Urbino – Palazzo Ducale und Dom, Marken, Italien

Buchtipps für Italien mit Seele

Die Übersicht über meine Literatur- und Buchtipps für Italien finden Sie ...hier, die gesamte Literaturübersicht über Reisen, Reiserecht und Motorveteranen finden Sie ...hier

Auf dieser Seite finden Sie:
Endlich Zeit für Venetien
Heute so schön wie damals – legendäre Urlaubsorte in Italien
Weingeschichten aus Friaul
Unser Friaul: Menschen – Feste – Gärten – Weine
Wie man Venezianer wird. Der Traum vom Leben in der Serenissima
Triestiner Portraits: Menschen zwischen Levante und Karst
Spaziergänge in Neapel und auf Ischia
Triest – Portrait einer Stadt
Einfach. Gut. eine kulinarisch-kulturelle Reise ins Friaul bis nach Triest
Besser. Einfach. eine kulinarisch-kulturelle Reise durch die Lagunen nach Venedig
Maria, ihm schmeckt's nicht!
Was finden Sie bloß an Italien?
Italia amore mio
Laguna – Venedigs Inselwelten
Don Camillo und Peppone


Endlich Zeit für Venetien
Endlich Zeit für Venetien

Endlich Zeit für Venetien. Langsam reisen zwischen Dolomiten und Venedig

Viel Interessantes über weniger bekannte Orte und Sehenswürdigkeiten in Venetien

Eine Österreicherin zieht der Liebe wegen in die italienische Region Lombardei und bereist ein Jahr lang die Nachbarregion Venetien. Daraus entstand dieses Buch mit 34 Kapiteln, die von mehr oder weniger Sehenswertem in dieser achtgrößten Region Italiens berichten.

Sie beschreibt sehr authentisch und selbst erlebt die Orte, die man unbedingt sehen oder erleben sollte.
Das bedeutet jedoch nicht, dass man anhand ihrer Beschreibungen dann auch alles gesehen hat. Doch es sind abwechslungsreiche Vorschläge: der Besuch einer Reismühle, ein Ausflug ins Naturparadies Po-Delta, zehn besondere Museen, kleinere Städte wie Rovigo oder der Ort Arquà Petrarca, ein Besuch in Possagno bei Antonio Canova u. a.
Als Abschluss jeder Provinzkapitel gibt es übergreifende Themen wie Venetiens schönste Dörfer, die schönsten Villen, Gartenlabyrinthe, „So schmeckt Venetien“ oder „Stilvoll wohnen“ (sieben Vorschläge, wobei der Begriff stilvoll sehr weit ausgelegt wird). Am Ende des Buches bietet die Autorin auf fünf Seiten hilfreiche italienische Vokabeln für die Konversation sowie ein kleines Speiselexikon.

Jedes Kapitel umfasst durchschnittlich fünf Seiten in einem Format, das etwas größer als A5 ist:
eine Einleitungsseite mit Bild, meist eine bis eineinhalb locker gesetzte Textseiten, gefolgt von einer Seite „Zeit für…“ mit Adressen, Veranstaltungen oder Ausflugstipps in der unmittelbaren Umgebung. Diese Informationen sind kurzgehalten, aber ausreichend, mit Telefonnummern und Internetadressen. Dem Verlag sei hier ein Zeigefinger erhoben: Die Überschriften „Zeit für…“ und die darunter befindlichen Teilüberschriften sind in Weiß auf pastellfarbenen Hintergründen gesetzt – also fast nicht lesbar. Unterschiedlich sind auch die Bildgrößen, die manchmal eine Seite, hie und da auch zwei Seiten füllen. Viele Bilder, schreibt die Autorin, wurden ihr von Städten, Gemeinden, Museen und Villen zur Verfügung gestellt.

Womit ich beim Lesen jedoch durchgehend meine persönlichen, wohl subjektiven Probleme hatte, ist die Sprache, die Ausdrucksweise der Autorin. Ziemlich viele Orte und Sehenswürdigkeiten sind „grandios“, „atemberaubend“, „urig“, „hochkarätig“, „verträumt“, „phänomenal“, „wunderbar“ und mit anderen Superlativen beschrieben. Das wirkt für mich manchmal sehr übertrieben, fast touristisch-werbemäßig. Nun kenne ich den überwiegenden Teil der beschriebenen Orte persönlich aus jahrzehntelangen Reiseleitungen und weiß, dass nicht alles ganz zutrifft, wie Beate Giacovelli es erlebt haben mag. Vielleicht war sie da und dort auch nur einmal auf Kurzbesuch. Dass in Bassano del Grappa in der Grapperia auf der Ponte Vecchio „ein Getränk in rauen Mengen ausgeschenkt wird“, mag ich so formuliert ebenfalls nicht ganz glauben. Ebenso wenig, dass der Dom in Adria sehenswert wäre. Aber das sind eben meine persönlich-subjektiven Empfindungen.

