Über die Gaisbergrennen für Automobile und Motorräder von 1929 bis 1969

Als 1929 die damals noch mautpflichtige, erste aus rein touristischen Zwecken angelegte Ausflugsstraße auf den Salzburger Hausberg, den Gaisberg, eröffnet wurde, gab es zwei bedeutende Ereignisse: Die seit 1887 verkehrende Zahnradbahn stellte ihren Betrieb ein – und das erste Gaisbergrennen fand statt. Noch ahnte damals niemand, dass diese Veranstaltung eines der bedeutendsten Bergrennen Europas werden sollte.

Großer Bergpreis von Österreich auf dem Gaisberg 10. Sept. 1961:  Nr. 150 - Sepp Greger Sieger Sportwagen bis 1600 auf Porsche RSK

Als Gaisbergrennen bezeichnete man das Automobil‑ und Motorradrennen, das am Hausberg der Stadt Salzburg, dem Gaisberg, zwischen 1929 und 1969 stattfand: zunächst auf einer Streckenlänge von 11 900 m mit 800 m Höhenunterschied (Rennen 1929–1933, Start in der Stadt Salzburg in Obergnigl), ab 1957 dann auf 8,652 km mit 672 m Höhenunterschied (Start in der Gemeinde Koppl, Ortsteil Guggenthal).

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Die Rennen von 1929 bis 1933
Nach dem Krieg
Großer Bergpreis von Österreich
Rennleiter
Motorradläufe
Das Ende
Interessante Details
Salzburger Teilnehmer
Internationale Teilnehmer

Die Rennen von 1929 bis 1933

Erstes Gaisbergrennen 1929 – der schnellste Mann des Tages: Josef ‚Peppi‘ Walla aus Wien auf Sunbeam.

Am Sonntag, den 8. September 1929, fand auf dem Gaisberg das erste internationale Gaisbergrennen statt. Baron von Preuschen, der in Salzburg‑Aigen am Fuße des Gaisbergs wohnte, war Präsident des Salzburger Automobilclubs, der dieses Rennen veranstaltete. Peppi Walla auf Sunbeam (Motorrad) fuhr mit 8:15,9 min (85 km/h Schnitt) die Tagesbestzeit. Bei den Tourenwagen siegte Manfred von Brauchitsch auf Mercedes mit einem Schnitt von 72 km/h. In der Rennwagenklasse gewann Jiri Prinz Lobkowitz auf Bugatti mit einem Schnitt von 79 km/h; der schnellste Automobilist war Max Graf Arco‑Zinneberg, ebenfalls auf Mercedes, mit 80 km/h.

1930, am 31. August, wurde das Rennen erstmals im Radio übertragen. Die Sprecher waren der spätere Mozarteumsdirektor Prof. Dr. Bernhard Paumgartner und Wolfgang von Karajan (selbst Rennfahrer, u. a. beim Tauernrennen 1925).

Im Organisationskomitee befanden sich zahlreiche Salzburger Persönlichkeiten (Auszug): Neben dem S.A.C.-Präsidenten seine Vizepräsidenten Kommerzialrat Josef Klein, Ing. Edwin Schurich, Philipp Graf Boos‑Waldeck und Rudolf Zrost. Vom S.A.C. selbst waren u. a. vertreten: Hans Gessele, Ludwig Hau, Paul Koppenwallner, Baron Friedrich Mayr‑Melnhof, Dir. Prof. Dr. Bernhard Paumgartner, Kommerzialrat Richard Tomaselli. Im Empfangskomitee u. a. Kommerzialrat Heinrich Kiener I. Im Streckenkomitee u. a. Franz Stengl. Leiter der Rettungsgesellschaft war Obermedizinalrat Dr. Christian Warnschein; einzelne Rettungsstationen wurden u. a. von Primarius Dr. Rudolf von Rauchenbichler und Primarius Dr. Eduard von Hueber geleitet. Der Sicherheitsdienst unterstand Alfons Graf Mels‑Coloredo.

Tom Bullus, der Engländer auf der schnellen NSU, setzte mit 7:59,52 min (89,436 km/h) eine neue Rekordmarke. Der Berliner Joachim von Morgen auf Bugatti blieb mit 7:58,19 min (89,623 km/h) nur knapp darunter.

