Vier Weltrekorde in Monza
Ein Freund meines Vaters schrieb in seinem Nachruf sinngemäß: "… er musste neben seiner Motorradleidenschaft notgedrungen auch einem Beruf zum Geldverdienen nachgehen …" Dieser Beruf war jener des Presse‑ und Public‑Relations‑Managers bei Automobilimporteuren. Anfang der 1960er‑Jahre war er PR‑Chef bei Porsche in Salzburg. Wie auch später war er stets auf der Suche nach ungewöhnlichen, pressewirksamen Aktionen. Eine davon ist Thema dieses Beitrags.
VW 1500 S bewies seine Zuverlässigkeit mit vier Weltrekorden
Helmut Krackowizer hatte in seinem Archiv entdeckt, dass der 1964 noch immer gültige Langstreckenrekord für Serien‑Automobile mit 1,5‑Liter‑Hubraum aus dem Jahr 1935 stammte. Er war von einem Adler‑Trumpf auf der Berliner AVUS gefahren worden: 10 000 km mit einem Schnitt von 126,3 km/h. Ein Rekordversuch von Ford im Jänner 1964 brachte über 15 000 km einen Schnitt von 119,73 km/h. Es war also an der Zeit, diesen Rekord zu brechen.
Im April desselben Jahres machten sich zwölf österreichische Journalisten auf der Rennstrecke von Monza (Italien) daran, den Rekord zu übertreffen – natürlich erst, nachdem die FIA bestätigt hatte, dass Rekorde im Ausland anerkannt würden. Zwischen 7. und 12. April 1964 gelangen schließlich vier neue Weltrekorde mit zwei völlig serienmäßigen VW 1500 S – einer Limousine und einem Variant.
Gefahren wurde rund um die Uhr – etwa 80 Runden zwischen jedem Fahrerwechsel. Die Zeit lief ununterbrochen weiter: beim Tanken, beim Ölwechsel, beim Fahrerwechsel, beim Reifenwechsel. Es gab Schrecksekunden und Unterhaltsames – etwa den singenden Rennstrecken‑Hausmeister, von der Mannschaft "Caruso" genannt, der jeden Morgen mit dem Fahrrad die 4,259‑km‑Piste nach Steinen, verlorenen Schrauben oder überfahrenen Hasen absuchte. Trotz vieler kleiner und größerer Hindernisse, trotz der Verschiedenheit der zwölf "rennfahrenden Journalisten", trotz eines Wagenausfalls – nur der zweite Wagen kam durch – hieß es am Ende:
Weltrekord!
4 Tage (96 Stunden): 12 096,103 km = 126,001 km/h
5 Tage (120 Stunden): 15 132,082 km = 126,100 km/h
15 000 km: 118 h 57:57,1 min = 126,086 km/h
10 000 Meilen: 127 h 19:51,1 min = 126,390 km/h
Insgesamt fuhr der letzte im Rennen verbliebene Wagen 3 793 Runden – das entspricht einer Fahrzeit
von 127 Stunden 47,40 Minuten und einer Distanz von 16 154,500 km.
Die schnellste Runde mit dem Siegerwagen drehte – natürlich – Helmut Krackowizer:
143,832 km/h in der zehnten Runde.
Leider hielt der Rekord des österreichischen Journalistenteams nicht lange.
Schon einen Monat später, vom 14. bis 20. Mai 1964, holte sich Ford die Rekorde über
15 000 km und 10 000 Meilen zurück – mit einem Ford Corsair GT, ebenfalls in Monza.
Und zum Abschluss des Rekordjahres 1964:
Der schnellste Rekord des Jahres wurde von Craig Breedlove mit "Spirit of America"
auf dem Salzsee von Bonneville (USA) erzielt – eine Meile mit 843,590 km/h.
Ausführlich beschrieben mit einem sehr kuriosen Vorfall, der meinen Vater seinen damaligen Job bei Porsche kostet, habe ich diese Rekordtage in meinem Buch über meinen Vater auf Seite 64.