Mein Gesamteindruck des Buches ist jedoch, dass Beate Giacovelli viel Interessantes zusammengetragen und übersichtlich beschrieben hat. Es ist vielleicht kein Reiseführer im klassischen Stil mit vielen Details, aber ein Führer, der etliche, in der Landschaft versteckte Kleinode der „terra ferma“, des venezianischen Festlandes, dem Leser näherbringt.

Autorin: Beate Giacovelli, erschienen 2024 in der Verlagsgruppe Styria, ISBN 978-3-222-13723-5


Heute so schön wie damals – Legendäre Urlaubsorte in Italien
Heute so schön wie damals – Legendäre Urlaubsorte in Italien

Heute so schön wie damals – Legendäre Urlaubsorte in Italien. Bildband

Abwechslungsreiche Erinnerungen an ein Jahrhundert Italien-Urlaube – mit vielen Tipps

Meine italienische "Seele" hat mit diesem Buch etwas zum Träumen bekommen. Es erzählt von einer Zeit, als Adriano Celentanos "Azzurro" im Radio rauf und runter lief und Audrey Hepburn auf einer Vespa durch Rom kurvte.
Es berichtet von den Anfängen des Tourismus in Italien, mit Geschichten und historischem Bildmaterial.
Das Buch weckt in mir viele Erinnerungen an meine unzähligen Reiseleitungen, die mich seit 1983 in viele Regionen Italiens führten. Und doch entdeckte ich einiges mir noch Unbekanntes in diesem herrlichen Band.

77 Orte von Südtirol bis Sizilien, von San Remo bis Triest, werden auf kurzweilige Art vorgestellt. Die erste Seite jedes Ortes zeigt ein mehr oder weniger altes nostalgisches Bild. Auf der zweiten Seite gibt es einen kurzen Überblick über Geschichte und Bedeutung des Ortes, gefolgt von zwei oder drei Besonderheiten, Sehenswürdigkeiten oder Veranstaltungen (z. B. das Palio in Siena). Dann folgen Erinnerungen in farblich unterlegten Infokästen zu den Themen "Das gibt’s noch heute" (Einrichtungen oder Lokale, die es schon vor 100 Jahren gab), "Retro-Moment", "Souvenir, Souvenir" (z. B. Zigarren aus Brissago, die es seit 1847 gibt) oder "Heute so gut wie damals" (z. B. der klassische Liegestuhl).

Dazwischen gibt es Doppelseiten, "Zwischenstopp" genannt, mit einem doppelseitigen Bild und einem Textkasten – etwa über das "Gelati", das italienische Eis, über das Val d’Orcia in der Südtoskana mit einer eindrucksvollen Landschaftsaufnahme, über die "Grand Tour" oder den "Rolls-Royce des Meeres", die Riva-Boote. Allerdings unterlief dem Verlag auf Seite 227 ein kleiner Fehler bei der Beschriftung: Das Bild zeigt zwar die Luxusherberge "Le Sirenuse", jedoch nicht – wie angegeben – in Portofino, sondern in Positano an der Amalfiküste.

Immer wieder bietet das Buch Zitate aus historischen Baedeker-Führern vor 1900 und nach der Jahrhundertwende ("Zum Gabelfrühstück – nur bis 13 Uhr – gibt es…") sowie andere Zitate, beispielsweise von Goethe.

Warum mich dieses 300-seitige Buch so ins Schwärmen und Erinnern brachte, ist die kurzweilige Abwechslung aus Geschichten, Sehenswürdigkeiten und Bildern – alten wie neuen – sowie die vielen Tipps. Alles ist prägnant und nicht ausschweifend beschrieben. Wenn Sie also wissen möchten, wo ein Turm mit alten Steineichen obendrauf steht, wo 1958 vier junge Damen lachend ihre Füße auf einem Campingplatz wuschen, wo Sigmund Freud seine Sommerfrische verbrachte, wo man mit einem kleinen roten Zug fahren kann oder mit einem Sessellift aus dem Jahr 1952 noch auf einen "Monte" befördert wird, dann mögen Sie sich dieses herrliche Buch über "das Land, in dem die Zitronen blüh’n" und FIAT 500 herumkurven besorgen!

Erschienen 2023 im Kunth Verlag, ISBN 978-3969650974


Weingeschichten aus Friaul
Weingeschichten aus Friaul

Weingeschichten aus Friaul

Geschichten über Winzer, deren Weingüter, über Weine und Landesgeschichte

40 Weingüter und deren Betreiber werden in diesem Buch vorgestellt. Die Hälfte von ihnen befindet sich im klassischen „Collio orientale“, also zwischen Cividale del Friuli und Görz. Die andere Hälfte verteilt sich auf den Rest von Friaul-Julisch Venetien.