Auch 1931 trumpfte der Engländer Tom Bullus mit einer neuerlichen Rekordzeit auf: 7:46,61 min – das entspricht einer Schnittgeschwindigkeit von 91,9 km/h. Doch von Brauchitsch brauste mit seinem schweren Mercedes SSK in nur 7:45,36 min

Das Rennen 1932 versank in Nebel und Regen, und nur der große Rudolf Caracciola (Deutschland) auf Alfa Romeo war der einzige Rennfahrer, der bei diesem Rennen eine Zeit unter acht Minuten schaffte (7:57,081 min). Bei den Sportwagen trat die Scuderia Ferrari mit einem Maserati (Fahrer Ippolito Berrone) und einem Alfa Romeo (Fahrer Conte Trossi) an – Enzo Ferrari produzierte damals noch nicht unter eigenem Namen. Trossi war auch der Schnellste in seiner Klasse mit 8:32,7 min (92,62 km/h). Bei den Motorrädern fuhr der Deutsche Toni Bauhofer auf DKW eine Zeit von 8:50,13 min.

1933 fand dann vor dem Zweiten Weltkrieg zum letzten Mal ein Rennen am Gaisberg statt. Es brachte eine neue absolute Bestzeit: Conte Trossi (Italien) auf Alfa Romeo fuhr 7:42,57 min (92,62 km/h). Philipp Graf Boos‑Waldeck erzielte mit 8:04,08 min eine solide Zeit. Der spätere Sportwagenhersteller Carlo Abarth startete – noch als Karl Abarth – in der Motorrad‑Beiwagenklasse. Aufgrund der 1000‑Mark‑Sperre sowie Anordnungen der Nationalsozialisten fehlten deutsche Rennfahrer und Rennwagen am Start. So war auch Rudolf Caracciola nicht vertreten; Italiener hingegen waren nach Salzburg gekommen und dominierten viele Klassen.

Ergebnisse 1933

Gaisbergrennen 1933

Motorräder bis 250 cm³
1. Josef Illichmann, Wien, Rudge, 08:34,32 min = 83,345 km/h – neuer Klassenrekord
2. Karl Bohmann, Wien, BMW‑Special 175 cm³, 09:35,99 min
3. Hugo Roigk, Wien, Rudge‑Special, 09:39,66 min
4. Josef Schmutz, Wien, Excelsior Jap, 09:52,30 min
Ferner u. a. Anton Magnus, Innsbruck, Moto Guzzi
Zehn am Start, acht im Ziel

Motorräder bis 350 cm³
1. Franz Falk, Graz, Velocette, 08:10,44 min = 87,427 km/h – neuer Klassenrekord
2. Helmut Loichtl, Wien, AJS, 08:41,03 min
3. Alfred Koch, Wien, AJS, 09:20,37 min
4. Arnold Lerner, Wien, Messner‑Spezial
Zehn am Start, sechs im Ziel

Motorräder bis 500 cm³
1. Friedrich Cerny, Wien, AJS, 07:50,38 min = 91,148 km/h – neuer Klassenrekord und beste Motorradzeit
2. Michael Gayer, Wien, Indian, 08:01,10 min
3. Philipp Graf Boos‑Waldeck, Rif, AJS, 08:04,08 min
4. Josef Walla, Wien, Rudge, 08:13,10 min
5. Martin Schneeweiß, Wien, Rudge, 08:28,11 min
Acht am Start, sieben im Ziel

Motorräder bis 1 000 cm³
1. Josef Hofmann, Salzburg, Rudge, 08:14,49 min = 86,719 km/h
2. Karl Zach, Liezen, AJS, 08:31,15 min
3. Hermann Deimel, Wien, Norton, 08:50,11 min
Vier am Start, drei im Ziel

Motorräder mit Beiwagen bis 600 cm³
1. Leo Benesch, Wien, Saroléa, 09:19,88 min = 76,637 km/h
2. Karl Abarth, Wien, Sunbeam, 09:32,10 min
3. Hans Schuhmann, Nürnberg (Deutschland), NSU, 09:56,27 min
Fünf am Start, drei im Ziel

Motorräder mit Beiwagen bis 1 000 cm³
1. Hans Medwentisch, Wien, Degen Jap, 11:02,84 min – im Alleingang

Neubeginn 1948

Am 8. August 1948 kam es zur Neuauflage der Gaisberg‑Wertungsfahrten, veranstaltet vom SAMTC.

