Gemächlich radeln in Midi‑Pyrénées
Der zweite Teil des Regionsnamens lässt oft vergessen, dass Midi-Pyrénées nicht nur aus dem Hochgebirge zwischen Frankreich und Spanien besteht. Von der Nordgrenze im Zentralmassiv bis zu den Pyrenäen im Süden sind die Landschaften ausgesprochen vielfältig. Deshalb gibt es für gemütliche Touren auf dem Fahrrad eine große Auswahl an Strecken. Die Zahl der Radwege, der «Voies vertes», und der als Véloroutes gekennzeichneten Radstrecken auf verkehrsarmen Nebenstraßen steigt von Jahr zu Jahr.
Gerade die ehemaligen und inzwischen ausgebauten Treidelpfade oder Bahntrassen in Midi-Pyrénées haben kaum Steigungen und sind somit ideal für Fahrradtouren. Als einer der schönsten Radwege gilt die «Voie Verte» am Canal des Deux Mers, der auf knapp 150 km durch die Region führt. Dieser Wasserweg wird vom Canal du Midi und dem Garonne-Seitenkanal gebildet, die gemeinsam das Mittelmeer mit dem Atlantik verbinden. Zahlreiche als «Grands Sites» ausgezeichnete Sehenswürdigkeiten säumen d iesen Radweg, darunter die lebendige Hauptstadt Toulouse mit ihrer leuchtenden Backsteinarchitektur oder Moissac, eine bedeutende Etappe am Jakobsweg nach Santiago de Compostela.
In Richtung Mittelmeer führt die Strecke am Canal du Midi unter schattigen Platanen durch das Lauragais-Gebiet mit sehenswerten gotischen Kirchen und Glockenmauern. Dieser Kanal, ein Geniestreich von Pierre-Paul Riquet im 17. Jahrhundert, hat seinen Ursprung in Midi-Pyrénées. Mit dem Stausee von Saint-Ferréol gelang es dem Baumeister, den Kanal mit ausreichend Wasser zu versorgen. Von der Wasserscheide Seuil de Naurouze führt ein 40 km langer Radweg zu Sehenswürdigkeiten, die eng mit diesem Wasserweg verbunden sind: der Stausee Saint-Ferréol mit einem Museum zur Entstehungsgeschichte des Kanals, der Bastidenort Revel, in dem Riquet lebte und dessen Markt zu den 100 schönsten Frankreichs zählt, sowie der historische Ort Sorèze mit seiner berühmten, von Benediktinern gegründeten Abtei-Schule.
Ein schönes Beispiel für eine «Véloroute» ist die gekennzeichnete Radstrecke durch das Lot-Tal, die auf 74 km den Mäandern des Flusses folgt. Dabei werden berühmte Weinlagen gestreift, und auf den Steilfelsen an den Ufern erheben sich zahlreiche Burgen und mittelalterliche Dörfer. Ein Höhepunkt der Strecke ist die als «Ville d’Art et d’Histoire» und «Grand Site» ausgezeichnete Stadt Cahors mit der Wehrbrücke Pont Valentré und der Kathedrale Saint-Étienne, die beide zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.
Insgesamt stehen in Midi-Pyrénées inzwischen zwölf sehr unterschiedliche Radwege und -strecken mit mehr als 2 200 km zur Verfügung. Ganz zu schweigen von unzähligen, wenig befahrenen Landstraßen, die ebenfalls für abwechslungsreiche Fahrradtouren geeignet sind. Ob individuell oder als Pauschalreise – in Midi-Pyrénées muss nicht immer über hohe Berge gestrampelt werden. Die Region bietet für Fahrradtouristen viele reizvolle Alternativen.