Bei den einzelnen Geschichten erfährt der Leser vieles über die Familien der Winzer, über Böden und Trauben sowie über die jeweilige Gegend. Es ist überwiegend die jüngere Generation an Weinbauern – oft auch weiblich –, die hier vorgestellt wird. Sie erinnern sich an traditionelle Herstellungsmethoden und alte Rebsorten und keltern seltene Weine wie beispielsweise den ‚Pastello Bianco‘ von Margherita und Alessandro Bellio in Pinzano al Tagliamento. Der ‚Pastello‘ wird aus den Trauben ‚Ucelùt‘ und ‚Sciaglin‘ gekeltert und ist ein Perlwein. Auch eine ‚Balsameria‘ wird im Buch vorgestellt. Sie produziert Balsamico-Essig, darf die Produkte jedoch nur ‚Asperum Balsamico‘ nennen und nicht „Aceto Balsamico“. Die Palette der Winzerstuben reicht von der edlen Verkosthalle bei Livio Felluga bis hin zur rustikalen Verkostecke bei ‚Le Due Torre‘.

Die einzelnen Regionen werden durch einen geschichtlichen Beitrag eingeleitet. Es ist eben auch ein Lesebuch, das sich angenehm lesen lässt, ohne den Leser mit „Fachchinesisch“ zu überfrachten. Die Bilder sind abwechslungsreich und zeigen nicht nur Wein, Winzer und Reben, sondern auch Gebäude und Landschaften. Das Buch hat seinen Platz in meiner Büchersammlung über Friaul-Julisch Venetien in der Abteilung „Wein“ gefunden.

Autoren: Eva Wradzdil, Johannes Gans, erschienen 2019 im Verlag Anton Pustet, Salzburg, ISBN 978-3-7025-0925-5


Unser Friaul: Menschen – Feste – Gärten – Weine

Dieses Buch ist mit Abstand das Beste, das ich in den letzten Jahren über das Friaul gelesen habe

Varmo ist „ein Dorf mit vier Katzen“, und doch lernten Frau Hopfmüller und Herr Hlavac erst nach einigen Jahren Franca Maldini kennen, die Witwe des Dichters Sergio Maldini. Die beiden hatten sich vor Jahren ein Haus in Varmo gekauft und bereisen seither die Umgebung dieses Ortes, der ziemlich zentral in der furlanischen Tiefebene im Dreieck Pordenone – Udine – Portogruaro liegt.

Auf über 200 Seiten berichten die beiden von ihrem Hauskauf, den ersten Versuchen als Winzer, den Freundschaften mit den Furlanern und von ihren Ausflügen. Sie entdecken die Welt des Montasio-Käses, die verträumten Villen, das Eselrennen in Fagagna, das „Perdon di Barbana“ in der Bucht von Grado oder Villa und Park Manin und vieles mehr. Sie lassen den Leser an einer italienischen Hochzeit, einer Taufe und einem Familienfest teilhaben und besuchen einen Herzog. Viele Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens und der Region werden beschrieben, wie beispielsweise die ‚Risorgive‘, die unterirdischen Quellen, die allerorts zutage treten, oder Lokale in ihrer Umgebung, in denen sich ‚Gott und die Welt‘ treffen. Besonders gefreut hat es mich, das Restaurant „Al Molino di Glaunicco“ in Camino al Tagliamento als einen solchen freundlichen Treffpunkt ausführlich beschrieben zu finden. Ich kenne das Lokal und die Besitzer – Elda und Gino, seinen Bruder Renato (der einst beim Fußballclub Udine spielte, wie er immer erzählte) sowie ihre beiden hübschen Töchter – schon seit Ende der 1980er-Jahre. Eine Einkehr in diesem Restaurant war meist der krönende Abschluss einer Gruppenreise, und nicht wenige meiner Kunden besuchen seither immer wieder die alte, liebevoll restaurierte Mühle, durch deren Garten mehrere Bäche fließen.

Doch die beiden Autoren lassen auch kritische Überlegungen zu Gesehenem und Gehörtem einfließen – etwa im Beitrag über den berühmten „Sohn des Friaul“, Pier Paolo Pasolini, oder beim Besuch beim Enkel von Pietro Badoglio, der die Geschichte Italiens im Ersten und Zweiten Weltkrieg nicht unwesentlich mitbestimmt hatte. Was mir ebenfalls sofort aufgefallen ist und sehr gefällt: Sehenswürdigkeiten, Personen oder Eigenheiten werden nicht nur kurz erwähnt, sondern so beschrieben, dass auch ein unbedarfter Leser versteht, worin ihre Bedeutung oder ihr Besonderes liegt. Darüber hinaus verstehen es die beiden Autoren, Stimmungen und Gefühle der Menschen sehr gut einzufangen und dem Leser „rüberzubringen“, wie beispielsweise bei ihren Schilderungen des Eselrennens.

