Urbino – Palazzo Ducale und Dom, Marken, Italien

Opernhäuser und Theater

Opernglasverkäufer in der Arena di Verona, Veneto
Opernglasverkäufer in der Arena di Verona, Sommer 1977. Foto: Walter Schmid, ETH-Bibliothek Zürich.

… Allgemeines
… kleine Aufstellung Opernhäuser und Theater
… über Freiluftarenen
… über die Festspiele von Verona

Die Oper, die in Italien etwa Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden war, fand zunächst ihr Zuhause in Opernhäusern, die vom Adel errichtet und diesem vorbehalten waren. Theater gab es schon vorher – denken wir an das Teatro Olimpico von Vicenza, das 1580 entstand und als erste Bühne der Welt über ein perspektivisches Bühnenbild verfügte.

Doch mit dem Aufkommen der Oper und der zunehmenden Beliebtheit dieser Kunstform auch unter der Bevölkerung begannen immer mehr Städte, sich Opern- oder Theaterhäuser zu leisten. Und hatte die Stadt nicht genügend Geld, so versuchte man, den Adel für die Errichtungskosten zu gewinnen. Gleiches galt auch auf dem Lande. Die Italiener verstanden es, ihren „Landadel“ so zu motivieren, dass in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein wahrer Opern- und Theaterhausbauboom in den Dörfern entstand. So wundert es nicht, wenn man heute durch die Lande fährt, dass man z. B. in Gradisca d’Isonzo mit gerade einmal 6 500 Einwohnern ein durchaus respektables Theater vorfindet.

In Venedig beispielsweise, wo es gleich mehrere Theater im 17. Jahrhundert gab, buhlten die Impresari dieser Häuser um die feine venezianische Oberschicht, die „nobili“, die mit etwa 3 500 Personen nur einen kleinen Anteil der rund 150 000 Einwohner der Lagunenstadt ausmachten. So füllte das Bürgertum stehend die Parterreräume, während die Patrizier auf den Rängen Platz nahmen – und nicht selten war deren Liebesgeplänkel wichtiger und lauter als die Vorgänge auf der Bühne. Während das gemeine Volk lachte, Kaffee trank und stritt, warf die Gesellschaft in den Logen Tomaten und faule Eier auf das rumorende Volk, nicht selten wurde es auch mit Spucke überhäuft.

Geblieben von jener Zeit sind viele Opern- und Theaterhäuser, die noch heute von jenem Glanz zeugen, mit dem sie einst die Augen von ganz Europa auf sich gezogen hatten. Hier eine kleine Auswahl:

Opernhäuser und Theater

Vielleicht nicht alle...
Mailand – Teatro alla Scala www.teatroallascala.org

Brescia – Il Teatro Grande, Pausenraum
Brescia – Il Teatro Grande, der Pausenraum
Brescia – Il Teatro Grande, www.teatrogrande.it
Bologna – Teatro Comunale www.tcbo.it
Catania – Teatro Massimo Bellini www.teatromassimobellini.it
Florenz – Teatro del Maggio Musicale Fiorentino www.maggiofiorentino.com
Genua – Teatro Carlo Felice operacarlofelicegenova.it
Jesi – Teatro G. B. Pergolesi www.fondazionepergolesispontini.com
Neapel – Teatro San Carlo www.teatrosancarlo.it
Palermo – Teatro Massimo www.teatromassimo.it mit 3 500 Plätzen das größte Opernhaus Italiens
Parma – Teatro Regio www.teatroregioparma.it
Rom – Teatro dell’Opera www.operaroma.it
Turin – Teatro Regio www.teatroregio.torino.it
Triest – Teatro Giuseppe Verdi www.teatroverdi-trieste.com
Venedig – Teatro La Fenice www.teatrolafenice.it
Im Teatro La Fenice in Venedig
Im Teatro La Fenice in Venedig – Foto: Youflavio, Wikimedia Commons
Treviso – Teatro Comunale www.teatrostabileveneto.it

Freiluftarenen:

Große Tradition haben in Italien Aufführungen unter freiem Himmel. Bei uns in Mitteleuropa sind vor allem die Festspiele von Verona bekannt. Doch es gibt weitere bedeutende internationale Festivals. Hier eine kleine Auswahl:

Puccini Festival, Torre del Lago, Toskana
www.puccinifestival.it
Sferisterio, Macerata, Marken
www.sferisterio.it
Festival Taormina Arte, Taormina, Sizilien
www.taormina-arte.com
Arena di Verona, Verona, Venetien
www.arena.it
Festival dei Due Mondi, Spoleto, Umbrien
www.festivaldispoleto.com

Eine Übersicht finden Sie hier im Internet .

Zur Arena di Verona

Als 1913 überall in Italien der hundertste Geburtstag Giuseppe Verdis gefeiert wurde, hatten drei Veroneser eine Idee. Sie glaubten, alle anderen italienischen Städte schlagen zu können, wenn es ihnen gelänge, in der berühmten römischen Arena von Verona Aida aufzuführen – die prunkvollste aller italienischen Opern.

Verona – vor der Arena
Verona – vor der Arena

Diese drei Veroneser waren der bekannte Tenor Giovanni Zenatello, der Komponist Ferruccio Cusinati und der Impresario Ottone Rovato. Doch es gab Bedenken wegen der Akustik: Die Arena war ursprünglich Schauplatz von Gladiatorenspielen, später fanden dort Turniere, Jagden, Stierkämpfe, Windhundrennen, Jahrmärkte, Karnevalsvorstellungen und Sportkämpfe statt – keine idealen Voraussetzungen für Opern. Es blieb nur der Versuch.

Und am 10. August 1913 ging die erste Aufführung in der Arena in Szene.

Noch heute ist eine Aufführung in diesem riesigen elliptischen Krater von 138 × 109 Metern ein besonderes Erlebnis. Wenn der Wind es zulässt, zünden die Besucher kleine Kerzen an, um sich und die Darsteller auf den Abend einzustimmen. Die meisten Einheimischen sitzen auf den unnummerierten Stufenplätzen – dort wird fröhlich getafelt, nicht nur in den Pausen, sondern auch während der Aufführung. Denn die Oper ist in Italien ein Fest in jedem Sinne, und Emotionen gehören dazu!