Sein erstes Rennen 1946 – sein erster Motorradsieg 1947

Helmut Krackowizer 1947 nach seinem ersten Sieg auf 250 cm³ mit Lorbeerkranz

Nachdem der Krieg endlich vorbei war, fand im Herbst 1946 das erste Nachkriegs‑Straßenrennen in der Stadt Salzburg statt. Bereits im Juli 1947 konnte sich Helmut Krackowizer über seinen ersten Sieg freuen. Der Motorradsport hatte wieder begonnen.

Erstes Rennen am 6. Oktober 1946 in Salzburg‑Nonntal

Schon mit 16 Jahren fuhr Helmut Krackowizer Motorrad – eine NSU 250 OSL. Noch im selben Jahr erwarb er eine Norton "International" 500 (Baujahr 1935). Mit einer Puch 250 S4 bestritt er im Frühjahr 1939 seinen ersten Wettbewerb, die Wertungsfahrt "Rund um den Dachstein". Dann kam der Zweite Weltkrieg.

Wie er zu seiner ersten Rudge 250 gekommen war, habe ich bereits in einem anderen Kapitel erzählt. Der erste Renneinsatz meines Vaters nach dem Krieg war beim ersten Nachkriegs‑Straßenrennen in Salzburg‑Nonntal am 6. Oktober 1946. Bei strömendem Regen fand das Rennen vor mehr als 7 000 Zuschauern statt. Gefahren wurden je Klasse zwei Rennen; Helmut wurde im zweiten Lauf der Klasse bis 250 cm³ Dritter – hinter den Wienern Rott auf JAP und Beranek auf DKW.

Das 1. Motorrad‑Nachkriegsrennen Salzburg‑Nonntal hätte am 6. Oktober 1946 beinahe nicht stattgefunden.

Wie es doch noch zum Rennen kam

Die heimgekehrten Salzburger Motorsportler wollten möglichst bald wieder ihre Rennmaschinen anwerfen. Doch es gab noch keinen Salzburger Automobilclub, der als Veranstalter auftreten konnte. So trafen sich die ehemaligen Aktiven um "Stengl‑Vater" Franz Stengl, vor dem Krieg maßgeblicher Funktionär des SAC und Chefzeitnehmer (ab 1947 übernahm dies sein Sohn Fritz Stengl).

Helmut Krackowizer – erstes Rennen in Salzburg 1946

Als sich im Frühjahr 1946 der berühmte Vorkriegsrennfahrer F. J. Binder, der in England lebte, als Chefdolmetscher und Verbindungsmann der Salzburger Landesregierung zu den US‑Besatzungstruppen einfand, war die notwendige Verbindung hergestellt. Binder regelte mit den US‑Besatzern die Zustimmung zum Rennen. Helmut Krackowizer hatte auf abenteuerlichen Wegen Binders Renn‑Velocette über mehrere Zonengrenzen von Berlin nach Salzburg gebracht – so konnte auch Binder teilnehmen.

Beinahe wäre das Rennen dennoch abgesagt worden: Übereifrige Teilnehmer trainierten bereits am Freitag lautstark auf der Nonntaler Hauptstraße. US‑General Arnold, dessen Wohnsitz in der nahegelegenen Wartbergvilla lag, fühlte sich gestört und schickte eine Militärstreife. Diese stoppte alle Vorbereitungen. Erst hektische Interventionen der Veranstalter retteten das Rennen, das schließlich bei echtem Salzburger Schnürlregen am Sonntag gestartet wurde.

Das Rennen

Trotz anhaltenden Regens kamen rund 7 000 Zuschauer. Helmut Volzwinkler (Salzburg) gewann auf NSU 350. Die Salzburger Thürriedl, Strobl und Fischer erreichten gute Plätze. Ein Duell zwischen Leo Fassl (Wien) und F. J. Binder entschied Fassl mit der schnellsten Runde von 1:17,4 min (91,6 km/h Schnitt) für sich.

In der Klasse bis 250 cm³ wurde Helmut Krackowizer auf seiner Vorkriegs‑Weltrekord‑Rudge Dritter im zweiten Rennen. Auch Fritz Walcher auf seiner schnellen New Imperial 250 cm³ war am Start. Sepp Hofmann gewann die Klasse bis 500 cm³ auf BMW.

Sein erster Sieg 1947 in Salzburg

Helmut Krackowizer – erster Sieg 1947 in Salzburg‑Liefering

Im Frühjahr 1947 lockte das erste Sandbahnrennen in Salzburg, veranstaltet vom neu gegründeten SAMTC (Salzburger Automobil‑, Motorrad‑ und Touring‑Club), 20 000 Zuschauer auf die Trabrennbahn in Salzburg‑Aigen. Ermutigt durch diesen Erfolg wurde am 6. Juli 1947 das erste Autobahnrennen in Salzburg‑Liefering ausgetragen. Aus diesem Straßenrundrennen entwickelte sich später der "Große Preis von Österreich", der schließlich auf den Salzburgring übersiedelte.

Der Sieg der Junior‑Klasse A bis 250 cm³ wurde eine sichere Beute des Vöcklabruckers Krackowizer auf Rudge in 44:32,8 min, gefolgt von den Salzburgern Fritz Walcher (New Imperial) in 46:43,4 min und Richard Kwitt (Puch) ebenfalls in 46:43,4 min. Das Rennen führte über 15 Runden = 63 km (Rundenlänge 4,2 km).

Helmut Krackowizer – Fahrt zu seinem ersten Sieg 1947 in Salzburg‑Liefering

Auch im Senior‑Rennen lag Helmut Krackowizer drei Runden lang in Führung, musste jedoch wegen eines Getriebeschadens aufgeben. Der 6. Juli 1947 war der Tag seines ersten Sieges – weitere sollten folgen. In seinen Unterlagen notierte er zum Kurs: "… eine Gerade, etwa 1 400 m, 2 × 3 Spitzkurven, 4 Flachkurven schnell, 4 Flachkurven langsam … Reifendruck vorn 1,40, hinten 1,75 …"

Die schnellste Runde auf dem damaligen Lieferinger Rundkurs fuhr übrigens F. J. Binder auf Velocette 350 KTT Mk VIII in 2:25,4 min – das entspricht 126 km/h. Diese Velocette hatte Binder erst wenige Tage vor dem Rennen in Salzburg‑Nonntal unter abenteuerlichen Umständen aus Berlin (damals sowjetische Besatzungszone) erhalten – mein Vater brachte sie in monatelanger Arbeit, zerlegt in Kisten, nach Salzburg. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.