Jedem Kapitel ist eine kleine Übersicht mit Adressen der erwähnten Sehenswürdigkeiten, Lokale oder Schlösser angefügt. Dazwischen gibt es – vermutlich von Frau Hopfmüller – Rezepte aus der Region: wie man Limoncino oder Feigenmarmelade macht, die hervorragend zu Pecorino passt, Polenta, Ravioli oder Kürbisbrot u. a. Zahlreiche Bilder, größtenteils von sehr guter Aussagekraft, untermalen die einzelnen Kapitel und zeigen ein modernes, lebendiges Bild dieser Provinz in der nordöstlichen Region Italiens.

Es ist eine interessante Erfahrung, die ich selbst seit Jahrzehnten immer wieder mache: Ausländer können oft zutreffender und lebendiger über das Leben und die Eigenheiten fremder Länder berichten als Einheimische – „Betriebsblindheit“ vielleicht bei einheimischen Autoren? Jedenfalls ist dieses Buch mit Abstand das Beste, das ich in den letzten Jahren über „meine zweite Heimat“ Friaul in Händen hatte – und ich gebe es sicher nicht mehr her!

Erschienen 2011 im Carinthia Verlag in der Verlagsgruppe Styria, ISBN 978-3-70120-058-0


Wie man Venezianer wird. Der Traum vom Leben in der Serenissima.

20 Menschen erzählen sehr abwechslungsreich von und über ihre Liebe zu Venedig

Die Autorin, Dr. Barbara Sternthal, hat sich 20 Ausländer herausgepickt, die in Venedig Fuß gefasst haben. Von ihnen schildert sie in wirklich interessanter und – vor allem – abwechslungsreicher Art die Lebensgeschichten und Venedig-Erkenntnisse. Es sind Erkenntnisse der Liebe, des Zorns und der Sorge um diese untergehende Stadt: von den ersten Wohnungen, ebenerdig, feucht und bei „Aqua Alta“, dem Hochwasser Venedigs, bis unter die Decke verschlammt und versalzt, bis hin zu ihren Traumwohnungen, die sie oft durch Zufälle fanden. Was mich beim Lesen faszinierte: 20 verschiedene Lebensgeschichten auf 160 Seiten – und es ist mir absolut nicht fad geworden! Schreiben kann sie wirklich gut, die Frau Sternthal.

Für alle Personen dürfte die Frage „Wieso Venedig?“ wohl die sinnloseste der Welt sein. Sie alle suchten einen „Ort im Süden“, und es ist unterhaltsam zu lesen, weshalb es sie dann gerade an diesen Ort verschlug. Gabriele Gmeiner aus Österreich, die hübsche Schuhmacherin, hat da ganz andere Sorgen: Sie findet in ganz Venedig keinen willigen Lehrling. John Francis Phillimore aus Großbritannien konnte aufgrund des undurchdringlichen Verwaltungsdschungels zwar nicht als britischer Buchhandelsvertreter tätig werden, aber für das Eröffnen einer Buchhandlung in Venedig gab es sogar Unterstützung von der Zunft der Kleinbetriebe. Martina Frank aus Österreich erzählt von ihrer ersten Wohnung, die umgerechnet 60 Euro im Monat kostete, aber kein warmes Wasser hatte – dafür einen gefährlichen Gasherd. Daniela Schönbächler aus der Schweiz fuhr zu einem berühmten Glaskünstler auf Murano, klingelte an seiner Haustür, bat um ein Gespräch – und wurde eine angesehene Glasdesignerin. Rita Forin aus Belgien bezeichnet das Viertel, in dem ihre Wohnung liegt, in einem denkmalgeschützten Arbeiterhaus am Arsenal, als kleines Dorf. Und das liest man in vielen Beiträgen: Sie fanden (fast) alle schnell Anschluss an die Venezianer, sobald diese erkannten, dass die Fremden tatsächlich Einwohner wurden. Gaston Salvatore aus Chile meint jedoch über die Venezianer, sie könnten nur ihre alten Steine verkaufen und vermieten, aber über sich selbst wüssten sie nichts. Es seien immer die Ausländer, die etwas über die Stadt wissen.

Vielen gemeinsam ist die Sorge um die Zukunft Venedigs. Sie ärgern sich über die Kurzsichtigkeit der Stadtväter, die riesige Kreuzfahrtschiffe in die Stadt fahren lassen, deren Motorenvibrationen sogar in einer der Wohnungen der Vorgestellten stark zu spüren sind und so die Häuser noch tiefer sinken lassen. Sie stellen mit Wehmut fest, dass ein Kitschladen nach dem anderen mit Glas aus China (nicht aus Murano, wie man dort versichert!) anstelle von Nahversorgern, Bars und anderen Geschäften für das tägliche Leben einzieht. In manchen Stadtvierteln kann man gar nicht mehr einkaufen.