Die großen Gaisbergrennen, die Anfang der 1930er‑Jahre aufgrund der einsetzenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten eingestellt worden waren, lebten danach in Form von Wertungsfahrten weiter. Bereits 1937 hatte man eine solche Fahrt auf den Gaisberg durchgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war man natürlich noch weit von der Wiederaufnahme großer internationaler Bergrennen entfernt. Daher belebte man zunächst die Wertungsfahrten wieder.

Der schnellste Solo‑Motorradteilnehmer dieses Jahres war Sepp Hofmann auf BMW 500, während der "kommende Mann", Helmut Volzwinkler, auf der Norton 350 cm³ des im Spätherbst 1946 in Wien tödlich verunglückten Pepi Jung mit der zweitschnellsten Zeit aufhorchen ließ.

Tagesschnellster war jedoch der Automobilist Wallmann auf BMW 328, vor Georg Fallenegger, ebenfalls auf BMW 328.

Weitere Gaisberg‑Wertungsfahrten

19. Oktober 1952: Rund 5 000 Zuschauer verfolgten Willi Koch, der mit 6:23,8 min die schnellste Zeit fuhr (vor Richard Felkl mit 6:25,6 min). Helmut Krackowizer gewann auf BSA 350 mit 6:55,8 min seine Klasse vor Helmut Volzwinkler auf Puch SGS in 6:56,6 min. Bei den Beiwagen war Otto Artmaier der Schnellste.

4. Oktober 1953: 138 Teilnehmer auf zwei, drei oder vier Rädern gingen an den Start.

2. Oktober 1954: Mehr als 10 000 Zuschauer sorgten für einen Besucherrekord. Lokalmatador Helmut Volzwinkler startete in zwei Klassen und unterbot bei seinem ersten Start auf einer Matchless 500 G45 mit 5:59,7 min erstmals die Sechs‑Minuten‑Grenze. Mit der Werk‑Puch SGS 250 erzielte er sensationelle 5:49,4 min.

Die siebente Gaisberg‑Wertungsfahrt fand am 2. Oktober 1955 statt: Der bis dahin unbekannte Salzburger Steidl auf BSA 350 fuhr Motorradbestzeit, während bei den Automobilen der Stockerauer Ernst Vogel auf Porsche Spyder mit 5:53,9 min (Schnitt 91,6 km/h) einen neuen Gaisbergrekord erzielte. 10 000 Zuschauer sahen vom Goggomobil bis zum Mercedes 300 SL nahezu alle Automarken.

Zwei Jahre später begann die neue Ära der Gaisbergrennen, die schließlich zur Europa‑Bergmeisterschaft zählten.

Die "Großen Bergpreise von Österreich" 1957 bis 1969

Großer Bergpreis von Österreich 1960: Treffen beim Porschehof in Salzburg – Edgar Barth, Egon Schöpf, Sepp Greger, Herbert Kaes und Helmut Krackowizer

Nach einer Pause von fast 20 Jahren begann am 15. August 1957 wieder internationaler Motorsport am Gaisberg – mit dem ersten Großen Bergpreis von Österreich. Vor 25 000 Zuschauern gewann der Schweizer Peter Daetwyler aus Zürich auf einem 2‑Liter‑Maserati vor dem Borgward‑Werksfahrer Hans Herrmann und Richard von Frankenberg auf Porsche RS. Die Strecke war 8,625 km lang und überwand 672 m Höhenunterschied.

Unspektakulär verlief am 7. September 1969 das letzte Gaisbergrennen vor rund 10 000 Zuschauern. Es kam noch einmal zu einem tödlichen Unfall (Toni Pelizzoni auf Fiat Abarth 2000 P), was einer der Gründe war, weshalb der Berg nie wieder im Renntempo befahren wurde. In diesem Jahr wurde am Wochenende des 21./22. September der Gaisberg zudem offiziell eröffnet.

Unfälle

Es gab drei tödliche Unfälle bei Gaisbergrennen:
1960: Walter Häderle, Deutschland (Automobil)
1968: Alois Hofer, Graz (Motorrad)
1969: Toni Pelizzoni, Meran, Italien (Automobil)
sowie mehrere schwere Unfälle.

Rennleiter zahlreicher Nachkriegsrennen am Gaisberg war Regierungsrat Fritz Stengl, dessen Vater Franz bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Rennleiter bei vielen Veranstaltungen im Land Salzburg gewesen war. Sein Sohn Manfred wurde später ein erfolgreicher Motorradrennfahrer, Rennrodler und Bobfahrer.

