Mont Saint Michel – Bonjour France
Bonjour France – über Frankreich

Die Klosterinsel Mont Saint-Michel in der Normandie

Eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Frankreichs

Mit rund 2,5 bis 3 Millionen Besuchern pro Jahr gehört der Mont Saint-Michel zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Frankreichs und ist seit 1979 UNESCO-Welterbe. Die Klosterinsel liegt inmitten einer der stärksten Gezeitenzonen Europas und war über Jahrhunderte nur bei Ebbe erreichbar. Der 1869 angelegte Straßendamm erleichterte zwar die Anreise, führte aber langfristig zur Verlandung der Bucht.

Das große Renaturierungsprojekt der Bucht

Um den Mont Saint-Michel wieder zu einer echten Insel zu machen, startete Frankreich 2005 ein umfassendes Renaturierungsprojekt. Ziel war es, die natürliche Dynamik der Gezeiten wiederherzustellen und die zunehmende Verschlammung zu stoppen. Das Projekt wurde 2015 abgeschlossen und kostete insgesamt rund 184 Millionen Euro, finanziert von Frankreich, der EU und der Region.

Mont Saint-Michel nach Abschluss des Projekts

Ein zentrales Element ist die moderne Stauanlage am Fluss Couesnon, die 2009 in Betrieb ging. Sie hält bei Flut Wasser zurück und spült es bei Ebbe mit hoher Geschwindigkeit in die Bucht, wodurch Sedimente abgetragen werden. Experten gehen davon aus, dass dadurch langfristig rund 80 Prozent der zuvor abgelagerten Sedimente verschwinden.

Seit Abschluss des Projekts wird der Mont Saint-Michel wieder regelmäßig vom Meer umschlossen – an etwa 20 Tagen im Jahr steht der Fuß des Felsens vollständig unter Wasser. Die Bucht hat dadurch ihren ursprünglichen Charakter weitgehend zurückgewonnen.

Die neue Brücke von Dietmar Feichtinger

Neue Brücke am Mont Saint-Michel Der österreichische Architekt Dietmar Feichtinger entwarf die elegante Stelzenbrücke, die seit 2014 den Zugang zur Insel bildet. Sie ersetzt den alten Straßendamm vollständig. Die 760 Meter lange Konstruktion schwebt optisch über dem Wasser und ermöglicht es den Gezeiten, ungehindert unter ihr hindurchzufließen.

Die Brücke besteht aus zwei breiten Fußwegen aus Eichenholz und einer zentralen Fahrspur, die ausschließlich von Shuttlebussen genutzt wird. Durch ihre leichte Kurvenform fügt sie sich harmonisch in die Landschaft ein und bietet einen spektakulären Blick auf die Abtei.

Neue Anfahrts- und Parksituation

Seit 2012 befinden sich alle Pkw- und Busparkplätze rund 2,5 Kilometer vom Mont Saint-Michel entfernt auf dem Festland. Damit verschwand die frühere Blechlawine direkt vor der Insel. Der Parkplatz bildet heute den zentralen Ausgangspunkt für den Besuch, inklusive Informationszentrum, Shops und Serviceeinrichtungen.

Der Pendelverkehr zum Mont Saint-Michel

Neue Brücke und Shuttlebusse am Mont Saint-Michel Vom Parkplatz führt ein rund 750 Meter langer Fußweg zur Abfahrtsstelle der Shuttlebusse. Besucher können zwischen folgenden Transportmitteln wählen:

  • Le Passeur – der kostenlose Shuttlebus, der alle 5–10 Minuten fährt
  • La Maringote – eine Pferdekutsche, die gemütlich über die Brücke fährt
  • Zu Fuß – der schönste Weg, etwa 30 Minuten, mit freiem Blick auf die Insel

Der Fußweg über die Brücke ist besonders beliebt, da sich der Mont Saint-Michel mit jedem Schritt eindrucksvoller präsentiert. Bei Hochwasser kann der Zugang zeitweise überflutet sein – ein spektakuläres Naturerlebnis.

Der Mont Saint-Michel selbst

Der Mont Saint-Michel ist eine felsige Gezeiteninsel an der Mündung des Couesnon, rund einen Kilometer vor der normannischen Küste. Auf dem Gipfel thront die berühmte Benediktinerabtei, deren Ursprünge auf das Jahr 708 zurückgehen. Der Legende nach erschien der Erzengel Michael dem Bischof von Avranches und beauftragte ihn mit dem Bau einer Kirche auf dem Felsen.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Mont zu einem bedeutenden Pilgerziel, einer Festung, einem Kloster und schließlich zu einem der bekanntesten Wahrzeichen Frankreichs. Die engen Gassen, die Wehrmauern, die Abtei und die dramatischen Gezeiten machen den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Der Mont Saint-Michel wird zur Insel

Die Bucht des Mont Saint-Michel ist für ihre außergewöhnlich starken Gezeiten bekannt – die stärksten in ganz Europa. Bei Ebbe zieht sich das Meer bis zu 15 Kilometer zurück, während die Flut mit beeindruckender Geschwindigkeit zurückkehrt. Die Bewohner der Region sagen gern, die Flut komme „wie ein galoppierendes Pferd“. Ganz so dramatisch ist es zwar nicht, doch das Wasser bewegt sich tatsächlich mit rund 6 km/h vorwärts – schnell genug, um ein beeindruckendes Naturschauspiel zu bieten.

Gezeitenkoeffizient und große Tiden

Die Stärke der Gezeiten wird in Frankreich über einen sogenannten Gezeitenkoeffizienten angegeben. Von „grandes marées“, also besonders starken Gezeiten, spricht man ab einem Wert von 90. Dann lässt sich das Spiel von Ebbe und Flut am Mont Saint-Michel besonders gut beobachten. Steigt der Koeffizient über 110, wird der Klosterberg wieder zur echten Insel und ist für etwa eine Stunde vollständig vom Meer umgeben.

Aktuelle Gezeitenzeiten und Koeffizienten veröffentlicht das Fremdenverkehrsamt des Mont Saint-Michel täglich online.

Sicherheit im Watt

Die Bucht ist wunderschön, aber auch tückisch: starke Strömungen, schnell steigendes Wasser und tiefer Schlick können gefährlich werden. Besucher sollten sich daher niemals allein ins Watt begeben, sondern nur mit erfahrenen Wattführern oder auf den ausgewiesenen Wegen unterwegs sein.

Der höchste Tidenhub

Einer der eindrucksvollsten Tidenhübe der jüngeren Vergangenheit wurde am 21. März 2015 gemessen: Die Differenz zwischen Ebbe und Flut betrug damals 14,32 Meter. Der höchste jemals dokumentierte Wert in der Bucht liegt bei rund 14,40 Metern (1999). Solche extremen Gezeiten treten nur wenige Male pro Jahrhundert auf.

Wer lebt heute auf dem Mont Saint-Michel?

Der Mont Saint-Michel hat nur eine sehr kleine ständige Bevölkerung. Heute leben rund 25 bis 30 Menschen dauerhaft auf der Insel, darunter etwa ein Dutzend Mönche und Nonnen der Jerusalemer Gemeinschaft, die seit 2001 die spirituelle Betreuung der Abtei übernommen haben. Dazu kommen einige Bewohner, die in den Restaurants, Geschäften oder Hotels der mittelalterlichen Gassen arbeiten.