Und doch lieben sie alle Venedig – mit seinen vielen Stufen auf und ab über die Brücken, seinen Seitengassen, weit ab vom Touristentrampelpfad. Die sehr anregend geschriebenen Berichte werden mit hervorgehobenen Zitaten der Personen und absolut sehenswerten Bildern von Harald Eisenberger auch optisch ansprechend präsentiert. Eisenberger zeigt die Menschen in eindrucksvollen Posen, nimmt Details der Stadt abseits des Massentourismus wahr und zeigt dem Leser „das andere Venedig“.

Das ist ein Buch über Venedig, wie ich es liebe – eines, das mir als Außenstehendem die Stadt wieder um ein Mosaiksteinchen näherbringt. Ein wirklich schönes Buch für den Venedig-Liebhaber!

Erschienen 2010 im Carinthia Verlag in der Verlagsgruppe Styria, ISBN 978-3-85378-671-0


Spaziergänge in Neapel und auf Ischia

Sie sei in Neapel geboren, sie sehe alles, sie sei schlau. Und würde die Autorin des Buches auch nur ein Foto machen, nähme sie ihr sofort die Kamera weg – erklärte jene junge, dunkelhäutige Führerin unfreundlich in schlechtem Englisch während der Führung in der größten frühchristlichen Nekropole Neapels unter der Kirche San Gennaro extra Moenia. Allerdings: Der berühmteste Heilige der Stadt, San Gennaro, liegt heute im Dom begraben und lässt alljährlich sein in einer Ampulle aufbewahrtes Blut wieder flüssig werden.

Im Klarissenkloster im Castello Aragonese auf Ischia wurden verstorbene Nonnen auf gemauerten Stühlen mit hohen Lehnen festgebunden (und noch mehr …). Marie Sophie Amalie, Herzogin von Bayern und Schwester von Kaiserin Elisabeth von Österreich, war mit Franz II. von Neapel-Sizilien verheiratet – und ging nackt im Meer baden. Welche Zeitreise eine Treppe in einem „Basso“ (Kellerwohnung) bedeuten kann und welche Schätze sich hinter unscheinbaren Fassaden verbergen – Antworten darauf und mehr lesen Sie im überaus gehaltvoll und gut recherchiert geschriebenen Buch, das so treffend den Charakter Neapels und seiner nahen Umgebung schildert.

Ulrike Rauh lässt in ihre Spaziergänge auch die Liebesgeschichte zwischen dem Neapolitaner Alessandro und ihr selbst sehr gefühlvoll und lebendig einfließen. Es ist keineswegs ein Buch, das Sehenswürdigkeiten oder gar nur Kirchen beschreiben will. Vielmehr entsteht durch ausdrucksstarke Sprache und die hohe Fachkompetenz der Autorin in Musik und Theater ein lebendiges Neapel vor den Augen des Lesers.

Doch Ulrike Rauh ist in meinen Augen nicht nur eine ausgezeichnete Schriftstellerin – sie malt auch. Mehrere Bilder im Buch zeigen farbliche Impressionen ihrer Spaziergänge. Dass die Autorin im Text verwendete italienische Ausdrücke übersetzt, finde ich sehr lobenswert. Dass sie aber auch noch 14 Texte neapolitanischer Lieder im neapolitanischen Dialekt samt deutscher Übersetzung veröffentlicht, lässt mich – Italienliebhaber und -kenner seit drei Jahrzehnten – dieses Büchlein zu den wirklich guten unter den als Reiseimpressionen geschriebenen Werken einreihen.

Erschienen 2008 im Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-940756-42-8


Triestiner Portraits: Menschen zwischen Karst und Levante
Triestiner Portraits: Menschen zwischen Karst und Levante

Triestiner Portraits: Menschen zwischen Karst und Levante

In Schatzdorfers eigenem Stil schildert er Freundschaften und beschreibt Personen in teilweise fesselnden Kurzbiografien aus 30 Lebensjahren im Triestiner Karst und in der Stadt Triest. Diese Lebensgeschichten bieten ihm auch die Gelegenheit, die geschichtlichen Eigenheiten und die Zerrissenheit der Menschen dieser Region zu beleuchten.

Darunter finden sich auch Lebensgeschichten von Personen, die in früheren Büchern Schatzdorfers bereits kurz erwähnt wurden – beispielsweise Bianca, die Köchin und Besitzerin zweier Lokale in Duino, deren Ruhm längst verblasst ist. Oder jene von Don Giorgio, Pfarrer von Duino, Quartiergeber Schatzdorfers und Ministrant bei der evangelischen Taufe von Schatzdorfers Sohn, der aus einer erzkommunistischen Familie stammt.