Motorradläufe gab es nur bei zehn Veranstaltungen, da das Gaisbergrennen überwiegend ein Automobilrennen war. Hier wurden u. a. auch Läufe zur Berg‑Europameisterschaft durchgeführt. Zwischen 1929 und 1969 fanden insgesamt 18 Gaisbergrennen statt (die Wertungsfahrten der frühen 1950er‑Jahre nicht mitgerechnet), davon zehn mit Motorradklassen (1929–1933, 1960, 1966–1969).

Seit 2003 finden wieder Gleichmäßigkeitsläufe für historische Automobile am Gaisberg statt. Diese werden mit Läufen auf dem Salzburgring sowie einem Stadtrundkurs kombiniert.

Ein paar Details von seinerzeit:

Das Fahrerlager befand sich auf dem Parkplatz bei der alten Guggenthaler Brauerei; auch der Porschehof in der Stadt Salzburg diente als Fahrerlager.

Der Start: Da die Startlinie bereits bergwärts lag, wurde ein Keil hinter Motorrad oder Automobil gesetzt. Der Starter hielt die damals übliche große Stoppuhr in der Hand und zählte die letzten fünf Sekunden mit den Fingern vor den Augen der Fahrer herunter. Bei geschlossenen Automobilen gab es manchmal noch einen "Klaps" aufs Dach, damit der Fahrer den Start nicht verschlief.

Die Kommunikation erfolgte über Feldtelefone. Schon Tage zuvor wurden Kilometer von Kabeln verlegt, und mit der klassischen Kurbeltechnik wurde die Gegenstelle angerufen.

Der Platzsprecher befand sich auf der Zistelalm und erhielt alle Informationen über die genannten Feldtelefone – nicht ganz zeitgleich, aber ausreichend, um die Zuschauer entlang der Strecke zu informieren.

Das Ziel befand sich knapp unterhalb des Gipfelparkplatzes, damit die Fahrzeuge noch eine Auslaufzone hatten. Auf dem Parkplatz selbst mussten die Fahrzeuge bis zum Ende eines jeden Laufes aufgereiht warten – gefahren wurde in zwei Läufen.

Salzburger Teilnehmer

Gaisbergrennen 1930 Prominenz

Im Laufe der Jahre nahmen viele prominente Salzburger an diesem Rennen teil (Auszug):

Motorradfahrer
* Otto Artmaier, BMW‑Händler, mit seiner Frau Sophie als "Schmiermaxe" im Beiwagengespann (mehr siehe Salzburgwiki)
* Philipp Graf Boos‑Waldeck, Hallein‑Rif (mehr siehe Salzburgwiki)
* Peter Frohnwieser, Motorradhändler in Salzburg (mehr siehe Salzburgwiki)
* Hans Gessele
* Otto Heinrich Kaltner
* Egon Hofer, Salzburg
* Rudolf Holzermayr
* Oberamtsrat Ing. Dr. Karl Imhof, Böckstein (mehr siehe Salzburgwiki)
* Dr. H. G. Kalchschmidt
* Willi Koch
* Paul Koppenwallner, Juwelier in Salzburg (mehr siehe Salzburgwiki)
* Helmut Krackowizer
* Ferdinand Kranawetvogl
* Anton "Toni" Magnus, Fahrschulbesitzer in Salzburg (mehr siehe Salzburgwiki)
* Manfred Magnus (mehr siehe Salzburgwiki)
* Horst Miedaner, Salzburg
* Max Reheis, Kinobesitzer in Salzburg (mehr siehe Salzburgwiki)
* Hans Schmirl sen., Puch‑Händler in Salzburg
* Josef Schörg, St. Johann im Pongau
* Manfred Stengl
* Rudi Thalhammer, Neumarkt am Wallersee (mehr siehe Salzburgwiki)
* Helmut Volzwinkler

Automobilfahrer aus dem In‑ und Ausland (Auszug):
* Edgar Barth
* Jean Behra
* Toni Fischhaber
* Richard von Frankenberg
* Sepp Greger (mehr siehe Salzburgwiki)
* Hans Herrmann (mehr siehe Salzburgwiki)
* Gerhard Mitter (mehr siehe Salzburgwiki)
* Herbert Müller
* Wolfgang Seidel
* Dieter Quester
* Rolf Stommelen
* Wolfgang Graf Berghe von Trips (mehr siehe Salzburgwiki)
* Ernst Vogel (mehr siehe Salzburgwiki)

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