Saline Royale,
das sich im Herzen dieser einzigartigen Anlage befindet, entworfen vom berühmten Stadtplaner Claude-Nicolas Ledoux.
Weblinks:
Tourismusbüro Salins-les-Bains
Kulinarik der Franche-Comté
Die Franche-Comté ist ein Paradies für Genießer. Geräucherte Spezialitäten wie die Würste von Morteau und Montbéliard oder
der Schinken aus dem Haut-Doubs haben in Frankreich eine treue Fangemeinde. Viele dieser Produkte werden traditionell über
Tannen- und Wacholderholz veredelt und erhalten dadurch ihr unverwechselbares Aroma.
Auch die Käsekultur der Region ist legendär. Ob Comté, Morbier, Mont-d’Or, Bleu de Gex oder die cremige Cancoillotte – jede
Sorte spiegelt die Landschaft und das handwerkliche Können der lokalen Produzenten wider.
In den Weinbergen rund um Arbois entstehen charaktervolle Jura-Weine wie Poulsard, Trousseau und Savagnin. Der berühmte
Vin Jaune und der süße Vin de Paille gehören zu den besonderen Spezialitäten, die weit über die Region hinaus geschätzt werden.
Natur, Aktivitäten und Angebote für jede Generation
Die Franche-Comté ist ein ideales Ziel für alle, die Natur und Ruhe suchen. Wasserfälle, Schluchten, Karstquellen und
ausgedehnte Wälder prägen das Landschaftsbild. Orte wie der Saut du Doubs, die Kaskaden des Hérisson, die Quelle der Loue
oder die Grotten von Baume-les-Messieurs bieten eindrucksvolle Naturerlebnisse. Der Ballon d’Alsace im Naturpark Ballons
des Vosges lädt zu Wanderungen, Radtouren und entspannten Spaziergängen ein – im Sommer wie im Winter.
Auch Familien finden hier abwechslungsreiche Angebote: Der Aquaparc Isis sorgt für Wasserspaß, der Dino-Zoo begeistert
junge Entdecker, und das Automobilmuseum von Peugeot erzählt die Geschichte einer der bekanntesten französischen Marken.
Musikliebhaber kommen bei den großen Festivals der Region auf ihre Kosten, darunter die Eurockéennes de Belfort, das
Festival International de Besançon oder die Bancs Publics. Im Jura zieht éviDanse jedes Jahr Ballettfreunde an.
Bilder aus der Franche-Comté
Absinth
Absinthherstellung
Die "Quelle der Loue"
Natur in der Franche-Comté
Ornans
Die Kapelle Ronchamp von Le Corbusier
Die Kapelle Ronchamp von Le Corbusier
Die Kapelle Ronchamp von Le Corbusier
Die Kapelle Ronchamp von Le Corbusier
Radfahren in der Franche-Comté
Thermen in der Franche-Comté
Im Hotel "Closerie Les Capucines" in Arbois