Diese evangelische Taufe seines Sohnes in einer katholischen Kirche – mit Weihwasser beider Konfessionen, aber ohne Ziegenblut, wie die „Duinati“, die Einheimischen von Duino, es erwartet hätten – ist nur eine von mehreren Geschichten aus Schatzdorfers Leben im Karst. Sein 50. Geburtstag, den er in einer Betola (Schank) im Karst feierte, die Millenniumsfeier mit Prosecco, Kaviar und zwei Löffeln im nebeligen Hafen von Triest oder – am Beginn des Buches – das Treffen, Essen und Trinken mit Freunden im Hafen von Duino sind weitere Erlebnisse.

Wirtin, eine ehemalige Partisanen-Anführerin, Schmuggler, Lebenskünstler, Fischer, Straßenbahnfahrer, eigene Erlebnisse mit Studentenfreunden, die in Triest ihre familiären Wurzeln wiederfanden – über 20 Farbfotos zeigen die vorgestellten Personen, weitere Stimmungsbilder aus der Region, Bilder der Triestiner Kleiderordnung um 1350, einige Triestiner Rezepte, ein Wörterbuch für den Triestiner Dialekt (das manche italienische Zeile verständlicher macht, aber nicht alle) sowie rund 60 Meeresfische, Schalentiere und Muscheln mit Hinweisen, wann sie am besten schmecken und wie sie zubereitet werden – all das findet sich am Ende des Buches.

„Triestiner Portraits“ ist für mich wie ein logischer zweiter Teil seines Buches „Triest, Portrait einer Stadt“. Beide Bücher sind keine touristischen Schönbücher, sondern Erzählungen über Menschen und eine Region, die eigentlich nicht Italien, aber auch nicht Slowenien ist. Dieses Buch ist jedenfalls sehr menschlich, bewegend und faszinierend.

Erschienen im Verlag Carinthia, 2010, Günther Schatzdorfer, ISBN 978-3-85378-652-9


Triest – Portrait einer Stadt
Triest – Portrait einer Stadt

Triest, Portrait einer Stadt

Als Günther Schatzdorfer, Schriftsteller, Maler und Autor dieses Buches, vor gut 30 Jahren durch Triest streifte, sah er in der Auslage eines alten Geschäftes für Schiffsausstattung vier oder fünf Kompasse nebeneinander liegen. Jeder zeigte in eine andere Richtung.

Dies ist wie eine Metapher für den Inhalt des Buches: überwiegend schwer und dunkel, wie die Stimmung auf dem Titelbild selbst. Schatzdorfer beschäftigt sich auf rund der Hälfte der über 200 Seiten mit der Geschichte der Stadt, vor allem mit jener ab 1900. Er zeichnet dabei ein drückendes Bild: eine Stadt, die stets politisch und geografisch eine Außenseiterrolle spielte, zu keinem Land so recht gehörte, deren Bewohner – Österreicher, Slowenen, Italiener, Serben und andere Völker – sich wechselseitig unterdrückten; seit dem 14. Jahrhundert unter immer wieder wechselnder Fremdherrschaft, deren Geschichte die Bewohner nicht erinnern oder nicht erinnern wollen. Schatzdorfer spricht von „einem Land ohne Gedächtnis“. Im zweiten Teil des Buches besucht er „Nebenschauplätze des historischen Dramas im Karst“ wie Duino, den versunkenen See im Karst, Görz u. a. und schließlich „Schau-Plätze“ in Triest selbst: den alten Freihandelshafen, die Altstadt, das Viertel „Stalingrado“, San Saba – den Ort des einzigen KZ auf italienischem Boden –, den Bauch der Stadt, den neuen Hafen, das Fischerdorf Muggia gegenüber des neuen Hafens und immer wieder den Karst, der bis in die Stadt reicht.

Doch in einem Punkt irrt sich Schatzdorfer: Papst Pius II., geboren als Enea Silvio de’ Piccolomini, ist nicht „aus dieser Stadt gebürtig“ (gemeint: Triest), sondern kam 1405 in Corsignano südlich von Siena in der Toskana zur Welt – das später nach ihm Pienza genannt wurde. Wohl aber war er von 1447 bis 1449 Bischof von Triest.

Eine Kurzbiografie der Stadt mit allen wichtigen Daten, die verschiedenen Grenzverläufe in Karten, Übersichten über die Entwicklung der Stadtbevölkerung und -struktur ab 1910, ein umfangreiches Literaturverzeichnis mit interessanten Titeln sowie ein kleiner Führer „Triest entdecken“ ergänzen die eindrucksvollen Bilder.

