* 1922 Helmut Krackowizer † 2001

Helmut Krackowizer

Mein Vater verstarb am 22. Oktober 2001 im 80. Lebensjahr in Salzburg an seinem dritten Herzinfarkt, den er am Montag, den 15. Oktober, erlitten hatte.

Dieser dritte Infarkt ereilte ihn bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Er hatte an einem dieser herrlichen Herbsttage eines seiner Lieblingsmotorräder, eine Rudge 250 cm³, mit einem Anhänger von einem Bekannten geholt, bei dem die Maschine eingestellt war. Er hatte vor, dieses Motorrad zu einer Ausstellung im Technischen Museum in Wien zu bringen. Meine Schwester und meine Mutter wollten ihn an diesem Tag nicht fahren lassen – aber erstens hatte mein Vater seinen Schädel, und zweitens hätte man ihn nie von Tätigkeiten im Zusammenhang mit Motorrädern abhalten können. Er kam mit dem Motorrad am Anhänger noch bis fast nach Salzburg-Aigen, wo er wohnte, bevor er, gerade noch an einer Tankstelle anhaltend, seinen dritten Infarkt erlitt.

Er war bis zu seinem Tod ein "Unruhegeist", der schon darunter litt, nicht mehr so mobil zu sein wie früher. Vor dem Gartentor stand aber noch sein Vespa-Motorrad für die täglichen Fahrten in die Stadt.


Helmut Krackowizer kam am 29. April 1922 in Frankenmarkt im Hausruck in Oberösterreich nahe der Salzburger Grenze als zweiter Sohn der Hedwig und des Rechtsanwalts Maximilian Krackowizer zur Welt. 1924 zog die Familie weiter nach Vöcklabruck OÖ., wo er dann aufwuchs.

Helmut Krackowizer auf Norton im Jahr 1952

Sein Leben war hauptsächlich von Motorrädern bestimmt, aber auch von Automobilen. "Gezwungenermaßen muss ich zum Broterwerb ja auch einer Tätigkeit nachgehen", sagte er einmal in einem Interview. Schon als Neunjähriger hatte ihn sein Vater zum Gaisbergrennen mitgenommen. Als Jugendlicher arbeitete er in den Sommerferien in Mechanikerwerkstätten und besuchte Rennen. 1939, als Siebzehnjähriger, saß er bereits im Sattel einer Norton ‚International‘ 500 cm³.

Im Zweiten Weltkrieg las er 1943, stationiert auf der norddeutschen Insel Fehmarn, in einer älteren Zeitschrift von einer Rudge, die in Bremen zu kaufen wäre. Diese erwarb er und nahm sie bis Herbst 1944 auf alle seine militärischen Posten mit. Schließlich schickte er sie, in Kisten verpackt, in seine Heimatstadt Vöcklabruck. Das Kriegsende erlebte er als Jägerleitoffizier der Luftnachrichten-Truppe einer Nachtjagd-Radar-Kompanie in Norwegen – ebenfalls auf einem Motorrad, aber das ist eine eigene Geschichte.


Helmut Krackowizer nach seinem ersten Sieg 1947 in Salzburg-Liefering

Im Oktober 1946 fuhr er sein erstes Motorradrennen bei strömendem Regen in Salzburg-Nonntal. Es wurde ein dritter Platz für ihn. Zahlreiche Geschichten prägten dann seine Rennfahrerzeit. Meine Mutter hatte er bei seiner Tätigkeit als technischer Angestellter bei der Firma Hatschek in Vöcklabruck kennengelernt. Nachdem sie 1955 geheiratet hatten, zogen sie nach Salzburg. Als 1956 mein Bruder auf die Welt kam, so hat man mir erzählt, drehte meine Mutter meinem Vater den "Gashahn" ab. Seither fuhr er nur mehr bei Veteranenrennen mit – allerdings, zum Schrecken meiner Mutter, stets im Renntempo. Übrigens, er war auch an einem legendären Langstreckenweltrekord mit einem VW 1500 in Monza beteiligt.