Das Buch ist – wie der Titel verheißt – ein Portrait einer Stadt, aber kein touristischer Stadtführer. Es enthält sehr interessant geschriebene Geschichten, die ein ganz anderes Bild zeichnen, als es der durchschnittliche Mitteleuropäer von dieser Stadt hat. Und trotz der Schwere mancher Kapitel machen sie Lust auf einen Besuch in Triest, auf das Kennenlernen eines anderen Triest.

Erschienen im Verlag Carinthia, 2. Auflage 2008, ISBN 978-3-85378-639-0


Einfach. Gut. Eine kulinarisch-kulturelle Reise ins Friaul und nach Triest
Einfach. Gut. Eine kulinarisch-kulturelle Reise ins Friaul und nach Triest

Einfach. Gut. Eine kulinarisch-kulturelle Reise ins Friaul und nach Triest

Günther Schatzdorfer, Schriftsteller, und Erwin Steinhauer, Schauspieler – beide Feinschmecker –, berichten von ihren Reisen durch das Friaul und Julisch Venetien, jenen östlichsten Teil der Region um Triest mit dem Karst.

Dieses Buch ist kein Reiseführer, sondern ein Reiseführer für Menschen, die bevorzugen, ohne Reiseführer zu verreisen“, meinen die beiden Autoren in ihrem Vorwort. Und das ist sehr treffend formuliert!

Sie erzählen von karnischen Essgewohnheiten, erklären sehr unterhaltsam und anschaulich das Leben in der Lagune von Grado und das dort lebende, essbare Getier im Wasser. Wie Salame, Wein und das Vereinslokal der Gradeser Blutspender zusammenpassen? Das ist eine besonders unterhaltsame Geschichte! Wahrlich meisterhaft ist die Beschreibung der italienischen „Frühjahrs-Modenschau“ im kleinen Hafen von Duino. Überhaupt spürt man beim Lesen die große und jahrzehntelange Liebe Schatzdorfers zu „seinem“ Karst. Gerade für diesen Teil „Friaul-Julisch Venetiens“, so die offizielle Bezeichnung der Region, nimmt er sich viel Raum im Buch.

Der interessierte Leser erfährt, was eine Osmizza ist, warum manche Meerestiere und Fische nur im Winter auf der Speisekarte stehen, welche große Vergangenheit Triest hat und wie schwer es in dieser Stadt ist, gute Lokale zu finden. Amüsant ist die Beschreibung der „calandraca“, einer Art triestiner Eintopf, den man „nur isst, wenn man lange nichts zu essen bekommen hatte“.

Auch der an den Karst anschließende Collio wird bereist. Schatzdorfer und Steinhauer fahren von Winzerfreund zu Winzerfreund zu einem Tajut, besuchen einen Grafen, der einfache, gute Kost liebt. Es wird keine hausgemachte Salame mehr geben, und der Tocai muss „Collio bianco“ heißen. Warum? Das – und viele andere interessante Reisedetails – erfährt der Leser in diesem wunderbaren Buch für Liebhaber des kulturell-kulinarischen Genussreisens. Daneben bietet Schatzdorfer das eine oder andere Kochrezept.

Es werden Restaurants beschrieben, ohne deren Adresse zu nennen. Und doch wird jeder Interessierte anhand dieses Buches den beschriebenen Ort des „einfachen, guten“ Essens finden. Eine persönliche Anmerkung als Kenner von Friaul-Julisch Venetien: Es scheint, als hätte ich bisher nie schlecht gegessen, denn viele der Lokale kenne ich persönlich – und teile die Ansicht der Autoren!

Erschienen im Verlag Carinthia, 2006, ISBN-10: 3-85378-612-X; ISBN-13: 978-3-85378-612-3


Besser. Einfach. Eine kulinarisch-kulturelle Reise durch die Lagunen nach Venedig
Besser. Einfach. Eine kulinarisch-kulturelle Reise durch die Lagunen nach Venedig

Besser. Einfach. Eine kulinarisch-kulturelle Reise durch die Lagunen nach Venedig

Wolfgang Böck, der TV‑„Kommissar“, und Günther Schatzdorfer, der „Poet“, reisen auf dem „Idrovia Veneta“, einem alten Kanalsystem zwischen Grado und Venedig. Dabei vermitteln sie italienisches Lebensgefühl abseits der touristischen Trampelpfade. Sie besuchen entlegene Wirtshäuser und die Witwe des Chauffeurs von Ernest Hemingway, die sie zu einer „Zuppa coada“, einer „ausgebrüteten Suppe“ mit Tauben, einlädt. Der Leser erfährt den Unterschied zwischen den friulanischen „sardoni in saòr“ und den venezianischen „sarde in saòr“, sowie das Rezept für „La Scogliera“ (das Riff) aus der Trattoria „Torre di Fine“. Amüsant schildern die Autoren, wie sie bei Ebbe mit ihrem Hausboot festsitzen – dessen Suche und Anmietung bereits zu Beginn des Buches für Unterhaltung sorgt.