Helmut Krackowizer als Platzsprecher bei einem Rennen

Seine berufliche Laufbahn führte ihn über das Kaufmannsdiplom 1951 an der Wiener Wirtschaftsuniversität und ein Jahr später als "Doktor der Wirtschaftswissenschaften" zur Firma Eternit Hatschek in Vöcklabruck. 1955 ging er zu Porsche Austria nach Salzburg als Pressechef. Später wechselte er zu Mercedes-Benz Österreich (1964) und dann zu British Leyland Austria (1969). Zuletzt, ab 1976, war er als Public Relations Manager bei Chrysler (das dann in Talbot umbenannt und schließlich mit Peugeot fusioniert wurde) bis zu seiner Pensionierung 1987 tätig.

Von Ende 1978 bis Anfang 1982 war ich bei meinem Vater in der PR-Abteilung bei Chrysler-Talbot als sein Sekretär tätig. Dabei lernte ich, wie wichtig es ist, immer gut informiert zu sein: "… aber du darfst niemals deinen Informanten preisgeben!", erklärte mir Vater.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit war er bei vielen Rennen, die damals noch erlaubt waren, der Platzsprecher, der Kommentator der Rennen. Dazu nahm er uns Kinder oft mit, und so erlebten wir die Bergrennen auf dem Gaisberg, die Bergrennen in Engelhartszell an der Donau, in Großraming an der Enns oder die "1. Mai Rennen", dann Rennen auf dem Salzburgring und viele andere mehr.


Ab 1965 begann mein Vater zu zeichnen. Er zeichnete Motorräder nach Originalvorlagen im Großformat. Dazu verwendete er Bleistifte mit verschiedenen Stärken. In einer Zeichnung steckten viele Stunden Arbeit. Noch im Jahr 2000, ein Jahr vor seinem Tod, zeichnete er Motorräder. Daneben begann er, Bücher über die Geschichte des Motorradsports, der Motorräder, von Rennen und Rennstrecken zu schreiben. Er veröffentlichte Beiträge in Fachzeitungen im deutsch- und englischsprachigen Raum.

Er kannte so gut wie jedes historische Motorrad im Detail, wusste die Geschichten seltener Motorräder, erzählte die Lebensläufe von Rennfahrern, und zu seinen Freunden zählten u. a. Sammy Miller, John Surtees, Walter Zeller, Luigi Taveri, Schorsch Meier, Hans Haldemann, Bill Lomas und viele andere Persönlichkeiten aus der Motorrennsportszene.

Einen Lebenstraum erfüllte er sich mit den großartigen Motor-Veteranen-Gleichmäßigkeitsbewerben, den Oldtimer Grand Prix auf dem Salzburgring, an denen Stars wie Niki Lauda, Juan Manuel Fangio, die oben genannten Rennfahrer und viele andere teilnahmen. Mercedes-Benz schickte die berühmten Silberpfeile nach Salzburg, und ehemalige Rennfahrer brachten ihre seinerzeitigen Weltmeisterschafts-Motorräder an den Start.


Helmut Krackowizer als 68-Jähriger auf der Isle of Man bei der Lap of Honour 1990

In einem Schreiben an Ernst Leverkusen, Chefredakteur des Motorrad-Magazins "PS", vom 23. Juli 1978 bezeichnete er seine motorsportlichen Höhepunkte:
"Erster Sieg auf Rudge 250 auf der Autobahn Salzburg 1947 und Nürburgring-Erfolg auf Sunbeam 1929 im Jahre 1973."
Doch sein größtes Lebensereignis war die Teilnahme 1990 als 68-Jähriger bei der Lap of Honour bei der berühmten englischen Tourist Trophy auf der Isle of Man in der Irischen See, wie er in einem Interview 1996 verriet.

Helmut Krackowizer auf einer Sunbeam 90 beim Nürburgring-Veteranen-Meeting 1973

Bis kurz vor seinem Tod hatte er als Autokennzeichen "S-Rudge 1", und natürlich war er Mitglied beim Rudge Enthusiasts Club in England, dessen einziger nicht-englischer Präsident er einmal war. Wie überhaupt er sehr gerne nach England zu Freunden reiste – stets auf den Spuren von Motorrädern oder Rennfahrern.

Die österreichische Fachzeitschrift "autorevue" widmete meinem Vater 1997 eine Story, die mit dem Bild von Helmut Krackowizer auf der "Sunbeam Model 90" über eine ganze Seite und dem Satz von Gaston Bachelard (* 1884, † 1962, französischer Wissenschaftler) begann:

"Ein Mann ist ein Geschöpf seiner Leidenschaften, nicht seiner Notwendigkeiten!"

Das war Helmut Krackowizer – und wird es in unserer Erinnerung auch bleiben!