Was es mit dem „Schauspiel in drei Akten“ auf der Insel Burano vormittags auf sich hat, wie Schatten und „ombra“ zusammengehören, was die Gießerei mit dem Ghetto und mit „gefülltem Fisch“ zu tun hat und warum man auf manchen Inseln der Lagune nur bis 19.30 Uhr Abendessen kann – jede Seite bietet eine neue Entdeckung, zwischendurch ergänzt durch viele Rezepte zum Nachkochen.

Denn natürlich geht es ums Essen und Trinken – und zwischendurch ein Glaserl Wein. So ist das Leben in Italien: Vormittags und nachmittags heißt es „beviamoci un goccetto! – Trinken wir ein Gläschen!“. Und ganz nebenbei erfährt der Leser auch einiges über die unbekannten Inseln der Lagune von Venedig.

Langatmig? Langweilig? Nur für jene, die einen Touristenführer zum schnellen Abhaken erwarten. Für Kenner und Genießer der Region ist es ein Buch zum Schmunzeln – und ein Anlass, sich beim Lesen ein Glas Tocai zu gönnen.

Erschienen im Verlag Carinthia, 2006/2007, ISBN 978-3-85378-616-1


Italia amore mio
Italia amore mio

„Italia amore mio“

Als ich dieses Buch sah und darin zu schmökern begann, war mir schon nach wenigen Minuten klar: Ja, so ist Italien! Genauso erleben wir „Ausländer“ es. Genial und mit viel Witz geschrieben, Bilder aus dem Alltag und doch „typisch Italien“ – einfach ein Buch zum Erleben, zum Italien‑Erleben.

Carla Coulson, wohlhabend, verlässt ihre Heimat Australien, lernt Italien und ihren Mann kennen. Und das Fotografieren. Immer und überall hat sie ihre Leica dabei. Mich fasziniert die Bildauswahl, der Wechsel zwischen Schwarzweiß‑Fotografien, Collagen, seitenfüllenden Aufnahmen und Details. Sie schildert ihre Erlebnisse mit ihrer ersten Zimmervermieterin in Florenz, dem ersten Mittagessen mit der Familie ihres Mannes, den galanten „Bariste“ in den Cafés von Florenz, wie Italiener – Sardinen gleich – ihren Sommer an der Amalfitana genießen, und viele weitere eigentlich alltägliche Momente des Lebens. Und doch ist das Buch äußerst lesens‑ und sehenswert!

Erschienen 2006 bei Collection Rolf Heyne GmbH & Co. KG in München, ISBN 3‑89910‑297‑5, 260 Seiten, mit vielen Farb‑ und Schwarzweiß‑Fotografien


Maria, ihm schmeckt's nicht! Geschichten von meiner italienischen Sippe

Ein herrliches Buch für alle, die die italienische Seele verstehen und lieben! Jan Weiler schildert darin, wie er seine Frau kennenlernt – Tochter eines Italieners, der mit einer Deutschen verheiratet ist –, seine Erlebnisse in der Heimat seines Schwiegervaters, in Campobasso und Termoli, wie ihm dieser sein Leben an Originalschauplätzen erzählt und wie gerne doch die Italiener „ein wenig angeben“.

250 Seiten Lustiges und Unterhaltsames, Ernstes und Historisches – ein Buch, das aus dem Leben der Italiener erzählt. Für mich unverzichtbar!

Erschienen bei Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin, 2004, ISBN 13: 978‑3‑548‑36486‑5 und ISBN 10: 3‑548‑36486‑1


Was finden Sie bloß an Italien?
Was finden Sie bloß an Italien?

„Was finden Sie bloß an Italien?“

Diese Frage wurde einem österreichischen, von der „Italophilie“ befallenen Journalisten ausgerechnet von einem Italiener gestellt.

In seinem Buch schildert er leicht verständlich seine Eindrücke von den verschiedensten Dingen in Italien: vom „Bauwunder Sant’Antimo“ bis zum Modegetränk unserer Tage – dem Prosecco. Oder waren Sie schon einmal in der Toskana eingeschneit? Kennen Sie die Luccheser Villen?

Heinrich G. Neudhart schreibt in diesem im ARTEMEDIA Verlag (Altmünster) erschienenen Buch sehr unterhaltsam über Kleinode in Nord- und Mittelitalien. Es ist ein Buch für Italien‑Kenner und -Genießer – vielleicht sogar mit dem einen oder anderen unbekannten Reisetipp für Sie!